Im Rahmen unserer Websites setzen wir Cookies ein. Informationen zu den Cookies und wie Ihr der Verwendung von Cookies jederzeit widersprechen bzw. deren Nutzung beenden könnt, findet Ihr in unserer Datenschutzerklärung.

4 Min Lesezeit 14 Kommentare

Die Zukunft von Virtual Reality ist eine gemeinsame Halluzination

Google hat mit Blocks ein Design-Tool veröffentlicht, mit dem sich einfach 3D-Objekte in der virtuellen Realität entwerfen lassen. Das mag zunächst nicht besonders aufregend klingen. Doch in Kombination mit anderen Puzzleteilen aus dem Google-Universum zeigt sich ein faszinierendes Bild davon, wo und wie in naher Zukunft womöglich unsere sozialen Begegnungen ablaufen.

Zunächst einmal zu Blocks: Die kostenlose App steht für die HTC Vive und die Oculus Rift zur Verfügung. Nutzer können hier mit ein paar einfachen Werkzeugen 3D-Modelle erzeugen – und diese anschließend mit der Community teilen. Wie das Demovideo von Google und die bislang hochgeladenen Low-Poly-Modelle zeigen, ist der Anspruch dabei keineswegs fotorealistisch. 

Google Blocks & Co.: Baumeister der Träume

Allerdings hat Google bereits einige Werkzeuge im Haus, die das ändern können. Autodraw beispielsweise verwandelt stümperhaftes Gekritzel in ansehnliche Zeichnungen. Wie künstliche Intelligenz grobe Bilder mit feinen Details aufpeppen kann, zeigt etwa das Paper zu Pixel Recursive Super Resolution aus dem Google-Brain-Team.

In der nahen Zukunft ließe sich dann unser dreidimensionales VR-Gekritzel in detaillierte Modelle umwandeln. Dank Machine Learning geschähe das automatisch und angepasst an unsere eigenen Vorlieben, mit denen Google ja bestens vertraut ist. Die auf diese Art erschaffene Umwelt wäre dann unser neues Wohnzimmer oder böte uns einen Raum für Treffen mit Freunden und Familie – so, wie es Facebook mit der VR-Plattform Spaces bereits demonstriert.

Und genau so, wie digitale Bildschirme inzwischen das analoge Papier abgelöst haben, wird auch die in der virtuellen Realität verbrachte Zeit irgendwann der echten Realität Konkurrenz machen. Google, Apple, Facebook & Co. werden alles daran setzen, dieses nächste große Ökosystem zu kontrollieren. Wer die bessere und individueller auf den User zugeschnittene Plattform baut, gewinnt die meisten Nutzer. Und wer das nutzerstärkste Ökosystem kontrolliert, bekommt auch die Developer und die Medienschaffenden – und verdient an den Inhalten. 

pixel recursive super resolution
Mit Hilfe von Machine Learning wird aus dem Pixelmatsch links ein Gesicht (Mitte), das erstaunlich nah am Original (rechts) ist. / © Google Brain

Zukunft von VR: Hardware und Software

Virtual Reality steckt dabei hardwareseitig noch in den Kinderschuhen. Raum für Verbesserungen gibt es beispielsweise beim Ton: 3D-Scans von Kopf und Ohren des jeweiligen Nutzers sollen personalisierte Head Related Transfer Functions (HRTF) erlauben, die realistische Soundeffekte in der Virtuellen Realität möglich machen. Techniken wie Foveated Rendering sollen dabei die erforderliche Rechenleistung in Schach halten sowie kabellose, energieeffiziente Headsets erlauben – und es außerdem ermöglichen, bestimmte Bereiche in der VR-Umgebung mit dem Auge zu fokussieren.

