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9 Min Lesezeit 72 Kommentare

Xiaomi: Der Kleine wird zum Riesen, der sie alle zerquetschen könnte

Es hat nur acht Jahre gedauert, um der viertgrößte Smartphone-Hersteller der Welt zu werden. Aber Xiaomi ist viel mehr als das. Xiaomi hat ein ganzes Universum an elektronischen Geräten und Zubehör unter seinem Markennamen. Das sehr junge chinesische Unternehmen wächst weiter, und zwar sprunghaft. So sehr, dass es es geschafft hat, in Rekordzeit die Großen zu jagen, die seit Jahren im Geschäft sind. Xiaomi liefert und Samsung, Apple, Huawei & Co. zittern! Denn Xiaomi gibt sich nicht mit dem vierten Platz zufrieden.

Ein früher Erfolg

Xiaomi wurde im April 2010 als Hersteller von Smartphones gegründet. Heute und nach dem Börsengang am 9. Juli 2018, ist Xiaomi zu einem Technologiekonzern von enormer Größe herangewachsen. Nicht ohne Grund konnte die mittlerweile viertgrößte Smartphone-Marke weltweit (nach Samsung, Apple und Huawei) laut IDC ein Wachstum des Marktanteils von 87,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnen.

Darüber hinaus hat sich die Marke in dieser Zeit als weltweit größte IoT-Plattform positioniert und mehr als 100 Millionen Smart Devices (ohne Smartphones und Laptops) an ihre Plattform angeschlossen. Heute sind Xiaomi-Produkte in mehr als 70 Ländern und Regionen der Welt vertreten. Nach Angaben von IDC gehört Xiaomi zu den Top 5 von 15 dieser Märkte.

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Xiaomi, ein Neuling in der Android-Welt, der sie erobern will. / © AndroidPIT

Mit Blick auf die Firmenphilosophie und in den Worten eines Firmensprechers:

"Wir sind ein Internetunternehmen, das Smartphones, Smart TVs, Router und andere intelligente Geräte herstellt und vertreibt, die über eine IoT-Plattform verbunden sind. Xiaomi engagiert sich nicht nur für die technologische Innovation seiner Produkte, sondern auch für die Innovation seines Geschäftsmodells. Dies basiert auf dem, was bei Xiaomi als 'Triathlon' bekannt ist:

Hardware (Smartphones, Router, Smart TV, Smartwatches, Smart Home Geräte), neuer Einzelhandel (nicht nur auf Basis von E-Commerce über unsere eigene Plattform und die unserer Partner, sondern auch mit der Eröffnung von eigenen Geschäften und der Präsenz in den Geschäften unserer Partner) und Internet-Services (Xiaomi hat auch eigene Finanzdienstleistungen, Unterhaltung, Cloud usw.)". 

Doch das ist nicht alles ...

Alles, für jeden (und zu einem günstigen Preis)

Das Sprichwort "Zu viel gewollt und nichts richtig gekonnt", scheint nicht für den chinesischen Hersteller zu gelten. Denn Xiaomi baut nicht nur Smartphones, auch wenn diese mit 70 Prozent Umsatzanteil im Juli derzeit die höchste Einnahmequelle des Unternehmens sind. Auch die zahlreichen anderen hergestellten und verkauften Geräte und Zubehörteile bringen einen nicht unerheblichen Gewinn ein.

Von Lautsprechern, Smart-Home-Geräten, Smart TVs, Smartwatches, Tablets, Kopfhörern und Virtual-Reality-Headsets bis hin zu Laptops, Drohnen, Überwachungskameras oder Turnschuhen, elektrischen Zahnbürsten, Computermäusen, Ladegeräten und sogar Stiften und Koffern. Und Ihr lest richtig: Xiaomi hat auch Pantoffeln und Stifte im Angebot. Es hat etwas von einem Basar oder dem kleinen Laden aus der Nachbarschaft, der alles für jeden Geschmack hat und im Fall von Xiaomi vor allem auch den kleinen Geldbeutel.

Das ist eine durchaus seltene Formel für ein Unternehmen, aber Tatsache ist, dass das Konzept aufgeht. Die große Auswahl an verschiedensten Produkten scheint Xiaomi gut zu händeln, ohne das Geschäftsmodell zu verwaschen, und macht das Unternehmen immer stärker.

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Xiaomis kluge Turnschuhe. Ja, genau, Turnschuhe! / © AndroidPIT

Doch zurück zum Thema Preise: Wer bietet heutzutage ein echt gutes Smartphone für 119 Euro an? Ja, Xiaomi mit dem Redmi 6 und 6A. Und klar, sind das Einstiegs-Smartphones. Doch wer nur daran interessiert ist ab und zu ein Foto zu machen (mit der 12-Megapixel-Dualkamera), ansonsten nur per WhatsApp chattet, Anrufe tätigt und im Web surft und sich nicht mehr leisten kann, für den sind diese Geräte genau das Richtige. 

