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How To: Benchmark-Leaks fälschen leicht gemacht

Zuweilen tauchen in den News noch nicht veröffentlichte Smartphones auf. Als Quelle dienen Benchmark-Einträge bei AnTuTu, Geekbench oder anderen Apps. Eine aufgeheizte Android-News-Landschaft treibt die Sau dann durchs Dorf, alle mit dem Ziel, besonders frisch und kompetent zu wirken.

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Aber wie verlässlich sind Benchmark-Leaks? Spoiler-Alarm: Die Angaben darin sind ziemlich unzuverlässig.

Mit den richtigen Handgriffen sind die Ergebnisseiten schnell manipuliert. Ein Eingriff in die Benchmark-Resultate ist zwar nicht so ohne weiteres möglich, allerdings ist es sehr einfach, dem Benchmark ein ganz anderes Smartphone vorzugaukeln. Und das geht so:

Build.prop editieren und ein Galaxy S8 in der Hand halten

Wichtige Systemdaten sind in der Datei build.prop gespeichert. Darunter fallen unter anderem: Die Bezeichnung, der Modellname, sogar die Android-Version. Mit der richtigen App lässt sich die Datei editieren. Voraussetzung dafür ist, dass das Smartphone gerootet ist.

Ein Texteditor mit Root-Zugriff oder ein Build.prop-Editor reichen aus, um wichtige Werte zu verändern. Vorher heißt es natürlich, die echte build.prop zu sichern, damit Ihr Eure tatsächlichen Werte wiederherstellen könnt. Ich habe mit ein paar Veränderungen aus meinem Moto G3 ein Samsung Galaxy S8 gemacht. Und das läuft standesgemäß auf Android 7.1. Glaubt ihr nicht? Doch, doch - hier ist der Beweis.

AndroidPIT faking a benchmark 1
Wenige Änderungen in der Build.prop genügen und Ihr habt ein Galaxy S8 mit Android 7.1 in der Hand. / © AndroidPIT

Bevor Ihr mit dieser Anleitung loslegt eine dringende Warnung: Die build.prop ist eine Systemdatei. Änderungen hier können potenziell gefährliche Auswirkungen haben, bis hin dazu, dass Ihr das Handy nicht mehr starten könnt. Macht solche Aktionen also besser nicht mit Eurem Day-to-Day-Smartphone, sondern besser mit einem, bei dem Ihr im Zweifelsfall die Software schnell und ohne Datenverlust auf den Werkzustand zurücksetzen könnt.

Diese Werte müsst Ihr mit der App Build.prop Editor verändern, damit Euer Handy sich nach außen als ein anderes ausgibt:

  • ro.product.manufacturer: Samsung
  • ro.product.brand: samsung
  • ro.product.model: Galaxy S8
  • ro.product.name: heroltexx

Andere Android-Version gefällig? Bitte sehr:

  • ro.build.version.release: 7.1
BuildProp Editor Install on Google Play

Mit diesen Änderungen erreicht Ihr zumindest ein ungefähres Ergebnis - für mehr Echtheit müsstet Ihr vielleicht noch etwas tiefer in die build.prop-Kiste greifen. Für meine Test genügt es erstmal. Nach den Änderungen legt Ihr einen Handy-Neustart hin. Wenn alles geklappt hat, dann kann es losgehen.

Geekbench: Perfekt für gefälschte Benchmarks geeignet

Geekbench eignet sich für mein Experiment besonders gut, weil der Testlauf schnell durchläuft und die Angaben ohne weiteres hochgeladen werden. Im Menü wählt Ihr schnell noch aus: “View Online” und ihr habt den Link zu Eurem Benchmark-Resultat. So, und hier ist mein als Galaxy S8 verkleidetes Moto G3:

AnTuTu und Geekbench: Hier wird es etwas schwerer

AnTuTu zeigt ebenfalls eine hübsche Ergebnisseite, hat allerdings keine simple Möglichkeit, ein öffentlich einsehbares Ergebnis zu posten. Die Screenshots zeigen jedoch an, dass hier ein Galaxy S8 mit Android 7.1 zu Gange ist. Obwohl AnTuTu eine integrierte Sharing-Funktion aufweist, war diese im Test nicht zum Laufen zu bekommen.

AndroidPIT faking a benchmark 3
AnTuTu verrät einige technische Daten des Galaxy S8... äh ... Moto G3 / © AndroidPIT

Bei GFXBench erscheinen beim ersten Start mehrere Warnungen, dass die Ergebnisse bei aktiver Verbindung in der Online-Datenbank gespeichert werden. Kein Problem für unser Galaxy S8 ;). Allerdings überprüft GFXBench zumindest einige Angaben auf Plausibilität und verweigerte unserem Galaxy S8, einen Benchmark-Lauf zu starten.

ANDROIDPIT antutu gfxbench fake
Antutu-Ergebnisse und GFXBench Systeminfo / © Screenshots: ANDROIDPIT

So fälscht Ihr einen Benchmark-Leak perfekt

Um den gewonnenen Resultaten etwas mehr Plausibilität zu erweisen, solltet Ihr am Besten ein technisch ähnlich ausgestattetes Smartphone verwenden: Zum Beispiel könnte ein Galaxy S7 leicht in ein Note 7 oder ein Galaxy S8 verwandelt werden - eine App wie Geekbench würde den Unterschied kaum bemerken.

Die Kür wäre dann am Ende noch, einen Eintrag bei Reddit im Android-Teil zu hinterlassen, so was wie: “Guys! Look at this Geekbench entry of the Galaxy S8! Haha, their prototype haz some lousy performance!!!! lol!!!!” Wenn Ihr Glück habt, greift eine große Tech-Seite das Ergebnis auf und ehrt Euch mit einem kleinen Rumor-Artikel.

HK
Hans-Georg Kluge
Einem Benchmark-Leak traue ich nie!
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Fazit: Benchmark-Leaks sind leicht zu fälschen

Mein kurzer Test hat gezeigt, wie einfach ein Benchmark-Listing zu fälschen ist. Vor allem Geekbench ist anfällig und mit etwas mehr Aufwand dürfte es auch gelingen, die Fälschungen bei Antutu oder GFXBench unterzubekommen.

Nun kann es durchaus Fälle geben, wo einem Mitarbeiter tatsächlich mal ein Benchmark-Resultat eines noch nicht veröffentlichten Smartphones rausrutscht. Alles in allem würde ich aber vermuten, dass das nur extrem selten passiert.

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