Der offensichtlichste Mangel bei VR ist derzeit noch die Auflösung. Die aktuelle Oculus Rift bietet pro Auge 1.200 x 1.080 Pixel. Bei einem Sichtfeld von etwa 90 Grad bedeutet das eine Pixeldichte von 15 Pixel pro Grad. Michael Abrash, Chief Scientist von Oculus, prognostiziert für 2021 ein Sichtfeld von 140 Grad und eine Pixeldichte von 30 Pixel pro Grad – bei etwa 4.000 x 4.000 Pixeln pro Auge. 

Bis zur Auflösungsgrenze des menschlichen Auges von etwa 120 Pixel pro Grad ist es da allerdings noch ein ganzes Stück hin. Oder auch nicht: Die finnische Firma Varjo will noch in diesem Jahr ein Headset mit dem dafür erforderlichen Äquivalent von 70 Megapixel pro Auge launchen – auch, wenn diese wohl nicht über ein hochauflösendes Display, sondern über einen eleganten Trick mit Eye-Tracking erzielt werden sollen. Ob das Vorhaben der ehemaligen Nokia-Manager gelingt oder nicht: Eine „VR-Retina-Auflösung“ ist definitiv nur noch eine Frage der Zeit.

Ebenso ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis wir einen signifikanten Teil unseres Alltags in einer virtuellen Welt verbringen – einer virtuellen Welt, die wir mit Unterstützung intelligenter Algorithmen erschaffen, die neben unserem tagesaktuellen Input auch die umfassenden digitalen Spuren unseres Lebens verwursten. In zehn Jahren werden wir nostalgisch-schmunzelnd zurückblicken auf die Technologie von heute – aus einer Zukunft, die sich im Zuge des exponentiellen Fortschritts binnen eines Jahrzehnts weit stärker verändert hat als unsere Welt seit der Präsentation des ersten iPhones 2007.

Wir treffen uns 2027 auf ein Bier in meinem VR-Traum, halluziniert durch Google, Facebook – oder wer auch immer in den nächsten Jahren das Rennen ums VR-Ökosystem macht. Blocks jedenfalls ist einer von vielen Bausteinen in Googles Vision.

Das über 1.000 Euro teure Mobiltelefon Hydrogen One vom Kamera-Hersteller RED ist ein Vorbote eben jener VR-trächtigen Zukunft. Warum das so ist, und wieso die Medienformate von heute ausgedient haben, lest Ihr in unserem Artikel über das RED Hydrogen One.

23 mal geteilt
Dank ist diese Seite frei von Werbebannern

14 Kommentare

Neuen Kommentar schreiben:
Alle Änderungen werden gespeichert. Änderungen werden nicht gespeichert!

  •   10
    Gelöschter Account vor 11 Monaten Link zum Kommentar

    Das Thema war schon mal in den 90er Jahren Ente rennt gewesen der schnell wieder versunken ist und auch heute wird der Trend keinen Boom erleben wie man sich das Denken will. Klar ist es schön mit Google Street View durch New York zu laufen obwohl man hier in Deutschland ist oder sich die Raumstation ansehen obwohl man auf der Erde bleibt und selbst den Mars sich anzusehen obwohl man nie da war und auch mit Videospiele ist das okay aber es muss ich noch eine Menge tun


  • wow, wenn es so weiter geht, brauchen wir einen Terminator =D


  • Karl E vor 11 Monaten Link zum Kommentar

    Das menschliche Bedürftniss, andere zu treffen, scheint ja rückläufig, zumindest in der westlich geprägten Welt, aber es ist ein Grundbedürftniss und diese für mich unschöne mögliche Entwicklung, könnte funktioniern, wenn die faule Generation vom Sofa aus andere wie "in echt" treffen können wird. Doch ich hoffe auf die Menschen, das sie diesen Mist nicht wirklich wollen..... oder zumindest nicht so, den gegen eine virtuelle Realität, in der man sich rumtreiben kann, spricht die Gefahr, dass man die "echte" Realität nicht mehr haben möchte und das könnte als Massentrend, schwerwiegende Probleme verursachen. Ein Holodeck ala Star Trek ist dann aber auch wieder irgendwie cool .... Aber wenn das dann wieder von einem großen weltweiten Konzern quasi exklusiv angeboten wird, dann wird es wieder bedenklich ..... Ich bin also irgendwie grundsätzlich von der Versuchung ein Holodeck zu erleben angetan, andererseits angewiedert von der Art wie es sich zu entwicklen scheint, auch dieses dämliche aufsetzen von irgend welchem unbequemen Krams um "virtuell zu werden", finde ich nicht wirklich gut.


