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Kommentar 4 Min Lesezeit 29 Kommentare

Was uns Rasierer und Deos über Smartphones beibringen können

Als 1903 ein Unternehmen aus Boston namens Gillette den ersten Nassrasierer an amerikanische Verbraucher verkaufte, war das erste kommerzielle Deodorant bereits seit 15 Jahren auf dem Markt. Aber was können uns diese beiden Branchen über das Smartphone-Geschäft im Jahr 2018 lehren? Nun, lasst mich erklären.

Sprung in das Jahr 2018 und die freie Marktwirtschaft: Die geopolitische Struktur ist etwas anders als um die Jahrhundertwende. Wir leben in der Ära der schnell wechselnden Modeerscheinungen, der Einweg-Wasserflaschen aus Kunststoff und von Smartphone-Zyklen, die immer kürzer zu werden scheinen. Wenn Unternehmen wollen, dass Verbraucher ihre (perfekt funktionierenden) Produkte gegen ein neues tauschen, müssen Sie dafür sorgen, dass das Neue besser aussieht und/oder mehr kann. Und was ist besser? Mehr ist natürlich besser!

Eine kurze Geschichte über Rasierer und Deos

Aber noch mal kurz zurück. Es dauerte nicht lange, bis die Hersteller von Nassrasierern herausfanden, dass zwei Klingen leichter zu verkaufen sind als eine. Aber erst 1998 und mit der Veröffentlichung von Gillettes Mach3 nahm das Wettrüsten erst richtig Fahrt auf. Der Rasierer war ein großer Erfolg, und es dauerte nicht lange, bis Wilkinson Sword mit seinem Quattro (das sind vier Klingen, also eine besser als drei) einen Schritt weiter ging.

Bis 2014 sank der Umsatz mit Rasierern jedoch um 3,6 Prozent. Im Jahr 2015 begann der koreanische Hersteller Dorco dann mit dem Verkauf von Rasierern mit sieben Klingen. Von einem Rasierer mit acht Klingen habe ich zwar noch nichts gehört, aber der wird bestimmt schon irgendwo ausgetüftelt. 

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Der Gillette Mach3 hat 1998 das Wettrüsten bei Nassrasierern gestartet. / © Wikipedia

Ganz ähnlich sieht die Geschichte bei Deodorants - insbesondere Antitranspirants aus, für diejenigen von Euch, die zwischen beiden strikt unterscheiden. Kommerzielle Deos für Verbraucher gibt es seit 1888, aber erst Mitte des 20. Jahrhunderts wurden sie zu einem großen Geschäft. Zwischen 1942 und 1957 explodierte der Deo-Markt, der sich um das 600-fache vergrößerte und heute weltweit ein Milliarden-Geschäft ist.

Und so begann auch hier das Wettrüsten. Genau wie die Rasierer-Marken, begannen auch die Deo-Hersteller sich gegenseitig zu übertrumpfen. Aus dem 24-Stunden-Deo wurde das 48-Stunden-Deo. L'Oréal Men Expert verkauft mittlerweile sogar ein 96-Stunden-Deo, das "Invincible" heißt. Ehrlich gesagt, versucht mal vier ganze Tage nicht zu duschen und schaut, wie unbesiegbar Ihr Euch in der Nähe von Kollegen, Familie oder Freunden fühlt ...

Das Aufrüsten bei den Smartphone-Kameras hat bereits begonnen

Liegt es nur an mir oder erleben wir bereits dieses "Mehr ist gleich Besser"-Syndrom, wenn es um unsere Smartphones und insbesondere den Kampf um die beste Kamera geht? Wenn die Gerüchte zutreffen, wird LG das V40 mit immerhin fünf Kameras vorstellen. Außerdem wird gemunkelt, dass Samsung an einem Smartphone mit vier Kameras arbeitet und einige sagen sogar, dass die alle auf der Rückseite zu finden sein werden.

Das Mate 20 Pro wurde bereits mehrfach mit drei Kameras und einem LED-Blitz in quadratischer Form auf der Rückseite geleakt. Wie lange wird es wohl dauern, bis wir insgesamt sechs Kameras in einem Smartphone finden?

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Das vermutete Kamera-Setup des Huawei Mate 20 Pro / © XDA Developers

Dem ganzen die Krone setzt der kürzliche Leak von einem angeblichen Nokia-Smartphone auf, das einem Bild zufolge alleine fünf Kameras auf der Rückseite beherbergt. Wenn wir uns also bereits im Stadium der Penta-Kameras befinden, wo soll das alles enden?

