
Die Software Carrier IQ hat in den letzten Tagen ziemlich von sich Reden gemacht. Laut Webseite des Unternehmens Carrier IQ, das übrigens in Mountain View angesiedelt ist, gibt es weltweit runf 141 Millionen Telefone mit dieser Software. Das Programm ist eine Analysesoftware, die laut Homepage Daten sammeln und dann an die Carrier IQ-Server übertragen soll, um dann darüber Aufschluss zu geben wie effektiv das Mobilfunknetzwerk funktioniert, oder beispielsweise welche Apps am meisten Strom fressen. Problematisch ist dabei, dass durchaus auch das Nutzerverhalten sensibler Aktionen, wie SMS-Versand o. ä., ausgelesen und an die Server übermittelt wird.
Es gab bereits mehrere Unternehmen, die nach dem Hochkochen des "Skandals" klar Stellung bezogen haben. Vodafone, o2, Verizon, E-Plus und die Telekom auf Netzanbieter- und RIM, Nokia und HTC auf Hardware-Seite haben bereits klar gemacht, dass die Software bei ihnen nicht zum Einsatz kommt. Bei Samsung Carrier IQ offenbar zum Einsatz (Anmerkung: Beim Galaxy Nexus allerdings nicht). Wir haben gestern dieses offizielle Statement bekommen:
Als verantwortungsvoller Hersteller nehmen wir die Anliegen unserer Kunden ernst, und auch was die Einhaltung der gesetzlichen und datenschutzrechtlichen Vorgaben angeht. Wir prüfen derzeit sorgfältig den Sachverhalt. Nach erfolgter Prüfung werden wir umgehend unsere Kunden entsprechend informieren. Wir bitten um Verständnis und ein wenig Geduld.
Carrier IQ versucht sich bemüht sich indes um Schadensbegrenzung, nachdem das Unternehmen voreilig den Entdecker der Schnüffelsoftware abgemahnt, dann die Abmahnung wieder zurückgezogen hat. So versucht man in einer Stellungnahme klar zu machen, wie das Programm funktioniert und welche Daten in etwa gesammelt werden.
Ich persönlich glaube tatsächlich, dass Carrier IQ nicht als Spionagesoftware ausgelegt ist. Es macht ja durchaus Sinn für Hersteller und Mobilfunkbetreiber herauszufinden, wie Telefon und Netzwerk funktionieren, um anhand der gewonnenen Daten beides - System und Hardware - stetig zu verbessern. Problematisch empfinde ich dabei, dass man das Einverständnis der Kunden und Nutzer als Selbstverständlichkeit hinnimmt und diese Daten einfach erhebt. Klar kann man jetzt Erklärungen eilig vorschieben, die dann wieder Gras über die Sache wachsen lassen sollen. Es würde aber doch deutlich mehr Vertrauen schaffen, wenn man als Kunde selbständig entscheiden könnte, ob man dieser Auswertung zustimmt - oder eben nicht.
Man darf von daher durchaus gespannt sein, zu welchem Schluss Samsung nach der Prüfung kommen wird.

Fabien Roehlinger
Übrigens, das Bild oben in der Headline habe ich gerade vorhin von der Carrier IQ Seite genommen. "We give Wireless Carriers and Handset Manufacturers unprecedented insight to their customers" sagt eigentlich recht viel aus, oder?