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Kamera-Vergleich: Honor 9 gegen OnePlus 5

Im Preisbereich zwischen 400 und 500 Euro locken sowohl Honor als auch OnePlus Foto-Fans mit einer Doppel-Kamera. Allerdings verfolgen beide Hersteller einen recht unterschiedlichen Ansatz mit ihren Dual-Cams. Wir haben die beiden Konzepte in einem Test gegenübergestellt.

Dual-Kamera: Schwarzweiß oder Zoom?

Das OnePlus 5 verfolgt mit seiner Dual-Kamera jenen Ansatz, den wir schon vom iPhone 7 Plus kennen – und auch beim jüngst gezeigten Samsung Galaxy Note 8 gesehen haben: Die beiden Objektive haben unterschiedliche Brennweiten. Zoomt der Nutzer also vom Weitwinkel ausgehend in das Bild hinein, vergrößert das Smartphone zunächst digital und springt schließlich auf das zweite Kamera-Modul um. Das zweite Kamera-Modul liefert nun dank „echter“ höherer Brennweite ein nicht-interpoliertes und logischerweise besseres Bild.

honor 9 rgb br sensor
Symbolbild: Aus dem höher auflösenden Schwarzweißfoto (1) und dem niedriger auflösenden Farbfoto (3) macht das Honor 9 ein höher auflösendes RGB-Bild (2). Bei dieser Aufnahme wurde das mittige Bild tatsächlich aus dem rechten und linken Bild durch einen entsprechenden Überblendungsmodus von Photoshop generiert. / © AndroidPIT

Beim Honor 9 haben beide Bildsensoren die gleiche Brennweite, nämlich 27 Millimeter im Kleinbildäquivalent. Allerdings unterscheiden sich die Auflösungen – und der Sensoraufbau selbst. Während das erste Kamera-Modul 12 RGB-Megapixel bietet, setzt Honor beim zweiten Sensor auf 20 Megapixel, lässt aber die Bayer-Maske weg. Bei dieser handelt es um eine Matrix aus winzigen roten, grünen und blauen Farbfiltern über den Pixeln des Bildsensors, die überhaupt erst die Aufnahme von Farbinformationen ermöglichen. Allerdings schlucken diese Farbfilter auch Licht – und Details. Denn um aus den einfarbigen Pixeln wieder RGB-Pixel zu machen, ist ein Interpolationsprozess erforderlich, das sogenannte De-Bayering. Ohne diese Farbmaske und durch die höhere Auflösung soll der Schwarzweiß-Sensor des Honor 9 dann die Bilder des RGB-Sensors mit zusätzlichen Details unterfüttern.

Wer zoomt besser?

Während beim iPhone 7 Plus und beim Note 8 die beiden Objektive um den Faktor zwei auseinanderliegen, bringen es die beiden Optiken im OnePlus 5 auf 24 und 35 Millimeter im Kleinbildäquivalent. Der Gewinn bei höheren Brennweiten ist also längst nicht so groß wie bei den Konkurrenten von Samsung oder Apple, die als Teleoption 52 respektive 56 Millimeter bieten. 

Beim Betätigen des 2x-Buttons in der Kamera-App springt das OnePlus 5 dennoch von 24 auf ungefähr 48 Millimeter, muss hierbei dann aber logischerweise digital in das Bild des 35-Millimeter-Sensors hineinzoomen. Das Foto wird dann allerdings wieder auf die 20 Megapixel hochinterpoliert, die das Kamera-Modul eigentlich nativ bei 35 Millimetern bietet. Die Folge sind merkliche Artefakte bei gezoomten Fotos.

honor 9 op5 zoom
Das OnePlus 5 bringt durch die seltsame Interpolation beim Zoomen deutliche Artefakte auf die Bilder. Beim Honor 9 wirken manche Details allerdings überschärft, beispielsweise die Blätter links unten. / © AndroidPIT

Wie oben schon erklärt, unterfüttert das Honor 9 die gezoomten RGB-Aufnahmen mit Schwarzweiß-Informationen aus dem 20-Megapixel-Sensor, um die Bildqualität zu verbessern. Das klappt an sich ganz gut, allerdings sehen die gezoomten Aufnahmen des Honor 9 gelegentlich etwas überschärft aus, was manchmal auch zu leichten Halo-Effekten führt. Das OnePlus 5 bietet hier eine etwas ruhigere und ausgewogenere Bildwirkung, allerdings eben auch Artefakte.