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Sollte Nokia wirklich fünf Kameras in dieses Smartphone stecken? / © IThome

Ich kann meinen Pessimismus nicht abschütteln, wenn ich vier oder fünf Kameras bei einem Leak zu einem der bevorstehenden Smartphones sehe. Genau wie bei meinem Nassrasierer und meinem Deo glaube ich einfach nicht an die Idee, dass mehr von etwas immer gleich ein besseres Endprodukt ergibt.

Bei unserer Smartphone-WM, wo wir mit Euch zusammen die beste Smartphone-Kamera gesucht haben, habt Ihr immerhin das Google Pixel 2 zum Champion erkoren. Und das hat nur einen eher bescheidenen 12-Megapixel-Sensor von Sony. Damit scheint es doch wirklich langsam an der Zeit zu sein, dem Hype darüber, wie viele Kameras ein Smartphone hat, ein Ende zu bereiten, oder?

Was denkt Ihr, führt der Einsatz von mehr Kameras auch gleich zu einer besseren Foto- und Videoqualität? Lasst uns eine Lektion aus der Deo- und Rasier-Industrie ziehen und den Trend beenden, bevor er Überhand nimmt.  

Wie viele Kameras braucht Ihr bei einem Smartphone?
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Top-Kommentare der Community

  •   45
    Gelöschter Account vor 3 Monaten

    Ob Smartphones, Rasierer oder Deos- die Menschen der 1.Welt bekommen den Hals (bzw. die Achsel) nicht voll. PKW´s, die mit mit Allradantrieb und jenseits der 300-400 Standard-PS nur Innenstädte kennenlernen und mit abgeriegelten 250 km/h das nächste Stauende erreichen. Oder 8K-Fernseher, die mit ihrer Auflösung das bereits mit 4K angeknackste Selbstbewußtsein menschlicher Sinneszellen auf der Retina vollends zerstören können, Soziale Netzwerke können, wollen immer mehr und tiefer und umfangreicher und besser...
    ÜBERALL wird optimiert, maximiert und soll unser Leben, unser Konsumglück und unsere Fähigkeiten verbessern... Und sie tun nur eines: sie binden uns und vernichten beschleunigt das, was wir krampfhaft zu retten versuchen- Lebenszeit!

  • Sandtiger vor 3 Monaten

    Ja, ja, kaufen, kaufen, kaufen.
    Immer mehr und immer öfter.

    Aus diesem Grund sprießen zur Zeit auch mietbare Lagerflächen wie Pilze aus der Erde.

    Alle Dachböden und Keller sind schon mit sinnlos gekauften Zeug vollgestopft.
    Nur die Seelen bleiben leer und die Erkenntnis aus.

29 Kommentare

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  • Tim vor 3 Monaten Link zum Kommentar

    Also ich bin ein Fan von zwei oder auch drei Kameras auf der Rückseite, vorausgesetzt es sieht hinten auch aus wie gekonnt und nicht gewollt ^^
    Manche verstehen nicht, dass zwei oder drei Kameras in 9/10 Fällen nicht dafür gedacht sind, die Hauptkamera zu unterstützen, sondern als Zusatz... Zoom, Weitwinkel etc. sind Zusätze und dienen nicht als Unterstützung, wie bspw. Der Monochrom-Sensor bei Huawei Anfangs.

    Zwei Kameras ist bei Smartphones in jedem Fall besser, als nur eine einzige. Ob es unbedingt drei, vier etc. Braucht, ist was anderes, aber zwei Kameras bringen definitiv einen Mehrwert mit sich.

    Viele vergessen zudem, dass ein Smartphone keine Wechselobjektive besitzt, wie eine DSLR, weshalb Argumente wie "eine DSLR hat auch nur eine Kamera" lächerlich.


    • Allerdings sollte man sich überlegen, ob man nicht besser eine professionelle Kamera zulegt, wenn man wirklich so viel Funktionen benötigt. Denn es geht hier nach wie vor um ein Smartphone. Und nur weil es eingebaut ist, wird es noch lange nicht von der breiten Masse der Käufer genutzt, genauso wie nicht jeder, der eine 10 GB Datenflat hat, diese auch ausnutzt. Ich bin der Meinung, dass es zwei Sensoren auch tun, alles andere ist Spielerei, die man teuer bezahlt.


      • Tim vor 3 Monaten Link zum Kommentar

        "Die beste Kamera ist die, die man immer dabei hat."
        Ich habe eine DSLR mit mehreren Objektiven, aber dennoch habe ich meistens nur das Smartphone dabei und da bin ich froh um jede Zoom- oder Weitwinkelfunktion.

