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Kommentar 4 Min Lesezeit 9 Kommentare

Qualcomms Offensive für 2019: Abteilung Attacke

Der amerikanische Chip-Hersteller setzt auf Wachstum in neuen Gebieten und ist drauf und dran, die Konkurrenz in den Sack zu stecken. Das wird alles andere als ein Selbstläufer, doch der Zeitpunkt könnte kaum besser sein.

Auf dem Snapdragon Tech Summit 2018 hat Qualcomm drei Tage einzig und allein seinen Snapdragon-Chips gewidmet und den über 300 anwesenden Journalisten eine ganze Menge Neuheiten und Bestmarken präsentiert. Bei Smartphones der Luxusliga dürfte im kommenden Jahr kaum ein Weg am neuen Snapdragon vorbei führen. Und Qualcomm hat ja noch mehr zu bieten, eigene Chips für Smartwatches und Laptops, schnelle Modems, Technologie für Autos und vieles mehr. Für 2019 ist der US-Konzern ziemlich gut aufgestellt.

Und die anderen? Bei Smartphones sind das vor allem Huawei und Samsung, andere Chipfabrikanten spielen auf dem Markt keine Rolle mehr. Die beiden Firmen sind technisch ähnlich gut aufgestellt wie Qualcomm und haben ähnlich leistungsfähige Chips zu bieten - die sie aber nur selber nutzen. Es gibt keine anderen Hersteller, die ein Smartphone mit Kirin- oder Exynos-Prozessor herstellen. Samsung setzt in einigen Märkten wie den USA zudem ohnehin auf Snapdragon-Prozessoren. Auch wenn Samsung und Huawei die beiden größten Fische im Teich der Android-Hersteller sind: Qualcomm hat die Herstellervielfalt auf seiner Seite.

Bei Huawei kommen noch die Schwierigkeiten hinzu, die das lange Zeit unaufhaltsam scheinende Unternehmen in ernste Gefahr bringen können. In den USA spielt Huawei nicht nur bei Smartphones keine Rolle, die US-Regierung arbeitet sogar aktiv daran mit, die Netztechnologie auch bei anderen Staaten auf die schwarze Liste setzen zu lassen. Gerade erst wurde Huaweis Finanzchefin Meng Wanzhou, die Tochter des Firmengründers Ren Zhengfei, in Kanada verhaftet. Wenn es Huawei nicht schnellstens gelingt, hier gegenzusteuern, wird es richtig ungemütlich, und das wäre gut für Qualcomm.

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Der Snapdragon soll den Kirins und Exynos das Fürchten lehren. / © Qualcomm

Intel hat sich auf den Lorbeeren ausgeruht

Doch Huawei ist nicht der einzige Konkurrent, der schwächelt. Im PC-Markt, den Qualcomm mit dem Snapdragon 8cx anpeilt, gilt die klassische Wintel-Kombination, also die Verbindung von Intel-Prozessoren mit Microsofts Windows, als das Maß aller Dinge. Die die enorme Geschwindigkeit, die bei der Entwicklung der Mobile-Prozessoren seit Jahren zu beobachten ist, kann Intel schon lange nicht mitgehen.

Intel steht weiter bei 14-Nanometer-Fertigung, während Qualcomm und Co. bereits in 7 Nanometer produzieren. Das bringt merkliche Vorteile vor allem bei der so entscheidenden Energiebilanz der Chips. Und 7 Nanometer kommt mit dem Snapdragon 8cx eben auch in die Windows-Welt.

Qualcomm hat noch weitere Vorteile gegenüber Intel, die vor allem den Laptop-Nutzern zugute kommen dürfen. Die X24- und X50-Modems sind leistungsfähig und bieten schnelle Verbindungen in so ungefähr alle Netze. Wenn die Performance des Snapdragon 8cx tatsächlich so gut ausfällt, wie die ersten Tests das vermuten lassen, und dann noch die Portabilität und extrem lange Akkulaufzeit hinzu kommt, wird es zumindest bei den Laptops und Ultrabooks ein spannendes Duell.

Es wird trotzdem kein Spaziergang

Der Zeitpunkt für eine Offensive von Qualcomm ist also tatsächlich günstig, doch ein Selbstläufer wird es trotzdem nicht. Das liegt zumindest teilweise auch an Qualcomm selbst und dem eigenen Geschäftsmodell. Die Lizenzierung seiner Technologien lässt sich der Chip-Hersteller nämlich arg teuer bezahlen, nach Ansicht vieler Partner und von Kartellrechtlern sogar deutlich zu hoch. Apple verzichtet deshalb bereits komplett auf Qualcomm-Technologie im iPhone und baut etwa lieber schwächere Modems von Intel ein.

Selbst wenn man gute Produkte hat, an denen die Konkurrenz nicht vorbei kommt und die einem quasi aus den Händen gerissen werden, darf man den Bogen nicht überspannen. Da muss Qualcomm wohl einen kleinen Schritt auf seine Partner zu machen, um die Beziehungen zu pflegen.

Und natürlich bedeuten gute Chips auch nicht automatisch, dass bald überall ein Snapdragon den Takt angibt. Da gibt es langfristige Veträge, gewachsene Partnerschaften und unzählige unterschiedliche Ansprüche und Konzepte, für die nicht unbedingt immer die Snapdragon-Chips die richtigen sein müssen. Unter dem Strich hält Qualcomm aber momentan ziemlich gute Karten in der Hand - die müssen jetzt klug ausgespielt werden, um am Ende den Jackpot abzukassieren.

