
(Bild: Ichsagmal.com)
Auf der Suche nach einem Thema über welches ich einen Blog verfassen könnte, bin ich auf eine Infografik gestolpert, die sich mit dem mobilen Marketing der Zukunft beschäftigt. Im Fokus liegen hier die „3 Generationen“ – Baby Boomer, Genration X (oder C64) und die Millennials. Da mir der Begriff Millennials bisher unbekannt war, begann ich weiter zu recherchieren – doch hierzu in einem anderen Blog mehr.
Ich persönlich interessiere mich sehr für Geschichte und verschlinge diesbezügliche Reportagen geradezu. Dies erklärt vielleicht, warum ich bei einem der Suchergebnisse zum Millennium hängen geblieben bin. Es handelt sich um ein Buch Namens „Die Welt in hundert Jahren“, welches 1910 von Arthur Brehmer in Berlin herausgegeben wurde! Er hat führende Köpfe seiner Zeit dazu gebracht, Aufsätze mit ihren Zukunftsversionen zu verfassen. Die wenigsten sind Wirklichkeit geworden, in einigen Fällen muss man dabei von Glück reden, doch eine – die von Robert Stoss – sticht mit ihrer Treffsicherheit geradezu heraus.
Mit dem Glauben an Vorhersagen für die Zukunft bin ich sehr vorsichtig. Solange es sich um einen begrenzten Zeitraum handelt, wie es zum Beispiel Fabien und unser Redakteur-Team getan haben, mag es ja noch plausibel und die Treffsicherheit recht hoch sein, denke ich da an die Prophezeiungen der Mayas, bleibe ich weiterhin skeptisch. Doch wie bei den Prophezeiungen des Nostradamus, sind die Menschen im Nachhinein immer schlauer, weil die Formulierungen doch einen ziemlichen Interpretationsspielraum bieten.
Robert Stoss war in seinen Vorhersagen jedoch erstaunlich detailliert und hat die Wirklichkeit von 2010 - für seine Zeit - nahezu erschreckend genau getroffen. Man sollte bedenken: 1909 wurde der erste Toaster für die Massenproduktion entwickelt, Ford hat erst 18.000 T-Modelle gebaut und die drahtlose Telegraphie befand sich, nach seiner Erfindung um 1900, noch in den Kinderschuhen.
In seinem Kapitel „Das drahtlose Jahundert“ beschreibt er das „Telephon in der Westentasche“:
Es wird jedermann sein eigenes Taschentelephon haben, durch welches er sich, mit wem er will, wird verbinden können, einerlei, wo er auch ist, ob auf See, ob in den Bergen, dem durch die Luft gleitenden Aeroplan oder dem in der Tiefe dahinfahrenden Unterseeboot. […]
Die Bürger jener Zeit werden überall mit ihrem drahtlosen Empfänger herumgehen, der irgendwo, im Hut oder anderswo angebracht sein wird. […]
Nun gut, Hüte sind nicht mehr in der Mode, doch woher hätte er das ahnen können, waren sie doch seit Jahrhunderten ein gängiges Kleidungsstück. Auch bei den Unterseebooten lag er daneben. Der Rest jedoch, passt wie die Faust aufs Auge.
Monarchen, Kanzler, Diplomaten, Bankiers, Beamte und Direktoren werden ihre Geschäfte erledigen können, wo immer sie sind. […]
Wieder nur fast richtig: Außer Monarchen und Direktoren kann heutzutage auch der kleine Bürger von nebenan seine Geschäfte inzwischen per „drahtloser Telegraphie in der Westentasche“ erledigen, was uns zu seinem nächsten Zitat bringt:
Überhaupt wird das Einkaufen zu jener Zeit ein noch viel größeres Vergnügen sein als jetzt. Man wird einfach von seinem Zimmer aus alle Warenhäuser durchwandern können und in jeder Abteilung Halt machen, die man eingehender zu besichtigen oder wo man etwas auszuwählen wünscht […] Alle diese Wunder der drahtlosen Telegraphie werden das kommende Zeitalter zu einem großartigen, unglaublichen machen. […]
Onlineshopping ick hör dir trapsen… Tatsächlich können wir von (fast) überall auf der Welt einkaufen. Egal ob Bücher, Handys, Kleidung oder Dienstleistungen. Wir sind also nicht mal mehr auf unser Zimmer beschränkt, wie es zum Beispiel in diesem interessanten Film - „1999 a.D.“ von 1967 - der Fall ist. Diesem Film wurde übrigens schon vorgeworfen eine Fälschung zu sein, da er bereits die Realität von 1999 erstaunlich genau getroffen hat. Stichworte sind auch hier: Onlineshopping, Onlinebanking, E-Mail und Internet.
Doch widmen wir uns weiter den Vorhersagen von Robert Stoss. Erstaunlich ist wohl, dass die ersten Funktelefone bereits 1926 von der Deutschen Reichsbahn auf der Strecke Berlin – Hamburg eingesetzt wurden, doch die Vision geht ja noch weiter:
Nirgends, wo man auch ist, ist man allein. Überall ist man in Verbindung mit allem und jedem. Auch auf die Ehe und die Liebe wird der Einfluss der drahtlosen Telegraphie ein außerordentlicher sein. Künftighin wird sich die leibliche Gattin stets davon überzeugen können, was ihr Herr Gemahl treibt; aber auch der Herr Gemahl wird ganz genau wissen, wie und ob seine Gattin nur an ihn denkt. […]
Dieses Szenario hat George Orwell in seinem Klassiker 1984 aufgegriffen und ins Extreme verzerrt. Doch sein wir mal ehrlich: Noch nie haben wir so viele Daten von uns preisgegeben und noch nie war es so einfach, bezüglich Standort und Kauf- bzw. Nutzerverhalten beobachtet zu werden. Umso wichtiger wird es meiner Meinung nach, die Privatsphäre und den Datenschutz wenigstens genauer im Auge zu behalten und nicht blauäugig durch die Welt der „drahtlosen Telegraphie“ zu stapfen. Der Fall mit Vlingo hat gezeigt, wie wichtig dies ist. Dies ist jedoch eine Diskussion, die hier zu weit führen würde.
Angeregt durch die Treffsicherheit des Herrn Stoss, wage ich abschließend auch eine Prognose.
Das drahtlose Jahrhundert (2110)
Die heutigen Mobiltelefone sind durch Implantate ersetzt worden. Strom liefert die Körpereigene Elektrizität, wodurch Diskussionen über Akkulaufzeiten hinfällig geworden sind. Die Darstellung von Informationen, Filmen und ähnlichem findet direkt über - in die Netzhaut integrierte - Rezeptoren statt und lässt sich mit einem streichen über die Schläfe steuern.
Geld und Banken gibt es nicht mehr. Jedem Bürger steht ein gewisser Betrag zur Verfügung, der per hochentwickelter NFC-Technologie (Near Field Communication) automatisch abgebucht wird. Die Bandbreite der Kommunikation wird irgendwo in einem Bereich von 100 bis 1000 GBit liegen.
Was meint ihr dazu? Wie sehen Eure Prognosen für die „drahtlose Telegraphie“ in 100 Jahren aus?
Quellen: ichsagmal.com | Gedankenstrich.org | Buch: Digitale Visionen

Felix R.
Ich kommentiere hier eigentlich nie. Aber das ist ein Beitrag, der hat einen kleinen Applaus verdient! Wirklich klasse! Vor allem weiss ich jetzt, welche CEOs von diversen Onlineshop und Handy-Herstellern, welches Buch gelesen haben! Verdammt! :D