
Also nun doch! Google bringt ein neues Nexus, obwohl es seitens Google vor einiger Zeit noch geheißen hatte, dass man keinen Nachfolger für das „Nexus One“ bringen wolle. Eric Schmidt sagte während seiner Keynote auf dem „Web 2.0 Summits“ in San Francisco, dass er dieses Versprechen auch halten wolle. Mit einem kleinen Augenzwinkern betonte Schmidt, dass er sich schließlich nie zu einem anderen Namen geäußert habe.
Mit anderen Worten: es wird natürlich einen Nachfolger geben. Dabei hatte Google gute Gründe gehabt kein weiteres eigenes Phone mehr auf den Markt zu bringen. Da war zum Einen der gescheiterte Vertriebsweg des Nexus One. Zum Anderen aber auch – und das dürfte überwiegen – die Verärgerung einiger Android-Partnerunternehmen! Es dürften einige Hersteller ganz schön gezittert haben, als Google damals das „Nexus One“ angekündigte.
Google ging es mit dem „Nexus One“ laut eigener Aussage darum Hersteller zu besserer Hardware zu bewegen. Die Überlegung Google’s war wohl, dass man ein echtes „Benchmark“ setzt – und sich dann alle anderen auch daran orientieren würden. Und irgendwie hat das ja auch sicherlich geklappt.
Nur: warum bringt Google jetzt nun doch das Nachfolgermodell des Nexus One? Ist die Hardware bei Android immer noch zu schlecht, um gegen Apple konkurrieren zu können? Will Google den Markt doch aufrollen? Ich habe hierzu eine ganze eigene Theorie. Ich vermute, dass Google’s Vorstoß etwas mit der sogenannten „Near Field“-Technologie zu tun haben könnte.
Was ist „Near Field Communication“ (NFC)?
Mit der Near Field Communication können Daten über sehr kurze Strecken ausgetauscht werden. Dieses Verfahren gilt als extrem sicher wenn es um den Austausch sensibler Daten, wie Kontoinformationen, persönliche Daten, Zugangsberechtigungen, usw. geht. Damit NFC funktioniert, müssen die beiden Geräte sich tatsächlich berühren, oder zumindest sehr nah aneinander liegen. Ein „Einschreiten“ eines dritten Gerätes von außen kann ausgeschlossen werden.
NFC ist eine „Disruptive Technology“
Aus meiner Sicht hat NFC das Zeug dazu (mal wieder) alles auf den Kopf zu stellen. Von einer „Disruptive Technology“, also einer zerstörerischen Technologie, kann man dann sprechen, wenn die Technologie bestimmte Wirtschaftszweige nachhaltig verändert, oder gar zerstört. Smartphones waren in gewisser Weise disruptive. Denkt dabei nur an die Navigationssysteme. Smartphones und Google Maps haben sicherlich nicht gerade dazu beigetragen, dass es dieser Industrie besser geht. Heute kann quasi jeder Smartphone-Besitzer ohne große Mehrkosten sein Telefon zu einem Navigationssystem umrüsten. Die Folge ist ein regelrechter Preisverfall in der Branche. Werden bestehende Wertschöpfungsketten durch neue Technologien nachhaltig verändert, kann man davon ausgehen, dass diese Technologien „disruptive“ sind.
NFC wird bestehende Wertschöpfungsketten nachhaltig verändern. Das ist zumindest meine Meinung. Nehmen wir nur das Beispiel „Bezahlung“. Müssen wir heute noch an der Kinokasse bezahlen und erhalten hierfür ein Papierticket, könnte das Ticket zukünftig direkt auf das Handy „over the air“ geladen werden. Oder auch das Ticket für das nächste Konzert. Selbstverständlich kann man dann auch via Telefon direkt die Einkäufe bezahlen.
Was hat Google davon?
Eric Schmidt rief letztes Jahr Google’s neue Strategie „Mobile First“ aus. Schmidt ist überzeugt: Mobilität wird zukünftig alles bestimmen. Der Erfolg gibt ihm Recht. Mit Android konnte Google bereits 1 Milliarde US-Dollar umsetzen. Mobiltelefone werden immer mehr zum persönlichsten und wichtigsten Gegenstand den wir besitzen. Darin befindet sich alles: Bilder, Videos, alle Adressen, geschäftliche Dokumente... Und bald auch Dinge, wie e-Tickets, Zugangskontrollen, etc. Google war schon immer gut darin „disruptive“ zu sein. Ob es nun Android war, das Apple, RIM und Nokia angreift. Oder Google Maps, das Hersteller von Navigationssystemen vor echte Herausforderungen stellt. Oder aber auch Google Docs, das ein Frontalangriff auf Microsoft war und ist. Google nimmt sich Wertschöpfungsketten vor und vereinfacht diese, um dann später in diesen Wertschöpfungsketten Werbung platzieren zu können.
NFC kann für Google von erheblichem Interesse sein! Denkt nur mal an das Beispiel „Kinotickets“: Sieht man eine Kinowerbung auf YouTube könnte man sofort ein Ticket kaufen, das man dann auf sein Telefon erhält. Google kann für Werbung und erfolgreichen Ticket-Verkauf Geld vom Filmverleih oder dem Kino kassieren. Oder vom Konzertveranstalter. Oder vom Fussball-Club.
Das ist nur ein Beispiel von zig Möglichkeiten in denen NFC einen echten Mehrwert für den Kunden UND für Google schafft.
Alles wäre so schön, wenn da nicht...
...die notwendige Infrastruktur wäre. Diese stellt nämlich in gewisser Weise ein „Henne-Ei“-Problem dar. Ohne Telefone mit NFC-Chips, kann natürlich auch niemand solche Tickets kaufen. Und ohne die Nachfrage der Kunden kommt auch kein Kino auf die Idee sich NFC-Terminals anzuschaffen. Ein Teufelskreis also!
Ich behaupte, Google möchte diesen Teufelskreis durchstoßen und schon mal dafür sorgen, dass NFC ein Standard werden könnte und um so gleichzeitig Anreize zu schaffen, NFC-Inhalte zu produzieren. Es macht sehr viel Sinn den Stier bei den Hörnern zu packen und für Verbreitung von NFC-Geräten „beim Volk“ zu sorgen. So sollte sich der Dienst sehr viel schneller durchsetzen können.
Und übrigens: Apple plant wohl das nächste iPhone auch mit NFC-Chip – und auch –Diensten!
Ach, Du schöne mobile Zukunft...

Ansgar M
Erster? Egal..
Schöner Blog! Nur sehr blöd, wenn man alles aufm Handy hat und es dann geklaut wird, oder der Akku leer ist :D