Sie sind ein guter Einstiegspunkt für Teenager, als erstes Smartphone für das eigene Kind oder sogar für einen älteren Menschen, der kein Highend-Monster für 1.000 Euro benötigt. Und genau wie viele andere Produkte, wenn wir uns nur auf Smartphones konzentrieren, decken sie alle Arten von Bedürfnissen ab. Xiaomi dreht an den richtigen Knöpfen.

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Xiaomi Mi Mix 2S: Unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis für ein Spitzenprodukt. / © AndroidPIT

Und bei diesen rund hundert Euro startet auch die Preisliste der Xiaomi-Smartphones. Auf dieser stehen zahlreiche erschwingliche Smartphones für jedes denkbare Budget. Und die Geräte sind nicht nur günstig, sondern auch noch gut.

Bei 150 Euro beginnt bei dem chinesischen Hersteller auch schon die Mittelklasse. Hier gibt es Geräte wie das Xiaomi Mi A2 mit einem Startpreis von 250 Euro, Dual-Kamera (20 + 12 MP) und Snapdragon 660. Spitzenmodelle wie das Mi MIX 2 und MIX 2S gibt es bereits ab 350 bzw. 450 Euro und der Ausstattung von Smartphones anderer großer Marken, die für ein 18:9-Vollbildschirm mit minimalen Kanten, Keramikgehäuse und Snapdragon 845 das Doppelte verlangen würden.

Oben drauf kommt dann jetzt auch noch das Xiaomi Mi 8, ein echtes Flaggschiff, das es problemlos mit "den Großen"  aufnehmen kann und einen Startpreis von 480 Euro hat. Hier muss man keine 800 Euro für ein Highend-Smartphone ausgeben. Wer kann damit mithalten? Xiaomi hat sich mit allen möglichen Zielgruppen auseinandergesetzt und konnte sich an alle möglichen Bedürfnisse anpassen. Xiaomi hat seine Nische bei Verbrauchern gefunden, die nicht mehr so viel ausgeben  wollen - und es funktioniert.

Xiaomi lebt nicht nur vom "Kopieren - naja etwas schon ...

Einer der Schlüssel zum Erfolg des chinesischen Hauses war es zu wissen, wie man die Anziehungskraft der "großen Marken" nimmt, um sie für sich selbst zu nutzen. Xiaomi nimmt das Beste, "kopiert" es und verkauft das deutlich günstiger als die Konkurrenz. Das lässt sich beim besten Willen nicht leugnen. Viele von Xiaomis Smartphones erinnern stark an Apples iPhone. Das gilt auch für das Mi 8, dem neuen Flaggschiff mit einer breiten Notch, einem eleganten und schlanken Gehäuse, dem fast randlosen Display und einer vertikal ausgerichteten Dualkamera in der Ecke der Rückseite.

Ein weiteres Beispiel ist die neue Linie Mi Notebook Air. Und nein, der Name ist nicht das Einzige, was mich an Apple erinnert. Sogar die Marketingstrategie hat einen deutlichen Hauch von Apple. Dazu zählen der Stil der Fotos, die Farben und die minimalistische Präsentation. Und ich frage mich, ahmen die Chinesen die Kalifornier nach, weil sie das Design mögen und wissen, dass es zum Erfolg geführt hat?

Oder will der Hersteller etwas anderes bezwecken und eigentlich nur der Welt zeigen, dass man Produkte genauso gut und schön präsentieren und herstellen, aber dafür deutlich günstiger machen kann? Vielleicht ein bisschen von beidem. Was auch immer es ist, der chinesische Klonangriff läuft.

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Ist es ein iPhone? Nein, es ist das Mi 8. / © AndroidPIT by Irina Efremova

Es beginnt in Spanien

Spanien ist das Land, mit dem Xiaomi begonnen hat, in Europa Fuß zu fassen. Und dabei hätte es nicht besser laufen können. Nach nur sechs Monaten belegt Xiaomi hier den dritten Platz im Smartphone-Markt, überholt Apple (der "Schüler" schlägt den "Meister") und reiht sich ein hinter Samsung und Huawei (ein weiterer chinesischer Hersteller, der den Südkoreanern die Spitzenposition auf der Halbinsel zu stehlen droht, aber das ist eine andere Geschichte).

Schon verrückt: Smartphones, die aussehen wie iPhones, aber zu einem bessern Preis zu haben sind, haben es geschafft, Cupertino vom Podium zu stoßen. Seit der Eröffnung der ersten Filiale im November 2017 in Madrid hat Xiaomi insgesamt 9 Filialen (6 in der Hauptstadt und eine in Barcelona, Zaragoza und Granada) hochgezogen und plant, bis zum Jahresende mindestens 12 weitere Mi Stores in ganz Spanien zu errichten. Ein beachtlicher Werdegang.

