Mein Aufreger: Für 2000€ arbeiten "lohnt nicht" sagt Steuerberater...

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  • Forum-Beiträge: 679

06.12.2010, 22:19:00 via Website

Traurig, traurig...
Ich bin Selbständig und mein Steuerberater meinte fuer 2000 € arbeiten lohnt sich nicht...
Die Rechnung: 2000€ minus Mehrwertsteuer= 1600€
Davon minus Krankenkasse, Renten u Arbeitslosenversicherung bleiben ca 1100€, minus PC, TV Gerät und Handy fuer GEZ Gebühren ( bei selbstaendigen muss JEDES einzelne Gerät gemeldet werden ) bleiben ca 1050€ minus GEMA Gebühren macht ca 1000 Euro uebrig wobei die 50 Euro fiktiv sind. Keine Ahnung wie teuer in echt. Minus Steuerberater bleiben 900€, minus Miete plus Nebenkosten fuer Arbeitsraum und Arbeitsmaterial bleiben 400Euro, minus Telefon fuer Arbeit und Internetanschluss bleiben 300 Euro. Minus Betriebshaftpflicht und Berufsgenossenschaft macht 200 Euro uebrig. Davon ziehe ich jetzt die privaten Kosten wie Auto und Miete ab und dann bin ich bei ca. minus 200 Euro.
Das ganze muss ich dann natuerlich noch "versteuern" und mein Krankenkassenbeitrag ist auch schon verdammt niedrig...(leicht ironisch mit dem Versteuern)

Ist das nicht eine Schande, da heisst es dann von 2000 Euro kann ich nicht leben und da solle ich lieber nichts tun. Die 2000 Euro die ich aber mit Leichtigkeit verdienen koennte sind futsch weil es sich ja nicht lohnt...
Schade schade....
Gott sei dank ist das Rechenbeispiel von vor 4 Jahren als ich gerade neu Selbständig war. Ich habe meinen Steuerberater neulich gefragt: Es muss doch moeglich sein mit 2000 Euro irgendwie zu leben ohne Verluste einzufahren, ob er das damals ernst gemeint hat mit der Aussage: Von 2000 Euro koennen Sie nicht leben. Er sagte, ja, das war ernst. Keine Vergünstigungen ect, so dass sich die 2000Euro lohnen wuerden. Er sagte wenn ich selbstaendig ueberleben mochte brauche ich 3000, besser 4000 Euro im Monat. Alles andere waere "rausgeworfenes" Geld.

Wie leben bloss die Entwickler von 2,99 Euro pro Spiel??? Die muessen ja massig verkaufen... Ist das nicht alles traurig??
Es heisst also lieber Arbeitslos als Selbständig wenn ich "nur" 2000 Euro Umsatz habe. Und fuer das Arbeitslosengeld muessen dann andere aufkommen und das ist besser??? Gute Nacht Deutschland oder was meint ihr??
lg Caro

Lg C.

Maximilian R.

  • Forum-Beiträge: 2.163

06.12.2010, 22:27:40 via Website

Hallo,

wenn das Rechenbeispiel so stimmt ist es schon recht traurig.

Zur Frage wie Entwickler von den Einkünften "leben" können denke ich: garnicht.
Meiner Einschätzung nach sind roundabout 90% aller Apps von Privat und ohne
wirklich kommerziellen Hintergrund. Somit sind die vermeintlichen Verkäufe
nurnoch ein kleines "Taschengeld" für nebenbei.

Andersherum gibt es komplette Firmen, die durch Werbung etc ihr Leben finanzieren
können und auch mehr als eine App im Market haben - somit auch mehr käufe.
Wobei ich auch bei ihnen nicht glaube, dass sie nur von Apps leben, sondern
noch irgendetwas größeres nebenher laufen haben.

Uninteressant wäre das Thema aber nicht ... vielleicht mag ja einer unserer Blogger
mal ein Interview mit einem "großen" Entwickler machen um auch deren Sichtweisen
zu hören ...

Gruß,
Kay

  • Forum-Beiträge: 679

07.12.2010, 08:25:42 via App

"Privat" eingestellte Apps gibt es eigentlich nicht. Sobald es Geld gibt müsste man, theoretisch, ein Nebengewerbe anmelden. Und dann geht das rechnen wieder los wenn man den alles "richtig" machen möchte.
Ich ärger mich über solche Rechenbeispiele. Ich finde bis 1500 Euro sollten Ausnahmeregelungen gelten sonst lohnt es doch gar nicht!!

