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Künstliche und menschliche Intelligenz: Doppelt hält besser

KI ist ein technologisches Schlagwort, das viele Emotionen und bei dem ein oder anderen durchaus auch Angst erzeugt. Werden wir zusehen, wie eine hyperintelligente KI beginnt, menschliche Arbeiter oder in den extremsten Szenarien die menschliche Zivilisation zu ersetzen? Wohl kaum. Tatsächlich bedeuten die Unterschiede zwischen künstlicher und menschlicher Intelligenz, dass die Zusammenarbeit im Mittelpunkt stehen wird.

Künstliche "Intelligenz" ist fast eine falsche Bezeichnung. Wenn wir sagen, dass eine Person intelligent, clever oder klug ist, gehen wir normalerweise von einer allgemeiner Allzwecktauglichkeit aus. Aber Intelligenz kann sich auf viele verschiedene Arten manifestieren und kann sich, je nach Kontext, in unterschiedlichem Maße auf Dinge wie Lernen, Gedächtniserhalt, mathematische Fähigkeiten, Problemlösung, soziale Fähigkeiten, künstlerische Fähigkeiten oder technische Meisterschaft beziehen.

Künstliche Intelligenz, oder KI, bezieht sich auf Maschinen, die ein Verhalten zeigen, das uns an die menschliche Intelligenz erinnert. Aber so wie es Unterschiede zwischen der Art und Weise gibt, wie sich Intelligenz beim Menschen manifestiert, sollten wir auch vorsichtig sein, wenn wir uns auf Maschinen beziehen. Die KI kann fantastisch effektiv sein und den Menschen bei bestimmten Fähigkeiten übertreffen, fällt aber bei anderen sehr weit zurück.

Euer Gehirn ist kein Computer, und Mensch und KI denken nicht gleich

Nur weil das Wort Intelligenz verwendet wird, sollten wir nicht in die Falle tappen und davon ausgehen, dass die KI genauso "denkt" wie wir. Seit Jahren ist es beliebt, Computer mit dem menschlichen Gehirn zu vergleichen und umgekehrt. Aber das menschliche Gehirn, obwohl eine leistungsstarke Lernmaschine von Geburt an, speichert keine Informationen und verschiebt sie vom Langzeit- ins Kurzzeitgedächtnis, wie ein Computer.

In einem Essay mit dem Titel The empty brain betont Robert Epstein, Senior Research Psychologe am American Institute for Behavioral Research and Technology in Kalifornien, den Unterschied zwischen menschlichem Gehirn und Computer. Anstatt Informationsverarbeiter zu sein, stellt das menschliche Gehirn Verbindungen zwischen Informationen her, die über die Sinne empfangen werden - Verbindungen, die durch die Relevanz unserer subjektiven Erfahrung des Seins in physischen Körpern verstärkt werden. Der Kontext der Informationen ist uns wichtig - hilft er uns, unser Überleben oder unsere sozialen Bedürfnisse zu erfüllen? Selbst Neugeborene sind in der Lage, z.B. menschliche Stimmen aus Umgebungsgeräuschen herauszufiltern, bevor sie eigene Wörter lernen.

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Die Idee des Gehirns als Maschine ist eine allgegenwärtige, aber irreführende Analogie. / © AndroidPIT

Das Erlernen von Computern, dieses Verständnis von Kontexten nachzuahmen, ist das Herzstück des maschinellen Lernens. Wir trainieren KIs in der Mustererkennung, um Informationen in Gruppen zu sortieren, die für uns Menschen sinnvoll sind, z.B. um Bilder zu erkennen, um den Ton und die Taktfrequenz einer Stimme an verschiedene Situationen oder Arten von Menschen anzupassen oder Text in Formen zusammenzusetzen, die einer Horrorgeschichte, einem Rezept, einer Werbung oder Nachrichtensendung ähneln.

Hier tun sich KIs bisher immer noch schrecklich schwer, und auch nach vielen intensiven Trainingsrunden sind die Produkte neuronaler Netze oft nur als amüsante Wortsalate oder bizarre Bilder nützlich. Jemand hat zu Weihnachten versucht einem neuronalen Netzwerk beizubringen, Cookie-Rezepte zu entwickeln. Das Ergebnis war nicht besonders ansprechend. Umgangssprachlich würde man vielleicht sagen: Knapp daneben!

Ohne die Fähigkeit zu abstraktem Denken können Aufgaben, die für Menschen, die den Kontext von etwas verstehen, relativ einfach sind, ein echter Kampf für die KI sein.

KeatonPatti "zwang einen Bot, sich über 1.000 Stunden lang Werbespots von Olive Garden anzusehen", und Extra Crispy filmte das Ergebnis... schmeckt's?

KIs haben vielleicht noch nicht unsere spezielle Verbindung zu Nahrungsmitteln verstanden, und wir haben auch schon gesehen, dass KI bessere Werbespots entwerfen kann als wir. KI hat aber in einigen Bereichen einige Vorteile gegenüber uns. Erstens sind KIs schnell: Die meisten Menschen können sich einen Song, ein Bild, ein Buch usw. nicht in einer Sekunde vollständig merken, ganz zu schweigen von der perfekten Klassifizierung oder Reproduktion. Ein Algorithmus kann nicht nur perfekte Kopien speichern, sondern auch Millionen von Bildern in einer Sekunde klassifizieren und perfekte Kopien endlos erstellen, solange sie über die nötige Speicherkapazität verfügt.

Das Ziel neuronaler Netze ist es, sich schließlich selbst zu "lehren", aber sie werden zunächst von hochqualifizierten und spezialisierten menschlichen Ingenieuren ausgebildet, die Belohnungssysteme einrichten und die Algorithmen leiten, um Ergebnisse zu erzielen, die wir verstehen. Die Trainingsdaten selbst werden durch menschliche Beobachtung erhoben.