    • Danke für Deinen Kommentar! Ein Holodeck mit Facebook-Filterblase? Das klingt wirklich nach Alptraum – und ist ganz schön gefährlich. Soziale Netzwerke sind ja jetzt schon ein Aufenthaltsort, in dem viele Menschen täglich auch mal mehrere Stunden zubringen. Ich sehe das ganz ähnlich kritisch wie Du und bin sehr gespannt darauf, wie sich die Gesellschaft hier in der Zukunft weiterentwickeln wird.


    • Danke auch für deinen Daumen für mich.
      Aber du hast doch hier eine total andere Meinung als ich.

      Wo ist es denn nachweislich so, dass die Menschen angeblich immer weniger tatsächlichen Kontakt wollen/haben, so wie du behauptest? Ich finde das sind die seit Jahrzehnten (Jahrhunderten?) genannten Befürchtungen.

      Meine Oma meinte, die Generation meiner Eltern wird immer weniger Kontakt haben, da sie aufgrund von mehr Mobiliät einen größeren Raum "belebt" hat und aufgrund dessen nicht nur auf die Kontakte in der direkten Nachbarschaft angewiesen waren, die die Oma noch kannte und schätzte.
      Meine Eltern, dachten das meine Generation immer weniger Kontakt haben wird, als sich die Handys mit SMS und zuletzte Messenger durchgesetzt hatten. Tatsache ist, dass unsere Geneartion mehr Kontakt hat zu Menschen als früher.

      Denke die Befürchtungen, kommen immer nur, weil von den Extremfällen berichtet wird. Klar, wer exzesiv FB nutzt, wird vermutlich weniger tatsächliche Kontakte haben. Solche Leute waren, aber vor 20 Jahren eben stundenlang am PC-Zocken und vor 40 Jahren stundenlang am Bücher lesen oder im Hobbykeller Modelleisenbahnen bis in Detail zu bauen. Wie gesagt Extremfälle nicht die breite Masse.
      Die große Masse ist doch im Vergleich zu "früher" nicht vereinsamter. Die Qualität der tatsächlichen Kontakte mag anders sein. Ob es besser oder schlechter ist, ist Betrachtungsweise. Und je älter man wird, desto eher läuft man Gefahr dass Neue als Bedrohnung zu sehen. Da ist aber seit Jahrhunderten so, nennt sich "Generationenlücke". Und hätte die vorherige Generation recht behalten, müsste unsere Menscheit schon längst tod sein. Wenn es interessiert, sucht mal bei youtube nach Watzlawik und Generationenlücke. Da wird es schön erklärt.

      Also alle locker bleiben. Es gibt neue Entwicklungen, aber die echten Menschlichen BEziehungen werden gesamt betrachtet nicht schlechter oder derartig viel anders.


  • Die Zukunft ist dann wie in Inception 😎😅


  • Ganz ehrlich, dass ist doch Träumerei.

    Wer will den sowas?
    Wie oft wurde in den letzten Jahrzehnten angekündigt, bald werden die Menschen sich nicht mehr real treffen müssen!?
    Angefangen beim telefon, letztendlich hat es aber zu mehr realen Kontakten geführt, da man sich leichter verabreden kann und besser im Kontakt bleiben kann.

    Vor Jahrzehnten wollten sie schon den Schulen den Tod ankündigen, bald wird jeder zu Hause unterrichtet, per Video-Schule. Bis man gemerkt hat, echte soziale Interaktion ist unersetzlich.