        An sich fände ich drei Sensoren nicht verkehrt
        Ein Hauptsensor mit normalem Weitwinkel (26-28mm), ein Weitwinkel und eine mit "Zoom".
        Die drei Funktionen könnte man allerdings auch mit zwei Sensoren realisieren, bspw. mit einem sehr hochauflösenden Sensor statt Haupt- und Zoom-Kamera.

        Peter


      • Peter vor 3 Monaten Link zum Kommentar

        Ein Smartphone hat man so gut wie immer dabei. Und wenn man damit fotografiert, dann möchte sicher auch jeder eine so gute Qualität wie technisch möglich ist haben.
        Wie ich hier schon mal erzählt habe kenne ich einen Fotografen, der jahrelang Smartphones stur abgelehnt hat, weil es einfach nicht seinen fotografischen Ansprüchen gerecht wurde. Neulich hab ich ihn getroffen, bzw. in der Arbeit besucht und er hat ein ganzes Fotoalbum mit dem Huawei P20 pro erstellt und ist hellauf begeistert.
        Smartphones machen ja schon seit längerer Zeit ziemlich gute Fotos. Das Problem war halt immer die fehlenden Möglichkeiten für Zoom, Weitwinkel, Dunkelheit, variabler Blende. Genau das versuchen die Hersteller jetzt anzugehen.


      • Ich drücke es mal so aus.

        Eine ordentliche Systemkamera.

        Ein schönes Zoom (KB 24-80),
        mit einer durchgehenden maximalen Blendenöffnung von f 2,8 und alle aber ausnahmslos alle Smartphones stinken meilenweit ab.

        Dazu ein geschultes Auge, etwas Grundwissen und das Menü ist komplett.

        Bouketeffek, lachhaft.

        Was die Hardware nicht kann, weil die Physik im Wege steht, soll die Software es nun richten.


  • Ich will ein Smartphone das auf der Rückseite ausschaut wie ein Fliegenauge. ;)


  • Die Antwortmöglichkeiten sind bissel irreführend...

    Denn ich habe 4x Kameras gewählt und meine damit 1x Selfie + Rückseite 3x (1x normale, 1x Tele, 1x Weitwinkel) also das Setup vom V40.

    Ein Fotograf hat zwar nur eine Kamera aber einige Wechselobjektive passend zu den verschiedenen Situationen 📷

    Das halte ich für die sinnvollste aller Varianten 😏📱

    Wenn man dies auf die Rasierer zurückführt, wäre es wohl ein Gillette Fusion der auch 4x Klingen hat und mehr macht wirklich kein weiteren Sinn 🤭


  • Die Anzahl der Kameras ist mir wurscht, die Bilder müssen mir gefallen. Ob 5 oder nur eine, wirklich wichtig ist das Ergebnis. Aber Leute lassen sich halt von sowas beeindrucken und es kann ja wirklich Vorteile haben, die aber nicht unbedingt auf die Qualität der Ergebnisse schlagen müssen....


  • Wozu 5 Kameras wenn einige nicht mal selber schauen wo die hinlaufen und stolpern?Wenn die meisten eh auf ihr Smartphone schauen statt nach vorn soll das jetzt auch noch das Smartphone übernehmen und uns vor Straßenbahn und Auto warnen?...fast 90% aller macht doch eh nur Schnappschüsse die wenig bis keine Bedeutung haben und schnell vergessen.Da reicht eine oder zwei Linsen.Nur ein Profi braucht mehr.Für was brauchen die meisten eine Smartphone Kamera...für Selfie oder Schnappschüsse die in sozialen Netzwerken landen.Dafür reicht eine Duale Kamera und eine gute Frontkamera.Selbst das IPhone 8 Plus und X kommt nicht an eine Spiegelreflexkamera ran.

    UbIx


    • Ein Profi braucht eine richtige Kamera, keine Smartphoneknipse.


      • Das habe ich ja auch gemeint...Nur ein Profi braucht mehr.


      • Timbo vor 3 Monaten Link zum Kommentar

        Van Gogh hat auch immer nur die teuren Pinsel gekauft. :|


      • Aber die meisten machen nur Fotos für soziale Netzwerke und keine Gemälde für die Ewigkeit.


      • UbIx vor 3 Monaten Link zum Kommentar

        Naja, denke timbo hat das eher ironixh gemeint ;-)
        Es gibt heile berühmte Fotografen, die eher simple Hardware benutzten. Dafür Küste dann der Inhalt das Bild ausmachen. Da heute eher einige Millionen sagen wir mal positiv, mäßigen Inhalts aber guter Bildqualität existieren, reichen guten Fotografen der Inhalt und eine Kamera die die Realität widiergibt aus. Leider sind das die wenigsten Smartphone Kameras, weil die schon alle dass Bild schon bearbeiten um 'gute' Bilder zu erhalten.


