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2 Min Lesezeit 18 Kommentare

Qualcomm lädt E-Autos bei 120 km/h auf

Chip-Entwickler Qualcomm beschäftigt sich nicht nur mit Ladetechnologien für Smartphones. Auf der IAA hat er uns auch gezeigt, dass er im Geschäft der Elektromobilität überzeugen will. Die neue Technologie Dynamic Electric Vehicle Charging (DEVC) macht Sci-Fi-Fantasien wahr und lädt Autos während der Fahrt. So löst es nicht nur das größte Problem der Elektromobilität, sondern macht das Aufladen zu seiner Stärke.

Qualcomm streckt die Fühler aus in neue Industrien. Die Automobilbranche bietet dem Chipentwickler nicht nur im Bereich der selbstfahrenden Autos sondern auch im Bereich Elektromobilität reichlich Angriffsfläche. Das Know-how aus San Diego lässt sich von Smartphones auch auf die Straße übertragen, wie sich jetzt auf der IAA in Form einer innovativen Induktionsladetechonlogie zeigt, die Autos bei voller Fahrt auflädt.

Das Dynamic Electric Vehicle Charging basiert auf der bereits bekannten Technologie Wireless Electric Vehicle Charging (WEVC) und stellt die nächste Evolutionsstufe dar. WEVC erlaubt das drahtlose Aufladen geparkter Elektrofahrzeuge mit 3,7 bis 22 Kilowatt. Dies geschieht über eine besondere Vorrichtung am Boden des Fahrzeugs.

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WEVC erlaubt es, Elektrofahrzeuge per Induktion zu laden. Dafür muss sich diese Platte auf einem Parkplatz befinden. / © AndroidPIT

Induktionsladung bei voller Fahrt

Der Nachfolger heißt DEVC und er erlaubt drahtloses Aufladen bei Fahrzeugen, die sich mit bis zu 120 km/h bewegen. Dies setzt natürlich voraus, dass Streckenabschnitte mit entsprechenden Ladespuren ausgestattet werden. Die darin verbauten Spulen arbeiten mit einer Frequenz von 85 kHz. Sie interagieren mit zwei Pendants auf der Unterseite entsprechender Fahrzeuge. Die Ladeleistung betrage so bis zu 20 Kilowatt.

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Die Induktionsspulen geben die Energie an den Akku des Elektrofahrzeugs ab. © AndroidPIT

Umsetzung schon bis 2030?

Was nach einer Science-Fiction-Idee klingt, haben Rénault und die französische E-Fahrzeug-Gesellschaft VEDECOM bereits auf einer 100 Meter langen Teststrecke in Satory bei Paris umgesetzt. Qualcomms Senior Marketing Manager Thomas Denemann ist sich sicher, dass dieses Konzept auch auf Autobahnen umsetzbar ist.

Offen bleiben einige Fragen zu Kosten und Wartung. Sollen private oder öffentliche Gelder für die Installation verwendet werden? In welchem Maßstab muss man das Projekt ausbauen, damit es sinnvoll wird? Wer kommt für die Kosten der Wartung auf? Nicholas Keeling, Senior Engineer bei Qualcomm, räumt für die Beantwortung jener Fragen zehn bis fünfzehn Jahre ein. Übrig bleibt die Frage, wie die Stromkosten auf den einzelnen Nutzer umgelegt werden.

Was haltet Ihr von dem Aufladekonzept? Hat Qualcomm hier den richtigen Ansatz geschaffen oder schafft er mehr Probleme als Lösungen?

