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Typewise ausprobiert: Kann diese App wirklich die Smartphone-Tastatur revolutionieren?

Typewise ausprobiert: Kann diese App wirklich die Smartphone-Tastatur revolutionieren?

Mit Typewise will ein Schweizer Startup die Art, wie auf dem Smartphone geschrieben wird, revolutionieren. Die neue Software-Tastatur ist bereits programmiert und wir haben vor dem offiziellen Start die Beta getestet. Dabei sind uns potenzielle Lerneffekte aufgefallen – aber auch Schwierigkeiten.

Typewise ist eine Tastatur-App, die das Thema Schreiben auf dem Smartphone mal ganz pragmatisch angeht. Auf Basis einer Studie der ETH Zürich (technische Hochschule) entwickelte man eine Tastatur, die Smartphone optimiert ist und Tippfehler deutlich reduzieren soll. Auf lange Sicht soll damit im besten Fall die bisherige - 140 Jahre alte und "für Smartphones total ungeeignete" - Tastatur im bekannten Schreibmaschinen-Layout ersetzt werden.

typewise tastatur sechsecke
Wabenförmige Buttons und neue Buchstaben-Anordnung - reicht das für eine Revolution? / © AndriodPIT

So neu ist die Umsetzung im Übrigen nicht. Schon vor drei Jahren entwickelte die Firma den Vorgänger, die WRIO-Tastatur und stürmte damit in die App-Charts. Die jetzige Neuentwicklung, Typewise, die noch im Dezember in der finalen Version im Play Store verfügbar sein soll, sei komplett überarbeitet und biete Vorteile gegenüber den Platzhirschen. So funktioniert Typewise komplett offline und schützt, im Gegensatz zu Gboard oder Swiftkey, die Privatsphäre, wie der Entwickler betont.

WRIO, QWERTZ, WETZ

Aus QWERTZ wird bei Typewise WETZ. Im Unterschied zur bisherigen (virtuellen) Tastatur ist die Anordnung der einzelnen Tasten verändert. Außerdem liegen die (virtuellen) Tasten jetzt wabenförmig aneinander. Extra-Tasten für Großschreibung (Shift) und Backspace sowie die Leertaste als großer Balken gibt es nicht. Das Q liegt nun schräg unter dem W und das sind noch nicht alle Ungewohntheiten. Wollt ihr ein Leerzeichen setzen, könnt ihr das bei Typewise einfach mit einem Wisch nach rechts tun oder ihr tippt auf eins der zwei mittig link, bzw. mittig rechts angeordneten leeren Waben. Also gibt es jetzt sogar zwei Leertasten.

Wischen, halten, tippen

Wer seine Freude an Typewise haben will, sollte Fan von Gestensteuerung sein und ebenso ein gutes Gedächtnis haben. Die volle Funktionalität von Typewise erreicht ihr nur, wenn ihr im Hinterkopf behaltet, das praktisch jede (Buchstaben-)Taste mehr als eine Funktion anbietet. Aktiviert werden die verschiedenen Funktionen mal duch Wischen, durch Drücken oder Halten der jeweiligen Taste. Dazu gibt es noch Grundlegende Gesten:

  • Irgendwo kurz nach links Wischen: Backspace
  • Tastatur gedrückt haltend nach links Wischen: Ganzes Wort/Text löschen
    • Cooles Feature: So gelöschten Text könnt ihr durch langsames Wischen nach rechts wieder zurückholen.
  • Buchstaben nach oben ziehen: Groß schreiben
  • Buchstaben gedrückt halten: Umlaute erscheinen
  • Wenn eine Wabe geteilt ist, gibt es eine Meta-Ebene beim Hochwischen
typewise app screenshots
Einstellungen - Tutorial - Spielerisches Lernen / © Typewise

Üben, üben, üben!

Wenn ihr euch Typewise herunterladet, schaut euch unbedingt das Tutorial an. Hier werden die wichtigsten Gesten gezeigt, auch die Meta-Ebenen – zum Beispiel auch die Emoji-Tastatur. Erst dann macht Typewise Spaß. Sich auf eigene Faust an der neuen Tastatur versuchen, ist müßig und garantiert euch eher, dass ihr die App wieder löscht.

