Testgerät: Motorola Milestone 2
Android Version: 2.2
App benötigt mindestens: 1.5
Berechtigungen: Ziemlich viele, die aber auch gebraucht werden
root: nicht benötigt
PAW Server für Android bietet einen großen Funktionsumfang – wobei man sich immer vor Augen halten sollte, dass es sich hier noch um eine Beta-Version handelt! Was also lässt sich alles mit dieser App anstellen?
Nachdem Du die knapp 3MB aus dem Market geladen und die App installiert hast, musst Du sie natürlich zunächst starten. Ein ziemlich simples Interface begrüßt Dich hier, in dem Du nicht viel machen kannst: Eigentlich nur den Service starten (bzw. beenden, wenn er läuft). Wirkt zunächst wenig beeindruckend – aber alles andere geschieht dann vom Web-Browser aus. Die passende URL zeigt Dir die App an, sobald Du den Service gestartet hast. Diese tippst Du auf dem PC in den Webbrowser ein, und schon kann es losgehen.
Erster Pluspunkt also: Plattform-Unabhängigkeit! Einen Web-Browser bietet jedes nur halbwegs moderne Betriebssystem. In meinem Test war das Firefox 3.6 unter Ubuntu.
Nach dem eingeben der URL und dem Laden der ersten Seite wirst Du nun mit einem Anmelde-Bildschirm begrüßt. Klar: Dein Androide ist ja jetzt beliebig aus dem Netz erreichbar, auch wenn in der Regel nur aus dem lokalen WLAN – aber mit entsprechendem „Mapping“ in Deinem Internet-Router kannst Du ja auch eine entsprechende Freigabe einrichten, sodass auch von Extern ein Zugriff möglich wäre. Ein gewisser Schutz ist daher selbstverständlich. Für Deinen ersten Zugriff stehen die Default-Login-Daten direkt unter den Eingabefeldern. Ändern kannst Du diese später.
Zweiter Pluspunkt: Remote-Wartung ist möglich! Du kannst Dir auf diese Weise also z.B. von einem „Experten“ hilfreich unter die Arme greifen lassen.
Ja OK, toll: Anmelden aus dem lokalen Netz, anmelden von irgendwo – aber wozu? Was kann man denn nun tun, wenn man sich angemeldet hat? So viel, dass es diesen Testbericht sprengen würde, sollte ich auf jedes Detail eingehen. Wer also daher, wie ich, zunächst lieber anhand einer „Demo-Vorführung“ informiert werden möchte, dem seien zwei Youtube-Videos empfohlen: Ein allgemeiner Überblick, sowie die Vorführung eines speziellen Features: Läuft nämlich der PAW-Server, so erhält das „Share“ Menü einen zusätzlichen Eintrag, mit dem sich Daten zwischen dem Androiden und dem PC austauschen lassen. Coole Sache!
Unmittelbar nach der Anmeldung erhaltet Ihr aber zunächst einen Überblick über das „angeschlossene System“: Gerätename, Android-Version, Uptime (wie lange ist es schon angeschaltet?), interner und externer Speicher. Ein Blick auf die Statusbar am oberen Rand verrät Euch übrigens stets die Auslastung der CPU, Stärke des WLAN-Signals, freies RAM, aktuelle Lautstärke, sowie Batteriestand. Sofern verfügbar, soll hier auch die GPS-Info auftauchen – das konnte ich bei dem vielen Beton um mich aber nicht testen.
Während der zentrale „Frame“ die jeweilig ausgewählten Details anzeigt, findet Ihr am linken Rand das Menü: Hier könnt Ihr auswählen, was Ihr sehen (oder tun) wollt. Unmittelbar nach der Anmeldung ist das „Phone“ Menü geöffnet: Hier könnt Ihr direkt einen Anruf auslösen, die Anrufliste auslesen – oder Euer Telefon klingeln lassen, falls Ihr nicht mehr wisst, wo Ihr (oder Euer Hund) den Knochen hingelegt habt.
Was hier aber auch auffällt, ist ein kleiner Haken: Alles ist in Englisch! Aber wie bereits erwähnt: Es ist noch eine Beta, und Features first, please...
Was für die Telefonie im ersten Menü galt, wiederholt sich nun in den nächsten beiden Punkten für SMS und EMail: Eine EMail könnt Ihr lediglich verschicken (naja, das kann man am PC auch anders). Bei SMS könnt Ihr jedoch auch die erhaltenen und die verschickten Nachrichten einsehen. Und natürlich SMS verschicken, die Ihr ganz normal per Tastatur am PC verfasst! Das ist schonmal was feines, und wir halten fest:
Dritter Pluspunkt: Anrufe vom PC initialisieren, SMS vom PC aus lesen und schreiben!