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Fernseher und sogar ein Roller stehen im Mi Store in Barcelona, der während des MWC eingeweiht wurde. / © AndroidPIT

Xiaomi und die Eroberung des Westens

Und von Spanien aus will Xiaomi natürlich auch weitere europäische Märkte betreten, das aber deutlich zaghafter. Das Unternehmen hat bereits ein Geschäft in Italien und ein weiteres in Frankreich. Länder mit ähnlichen Konsumgewohnheiten und ähnlicher Kaufkraft.  Aber was ist mit dem Rest Europas?

Xiaomi sagt dazu im Moment noch nichts Genaues, aber gibt an, dass die Marke sich für weitere europäische Märkte öffnen will. Wird uns der Hersteller noch bis Ende dieses Jahres überraschen? In Europa ist Xiaomi bereits auf dem Weg zu einer starken Smartphone-Marke. Doch was wird passieren, wenn der Hersteller Geschäfte in anderen Ländern eröffnet?

Hier müssen sich Samsung & Co. warm anziehen. Außerdem sind wir gespannt, wann Xiaomi in den Vereinigten Staaten landen wird, wo anscheinend bereits mit einigen Unternehmen verhandelt wird, um die Produkte dort zu vermarkten.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Obwohl die Daten für sich selbst sprechen, hatte das Unternehmen auch Verluste (die sie nicht verbergen) zu verzeichnen. Im Jahr 2017 verzeichnete Xiaomi einen Verlust von rund 43,9 Milliarden Yuan (5,8 Milliarden Euro), obwohl der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 63,5 Prozent gestiegen ist und das Betriebsergebnis 1,6 Milliarden Euro betrug.

Ein weiterer negativer Aspekt betrifft den Kundenservice oder wird zumindest auf mehreren Websites berichtet. Viele Nutzer beklagen, dass der Service zu wünschen übrig lässt und dass es manchmal nicht möglich ist, jemanden zu finden, der Ihre Sprache spricht. Darüber hinaus sind die Geräte, wenn man sie im Internet kauft, mit endlosen Anleitungen in chinesischer Sprache ausgestattet.

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Schlechter Support und chinesische Anleitungen: Die Kehrseite der günstigen China-Smartphones. / © AndroidPIT

Das größte Problem für den chinesischen Hersteller ist jedoch zweifellos die europäische Zertifizierung seiner Produkte. Denn die Erfüllung der Anforderungen des alten Kontinents hat nichts mit den Verhältnissen im Osten des Planeten zu tun. Damit ist das Angebot von Xiaomi nicht so groß, wie es in Europa sein könnte.

Und was jetzt?

In einem Jahr, in dem der Marktführer Samsung mit seinen Smartphones nicht die erwarteten Umsätze, wie zum Beispiel beim Galaxy S9 und S9 Plus, erzielt hat, in dem Apple mit seinem iPhone X und Huawei mit seinem P20 Pro und seinen drei Kameras ihren positiven Trend fortsetzen, aber den Markt revolutioniert haben, hat Xiaomi seinen Platz, um weiter zu wachsen. Insbesondere wenn sich das Unternehmen entscheidet, den nächsten großen europäischen Sprung zu machen und seine Präsenz in weiteren Ländern zu erhöhen.

Und als ob das noch nicht genug ist, bietet Xiaomi ein Dach für andere Marken. Wir waren alle überrascht von der Nachricht vom POCO von Xiaomi. Das Ziel? Mit dem Pocophone F1 ein weiteres Smartphone mit neuem Namen zu schaffen, dass mit "echter Geschwindigkeit" beworben wird und sich wieder vom aktuellen Trend der hohen Preise von bis zu 1.000 Euro wegbewegt. Eine eindeutige Absichtserklärung.

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Xiaomi nimmt es auch mit OnePlus und Honor auf. / © AndroidPIT by Irina Efremova

Jetzt entscheiden sie sich auch für Marken mit dem gleichen Prinzip wie OnePlus und Honor, ob sie gegen Xiaomi bestehen können oder nicht. 

Was sagt Ihr zu Xiaomis Strategie und Eintritt in den europäischen Markt? Benutzt Ihr vielleicht auch selber ein Xiaomi-Smartphone?

Top-Kommentare der Community

  • Tenten vor 1 Monat

    "Der Kleine wird zum Riesen, der sie alle zerquetschen könnte"

    Ihr solltet was eure sprachlichen Bilder angeht mal langsam etwas Erwachsener werden. Die Überschrift ist nicht nur maßlos übertrieben, sondern auch total albern und auf Schulhofniveau. Wollt ihr nur noch 14-jährige ansprechen?

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