Extra-Dynamik nur auf Anfrage

Kleine Bildsensoren, wie sie in Smartphones stecken, haben ein großes Problem: ihr Dynamikumfang ist relativ klein. Das äußert sich insbesondere bei kontrastreichen Motiven, beispielsweise bei Sonnenuntergängen oder Aufnahmen mit Gegenlicht. Hier sind bestimmte Bildbereiche dann unter- oder überbelichtet. Abhilfe schaffen hierbei HDR-Modi, die mehrere mit unterschiedlichen Belichtungen geschossene Aufnahmen zu einem Bild mit erweitertem Dynamikumfang kombinieren.

Sowohl das OnePlus 5 als auch das Honor 9 haben eine solche Funktion. Während das OnePlus 5 kontrastreiche Motive erkennt und HDR automatisch zuschaltet, muss dieses Feature beim Honor 9 jedoch händisch ausgewählt werden. Wer das vergisst oder beim einem spontanen Motiv schlicht und ergreifend keine Zeit dazu hat, muss dann mit merklichen Abstrichen bei der Dynamik rechnen

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Das OnePlus 5 hat dank HDR-Automatik die dunklen Bildbereiche deutlich frischer abgebildet – sichtbar ist das insbesondere bei dem Baum rechts unten im Bild. / © AndroidPIT

Am meisten lässt sich aus den Fotos natürlich herauskitzeln, wenn man im RAW-Modus fotografiert. Allerdings ist dann eine spezielle App oder Software auf dem Computer erforderlich, beispielsweise Adobe Lightroom. Die Ergebnisse sind aber definitiv lohnenswert.

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Dieses Foto ist mit einem Honor 9 entstanden, die RAW-Aufnahme habe ich mit Adobe Camera RAW entwickelt. / © AndroidPIT

Spontaner Detailfresser

Beim OnePlus 5 sind wir über ein Detailproblem gestolpert: Bei Motiven mit sehr vielen Feinheiten hat das Smartphone gelegentlich Blättermeere von Bäumen in detailarmen Matsch verwandelt. Das folgende Foto zeigt ein Vergleichsbild mit dem Honor 9.

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Nicht schön: Bei diesem Foto hat das OnePlus 5 die Blätter der Bäume in grünen Matsch verwandelt. Das Honor 9 dagegen übertreibt es fast einen Tick mit der Bildschärfe. / © AndroidPIT

Nachtaufnahmen: Klassenproblem

Bei Aufnahmen unter schlechten Lichtverhältnissen leiden sowohl das OnePlus 5 als auch das Honor 9 unter einem Problem: Beiden Smartphones fehlt ein optischer Bildstabilisator. Entsprechend sind beide Geräte auf relativ schnelle Verschlusszeiten angewiesen, um ein Verwackeln der Fotos zu vermeiden.

Schnelle Verschlusszeiten bedeuten aber auch, dass die Kameras nicht viel Zeit haben, um Licht zu sammeln – und entsprechend mit höherer Empfindlichkeit fotografieren müssen. Höhere ISO-Empfindlichkeiten verschlechtern allerdings auch die Bildqualität, was sich insbesondere in Form von Bildrauschen äußert.

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Das Honor 9 schlägt sich bei schlechten Lichtverhältnissen einen Tick besser als das OnePlus 5. / © AndroidPIT

Um das obige Motiv mit der Blume als Beispiel zu nehmen. Hier haben sowohl das OnePlus 5 als auch das Honor 9 mit einer Verschlusszeit von 1/17 Sekunde fotografiert – und dabei als Empfindlichkeit ISO 2500 gewählt. Das Galaxy S8 konnte dank optischem Bildstabilisator mit 1/4 Sekunde verwicklungsfrei fotografieren und dafür die Empfindlichkeit auf ISO 800 reduzieren. Der Unterschied ist natürlich gewaltig.

