Testgeräte: Samsung Galaxy Tab 7“
Android Version: 2.2
Root: Ja
Modifikationen (CPU - Taktfrequenz geändert etc.): OCLF Lag-Fix
Samsung Nexus S
Android Version: 2.3.3
Root: Ja
Modifikationen: Nein
Details zur App: Verwendbar ab: Android 2.0
Apps2SD: Ja
Verlangt Berechtigungen: Netzwerkkommunikation, Speicher, Ihr Standort
Hier bei AndroidPIT haben wir schon einige alternative Browser getestet. Aber keiner hatte bis jetzt eine Ausgangsposition wie sie der Firefox hat. Mit 37.1% ist Firefox der momentan am meisten genutzte Browser in Europa (dahinter der Internet Explorer mit 34.46%). Damit ist Firefox wohl der wichtigste Browser in Europa und eine mobile Version für Android – Webbrowser Firefox 4 - muss selbstverständlich ausführlich getestet werden. Doch zuvor möchte ich euch noch ein paar Statistiken und Hintergrundinformationen geben!
Ich habe den Firefox erstmals in der Version Firefox 1.0 kennengelernt (die Versionen davor liefen unter einem anderen Namen). Das war Ende 2004, ist inzwischen also über sechs Jahre her. Unser Informatik-Professor am Gymnasium hatte ihn parallel zum Internet Explorer installiert. Und schon in den nächsten Monaten vollzog sich ein Wandel, der fast nicht zu glauben war: Ausgehend von Schulen, Universitäten oder einfach Software-interessierten Menschen legte der Firefox einen kometenhaften Aufstieg vor. Wie das möglich war? Vielleicht können sich einige von euch ja erinnern: Der Internet Explorer 6.0 erschien im August 2001 zusammen mit Windows XP. Und bis Oktober 2006 gab es keine neuere Version des bis dahin am meisten genutzten Browsers! Da war ein neuer, ständig weiterentwickelter Browser (der schon bald mit Tabs umgehen konnte!) natürlich sehr willkommen. Und viele Leute – mich eingenommen – haben den Firefox einfach auf jedem PC installiert der uns in die Quere kam. Die meisten Benutzer waren schon bald darauf vom Firefox begeistert und haben wiederum selbst überall den Firefox installiert. Und so hat der Firefox seine große Verbreitung gefunden; selbst Menschen die sich nicht gut am PC auskennen installieren automatisch den Firefox, wenn er noch nicht auf dem PC ist.
Und auch wenn Microsoft es mit dem Internet Explorer 9 nun endlich geschafft hat, einen aktuellen und standardkonformen Browser zu veröffentlichen, ist der Firefox nach wie vor der „König der Herzen“. Kein anderer Browser lässt sich dermaßen umfangreich an die eigenen Wünsche anpassen – die Addons sind ein sehr großer Vorteil des Firefox. Hier nun ein paar Statistiken zur Verbreitung der wichtigsten Webbrowser:
- Europa: Firefox 37.1%, Internet Explorer 34.46%, Google Chrome 18.68%
- Deutschland: FF 58.6, IE 21.32, Chrome 11.54
- Österreich: FF 46.41, IE 31.71, Chrome 12.62
- Schweiz: IE 37.95, FF 35.44, Safari 13.4, Chrome 11.27
- Nordamerika: IE 46.82, FF 25.41, Chrome 15.73
- Asien: IE 50.3, FF 28.17, Chrome 17.96
Man sieht also schon ganz beträchtlich Unterschiede, sogar im Vergleich Deutschland – Österreich – Schweiz. Besonders interessant ist die Entwicklung von Google Chrome. Chrome konnte teilweise den Vormarsch des Firefox stoppen (der inzwischen so oder so eine gewisse Sättigung erreicht hat) und legt seitdem Monat für Monat kräftig zu. Ich denke längerfristig gesehen werden sich Chrome, Firefox und der Internet Explorer auf einem ähnlich hohen Level einpendeln. Aber jetzt wirklich zur App selbst!
Der Webbrowser Firefox 4 (im Folgenden mit „FF4“ abgekürzt) belegt nach der Installation satte 17MB Speicher. Zum Vergleich: Der Dolphin Browser HD braucht selbst mit Cache-Daten nur rund 6MB. Ein allzu großes Problem sollte das aber nicht sein, der FF4 lässt sich auf die SD Karte verschieben. Zudem muss man eine wichtige Unterscheidung treffen: Während der Dolphin Browser die Rendering-Engine (d.h. den Code-Unterbau, der zur Darstellung von Webseiten nötig ist) des Android Standard-Browser verwendet, liefert der FF4 seine eigene Rendering-Engine mit. Das erklärt auch, dass er mehr Speicher benötigt.