In der Media-Sektion begrüßt Dich zunächst ein Dateimanager: Hier kannst Du das gesamte Dateisystem durchforsten (nicht nur die SD-Karte), Dateien auf den PC herunter- oder auch vom PC hochladen. Allerdings nach Web-Manier, und nicht per Drag-and-Drop. Geht es um die gemachten Fotos, so nutzt Du besser den Camera-Browser: Nicht nur bietet Dir dieser eine Vorschau der Bilder, er lässt Dich auch eines davon als Hintergrund-Bild festlegen. Auch eine Dia-Show (Image Slideshow) findet sich hier. Mit dem Voice Recorder verwandelst Du eben Mal Deinen Androiden in ein Diktiergerät (und kannst die gemachte Aufnahme auch direkt von hier aus auf diesem abspielen lassen). Per Text to Speech liest Dir Dein Phone schließlich vor, was Du in die Textbox eingibst. Was eine Webcam wohl ist, brauche ich Euch sicher nicht zu erklären – und unter dem „vergessenen“ Punkt MP3 Player wählst Du Musik auf dem Gerät aus, welches selbiges dann abspielt.
Vierter Pluspunkt daher: Dateien auf dem Androiden vom PC aus verwalten, Medien wiedergeben, Hintergrundbilder festlegen, und weitere Features remote nutzen!
Die Fun Sektion ist eher schmal und kaum erwähnenswert (aber auch weniger wichtig). Sie bietet Dir ein Memory-Spiel aus den auf dem Androiden gefundenen Icons, sowie ein Puzzle aus einem vom Gerät gewählten Bild.
Die Addons sind jedoch wieder interessant: Nutzern von GreaseMonkey (einem Addon u.a. für Firefox) bietet sich hier ein vereinfachter Zugriff auf den Market (market:// Links werden dann direkt zum Phone umgeleitet), sowie eine Browser-Toolbar, über die sich eine Seite dann direkt auf dem Telefon-Webbrowser öffnen, oder eine Route von Google Maps/Streetview dorthin übertragen lässt; auch Bookmarks lassen sich so im Browser Eures Androiden ablegen. Und auch Entwickler werden hier fündig, die den PAW Server um eigene Funktionalitäten erweitern, oder seinen „Core“ in eigene Apps einbinden möchten. Letztere Gruppe sollte sich auch unbedingt auf der Website des Projekts umschauen, wo es weitere interessante Informationen gibt.
Kommen wir zum System: Hier öffnet sich das ganze Repertoire der Systemüberwachung. Du kannst Dir z.B. eine Liste der laufenden Prozesse oder der installierten Apps anzeigen lassen (bei letzteren tauchen interessanterweise Dinge auf, die Dir auf dem Telefon selbst im App-Drawer gar nicht angezeigt werden – und erstere Liste erlaubt natürlich auch das „Killen“ von Prozessen). Aus letzgenannter Liste heraus kannst Du auch Apps direkt auf dem Gerät starten lassen. Auch kannst Du ein Backup der von Dir installierten Anwendungen anlegen: Hier wird die .apk Datei zum Download angeboten (praktisch auch, wenn Du selbige für ein anderes Gerät benötigst, welches die App im Market nicht findet). Die Zwischenablage Deines PCs und des Androiden lassen sich hier „verbinden“, und auch die Systemlogs kannst Du einsehen und Lautstärkeeinstellungen anpassen.
Fünfter Pluspunkt: Systemverwaltung inklusive Prozessliste, installierte Apps, App-Backup, Logfiles und Clipboard!
In der Server Sektion kannst Du den PAW Server konfigurieren. Wichtig hier vor allem: Die Anmeldedaten (Benutzer und Passwort). Für mehr Sicherheit (insbesondere, wenn Du den Server über das Internet bedienen möchtest) kannst Du auch das Protokoll auf „HTTPS“ umstellen. Auch lässt sich der PAW Server als Proxy konfigurieren, was ich allerdings nicht probiert habe.
Die Sektion Development ist – der Name legt es nahe – vor allem für Entwickler interessant: Hier lässt sich die App erweitern. Als Programmiersprache kommt dabei sogenannter „Bean Shell Code“ zum Einsatz, der sich in HTML einbetten lässt (aber nur von PAW selbst interpretiert wird). Über Plugins lässt sich dies noch um z.B. PHP erweitern. Beispiel-Codesnippets erleichtern den Einstieg.
Sechster Pluspunkt: Erweiterbarkeit. Erfordert allerdings Programmierkenntnisse. Gleiches gilt für zahlreiche Funktionen, die zwar nicht in die GUI eingebunden sind – sich aber über die API ansprechen lassen.
Siebenter Pluspunkt: Für Tasker- und Locale-Fans enthält die App bereits ein Plugin, mit der sich der Service direkt starten lässt (also nicht nur die App starten, sondern dort auch den Start-Button drücken)
Fazit: PAW Server für Android bietet eine Vielzahl an Funktionen und Möglichkeiten. Als Web-Client ist er vielleicht nicht so bequem wie eine „native Anwendung“, dafür aber überall verfügbar, ohne dass erst irgendwas auf dem PC installiert werden muss. Und auch völlig unabhängig vom auf selbigem laufenden Betriebssystem – geht also auch beim Besuch bei Freunden und Verwandten. Einzelne fehlende Dinge (wie die deutsche Sprachunterstützung) möge man der App nachsehen, da sie sich noch im Beta-Status befindet.
Marc Reisner
Very good idea, but after update it does no longer start. Design is bad, some buttons still not named as they should. Windows on desktop too small (e.g. file browser). Even though 4 stars.