Neben dem klassischen Tutorial gibt es ein Lern-Spiel für Typewise. Nach dem Prinzip von Klassikern wie "Icy Tower" lasst ihr eine Rakete starten, lenkt sie und sorgt für Auftrieb. Das macht ihr, indem ihr links und rechts eingeblendete Buchstaben tippt, die ihr beim Spielen auf der Tastatur finden müsst.

Yes! Der Lerneffekt

Am Anfang hatte ich Typewise installiert, ging durchs Tutorial und versuchte mich an dem Lern-Spiel. Erstmal scheiterte ich an den Buchstaben "j" und "d". Die sind auf der Waben-Tastatur gefühlt einfach viel zu weit unten. Nach kurzem Ärgern hab ich mich wieder aufgerappelt und das selbe Spielchen ist mir noch drei Mal mit anderen Buchstaben passiert. Allerdings nicht mit den einmal gefundenen. Was folgt daraus? Ich hab ziemlich schnell dazugelernt. Yes! Es gibt ihn, den Lerneffekt!

Eine Autokorrektur hilft übrigens auch bei Typewise beim Schreiben – Vertipper sind nach einer knappen halben Stunde im Test schon deutlich seltener geworden. Mein größter Fehler: Ich habe am Anfang viel zu lange probiert, langsam und einhändig einzusteigen - halt wie ich es sonst gewohnt bin. Tatsächlich ist die Tastatur aber nur dann wirklich optimal, wenn ihr eben mit zwei Händen tippt! Große Smartphone – wie mein Galaxy Note 9 – sind für zweihändiges Tippen super geeignet. Bisher habe ich trotzdem meist mit einer Hand geschrieben.

Ich habe mich direkt in den "Hexagon-Modus" gewagt und mit dem Original geübt. Alternativ bietet Typewise für den Übergang auch einen Lernmodus an mit herkömmlicher QWERTZ-Tastatur und mit breiter Leertaste. Die kann aber im Gegensatz zur Standard-Tastatur die selben Gesten für Umlaute, Backspace und Co. ausführen, wie das Waben-Modell. Zum Eingewöhnen ganz gut.

typewise tastatur zwei haende
Typewise spielt seine Stärken nur aus, wenn ihr zweihändig tippt. / © AndroidPIT

Im Querformat wird es auf den ersten Blick abenteuerlich. Dann werden insgesamt drei Buchstaben-Blöcke an den Seiten und in der Mitte des Displays eingeblendet. Der Block in der Mitte zeigt Zahlen und Sonderzeichen. Eigentlich gar nicht so doof - aber auch hier muss man sich eingewöhnen.

Verdutzte Blicke von euren Freunden sind euch sicher, wenn die mal wieder auf eurem Telefon eine Nachricht absetzen wollen.

typewise tastatur querformat
Sieht nach Taschenrechner aus, nicht nach Tastatur zum Schreiben. / © AndroidPIT

Geduld ist gefragt

Also, mit ein bisschen Geduld und Spucke sieht man, dass hinter der Tastatur nicht nur der Gedanke "Wir machen es mal, Hauptsache anders", sondern tatsächlich eine Idee steckt, wie man die Tastatur auf dem Smartphone anders, ja vielleicht sogar besser, machen kann.

Erfolg oder Misserfolg? Der Nutzer entscheidet!

Am Ende hängt der Erfolg einer Innovation daran, ob sich der Mehrwert für die Nutzer erschließt und ob sich ausreichend schnell eine große Zahl von Nutzern für das Produkt interessiert und entscheidet (es zu installieren). Das Interesse in der Beta-Community von Typewise ist auf jeden Fall groß.

Trotz meiner persönlich ganz guten Erfahrung und dem Potenzial von Typewise, stellt sich mir jedoch automatisch die Frage: Warum sollte ein funktionierendes System - klassische QWERTZ-Tastatur - auf Smartphones erfolgreich weggefegt werden? Nutzer sind nicht alle brennend an Neuerungen bei den Grundlegenden Funktionen ihrer Geräte interessiert, außer die Vorteile erschließen sich sehr schnell. Selbst wenn das Typewise-Prinzip intuitiver für die Smartphone-Nutzung sein mag, so ist es einfach noch wenig bekannt. Bei vielen Millionen Nutzern, die überzeugt werden müssten, ist das eine gewaltige Aufgabe. Klassische Community-Propaganda wird von Nöten sein, um Typewise nicht nur bekannt, sondern auch benutzt zu machen.

typewise tastatur app einstellungen
Im Lernmodus gibt's die Fallback-Lösung mit altbekanntem QWERTZ-Design. / © AndroidPIT

Wenn ihr Spaß an solchen neuen Ideen habt, dann probiert Typewise unbedingt mal aus. Die Beta läuft vermutlich noch bis in die kommende Woche, danach wird die App final. Anmelden könnt ihr euch hier, den Download gibt's dann hier im Play Store.