Am PC wirft man dem Firefox immer wieder vor, er würde langsam starten und viel Arbeitsspeicher belegen, wohingegen Chrome z.B. beides besser mache. Die wirklich interessante Frage für uns ist nun aber: Wie sieht es unter Android aus? Dazu möchte ich den FF4 mit dem Dolphin Browser HD vergleichen. Ich habe beide Testgeräte neu gestartet und zuvor den Cache beider Browser gelöscht. Danach habe ich in beiden Browser drei Tabs geöffnet, die die jeweils gleichen Webseiten geladen haben.
- Galaxy Tab: Dolphin HD 53MB, Firefox 4 52.78MB
- Nexus S: Dolphin HD 54MB, Firefox 4 66MB
Während also am Galaxy Tab beide Browser mehr oder weniger gleichauf liegen, scheint am Nexus S der Dolphin Browser sparsamer mit dem Arbeitsspeicher umzugehen. Ich nehme an das liegt an den Unterschieden von Android 2.2 (Galaxy Tab) auf Android 2.3.3 (Nexus S) und wie gut beide Browser auf die jeweilige Plattform zugeschnitten sind. Auf beiden Geräten benötigt der FF4 deutlich mehr Zeit zum Starten. Auffällig ist dies vor allem beim ersten Start bzw. bei einem Start wenn der FF4 nicht mehr im Arbeitsspeicher liegt, d.h. er beendet wurde.
Bevor ich zur Verwendung des Firefox 4 im Alltag komme möchte ich noch ein paar Benchmarkergebnisse vergleichen. Hierbei sei angemerkt: Da der Dolphin Browser wie bereits erwähnt die Rendering-Engine des Android Standard-Browsers verwendet, sind deren Benchmarkergebnisse so gut wie identisch.
Acid 3 (mehr ist besser, 100 ist das Maximum):
- Galaxy Tab: Dolphin HD 93, Firefox 4 97
- Nexus S: Dolphin HD 93, Firefox 4 97
SunSpider JavaScript Benchmark (weniger ist besser):
- Galaxy Tab: Dolphin HD 5805, Firefox 4 2678
- Nexus S: Dolphin HD 5742, Firefox 4 2687
Peacekeeper (mehr ist besser):
- Galaxy Tab: Dolphin HD 472, Firefox 4 526
- Nexus S: Dolphin HD 519, Firefox 4 535
Der FF4 schlägt den Dolphin Browser HD (d.h. auch den Android Standard-Browser) in allen drei Benchmarks auf beiden Geräten. Aber was heißt das? Benchmarks sagen zwar etwas über die Leistung eines Browsers aus, sind aber dennoch zu einem großen Teil „relitätsfremd“. Es sind eben Werte, die nicht viel über die Erfahrung in der alltäglichen Verwendung sagen. Der Acid Benchmark testet korrekten Seitenaufbau und Standardkonformität, der SunSpider Benchmark nur die JavaScript-Performance, und der Peacekeeper Benchmerk versucht möglichst viele Bereiche abzudecken um ein Ergebnis zu erzielen dass nahe an der Erfahrung der Benutzer steht. Und dabei sieht man vor allem eines: Im Benchmark, der einzig und allein Javascript-Performance testet, kann der FF4 so richtig auftrumpfen. Beim praxisnäheren Peacekeeper Benchmark sieht die Sache schon etwas anders aus, und vor allem: Während es bei all den Tests nur kleinere Unterschiede zwischen dem Galaxy Tab (Android 2.2) und dem Nexus S (Android 2.3.3) gab – sowohl beim Dolphin Browser HD als auch beim Firefox 4 – zeigt sich beim Peacekeeper Benchmark-Ergebnis des Dolphin Browsers HD ein deutlicher Unterschied zwischen den Plattformen.
Trotzdem: Das Wichtigste für mich bei einem Browser sind längst nicht die Benchmarkergebnisse, sondern wie er sich beim normalen Surfen schlägt. Und hier sage ich gleich vorweg: So schön die Benchmarkergebnisse auch sind, hier ist das große Manko des FF4. Aber sehen wir es uns genauer an! Hinweis: Ich gehe bereits in dieser Kategorie auch auf große Teile des FF4 ein, die eigentlich unter „Bildschirm & Bedienung“ fallen. Da besonders bei einem Browser die Grenze aber schwer zu ziehen ist, bewerte ich die Kategorie „Bildschirm & Bedienung“ zwar wie üblich, beschreibe sie aber bereits teilweise in dieser Kategorie.