Lg C.

Gelöschter Account
  • Admin
  • Forum-Beiträge: 3.718

07.12.2010, 12:21:00 via Website

Hallo Caro,

danke für deinen Bericht!
Aber es ist nun mal so, wenn du im Monat 1000 Euro verdienen willst - brauchst du nun mal das vierfache an Umsatz!
Alles andere ist Unrentabel - da gebe ich deinen Steuerberater vollkommen recht.
So nebenbei bei einem Umsatz von 2000 Euro braucht man keinen Steuerberater, da macht man sich die Buchhaltung selbst.
Als ich mich vor 9 oder 10 Jahren selbstständig gemacht habe - habe ich mich von einigen mir bekannten Geschäftsmännern beraten lassen
Es war nur eine einfache Milchmann Rechnung, die wir dazu brauchten -keinen Steuerberater.
Anscheinend stimmte aber die Rechnung, denn ich bin heute noch Selbstständig und habe es nie bereut.
Du hast schon recht, es ist einen Schande - wenn man solche Aussagen hört....
Aber wenn du dir das ganze durch den Kopf gehen lässt, dann stimmt die Aussage. Oder?
Noch kurz zu den Hobbyentwicklern,
die sind großteils als Kleinstunternehmer angemeldet, und werden darauf acht geben, dass sie einen gewissen Umsatz nicht übersteigen
sollte es mal darüber gehen, kann man ja die App kurzfristig aus dem Market nehmen.
Dadurch spart man die Steuer und ist trotzdem am legalen Weg.
Auch die Versicherung sieht bei Kleinstunternehmen etwas günstiger aus - zumindest im Ösiland.

Das war meine Ansicht zum Stand der Dinge - andere sehen es wieder anders. :grin:

Viel Grüße Manfred

  • Forum-Beiträge: 2.644

07.12.2010, 12:32:48 via Website

naja ich würde mal sagen, das ist je nach fachbereich etwas unterschiedlich.

ich bin reiner softwareentwickler und habe im prinzip keine ausgaben. jeder hat einen pc - die software ist weitestgehend gratis.

also keine ausgaben.

hab eine versicherung abgeschlossen 100 euro im jahr. irgendwo hab ich einen server + domain - 100 - 150 euro im jahr.

von daher bleiben mir meine einnahmen - steuer halt am ende des jahres, aber darum kommt nach rum.

dafür kann ich aber auch ohne steuer einkaufen ;)

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  • Forum-Beiträge: 679

07.12.2010, 12:54:01 via App

@ Manfred: Machst du die Jahresabschlussrechnung Einnahme Überschuss Rechnung auch selbst und auch das Abführen der Mehrwertsteuer?

@ Markus: Auch als Kleinunternehmer benoetigst du doch Kranken, Renten uä Versicherung. Aber ok, dass deckt dann der Hauptberuf ab. Mehrwertsteuer fallen da auch nicht an dann lohnt sich die Selbständige Tätigkeit bis zu einer bestimmten Summe. Vielleicht 400 oder 600 Euro brutto pro Monat. Klar, das ist ok.
Aber man könnte weit mehr Einnahmen haben und das lohnt sich dann nicht mehr wegen der Abgaben.
Ist doch schade ums Geld und die Staatseinnahmen werden so auch gehemmt... :-(

Wie oft hattet ihr innerhalb von 5-10 Jahren eine Betriebsprüfung und eine Steuerprüfung?

lg Caro

Lg C.

  • Forum-Beiträge: 2.644

07.12.2010, 13:06:07 via Website

ja stimmt - krankenversicherung - das kommt bei mir erst im kommenden jahr


betriebsprüfung noch keine - meine firma gibt es erst seit einem jahr.

meine buchhaltung macht eine buchhalterin - die kostet noch so ein paar hundert im jahr

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  • Forum-Beiträge: 679

08.12.2010, 19:52:54 via App

Kannst du auch ohne Steuer ganz normale Sachen einkaufen die du nicht verkaufst zB Nahrungsmittel? Also ich meine du kannst das bestimmt aber bei ner Betriebspruefung faellt das unter privat und du darfst nachzahlen. Oder?

Lg C.