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40 Kommentare

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  • Hallo zusammen.
    Ich finde die Feststellung für GROßBUCHSTABEN nicht, ich kann immer nur 1 Buchstaben durch swipe up auf groß umstellen. finde auch keinen Rat dazu im Netz. Kann jemand helfen?


  • Geniale Tastatur!
    Etwas gewöhnungsbedürftig, nach 1 Tag ist man drin.
    Ich kann mir vorstellen, das sich das Layout und Gestensteuerung durchsetzt.
    Nach so kurzer Nutzung bin ich schon recht gut überzeugt.👍


  • Ich schreibe seit drei Jahren mit WRIO. Jedesmal wenn ich nun auf einem fremden Smartphone etwas Tippen muss, denke ich mirq, wie kann man das nur ohne aushalten.

    Probiert es aus, es dauert aber wirklich etwa drei Wochen.


  • Ich finds sehr angenehm Großbuchstaben per Swipe-up eingeben zu können. Allerdings ist das Layout sehr gewöhnungsbedürftig und macht es schwierig bei dem durchaus innovativen Keyboard zu bleiben.


    • Hast du bereits den "Lern-Modus" ausprobiert? Damit kannst du erstmal im normalen Layout tippen und später umsteigen :-)


  • Ich habe jetzt mal getestet. Aber nur kurz. Ist nichts für mich. Mit der normalen Tastatur bin ich deutlich schneller. Weshalb soll man zum Löschen eines Zeichens oder zum Großschreiben und für Sonderzeichen wischen anstatt tippen? Der Sinn erschließt sich mir nicht. Zudem arbeite ich überwiegend mit dem Stift (Galaxy Note).


  • okay Leute hab den Link benutzt und endlich gerafft 😂😂😂


  • Als Beta Tester registriert (dauerte nur Sekunden) und mit dem Link war die Installation sofort möglich - auf einem Samsung Note 10+.
    Vielleicht war das Interesse zeitweise zu hoch. 🤔


  • Warum schreiben alle in Online Foren und Kommentaren, dass sie alle die BETA getestet haben????

    Ich kann mich nur registrieren....^^


  • Hab die Beta eben mal getestet. Mir fehlt eindeutig die Geduld. Die blinde Beherrschung der QWERTZ-Tastatur hat sich wohl schon zu sehr in meinem Hirn festgesetzt und ich erwarte die Tasten auch auf meinem Touchscreen an den entsprechenden Stellen.


  • OT: Kennt jemand eine gute Swipe-Tastatur, die brauchbare Datenschutzeinstellungen hat? Ich hatte 'ne Zeit lang mal das Google-Keyboard zum swipen verwendet, was hervoragend funktioniert hat. Leider weiß man bei Google nie wirklich wieviel da nach Hause telefoniert wird. Gleiches gilt auch für prominente Mitbewerber wie SwiftKey, was bei mir vorinstalliert ist ich aber nicht nutze.


    • Viele Alternativen gibts da ja nicht mehr. Bin aber der Meinung, dass die Standard-Keyboards der Hersteller auch die Swipe-funktion haben.


      • ja das Standard Keyboard bei mir ist Swype, aber da gibts eindeutig zu viele Optionen. Wozu brauch ich bei einem Keyboard ein Konto?? Warum hat ein Keyboard ein Incognito-Modus???


      • Incognito modus damit eingegebene Wörter nicht gespeichert werden.


  • Die Umstellung zwischen verschiedenen Tastaturen (Arbeit, Heimcomputer und Smartphone) ist mir zu umständlich. Wenn alle verwendeten Tastaturen gleich wären, Könnte man darüber nachdenken, so aber nicht.