Grundsätzlich macht der FF4 alles richtig, dennoch liegt es an vielen kleinen Details, dass das Surfvergnügen bei mir nicht so ganz aufkommen will. So wie der Dolphin Browser HD hat auch der Firefox 4 zwei Menüs jeweils an der rechten und linken Seite der Webseite. Das bedeutet: Stoßt man ganz am linken Rand einer Webseite an und scrollt trotzdem noch weiter nach links, zeiht man eine schmale Leiste ins Bild. Diese zeigt geöffnete Tabs an (mit einer kleinen Vorschau in Fenstern) und bietet die Möglichkeit, neue Tabs zu öffnen bzw. gerade geschlossene wiederherzustellen. Auch auf der rechten Seite hat der FF4 solch ein Menü; hier „verstecken“ sich die Buttons für Vor/Zurück, Einstellungen und Lesezeichen. Der Dolphin Browser HD hat exakt dieselben Leisten links und rechts, belegt sie jedoch mit anderen Funktionen: Links werden die Lesezeichen angezeigt und man findet einen Button um die geöffneten Tabs als große Vorschau zu sehen, rechts findet man Funktionen für Vollbildmodus, Einstellungen und (installierte) Plugins. Wer da jetzt bei wem abgeschaut hat ist mir völlig egal. Ich finde die Funktionen in den Leisten des Dolphin Browser HD ein klein bisschen nützlicher, aber das wird wohl auch Geschmackssache sein.
Eine Sache stört beim FF4 jedoch gewaltig: Mal angenommen, man zoomt in eine Webseite hinein. Nun „schubst“ man das Bild mit dem Finger nach rechts oder links, um zu scrollen. Der Firefox 4 sieht die Leisten am Rand wie einen Teil der Webseite an, d.h. durch das Scrollen per Schubser werden auch die Leisten angezeigt, sobald beim Scrollen die Webseite am Rand angelangt ist. Das nervt beim surfen! Der Dolphin Browser HD macht das besser: Egal wie fest man eine Webseite mit dem Finger anschubst, wenn sie am Rand anstoßt werden die Seitenleisten nicht eingeblendet. Erst wenn man am Rand ist und dann nocheinmal ein Stück weiterzieht, öffnen sich die Seitenleisten. Das ist wesentlich komfortabler, da man die Seitenleisten nicht ständig versehentlich einblendet.
Und wenn wir schon beim Scrollen sind: Für mich ist das Scrollen im Firefox 4 eine Katastrophe! Man kennt das ja von iPhone, Android und Co.: Mann kann etwa in Listen oder Webseiten mit dem Finger am Display bleiben und langsam scrollen – so als würde man den Inhalt mit dem Finger „verschieben“ - oder man wischt nur ein kurzes Stück, dafür umso schneller, über das Display. Dann scrollt die Liste/Webseite/etc. weiter, auch wenn man den Finger schon lange nicht mehr am Display hat. Je mehr Schwung man auf diese Weise mitgibt, desto schneller und länger scrollt der Inhalt. Logisch. Das nennt sich „kinetisches Scrollen“, und der FF4 beherrscht das natürlich auch. Aber: Sowohl im Android Standard-Browser als auch in den Android Menüs oder in Anwendungen bzw. Browsern aus dem Market hat sich eine ziemlich einheitliche Geschwindigkeit für das kinetische Scrollen herauskristallisiert. Der Firefox 4 hält sich leider gar nicht daran. Das kinetische Scrollen ist im FF4 eine Qual! Zum Vergleich: Ich gehe auf die AndroidPIT Homepage und gebe der Seite im Dolphin Browser HD einen sehr schwungvollen Schubser um nach unten zu scrollen. Die Webseite scrollt bis etwa ins letzte Drittel. Im FF4 mache ich nun dasselbe und siehe da: Obwohl ich sehr viel Schwung gegeben habe scrollt die Webseite bei weitem nicht einmal zur Hälfte. Längere Webseiten schnell durchzuscrollen führt beim FF4 zu einem Fingerkrampf, da man mindestens doppelt so oft über das Display streichen muss.