  • Forum-Beiträge: 3.296

10.12.2010, 08:34:02 via Website

So ganz kann ich dem leider nicht zustimmen. Also ich habe von 2000,00 EUR selbständig eigentlich ganz gut gelebt. Mein kleiner Vorteil war, dass bei mir die Umsatzsteuer nur 7% betrug. Außerdem habe ich mir die Arbeitslosen- und Rentenversicherung gespart. Und natürlich den Steuerberater. Soviel sollte man sich selbst beibringen / anlesen können, dass man seine Steuererklärung auch selbst machen kann. Zumindest solange man nur soviel hat, dass es ohne größeres Wissen (kann ich das jetzt eigentlich absetzen?) eine Nullrechnung gibt. Selbst mit höherem Steuersatz gerechnet (und da hingt Deine Rechnung, weil Umsatz ist nicht gleich Gewinn) bleiben so 500,00 EUR mehr. Da bleibt selbst bei Deiner Rechnung noch was übrig....

In der Politik und beim Wein merkt man oft erst hinterher, welche Flaschen man gewählt hat.

  • Forum-Beiträge: 2.644

10.12.2010, 09:17:10 via Website

Carolinhoefener
Kannst du auch ohne Steuer ganz normale Sachen einkaufen die du nicht verkaufst zB Nahrungsmittel? Also ich meine du kannst das bestimmt aber bei ner Betriebspruefung faellt das unter privat und du darfst nachzahlen. Oder?

natürlich geht das mit nahrungsmittel eher nicht, weil diese ja zum privaten gebrauch sind. aber pcs, smartphones und alles weitere kann man so günstiger kaufen.

swordiApps Blog - Website

  • Forum-Beiträge: 679

10.12.2010, 19:53:54 via App

Christian: Wie geht das, das ich Rentenversicherung sparen kann? Ich bin leider pflichtversichert, Befreiung bekomme ich nicht. Ich muesste spaetestens bei einer Betriebs bzw Rentenpruefung alle Beitraege nachzahlen. Oder wie hast du das gemacht mit der Befreiung?
Sreuerberater habe ich mir wegen der Mehrwertsteuerpflicht und Betriebsabschluss geholt weil ich da wenig Ahnung von habe.
lg Caro

— geändert am 10.12.2010, 19:55:14

Lg C.

  • Forum-Beiträge: 3.296

10.12.2010, 22:56:05 via Website

Carolinhoefener
Christian: Wie geht das, das ich Rentenversicherung sparen kann? Ich bin leider pflichtversichert, Befreiung bekomme ich nicht. Ich muesste spaetestens bei einer Betriebs bzw Rentenpruefung alle Beitraege nachzahlen. Oder wie hast du das gemacht mit der Befreiung?
Sreuerberater habe ich mir wegen der Mehrwertsteuerpflicht und Betriebsabschluss geholt weil ich da wenig Ahnung von habe.
lg Caro

Na ja, die 7 oder 19% Umsatzsteuer kann man ja mit dem Taschenrechner gerade noch selbst ausrechnen. Pflichtversichert in der Rentenversicherung sind die folgenden Personengruppen:

* Lehrer und Erzieher,
* Pflegepersonen in der Kranken-, Wochen, Säuglings- oder Kinderpflege,
* Hebammen und Entbindungshelfer,
* Seelotsen,
* Künstler und Publizisten nach näherer Bestimmung des Künstlersozialgesetzes,
* Hausgewerbetreibende,
* Küstenschiffer und Küstenfischer,
* Gewerbetreibende, die in die Handwerksrolle eingetragen sind,
* Personen, die auf Dauer und im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig sind und im Zusammenhang mit ihrer selbständigen Tätigkeit keine sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen,
* Personen, die einen Existenzgründungszuschuss (Arbeitsförderung) erhalten.

Wenn Du nicht zu einer dieser Gruppen gehörst, kannst Du Dich freiwillig rentenversichern, mußt aber nicht....

In der Politik und beim Wein merkt man oft erst hinterher, welche Flaschen man gewählt hat.

  • Forum-Beiträge: 679

11.12.2010, 09:44:24 via App

Leider bin ich ja Pflichtversichert.Darum hohe Abgaben.....Grummel...

Lg C.