    Trotzdem schön, dass es das gibt


  • Schreiben kann man eigentlich mit jeder Tastatur, ist alles nur eine Frage der Übung. Wenn man blind die Taste findet, dann ist es fast egal, womit man schreibt. Klar, dass man beim kurzen Ausprobieren nicht besonders gut mit einer neuen Tastatur zurecht kommt. Ich bleibe trotzdem bei SwiftKey. Damit habe ich vor Jahren angefangen und bin damit extrem schnell. Da ich fast meine gesamte Korrespondenz (Mails, Messenger etc) am Smartphone erledige, bin ich mit SwiftKey sehr schnell geworden. Ich brauche keine neue Tastatur, die auch nichts anderes machen kann, als die Buchstaben an anderer Stelle auf dem Display zu platzieren und noch ein paar Gesten hinzuzufügen.


  • wirkt erst einmal interessant. Werde ich auf jeden Fall ausprobieren. Zum Beispiel der Wegfall der Shift Taste gefällt mir.


    • Ob nach oben wischen einfacher ist als eine eigene "Taste"? Wobei, intuitiv ist es. Also ich bin da so Hin und Her gerissen.


      • Du bist halt schneller, wenn du nicht zwei Tasten hintereinander drücken musst, sondern nur eine Bewegung machst. Aber schlussendlich auch persönliche Vorliebe :)


  • Für mich ist das nichts. Ich möchte direkt eingeben, mit Finger oder Stift, und nicht umständlich durch Gesten. Die wichtigsten Sonderzeichen und Umlaute müssen für mich direkt erreichbar sein (durch Extratasten oder Mehrfachbelegung). Automatiken (Wortersetzung, Wortkorrektur etc. pp.) kann ich nicht leiden.


    • Hi René, bei Typewise gibst du den Text ja direkt ein mit Finger :) Die Sonderzeichen und Umlaute sind eben auch direkt erreichbar, und durch die Mehrfachbelegung musst du für die gängigen Zeichen nicht mal auf das Sonderzeichenlayout wechseln. In Zukunft kannst du dann noch selbst bestimmen, welche Sonderzeichen du wo haben möchtest...


  • Falls es gut ist wäre eine Einmalzahlung denkbar. Ein Abomodell wie es nach der Beta kommen wird und mMn wichtige Features (Gesten, Feintuning) enthält ist für eine Tastatur aber bei mir ein NoGo. Als ich das gesehen habe direkt deinstalliert.


  • Ich habe nicht den ganzen Artikel gelesen, den mir persönlich erschließt sich der Sinn dieser Tastatur nicht. Aber das kann daran lieben, dass ich das 10-Finger-System gut beherrsche und auch am Handy gut weiß wo alle nötigen Tasten liegen, also was sollte ich mich den nun an dieses neue System reizen? Die Antwort ist einfach: Nichts. Kann aber bei jedem anders sein. Für mich isses nichts.


  • und wie kann ich sie jetzt testen? gibt's die apk iwo?


  • Ich habe diese App auch schon mal ausprobiert und bin davon nicht so begeistert.


  • Danke für den Tipp. Habe mich gerade vorregistriert und werde die Tastatur testen. Lasse ich mal überraschen, ob und wie ich damit zurecht komme.


  • Verfolge die Tastatur bereits seit einem frühem Alphatest. Aber auch nach mehreren Anläufen bin ich damit nicht warm geworden...


  • Warum nicht? Auf jeden Fall mal testen. Mit der bisherigen Qwertz steh ich ohnehin auf Kriegsfuß und fast bei jedem 2 Wort muss ich korrigieren weil ich einfach immer die Taste daneben treffe.
    Wischen ist ja schön und gut aber besonders bei längeren Worten nicht immer brauchbar.


    • Dass Du viel korrigieren musst liegt m.E. nicht an QWERTZ, sondern an der Größe der Tasten. Mit den Fingern kann ich auch nicht gut schreiben, aber mit dem Stift geht es ganz gut (wenn ich auf die Tastatur schaue und nicht auf den Text).


      • Deshalb sind die Tasten bei Typewise auch 70% breiter als beim Qwertz :)


      • Und verdecken den halben Bildschirm. Blöd wenn sich Eingabefelder nicht bis zum oberen Rand schieben lassen, da muss man raten ob alles richtig geschrieben wurde.

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