Auch Zoomen per Multitouch beherrscht der Firefox 4. Und das butterweich! Aber: Der Text wirkt beim Hineinzoomen deutlich ausgefranster als beim Dolphin Browser HD. Und noch etwas stört: Wenn man in eine Webseite hineinzoomt und dann sehr schnell wieder hinauszoomt, sieht man rund um den gerade noch vergrößert dargestellten Bildausschnitt graue und weiße Kästchen und es dauert kurz, bis der Inhalt wieder dargestellt wird. Im Dolphin Browser HD kommt das nicht vor!
Besonders wichtig bei einem mobilen Browser ist die Textdarstellung. Ist diese nicht gut, kann man z.B. sehr kleinen Text (etwa wenn man noch nicht in eine Webseite hineingezoomt hat) nicht vernünftig lesen. Besonders gut sieht man das etwa am Nexus S: Man muss nur in beiden Browsern die AndroidPIT Homepage aufrufen, ohne sie zu vergrößern. Der kleine Text ist im FF4 etwas schlechter zu lesen. Alles in allem ist die Textdarstellung aber o.k.
Aber der Firefox 4 hat natürlich auch Stärken! So bietet er bereits jetzt nützliche Addons, die direkt über den Browser installiert werden können. Nach der Installation muss der FF4 jedoch neu gestartet werde. Auch der Dolphin Browser HD bietet Addons – momentan sogar mehr – über kurz oder lang wird der FF4 da aber sicher stark nach- und überholen. Eine nützliche Funktion, die der Dolphin Browser HD durch ein Addon bietet, hat der FF4 bereits eingebaut: Man kann mit einem Knopfdruck eine ganze Webseite als PDF speichern. Im Test funktionierte das sehr oft nur unvollständig: So wurde etwa bei der AndroidPIT Homepage nur der obere Teil gespeichert. Auch das Addon „Personas“ macht wenig Sinn. Mit Personas kann man normalerweise die Benutzeroberfläche des Firefox anpassen, nur: Nach der Installation des Addons konnte man keine Einstellungen vornehmen! Der Button „Einstellungen“ war ausgegraut. Damit hat dieses Addon nur denn Nutzen, dass man es installieren und wieder deinstallieren kann. Na toll...
Zwei wirklich uneingeschränkt tolle Features sind hingegen, dass man die Lesezeichen des mobilen Firefox und des Firefox am PC automatisch abgleichen kann. Sehr praktisch und sehr hilfreich! Man muss dazu nur einen Code eingeben, der im Firefox 4 angezeigt wird. Des weiteren bietet der FF4 einen Downloadmanager, wie man ihn von der PC Version kennt.
Aber wie steht es um die Geschwindigkeit des Seitenaufbaus? Bei manchen Seiten ist der Firefox 4 schneller, bei manchen der Dolphin Browser HD. Einen klaren Sieger konnte ich nicht ausmachen. Selbst anspruchsvolle Seiten wie Engadget sind für den Firefox kein Problem, das Scrollen bleibt butterweich (wenn auch nach wie vor eine Qual). Inkompatible Seiten habe ich keine gefunden. Was auffällt: Bilder sehen im FF4 deutlich ausgefranster aus als in anderen Browsern. Vielleicht schummelt der FF4 so, damit man flüssiger scrollen kann?
Fazit: Der Firefox 4 hat mich fertig gemacht. Es gibt wirklich tolle Dinge, die der FF4 zu bieten hat, aber der Browser ist einfach zu durchwachsen! Da wäre einerseits eine gute Bedienung, die aber immer wieder durch kleine Unzulänglichkeiten (Seitenleisten, kinetisches Scrollen etc.) getrübt wird und andererseits eine gute Seitendarstellung, die aber ebenfalls Mankos hat (etwas schlechtere Textdarstellung, ausgefranste Bilder, Schachbrettmuster beim Rauszoomen). Zudem ärgern Addons, die überhaupt gar nicht erst funktionieren! Merzt man diese Fehler aus, kann ich den Firefox 4 sehr empfehlen. Bis dahin muss ich leider sagen: Es gibt für Android deutlich bessere Browser! Der Dolphin Browser HD etwa bietet viel mehr Einstellungsmöglichkeiten und trumpft insgesamt mit mehr Funktionen auf.
Inzwischen ein guter mobiler Browser. Ich vermisse die möglichkeit des cache auf SD auszulagern wie bei dolphin. bitte macht das im nächsten update möglich.