Testgerät: HTC Wildfire
Android Version: 2.1
Berechtigungen: Ziemlich viele, aber anscheinend soweit OK
In Sachen Werbung nimmt Google Goggles den Mund recht voll – wie auch im ersten Screenshot zu sehen: Es will so ziemlich alles erkennen, überall mitreden, und auch zu allem etwas wissen. Das habe ich nun in den letzten Tagen eingehend auf seinen Wahrheitsgehalt geprüft – und, vorab gesagt: Im Groben und Ganzen stimmt es tatsächlich – so erstaunlich das klingen mag! Was eigentlich bedeutet, dass mein Testbericht dieses Mal doppelt so lang ausfallen müsste, wollte ich über alles berichten. Aber Ihr kennt mich ja: Ich halte es lieber kompakt und informativ. Daher gleich an dieser Stelle ein Verweis auf den Forums-Thread, in dem Ihr mehr Details und Screenshots finden könnt – und hier eine möglichst kompakte Zusammenfassung.
Gleich zuerst ist anzumerken: Goggles spricht ausschließlich Englisch. Aber das soll sich in einer späteren Version ändern. Für die Bedienung der App ist das nicht weiter hinderlich – ärgerlich wird es nur bei den Informationen, die Goggles ja liefern soll: Nicht einmal bei der integrierten Google-Suche war man so schlau, die Sprache korrekt zu wählen. Und spätestens das kostet der App den fünften Stern.
Nun noch ein kurzer Hinweis auf das, was Goggles nach eigenen Angaben nicht erkennt: Tiere, Möbel und Kleidungsstücke. Mein Test zeigte, dass es durchaus auch bei anderen Dingen Erkennungsprobleme gab – die App aber ansonsten beachtliches leistete. Ich gehe das hier kurz anhand der vom ersten Screenshot vorgegebenen Kategorien durch:
Bücher und DVDs: Hier glänzt Goggles mit sehr guten Ergebnissen. Die „Objekte“ wurden schnell erkannt (i.d.R. in weniger als 3 Sekunden) und korrekt zugeordnet. Sogar mit russischen DVDs wusste die App etwas anzufangen, und bot hier sogar russische Suchergebnisse (warum keine deutschen bei deutschen Büchern/DVDs?). Super.
Landmarks (Sehenswürdigkeiten): Auch hier alles bestens. Ein beliebiges Einfamilienhaus führt zwar nur zu einer Liste „ähnlicher Bilder“ - ist aber auch keine Sehenswürdigkeit (sorry, wenn ich damit jetzt jemandem auf den Fuß getreten bin: Dein Haus ist natürlich eine Sehenswürdigkeit – nur nicht im Sinne eines „Wahrzeichens Deiner Stadt“). Zum Karlstor am Münchener Stachus hatte ich aber auch hier wieder in weniger als drei Sekunden gute Ergebnisse und nützliche Informationen zur Hand.
Logos: Nein, nicht Legos – Logos! Und auch das klappt vorzüglich, wie in den beiden Punkten zuvor. Sofern die Marke einigermaßen bekannt ist.
Contact Infos (Visitenkarten): Alle Achtung! Gute Erkennungsrate. Naja, kleine Fehler schleichen sich da schon ein – kennt man ja von OCR: Insbesondere wurden kleine „e“s hin und wieder zu kleinen „c“s. Verspieltes verspielt dann auch hier (etwa „Symbole“ für Telefon/Fax/Mobil statt der Zeichenfolgen „Tel/Fax/Mobil“, und dann keine internationale Vorwahl – daran scheiterte auch Goggles). Aber „normale“ Visitenkarten – alles Top!
Artwork (Kunstwerke): Also das hat mich wirklich umgehauen. Ich habe einige mehr oder weniger bekannte Kunstwerke mit Google Images gesucht, und dann (jeweils von den Originalseiten) im Browser anzeigen lassen. Es hat nie länger als 3 Sekunden gedauert, und das korrekte Ergebnis war da! Sogar eine von Michelangelo gefertigte Statue konnte Goggles hier nicht auf's Kreuz legen. Hut ab!
Businesses: Naja, das war ein kompletter Reinfall – hier erkannte Goggles kein einziges. Der Abbildung im ersten Screenshot zufolge sollte man meinen, auch Tante Emmas Gemüsestand würde identifiziert – aber Goggles schaffte nicht einmal Saturn oder McDonalds, obwohl zumindest letzterer Gerüchten zufolge auch in den Staaten Filialen haben soll. Mau.
Products (Produkte): So la-la. Sofern teuer und bekannt genug, werden sie tatsächlich erkannt (Chanel). Alles andere sind Glückstreffer. Positiver Ausrutscher: Eine Flasche „Hacker-Pschorr Radler“ wurde als „Hacker-Pschorr Weisse Bock“ erkannt – ok, die Flaschen sehen sich ähnlich (anbetrachts des amerikanischen Biers hätte ich es eher umgekehrt erwartet). Staubsauger, Waschmaschinen, elektronische Bilderrahmen – Fehlanzeige. Auch im lokalen Super- oder Drogeriemarkt war mit Goggles kein Blumentopf zu gewinnen. Hm, Automarken hätte ich noch prüfen sollen...
Barcodes: Hier ist das Ergebnis ein wenig durchwachsen. Mit steigendem Preis des Produktes steigen allerdings die Chancen der Erkennung: Super- und Drogeriemarkt sind auch hier wieder eine Fehlanzeige (mit Ausnahmen bei Markenprodukten), auf/mit dem Mars (Planet/Schokoriegel) tut es auch nicht. „Chance by Chanel“ hingegen bringt dann auch bei der Produktsuche gute Treffer (allerdings mit Preisen in US-Dollar), Mikrowellen und Fernseher werden plötzlich auch gefunden (mit zugehörigen Web-Ergebnissen). Bei vielem anderen erhält man aber eher ähnliche „Bilder“ (och – und ich dachte, jeder Barcode sei anders?) - oder schlicht den Hinweis „Für Ihre Suche wurden keine übereinstimmenden Dokumente gefunden“ (Huch? Hier klappt es auch auf Deutsch?).
Texts (Texte): Hatten wir ja schon bei den Visitenkarten: Ergebnisse sind ganz brauchbar. So konnte mich Goggles dank eines spanischen Textes unmittelbar über dem Barcode eines (für die Produktsuche zu billigen) USB-Hubs zumindest mit der Übersetzung beglücken, dass das Gerät 24 Monate Garantie hat...
Fazit: Trotz einigen Lücken eine durchaus lohnenswerte App – die auch nach diesem Testbericht auf meinem Phone verbleiben darf.
Faszinierend !