KIs, die nicht nur Daten klassifizieren und abrufen können, sondern auch durch die reale Welt auf ähnliche Weise wie wir navigieren können, mögen das letztendliche Endziel sein. Bei den Durchbrüchen, die immer wieder vorkommen, müssen wir uns aber immer wieder ins Gedächtnis rufen, wie langsam der Fortschritt tatsächlich stattfindet. Zum Beispiel sind Videospiele ausgezeichnete Trainingsszenarien für KIs, und die Erfolge von OpenAI oder Deepmind gegen menschliche Experten sind sehr beeindruckend, es bedurfte aber enorm viel Training, um diesen Schritt zu schaffen.

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KIs wie Deepminds Alphastar können in einem Spiel regelrecht unschlagbar werden, aber was dann? / © Kotaku

Ein Mensch, der ein neues PC-Spiel ausprobiert, lernt schnell, wie es funktioniert, wie man Feinden ausweicht, welche Gegenstände man sammeln muss, wie man springt, läuft oder was auch immer, und versteht die Ziele des Spiels. Außerdem behält und nutzt der Mensch diese Fähigkeiten an anderen Stellen, z.B. ein völlig anderes Spiel, oder ein reales Szenario, das ihn an das Spiel erinnert. Für eine KI beginnt jede neue Ebene bei Null, so sehr wir auch unser Bestes tun, um sie intelligenter zu machen.

Die Deepmind- und OpenAI-KIs, die sich gegen Menschen durchsetzen konnten, hatten das Äquivalent von Hunderten von Jahren Praxis im Vergleich zum Menschen. Würden wir sie in ein anderes Spiel werfen, das nur geringfügig andere Regeln aufweist, hätten sie im Gegensatz zu uns massive Schwierigkeiten sich anzupassen.

Als weiteres Beispiel lernte Dactyl von OpenAI, einfache Objekte mit einer Roboterhand zu manipulieren und zu drehen:

Beeindruckend, ja, und eine Prämiere. Aber es dauerte immer noch effektiv hundert Jahre virtuelles Training, um diese Bewegungen zu erlernen, und in über 20 Prozent der Fälle scheiterte die KI weiterhin. Wieder einmal hat die menschliche Intelligenz den Vorteil.

Augmented Intelligence ist die Zukunft

Wir wollen die immensen Fortschritte in der Künstlichen Intelligenz ganz sicher nicht klein reden. Wir wollen nur feststellen, dass der Gedanke, dass eine KI uns irgendwann vollständig ersetzen könnte, zumindest heutzutage stark übertrieben ist. Die wichtigsten Stärken der KI - Datenverarbeitung, perfektes Gedächtnis, Geschwindigkeit und Unermüdlichkeit - können für uns alle ein großer Segen sein, aber letztendlich wird die menschliche Intelligenz immer benötigt, um der Arbeit der KI Bedeutung zu verleihen.

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Die KI kann eine helfende Hand sein, aber nicht die Hand, die führt. / © maxuser/Shutterstock

Aufgaben, mit denen das menschliche Gehirn zu kämpfen hat, wie das Speichern und Kategorisieren von Daten in großem Maßstab, um beispielsweise hyperpersonalisierte Inhalte für Produkte und Werbung zu liefern, Millionen von Bildern zu archivieren, Millionen von Teilen auf Defekte zu überprüfen, Millionen von Transaktionen auf Betrugserscheinungen zu überprüfen oder Tausende von Gesichtern pro Sekunde auf der Suche nach verräterischen Anzeichen von Krankheitssymptomen für die Diagnose zu scannen, sollten auf die KI übertragen werden. Letztlich erfüllt die KI unseren Wunsch nach immer schnelleren und effizienteren Prozessen, so wie ein Fahrzeug uns viel schneller von A nach B bringen kann oder ein Foto uns im Detail an einen bestimmten Moment erinnert. In der heutigen datengesteuerten Wirtschaft, die mit riesigen Mengen an Informationen arbeitet, die von Milliarden von Menschen generiert werden, ist KI absolut sinnvoll.

Unser Gehirn ist auf eine faule Art und Weise sehr effizient. Wenn etwas mit Werkzeugen, ob computergestützt oder nicht, leicht zugänglich ist, werden wir unsere kostbare graue Substanz weniger häufig dafür nutzen. Das macht uns nicht dumm, sondern setzt mentale Ressourcen für andere, potenziell fortgeschrittenere Aufgaben frei, was einige Eingewöhnungszeit in Anspruch nehmen kann. Es kann sein, dass mündliche Geschichtenerzähler alter Gesellschaften sich entschieden gegen die Verwendung von Schriftstücken zur Aufzeichnung von Geschichte und zur Speicherung von Informationen in Bibliotheken wehrten. Vielleicht schien es unnatürlich und es fehlte die "Seele" - kann ein einfaches Papier mit darauf geschriebenen Zeichnen ein episches Gedicht mit der Leidenschaft und Geschicklichkeit eines Barden liefern? -, aber das Endergebnis war eine Massenanreicherung der menschlichen Kultur, des technischen Wissens und der Produktivität.

Anstatt KI als künstliche Intelligenz, sollten wir sie vielleicht eher als "erweiterte Intelligenz" betrachten, bei der die zu erweiternde Intelligenz unsere eigene ist. Wiederholte Datenverarbeitungsarbeiten, die von Menschengeführten Maschinen erledigt werden, sollten uns befähigen, unsere eigene Intelligenz auf neue Weise weiterzuentwickeln. Wir bauen keine Roboterzukunft, sondern eine Cyborgzukunft, mit Maschinen als Erweiterung unserer Selbst.

Quelle: Aeon, MIT

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