  • Forum-Beiträge: 86

11.12.2010, 10:09:51 via Website

Hi

also ich war nun ja auch einige Jahre selbstständig - auch im IT-Bereich als freier Softwareentwickler. Von 2000 Euro Einnahmen kann man definitiv nicht gut leben - das lohnt sich auf keinen Fall.

Die privaten Ausgaben übersteigen einfach das Geld was Dir nach den Steuern übrig bleibt (zumindest bei mir war es so). Du kannst zwar ein wenig "tricksen" mit Fahrtenbuch für den PKW, Büro in der Wohnung etc. aber dennoch ist das ned gerade das Gelbe vom Ei. Ich sag mal unter 5000 - 6000 Einnahmen im Monat macht das schichtweg keinen Spass. Ich hatte nun "Glück" und war als freier Entwickler bei Firmen als externer Berater eingesetzt und hatte mti den Zahlen meist kein Problem, in Monaten in welchen kein Auftrag da war war es dann aber doch arg eng und man musste von Rücklagen leben.

Hör lieber auf mit dem "Tricksen" und hör auf den Steuerberater. Bei ner Prüfung sind die Jungs ned Zimperlich ...

Zu der Frage wie Entwickler von den Umsätzen im Market leben können:
Ich glaub gar nicht ;)
Das ist ein "Nebenverdienst", ich bin auch heute noch Selbstständig (im Nebengewerbe) und die Apps bessern einfach die zahlen ein wenig auf: Allerdings geht über den Market ned wirklich soooo viel - ausser man hat eben die Mega-App, nach der sucht aber wohl jeder.
Die Idee von Android-Apps leben zu können würde ich wohl eher verwerfen ;)

Gruß Thomas

  • Forum-Beiträge: 679

17.12.2010, 21:50:28 via App

Danke für dein/ euer Feedback! Ich wünsche euch allen ein schönes Weihnachtsfest!!lg Caro

Lg C.

  • Forum-Beiträge: 3.112

18.12.2010, 09:38:58 via Website

Google hat glaub ich mal behauptet, dass man mit Werbung mehr verdient als wenn man für die Apps einen Fixpreis verlangt und nannte hier Angry Birds als Beispiel (die machen angeblich mit der Android-Version 1 Millionen Dollar pro Monat).

Das wird sicherlich an der Art der App liegen, aber hat damit jemand schon mal Erfahrungen gesammelt?

— geändert am 18.12.2010, 09:39:23

  • Forum-Beiträge: 2.644

18.12.2010, 11:31:05 via Website

Andy N.
Google hat glaub ich mal behauptet, dass man mit Werbung mehr verdient als wenn man für die Apps einen Fixpreis verlangt und nannte hier Angry Birds als Beispiel (die machen angeblich mit der Android-Version 1 Millionen Dollar pro Monat).

Das wird sicherlich an der Art der App liegen, aber hat damit jemand schon mal Erfahrungen gesammelt?

dann sollte google mal wieder anständig auszahlen - wie es früher war.

aber ich sag mal:

eine schlechte app hat wenig downloads -> wenig werbung -> wenig geld -> pro version davon wird sich nicht oft verkaufen.
eine gute app hat viele downloads -> viel werbung -> viel geld -> pro version davon wir sich öfters verkaufen.

also im endeffekt hängt alles von der qualität der app ab.

swordiApps Blog - Website

  • Forum-Beiträge: 3.112

18.12.2010, 21:28:43 via App

Natürlich hängt das von der Qualität ab, aber Angry Birds hat sich 6M mal "verkauft", sagen wir mal jemand schafft 60k Download, dann waren es immer noch 10k Euro/Monat. Damit können 2 Entwickler auskommen.

Aber ich denke eine App mit Werbung wird vor allem davon abhängig sein, wie oft sie im Monat geöffnet wird. Eine App die nur im Hintergrund läuft kann man nicht durch Werbung finanzieren, einen RSS Reader, den man täglich startet dagegen sehr gut.

  • Forum-Beiträge: 2.644

18.12.2010, 21:38:19 via App

deine rechnung mit den 60k ist zu einfach. eine kleine app hat wenger medienpräsenz und somit wird sie auch weniger genutzt. da spielen viele faktoren mit

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  • Forum-Beiträge: 1

25.02.2017, 21:39:57 via Website

Entweder arbeitest du weiter als selbstandiger Entwickler, oder du verbreitest deine Grenzen un machst outsourcing mit internationale Landern

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