Top-Kommentare der Community

  • Michael K. 21.09.2017

    Na ja, das Ladeverfahren wirkt elegant, ich vermute allerdings, dass das Verfahren nur unterstützend zum Einsatz kommen wird, und dann eher in Parkhäuser, auf Parkplätzen,o Bus- und Taxispuren etc.
    Ein Tesla-Akku hat zwischen 70 kWh und 100 kWh Kapazität. Um ihn mit 24 kW vollständig zu laden, braucht es mehr als 4 Stunden (bei 100 kWh), in denen das Auto bei 120 km/h 480 km zurücklegt, und einen Akku leeren kann (ich weiss, ein Tesla schafft mehr).
    Ganz grob geschätzt müsste man also das gesamte deutsche Strassennetz damit ausstatten, wenn die Autos durchschnittlich 120 km/h pro Stunde fahren würden, und auf 480 km 100 kWh verbrauchen würden. Sinkt die Durchschnittsgeschwindigkeit auf realistischere 30 km/h, reichen immerhin weniger als ein Viertel, da der Luftwiderstand mit dem Quadrat der Geschwindigkeit zurückgeht, eine Batterieladung also auch weiter reicht, wobei der „Stop and Go“ Verkehr in Innenstädten das teils wieder kompensiert. Dass parkende Autos die Durchschnittsgeschwindigkeit besonders stark absenken liegt genauso auf der Hand, wie die Tatsache, dass sie zum Laden besonders wenig „Ladestrecke“ benötigen.

    Aber selbst wenn man nur 5% des deutschen Strassennetzes von 413 000 km (ohne Gemeindestrassen, Quelle: Wikipedia) damit ausstatten wollte, wären das mehr als 20000 km, das ist etwa der halbe Erdumfang. Ich halte das für unbezahlbar.

    Dazu kommt noch der direkte Energieverlust durch den begrenzten Wirkungsgrad. Den konnte ich aus dem Video nicht entnehmen, aber geht man mal von den 60 % aus, die derzeit bei Smartphoneladern erreichbar sind, gingen gegenüber dem kabelgebundenem Laden doch riesige Energiemengen verloren. Die Kapazität eines 100 kWh Autoakkus ist immerhin mehr als 8000 mal so gross, wie die eines durchschnittlichen Smartphones (ca. 12 Wh).
    Nun ja, möglicherweise hält die Verlustleistung die ausgebauten Strecken im Winter dafür eisfrei^^.
    Die Abrechnung der Stromkosten sehe ich weniger problematisch. Ein Datenverkehr zwischen Fahrzeug und Lader wird ohnehin stattfinden, um die zulässige Ladeleistung zu bestimmen. Dabei kann man dann auch zuvor gekauftes Stromguthaben abbuchen.
    Ich gehe davon aus, dass der Regelfall die kabelgebundene Ladung wird. An bestimmten Punkten, und gerade im öffentlichem Nahverkehr, z.B. an Bushaltestellen, könnten drahtlose Ladesysteme, wie das vorgestellte, eine sinnvolle Ergänzung sein.

18 Kommentare

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  • A. K.
    • Mod
    23.09.2017 Link zum Kommentar

    Es ist echt geil zu sehen, wie weit die Technologie gerade ist. Dennoch muss man dem ganzen einen Dämpfer verpassen. Ich halte es nämlich nicht für umsetzbar. Zum einen möchte man durch Elektromobilität die Städte rein halten. Andererseits muss mit schweren Maschinen kilometerweit die Straße aufgerissen und hoch technologisiert werden. Bis das alles hergestellt und nutzbar ist, ist doch so viel Diesel verbrannt, dass es das E Auto in 50 Jahren nicht kompensieren kann. Abgesehen von den ganzen Rohstoffen (Kupfer?), die sowohl für E Antriebe, als auch Akkus und die kabellose LadeTechnik, vA auf Seiten der Straße, benötigt werden.

    Hinzu kommt der schlechte Wirkungsgrad und Wartung. Das wird eine Sackgasse. Für den Privatstellplatz aber iO.

    Leute fahrt mehr Fahrrad oder Öffis und bildet Fahrgemeinschaften, das wird uns weiter bringen. Und hängt nicht zu sehr am Gas.


  • Kann man nicht eine Turbine, die durch den Fahrtwind angetrieben wird hinter den "Kühler" packen? Und wieviel Ladestrom wäre da bei welcher Geschwindigkeit möglich? Ist die vielleicht riskant, weil sie sich bei Unfällen mit höheren Geschwindigkeiten durch das Fahrzeug fressen könnte?


  • Ich bin auch beim Auto, wie beim Smartphone, für einen Wechselakku. Es muss genormte Größen geben. Ich fahre an die Tanke, eine Vorrichtung zieht den leeren Akku aus dem Unterboden und tauscht ihn gegen einen vollen. Nach fünf Minuten verlasse ich die Tankstelle wieder. Mir gehört der Akku nicht und mich muss die kurze Lebenshalbwertzeit der aktuellen Akkus nicht sorgen. Bei Bedarf und Möglichkeit kann ich den Akku abends zu Hause mit oder ohne Kabel laden.

