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Datengier: Warum Uber iPhones ohne Uber-App tracken wollte

Uber soll seine User auch dann noch tracken, wenn sie die App von ihrem iPhone gelöscht haben. Entsprechende Medienberichte basieren zwar auf einer offenbar fehlerhaften Interpretation, werfen aber doch ein schlechtes Licht auf Uber.

Was ist passiert?

Medienberichte bringen Uber in die Bredouille. Angeblich versuche Uber durch extreme Maßnahmen auch dann noch Informationen über Kunden zu erhalten, die die Uber-App deinstalliert haben. Betroffen ist die iPhone-Version der App - ob auch die Android-App über entsprechende Mechanismen verfügt ist nicht bekannt.

Die gute Nachricht: Uber trackt Euer iPhone nicht, nachdem Ihr die App deinstalliert habt. Der Grund: Die Berichte über Tracking auch nach App-Deinstallation sind erheblich übertrieben. Zwar stimmt es offenbar, dass Uber die eindeutige Hardware-ID von iPhones ausgelesen hat, das ermöglicht aber noch kein Tracking wenn die App deinstalliert wurde. Stattdessen diene das Vorgehen dazu, zu erkennen, ob ein anderer Account auf dem gleichen iPhone verwendet wurde. Dies diene dem Schutz vor Betrügern, so Uber in einem Statement gegenüber Techcrunch. In Asien sollen Fahrer auf gestohlenen iPhones mehrere Accounts angelegt und Fahrten bestellt haben. Das Ziel waren offenbar seitens Uber daran geknüpfte Bonuszahlungen.

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Unklar, ob auch die Android-App von Ubers Tracking-Fantasien betroffen ist / © AndroidPIT

Eine eindeutige Hardware-ID auszulesen, verstößt gegen Apples Bestimmungen. Daher deaktivierte Uber diese Funktion - und zwar im Umkreis um Apples Hauptquartier. Aufgeflogen ist die Aktion dennoch: Apple-Mitarbeiter an anderen Standorten sollen die Machenschaften von Uber entdeckt haben. Tim Cook persönlich habe daher Uber-CEO Travis Kalanick Anfang 2015 angedroht, Uber aus dem App-Store zu entfernen. Das hätte Uber Millionen Kunden gekostet. Inzwischen hat Apple den Zugang zur Hardware-ID gesperrt, Uber hat neue Wege gefunden, sich gegen den Fahrbetrug zu wehren. Offenbar lenkte Uber also ein...

Wie finanzieren sich kostenlose Dienste?

... und kaufte bei Slice Daten ein. Slice betreibt den Dienst Unroll.me, der Usern helfen soll, Newsletter-Abos zu verwalten. Dafür greift dieser auf den E-Mail-Account der User zu. Weniger ersichtlich ist, dass der Dienst Inhalte analysiert und verkauft. Konkret hat sich nun Uber Informationen gekauft, die über die Nutzung des Uber-Konkurrenten Lyft Aufschluss geben.

Unroll.me wiederum gibt sich kleinlaut und entschuldigt sich. Man sei sehr offen und transparent gewesen und habe in der Datenschutzerklärung die eigene Finanzierung offen gelegt. Er bezieht sich offenbar auf diese Zeilen:

"We collect such commercial transactional messages so that we can better understand the behavior of the senders of such messages, and better understand our customer behavior and improve our products, services, and advertising. We may disclose, distribute, transfer, and sell such messages and the data that we collect from or in connection with such messages;"

Im Fortgang erläutern die Richtlinien, dass alle Daten anonymisiert würden, bevor sie in den Verkauf gehen. Das ist aber ein sehr kompliziertes Geschäft, denn einfach ein paar Namensnennungen zu streichen oder IP-Adressen zu kürzen, reicht nicht aus. Aus Datenbergen lassen sich bekanntermaßen Einzelpersonen leicht rekonstruieren.

Opinion by Hans-Georg Kluge
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Unroll.me-Boss Jojo Hedaya gelobt Besserung und will künftig deutlicher über die Finanzierung seines Dienstes informieren. "We can do better" heißt sein Blog-Eintrag. Er sollte eigentlich betitelt sein mit: "Ihr habt uns erwischt".

Lest Ihr Datenschutzbestimmungen durch? Meidet Ihr konsequent Dienste, die möglicherweise Daten verkaufen? Lasst es uns mit einem Kommentar wissen.

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10 Kommentare

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  • Takeda vor 2 Monaten Link zum Kommentar

    Ich habe es beim blackview geschafft Android ohne Google zu nutzen, habe mit Root alle apps die zu Google telefonieren gelöscht, so habe ich jetzt weniger datenvolumen Verbrauch. Akku hält auch länger und mit f droid hat man auch alle apps. Ei gehen apps laufen nicht weil sie google brauchen aber was ich brauche läuft auch.

  • Tenten vor 2 Monaten Link zum Kommentar

    Vorweg, ich mag Uber nicht, ich finde deren Methoden skrupellos und menschenverachtend. Allerdings muss man diesem Unternehmen schon fast dafür dankbar sein, einfach keinen Fettnapf auszulassen und dadurch (negative) Medienpräsenz zu bekommen. Denn es ist wichtig, dass die Themen Datenschutz und Datenmisbrauch den Leuten immer und immer wieder frisch ins Bewusstsein gerufen werden. Nicht mit dem mahnenden Zeigefinger, denn da machen die meisten sofort zu, sondern anhand negativer Beispiele wie eben Uber und Konsorten.