  • Das Foto macht der Fotograf. Ein Smartphone kann noch soviele Kameras haben. Wer damit nicht umgehen kann bekommt trotzdem kein gutes Foto. Mehr Kameras können uns helfen, nehmen uns aber nicht das Wissen über die richtige Kameraeinstellung ab. Wissen erlangt man durch Erfahrung.


    • Tim vor 3 Monaten Link zum Kommentar

      Dafür sind Smartphones aber nicht gedacht. Smartphones sollen Point and Shot-Kameras sein, kein DSLR-Ersatz.
      Ein Smartphone soll gut darin sein, gute Bilder zu produzieren, wenn man einfach auf den Auslöser drückt. Wenn man dafür das Wissen eines Amateur-Fotografen braucht, ist die Kamera in einem Smartphone schlicht nicht gut. Das war all die Jahre das Problem von Sony... gute Hardware, schlechte Automatik.


  • Ich habe meist das neueste Flaggschiff an Smartphones. Und ich lege viel Wert auf die Kamera. Nicht weil ich der große Hobbyfotograf bin. Nein, ich habe keine andere Kamera mehr. Smartphones reichen heute für Erinnerungsfotos aus. Auch für schöne Fotobücher. Jetzt habe ich das Huawei P20 pro, vorher hatte ich das Samsung Note 8. Es ist merkwürdig, wenn man auf einer Technikseite liest, das ein Autor den Sinn von drei Linsen nicht versteht. Spricht irgendwie nicht für Androidpit. Das viele Leser sagen, es reicht ihnen eine Linse, heißt ja nicht, das drei Unsinn sind. Das kann auch heißen, das diese User eher mit einer vollwertigen Kamera (DSLR oder System) fotografieren und ihnen die Smartphonecam nicht so wichtig ist. Bei meinem Huawei möchte ich den Nachtmodus nicht mehr missen. Aber vor allem der Drei- und Fünffachzoom bringen mehr Flexibilität. Im Urlaub war ich regelrecht begeistert, was Huawei da rausholt. Da haben die in Zusammenarbeit mit Leica echt einen rausgehauen. Ich bin gespannt, ob eine etwaige Octacam von Zeiss/Nokia noch mehr rausholt. Wenn ja, bin ich dabei. Aber es muss einen Mehrwert darstellen. Eventuell mehr Zoomstufen oder ähnliches. Ich weiß nicht, bin gespannt.

    Andy


    • Christopher Gabbert
      • Admin
      • Staff
      vor 3 Monaten Link zum Kommentar

      Hierbei geht es nicht darum, dass der Autor den Sinn von drei Kameras nicht versteht. Es geht vielmehr darum, dass mehr nicht immer besser ist. So kann ein Smartphone mit fünf Kameras und schlechter Software nicht unbedingt mehr leisten als ein Gerät mit beispielsweise zwei Kameras. Klar bekommt man mehr Möglichkeiten, wenn man auf Weitwinkel, Makro, Monochom und mehr zugreifen kann. Aber das hilft nicht, wenn es nicht gut umgesetzt ist. Außerdem machen unzählige Kameras einen nicht automatisch zum guten Fotografen, wenn man beispielsweise wenig Ahnung von richtiger Motiv-Wahl hat.

      Daher heißt es auch im Artikel: "[...]glaube ich einfach nicht an die Idee, dass mehr von etwas immer gleich ein besseres Endprodukt ergibt."

      Darüber hinaus würde ich persönlich zum Beispiel eine Entwicklung bei der Akku-Technik der bei den Kameras vorziehen. Denn was aktuelle Knipsen leisten, ist bereits sehr solide. Trotzdem giert mein Smartphone bei intensiver Nutzung jeden Abend nach der Steckdose.


      • Peter vor 3 Monaten Link zum Kommentar

        Christoph Gabbert, mehr ist nicht unbedingt besser, aber auch nicht schlechter. Und weil es Menschen gibt die damit nicht umgehen können und nichts damit anfangen können heißt das ja trotzdem nicht das es nicht gebaut werden soll. Es gibt auch serienmäßige Autos für die Straße die mehr als 400 km/h fahren bei über 1000 PS. Trauen sich auch nicht viele zu, trotzdem werden sie gebaut. Ich wäre ja eindeutig dafür das die Smartphones wieder dicker werden. So 15 mm wären perfekt. Da hätte eine ordentliche Kamera Platz und auch ein dicker Akku. Nur hätten da wieder viele was dagegen. Wo wir wieder bei meinem Spruch sind : Das Design ist der größte Feind der Smartphones.

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