    Stromspeicher- und Ladetechniken werden sich weiter verbessern/verändern. Wie sieht es dann mit Qualcomms in die Straße betonierter Technik - Stand 2018 - aus?


  • vielleicht wäre es besser die Herrschaften beschäftigen sich mit Nicola Tesla der konnte viel einfacher mit seinem E Auto fahren


  • und die Autos dafür benötigen dann ein speziellen Unterboden oder bekommt man die ganze Strahlung von unten ab ?

    warum nicht gleich ein System wie ne Art Carrera Bahn :-P


  • Super Idee wir reißen mal eben die Straßen auf. Besser wäre eine Ladetechnik auf dem Dach. Dafür müsste dann allerdings die PKW höhe festgeschrieben werden.


  • Na ja, das Ladeverfahren wirkt elegant, ich vermute allerdings, dass das Verfahren nur unterstützend zum Einsatz kommen wird, und dann eher in Parkhäuser, auf Parkplätzen,o Bus- und Taxispuren etc.
    Ein Tesla-Akku hat zwischen 70 kWh und 100 kWh Kapazität. Um ihn mit 24 kW vollständig zu laden, braucht es mehr als 4 Stunden (bei 100 kWh), in denen das Auto bei 120 km/h 480 km zurücklegt, und einen Akku leeren kann (ich weiss, ein Tesla schafft mehr).
    Ganz grob geschätzt müsste man also das gesamte deutsche Strassennetz damit ausstatten, wenn die Autos durchschnittlich 120 km/h pro Stunde fahren würden, und auf 480 km 100 kWh verbrauchen würden. Sinkt die Durchschnittsgeschwindigkeit auf realistischere 30 km/h, reichen immerhin weniger als ein Viertel, da der Luftwiderstand mit dem Quadrat der Geschwindigkeit zurückgeht, eine Batterieladung also auch weiter reicht, wobei der „Stop and Go“ Verkehr in Innenstädten das teils wieder kompensiert. Dass parkende Autos die Durchschnittsgeschwindigkeit besonders stark absenken liegt genauso auf der Hand, wie die Tatsache, dass sie zum Laden besonders wenig „Ladestrecke“ benötigen.

    Aber selbst wenn man nur 5% des deutschen Strassennetzes von 413 000 km (ohne Gemeindestrassen, Quelle: Wikipedia) damit ausstatten wollte, wären das mehr als 20000 km, das ist etwa der halbe Erdumfang. Ich halte das für unbezahlbar.

    Dazu kommt noch der direkte Energieverlust durch den begrenzten Wirkungsgrad. Den konnte ich aus dem Video nicht entnehmen, aber geht man mal von den 60 % aus, die derzeit bei Smartphoneladern erreichbar sind, gingen gegenüber dem kabelgebundenem Laden doch riesige Energiemengen verloren. Die Kapazität eines 100 kWh Autoakkus ist immerhin mehr als 8000 mal so gross, wie die eines durchschnittlichen Smartphones (ca. 12 Wh).
    Nun ja, möglicherweise hält die Verlustleistung die ausgebauten Strecken im Winter dafür eisfrei^^.
    Die Abrechnung der Stromkosten sehe ich weniger problematisch. Ein Datenverkehr zwischen Fahrzeug und Lader wird ohnehin stattfinden, um die zulässige Ladeleistung zu bestimmen. Dabei kann man dann auch zuvor gekauftes Stromguthaben abbuchen.
    Ich gehe davon aus, dass der Regelfall die kabelgebundene Ladung wird. An bestimmten Punkten, und gerade im öffentlichem Nahverkehr, z.B. an Bushaltestellen, könnten drahtlose Ladesysteme, wie das vorgestellte, eine sinnvolle Ergänzung sein.


