Die Frage aus der Einleitung interessiert insbesondere diejenigen Twitter-Nutzer, welche sich mit der Politik Twitters gegenüber Drittanbietern in letzter Zeit befasst haben. Twitter fährt nämlich in den letzten Wochen einen - in meinen Augen - sehr gefährlichen Paradigmenwechsel. So werden Applikationen wie Boid, Tweet Lanes oder TweetBot (für iOS) per API auf eine gewisse Anzahl an Aufrufen limitiert und weiterhin werden den Drittapplikationen auch einheitliche Designrichtlinien vorgeschrieben, sofern diese Drittapplikationen weiterhin bestehen wollen. Dies ist in meinen Augen insofern gefährlich, da Twitter erst durch diese Applikationen den Standpunkt erreicht hat, den es derzeit innehat. Wenn man sich nun von den diversen Clients trennt, dann muss die hauseigene Applikation überzeugen und fast schon einer eierlegenden Wollmilchsau gleichen, um die Anforderungen der Nutzer zu erfüllen.
Das erste Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu meinen persönlich genutzten Twitter-Clients Plume und Boid springt dem Nutzer beim Durchforsten des sogenannten Streams ins Auge - „Gesponsorte Beiträge“. An diesem Punkt wird dem aufmerksamen Beobachten dann auf, dass dies genau die Intention von Twitter ist. Durch die Beschneidung von Drittclients soll erreicht werden, dass die Nutzerbasis auf die nativen Applikationen setzt und somit die Werbung - welche dort geschaltet ist - auch beim Endkunden ankommt.
Weiterhin bietet der Twitter Client für Android ein sehr geteiltes Bild. So sind Funktionen wie eine Autovervollständigung für Benutzernamen und Hashtags implementiert und somit ist eine - für viele viele Nutzer - fast schon obligatorische Funktion vorhanden. Was jedoch unverständlicherweise nicht vorzufinden ist, sind die diversen Filterfunktionen. Warum man nicht die Freiheit besitzt diverse Hashtags zu blockieren ist nicht ganz nachvollziehbar. Man kann zwar einzelne Nutzer blockieren, aber auch dies ist mehr als umständlich gelöst. So muss man erst auf die betreffende Person klicken, dann im erscheinenden Bildschirm die Schaltfläche für weitere Funktionen anklicken und dort dann den Nutzer blockieren. Warum einfach wenn es auch umständlich geht?
Die restlichen Grundfunktionen sind - wie auch nicht anders zu erwarten - innerhalb der Twitter Applikation vorzufinden. Retweets, Antworten und das Schreiben von Beiträgen gehen leicht von der Hand und sind intuitiv gelöst. Was jedoch auch wieder sehr umständlich gelöst ist, ist die etwas wirre Art wie diverse Optionen eingeblendet werden können. So kann man diese mit einem Wischen auf dem Tweet erreichen - was nicht immer funktioniert beziehungsweise sehr wirr erscheint - oder man klickt auf den Tweet, enthält die gesuchten Optionen und weiterhin - was im Vergleich zu diversen Clients auch vorzuheben ist - auch Informationen was bisher auf diesen Tweet geantwortet wurde, wie oft dieser „Favorisiert“ oder „Retweetet“ wurde. Letztere Möglichkeit ist deutlich schneller und einfacher und mir persönlich erschließt sich wie gesagt nicht wieso man den Weg über das Wischen gehen sollte.
Sonst ist die Twitter Applikation - wie bereits erwähnt - grundsolide. Keine große Überraschungen, sondern Funktionen die von jeder anderen guten Twitter Applikation auch unterstützt werden. Erwähnungen werden angezeigt, man kann Tweets und Twitter Nutzer entdecken und weiterhin auf dem neuen Profil sein eigenes oder das Profil anderer bewundern. Was jedoch wieder sehr umständlich und bizarr gelöst ist, ist die Anzeige von Direktnachrichten. Warum es dafür keine eigene Schaltfläche im oberen Bereich gibt bleibt wohl für immer ein Geheimnis der Entwickler und Designer von Twitter.
Fazit:
Twitter für Android macht eine sehr gute Funktion, da eigentlich alle Funktionen die das Herz wünscht in der Applikation enthalten sind. Twitter kann eben - wie kann es auch anders sein - aus der offiziellen Twitter Applikation ohne große Mängel benutzt werden. Aus der funktionalen Sicht ist Twitter für Android damit zu empfehlen. Was jedoch die intuitive Bedienung und die Darstellung angeht, trifft dies nicht immer zu - doch dazu mehr im nächsten Kapitel.
Update - 02.05.2013
Nach den letzten größeren Updates gibt es einige Aspekte der offziellen Twitter Applikation, welche es zu Beleuchten gibt. So hat sich Twitter als Standard-Applikation auf meinem Smartphone durchgesetzt. Trotz der kleineren und größeren Abstriche, ist die App eine Empfehlung wert.
Eines der Alleinstellungsmerkmale sind die Interaktionen, welche man in der Spalte der Erwähnungen vorfindet. Diese zeigen dem Nutzer schnell und einfach an, welche "Tweets" nun per Retweet verbreitet wurden und ob "Follower" diese favorisiert haben. Insbesondere diese Interaktionen können überzeugen und die restliche Funktionalität ist im Großen und Ganzen noch identisch.
Fast alle Funktionen werden bedient, wobei man im Vergleich zu TweetCaster einige Spielereien vermisst, aber der Fokus auf das Konsumieren von Inhalten ist gelungen. Als einziger größerer Kritikpunkt bleibt die fehlende Individualität der Applikation. Also die Möglichkeit die verschiedenen Funktionen eigenständig anzuordnen. Alles in allem bleibt aber ein sehr guter Eindruck der Applikation. Die große Neuerung ist jedoch in der nächsten Kategorie zu finden.
Anmerkung: Auf dem Nexus 4 war es nicht möglich mobil Bilder hochzuladen. Auch erschienen in unregelmäßigen Abständen Artefakte und Tweets "wanderten" über den Bildschirm. Dies hat sich mit dem letzten Patch wieder verbessert.
Alles gut