Was glaubt Ihr, kann Qualcomm sich dauerhaft gegen Intel und Co. behaupten?

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9 Kommentare

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  • Außerhalb der Windows und iOS Welt ist Qualcomm nicht zu schlagen


  • Sind wir doch mal ehrlich. Qualcomm ist erfolgreich auf einem Markt, wo sie keine Konkurrenz haben. Auf dem Laptop und Ultrabook Markt bei Geräten für ein bisschen surfen kann Qualcomm vielleicht den ein oder anderen Chip verkaufen, aber eine Chance gegen Intel und auch AMD werden sie nicht haben. Nur mal so für den Schreiberling von diesem Artikel. Es gibt nicht nur Intel.


  • Ein Problem von Windows-Software auf Prozessoren mit anderer Architektur als iA64 oder AMD64 ist doch, dass diese in einer Emulation laufen muss, wenn sie nicht für die neue Prozessor-Architektur übersetzt wurde.
    Dann aber kommen die vermeintlichen Nachteile der Intel/AMD-Architektur, CISC und das Mitschleppen von Legacy-Strukturen nicht nur voll zum Tragen, sondern sie werden auch noch in Software nachgebildet.
    Das kann man nur mit purer Rechenleistung erreichen, und die kostet Energie. Dann geht aber der größte Vorteil der ARM-Architektur verloren, und man kann gleich die Originalhardware nehmen. Erst wenn sich alternative Prozessorarchitekturen in grösserer Stückzahl durchsetzen, wird es für die Softwareanbieter interessant, ihre Produkte entsprechend anzupassen. Die neuen Architekturen haben also ein Henne-Ei-Problem.
    Sollte es irgendwann dann im PC-Bereich doch zu einem Durchbruch der ARM-Architektur kommen, könnte Intel immer noch eine Architektur-Lizenz von ARM erwerben, und eventuell mit Apple zusammenarbeiten.
    Und Modems kann Intel auch. Vielleicht sind die nicht so schnell wie die von Qualcomm, aber sie haben dafür auch nicht das Emulationsproblem und sind für reale Umgebungen allemal schnell genug.


  • "Es gibt keine anderen Hersteller, die ein Smartphone mit Kirin- oder Exynos-Prozessor herstellen"
    Meizu nutzt in einigen Modellen Exynos-Prozessoren!
    Z.B. das Meizu M6S hat den Exynos 7872, oder das Meizu 15 Plus hat den Exynos 8895.


  • "Bei Smartphones der Luxusliga dürfte im kommenden Jahr kaum ein Weg am neuen Snapdragon vorbei führen."
    Und dementsprechend wird das auch wieder unendlich langweilig... ^^

    Den Zusammenhang mit Huawei und den USA verstehe ich jetzt aber echt nicht bzw. was daran bitte gut für Qualcomm sein soll? Qualcomm hat nichts in dem Netz-Markt zu schaffen, aus dem die USA Huawei ausschließen will und Qualcomm-Chips in Huawei-Smartphones wären für die auch keine Rettung...
    Vielmehr ist es schlecht für Qualcomm, da sie keine Lizenzen mehr an Huawei verkaufen könnten oder Ähnliches.

    Bei den Laptops wird Qualcomm Intel vorerst auch keine Konkurrenz machen... Zwischen ARM und x86 liegen Welten. Einfach nur eine theoretisch gute Leistung des Chips bedeuten noch lange kein gut funktionierendes System. Mir bringt eine lange Akkulaufzeit (die sich auch erstmal beweisen muss - bei den letzten Generationen war die Katastrophal) nichts, wenn ich aufgrund schlechter Performance, dank schlechter Optimierung, nichts anfangen kann.

    Ich für meinen Teil würde mich eher mal über mehr Konkurrenz für Qualcomm freuen. Nicht nur Intel ruht sich aus, Qualcomm eigentlich auch. Schließlich haben sie fast ein Monopol auf dem Smartphone-Markt... Wäre schon toll, wenn Samsung endlich wieder 100% Exynos nutzen würde. Denn die Exynos' werden durch Qualcomm auch ernoem gedrosselt, da Samsung beides verbauen muss...

    PS: Du hast diesen Kommentar doch mit Sicherheit nur geschrieben, damit dich Qualcomm nächstes Jahr auch wieder nach Hawaii einlädt :P


    • Ich verstehe das auch nicht, warum will Samsung auch Qualcomm Prozessors benutzen. Exynos ist schon ziemlich stark und spielt in Oberliga. Trotzdem will Samsung noch Snapdragon verbauen. Bei Huawei geht es besser. Kirin, Kirin und noch mal Kirin. Ich muss zugeben, Kirin 980 ist ziemlich gut. Schritt für Schritt wird Huawei seine Prozessors noch besser machen.


    • Mr. N vor 22 Stunden Link zum Kommentar

      Wenn samsung zu 100% auf Exynos setzt, dann wird es ihnen genauso gehen wie HUAWEI. Wenn du was in Amerika verkaufen willst, musst du was kaufen von denen.

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