  • Interessanter Ansatz. Der bisher Interessanteste, den ich aus dem Bereich Elektromobilität bisher gehört habe. So wäre das größte Problem mit der stark begrenzten Reichweite gelöst. Die Frage wer die Kosten für Einbau und Wartung trägt, klärt sich schon noch. Am besten wäre es vermutlich, die Kosten von den tatsächlichen Nutzern über eine Steuer bzw. Nutzungsgebühr zu refinanzieren. Wenn das wirklich eingeführt wird und bis dahin auch entsprechend viele etschwingliche Autos mit dieser Technologie auf dem Markt sind, kann das der Durchbruch werden. Jetzt müsste man nur noch Fahrbahnbelag entwickeln, der z. B. Sonnenenergie in Strom umwandeln kann.


    • Ich glaube, du unterschätzt hier die Kosten gewaltig. Das Ganze steht und fällt mit den Kosten. Und bei den maroden Straßen und Brücken in Deutschland kannst du dir ja überlegen, wie gut das bisher mit den Kosten schon geklappt hat. Unsere Infrastruktur ist ziemlich am Ende, da wird niemand noch mehr Gelder aufbringen als unbedingt nötig.


    • Ist ja eine tolle Idee, die E-Autos sind ohnehin teuer ohne Ende und wenn ich jetzt noch eine Abgabe einführe die sich gewaschen hat, dann wird man der E-Mobilität einen Bärendienst erweisen. Die ganze Überlegung ist ohnehin suspekt, denn niemand weis wie unsere Regierung den Wegfall der Mineralölsteuer zu kompensieren gedenkt ? Ich bin ja absolut für E-Mobilität aber ich denke was da von Seite der Politik angezettelt wird ist noch nicht komplett zu Ende gedacht.

      Damit das ganze für den Kunden funktioniert und auch Langstreckentauglich wird, brauchen wir entweder wie hier schon angesprochen ein Akkutauschsystem und vor allem sehr viel bessere Quickcharge-Technologie für die E-Mobilität.


  • Akku eines Elektroautos aufladen geht ganz einfach: man steckt das Ladekabel in den Zigarettenanzünder :-)
    http://www.der-postillon.com/2015/12/genialer-trick-mann-ladt-sein.html?m=1
    Geht womöglich auch bei 120 Sachen auf der Bahn ;-)


  • Warum auch immer Wasserstoff keine Alternative ist aber das liegt wohl daran das hier keine große Lobby existiert.


    • Naja, Wasserstoff hat durchaus ein paar Nachteile... Unter anderem fährt man ähnlich wie bei Gas Autos mit einer Bombe rum, desweiteren wird ein hoher Druck im Tank benötigt, um eine vernünftige Energiedichte zu haben. Auch ein Problem ist, dass der Tankinhalt sich nach einiger Zeit verflüchtigen würde, da die Atome kleiner sind als die der Tankwand. Daher benötigt man noch spezielle Tanks, etc pp.....
      Mich würde es aber trotzdem freuen, wenn es hier Fortschritte geben würde...


      • Mit Wasserstoff kann dann der RX8 wieder zum Leben erwachen! 😝😍

        Der Wankel kann leicht mit Wasserstoff betrieben werden! Problem für Wasserstoff ist die Tatsache, dass sehr viel Energie benötigt wird es herzustellen, die Tankanlagen sind auch nicht für Newbies wie bei Gas eben...

        Aber da keine Akkustoffe gebraucht werden, ist der Energiemix sowie die CO2 Bilanz viel besser!


        Denke dass eine Mischungen aus Wasserstoff und Elektro die Zukunft sein kann!

        Ich will ein sexy RX9 Hydrogen 😎


  • Ist ja nichts für die USA, 120 darf man da ja nicht mal fahren.q


    • Da steht ja auch nichts davon im Artikel, dass du 120km/h fahren musst. Das is die maximale Geschwindigkeit bei der es funktioniert. Bis jetzt.


      • Ah, das hätten wir genauer schreiben können. 120 ist das höchste Tempo für die Technologie. Die Ladung erfolgt sogar etwas schneller, wenn man nicht so schnell über die Induktionsspur rollt.


  • An sich eine tolle alternative zu immer größeren und Umweltschädlichen Akkus... Allerdings kostet es auch sehr viele Rohstoffe, sämtliche Straßen damit auszustatten. Ich bin gespannt wie es weitergeht, ich halte reine Akkubetriebene Elektroautos für keine Alternative.

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