  • Ina Z. vor 2 Monaten Link zum Kommentar

    Globales Kontroll-Organ. Das trifft es gut, Major Tom. Leider. Und es wird immer aufwändiger, sich zu entziehen. :-(.

  • Die Informationen über Vorgänge im Hintergrund sind meist gut versteckt und in juristen-deutsch verfasst. Im Falle WhatsApp wollte man nicht mal die AGB in deutsch herausgeben. Dazu brauchte es zusätzlich ein Gerichtsurteil...
    Mir selber ist immer eine Bezahlung lieber als meine Informationen durch die ganze Welt zu schleudern. Ja wir profitieren auch davon, klar, aber trotzdem finde ich es ein moralisch total verkommenes System. Und deshalb habe ich auch meine Aktivitäten weitestgehend eingeschränkt. Nur was wirklich gebraucht wird und unverzichtbar ist wird benutzt.
    Und ich warte schon ungeduldig auf die Sailfish Serie von Sony. Dann verliert Google einen Kunden.
    Das schlimme an der Geschichte ist, man kann sich nur durch einen Komplettausstieg wirklich schützen. Es nervt ständig aufwendige Gegenmaßnahmen zu treffen und zu checken was ist halbwegs sauber.
    Die moderne IT ist moderne versklaverei. Ein globales Kontrollorgan. Die Ausmaße haben die Leute bis heute nicht realisiert. Jeder ist in seinem Alltagsstress gefangen und will sich etwas ablenken mit seinen Spielzeugen. Man will es einfach nicht wahrhaben was da im Hintergrund abläuft. Auch ich. Ist doch viel zu nett die neue Technik. 😉
    Wie schön die alte Zeit war am PC, als das Internet noch ein Ort der freien Information war. Die Idee wurde verraten. Aber wen interessiert es. Es interessiert das neue S8 (was neues) und alles bleibt wie es ist und wird noch schlimmer in Zukunft. Jeder verkauft jeden und jeder bespitzelt jeden. Der Rubel muss rollen.
    Das ist die traurige Realität.

    • Traurig, aber wahr. Du hast recht, man kann sich dem nur entziehen durch Komplett-Verweigerung.
      Lange Zeit konnte ich guten Gewissens behaupten, ich wäre ziemlich abgeschirmt und sicher. Aber mir ist es zuviel geworden, überall wie ein Luchs aufzupassen. Die Möglichkeiten, an Daten zu kommen, sind quantitativ dermaßen gewachsen, dass ICH mich dem nicht mehr gewachsen fühle.
      Und wenn ich dann so viele junge Menschen in ihrer diesbezüglichen Sorglosigkeit sehe!
      Vielleicht sollte man dem Buch "1984" einen anderen Titel geben, damit die später Geborenen Interesse daran finden. Aber um eBooks zu kaufen, braucht man ja auch schon wieder irgendwo einen account...

      • Tenten vor 2 Monaten Link zum Kommentar

        Man muss 1984 nicht modern machen, damit es wieder Beachtung findet. Es gibt bereits ausreichend moderne Interpretationen dazu. Zum Beispiel die Fernsehserie Person of Interest, die absolut zeitgemäß und sehr gut gemacht ist. Wurde leider nach fünf Staffeln mangels Zuschauerzahlen eingestellt, obwohl sie mit zum Besten gehört, was Kino/Fernsehen derzeit zu bieten haben. Noch aktueller kann man das Thema und die gefährlichen Auswirkungen den Leuten nicht näherbringen.

    • <<< Mir selber ist immer eine Bezahlung lieber >>>
      Und Du glaubst dass Bezahl-Apps nicht spionieren? Habe garnicht gewusst dass Du so naiv bist. :zwinker:

      • Deswegen schreibe ich "halbwegs sauber". Man kann es nur einschränken.
        Mir ging es um das Prinzip lieber zu zahlen und dafür garantiert zu bekommen nicht bespitzelt und verkauft zu werden. Natürlich ist eine bezahlte App keine Garantie. Und da sind wir schon beim Problem. Es wird heute vom Hersteller sogut wie nicht eindeutig und klar ersichtlich kommuniziert​ was im Hintergrund abläuft. Sie lassen sich nicht in die Karten schauen. Man kann das Problem aber nicht nur der Herstellern zuschieben. Wir sind selber schuld uns darauf einzulassen. Selber schuld nicht zu protestieren und zu boykottieren. Oder einfach mal zu verzichten.
        Wäre die Zahlungsmoral anders, dann hätte man vielleicht eine etwas andere Situation. Am Ende geht es ums Geld. Und Geld hat keine Freunde. Siehe Uber.
        Die Problematik ist vielfältig und in kurzen Kommentaren nicht zu beleuchten.
        In Rhetorik und Grammatik bin ich leider nicht so gut wie andere. Sich richtig schriftlich ausdrücken zu können ist nicht meine Stärke.

      • <<< Rhetorik und Grammatik >>>
        Scheint kaum noch einen zu interessieren. Wenn noch nicht einmal mehr Lehrer richtig schreiben können muss man sich nicht wundern wenn... Aber das ist ein anderes Thema. ;)

  • Th K vor 2 Monaten Link zum Kommentar

    Nunja, bei diesem miesen Unternehmen wundert einen gar nichts mehr.

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