    Zu Beginn von second life wurde behauptet, bald ist die zweite virtuelle Welt so relevant wie die reale. Wo ist second life heute?

    Und zuletzt mit social media und messenger hieß es wieder, die Leute müssen sich da nicht mehr real treffen.
    So ein quatsch, gesellschaftliche Treffen, egal wo boomt immer mehr trotz der "bösen" Entwicklung.
    Noch nie gab es soviel Ausgehmöglichkeiten wie heute, noch nie wurde soviel Geld ins Ausgehen und Treffen/Aktivitäten mit anderen Menschen gesteckt. Das wird auch VR nicht aufhalten, sondern eher das Bedürfnis nach tatsächlicher Nähe weiter befördern.


  • olwi vor 11 Monaten Link zum Kommentar

    Dein Ernst, in den nächsten 30 Jahren? Meiner Meinung nach viel viel zu lange, überlege mal den Fortschritt in den vergangenen letzten 30 Jahren. Das wird meiner Meinung nach viel früher passieren.


    • Tenten vor 11 Monaten Link zum Kommentar

      Zumindest in den letzten 20 Jahren hat sich nicht viel getan. Die Hardware wurde etwas besser, aber ansonsten war es das auch. Selbst KI ist in den letzten 20 Jahren nicht wirklich groß vom Fleck gekommen.


  • Tenten vor 11 Monaten Link zum Kommentar

    Feine Sache, ich kann mich abends zu einem Plausch mit Bekannten aus Australien an den Niagarafällen treffen oder mit Freunden eine Wanderung zum Olympus Mons unternehmen. Nicht zu vergessen, dass ich online bequem in riesigen Malls einkaufen oder einen Bummel durch den Louvre machen kann, während ich auf dem Sofa zuhause sitze.

    Das einzig Blöde daran ist, dass man uns das genau so auch bereits 1998 schon erzählt und für die nächsten paar Jahre vorhergesagt hatte. Sorry, für mich ist das im Artikel alles nur Werbesprech ohne größere wirklich konkrete und bereits nutzbare Angebote. Was es da gibt sind nichts weiter als Prototypen, die von einer Erfüllung all dieser großen Versprechungen noch Lichtjahre entfernt sind. Ich verfolge es mit Interesse, glaube aber nicht wirklich an ernsthaft gute Ergebnisse. Zumindest nicht in den nächsten 30 Jahren.


    • Vor ungefähr 30 Jahren saß ich zum ersten Mal an dem Computer von meinem Bruder – um Programme von der Datasette zu laden, musste man erstmal an die richtige Stelle spulen. Und während des Ladevorgangs konnte man auch erst nochmal ne Runde Fußball spielen gehen bei 100 KByte pro 30 Minuten. Der dazugehörige „Bernstein“-Monitor konnte 15 Gelb- und Brauntöne darstellen, sonst nichts :D

      Ich finde, davon sind wir heute schon Lichtjahre entfernt. Allerdings entwickeln sich die meisten Technologien nicht linear, sondern exponentiell – wir werden also von heute aus in 30 Jahren viel weiter sein als wir es heute im Vergleich zu vor 30 Jahren sind. Und für einen Sprung, wie ihn die vergangenen 30 Jahre dargestellt haben, brauchen wir jetzt vielleicht nur noch 10 Jahre.


      • Tenten vor 11 Monaten Link zum Kommentar

        Ich saß bereits 1995 ständig vor dem Rechner, weil ich damals ziemlich viel im Internet zu recherchieren hatte. Natürlich noch ohne Google, aber ansonsten hat sich außer dass es schneller läuft und die Seiten bunter sind, nicht viel getan. Und das ist jetzt 22 Jahre her. Die Hardware entwickelt sich schnell, da gebe ich dir recht. Aber nicht die Software, die ist im Gegenteil sogar wesentlich aufwändiger als früher. Und die wird aber essentieller Bestandteil einer solchen Entwicklung sein.

Dank ist diese Seite frei von Werbebannern