Fazit

Unterm Strich haben sowohl das Honor 9 als auch das OnePlus 5 ihre Stärken und Schwächen. Bei Aufnahmen mit hohen Helligkeitsunterschieden ist das OnePlus 5 mit der HDR-Automatik benutzerfreundlicher. Die gezoomten Fotos gelingen weder hier noch dort perfekt – entweder wirken sie beim Honor 9 überschärft oder weisen beim OnePlus 5 wegen der verkorksten Kamera-Zusammensetzung Artefakte auf. Dafür liefert das Honor 9 bei schlechten Lichtverhältnissen eine etwas bessere Bildqualität. 

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Top-Kommentare der Community

  • Debugger vor 2 Wochen

    Dafür das OnePlus wochenlang vor dem Start mit der Kamera geworben hat, finde ich das Ergebnis schon etwas enttäuschend. Ist ja dann klar, dass bei vielen jetzt die Erwartungen an die Kamera hoch sind. Viel besser als die des Vorgängers ist diese ja anscheinend nicht.

18 Kommentare

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  •   14

    Das GALAXY K ZOOM hat für mich bis heute die beste Kamera weil richtige Zoom drin ist und nicht nur Digitalzoom.


  • Wer sich ein wenig mit Fotografie auskennt ,weiß worauf es ankommt.
    Smartphone Kameras können eine Digitalkamera durchaus ersetzen, dazu muss man nur eine gewisse fotografische (technische) Affinität mitbringen. Nehmen wir als Beispiel dass LG G4, welches meine 3 Jahre alte Canon Digitalkamera (seiner Zeit 300 Euro) von der Bildqualität um Längen in den Schatten stellt. Denn diese nutzt eine Blende, die den Wert von über 3 besitzt und nicht viel Licht durchlässt. Wenn man bedenkt dass Handy Kameras von der Sensorgröße in keinster Weise an aktuelle 1 Zoll, geschweige denn an APS-C Senoren herankommen, dann ist das Endresultat um so erstaunlicher. Ich hatte viele Handy Typen in Gebrauch, darunter das Mate 9 mit Leica Schriftzug, wie auch andere Top Geräte, aber keines von denen kommt an die Qualität eines LG G4, welches die vollen 16 Megapixel im 16:9 Format abruft. Die Qualität macht sich auf einen z.B. 48 Zoll 4K TV extrem bemerkbar (Schärfe), denn Fotos werden über diesen TV Verglichen und kein anderes von mir getestete Handy konnte auch nur ansatzweise mithalten.
    Die allgemeine Technik der Handys nimmt rasant zu CPU, GPU, Ram und so weiter, aber die Kamera Qualität ist fast zum Stehen gekommen, da aus den kleinen Sensoren nicht mehr viel rauszuholen ist.
    Es gibt durchaus Kamera Perlen (LG G4, HTC U 11 usw.) im Handy Bereich ,die es ohne weiteres mit Digitalkameras aufnehmen können und diese sogar zum Teil übertrumpfen ,wobei der Preis natürlich auch eine Rolle spielt.


    • Bin ich deiner Meinung. Hatte auch das G4 (aktuell G6) und die Kamera ist echt unschlagbar. Leider musste ich es wegen zu starkennAkkuproblemen ersetzen, aber an die Kamera kommt sogar das G6 schwer ran. Die Frontkamera ist auf jeden Fall beim G4 besser gewesen.


    •   14

      Kein Handy ersetzt eine richtige Spiegelreflexkamera. Hab noch eine aus den 90er von Pentax.Pentax LX
      Der absolute Profihammer von Pentax. Eine Kamera wie aus einem Guss, mit der konnte man wirklich noch Nägel einschlagen. Mit dem umfassenden Zubehör, konnte man die LX wirklich zu fast allem umrüsten.
      Einige Fotografen und Nostalgiker haben solch eine in ihrem Schrank stehen, und so manche fotografieren damit noch ab und zu. Mittlerweile gibt es nur sehr wenige Fotografen die ausschliesslich analog fotografiern, und sie werden des öfteren als “alte Hasen” belächelt, da sie dem digitalen Zeitalter trotzen. Dennoch tut es manchmal gut, sich bewusst zu machen, das zahlreiche bekannte Fotografen niemals mit einer digitalen Kamera gearbeitet haben.


  • Die beiden Handys fotografieren ziemlich schlecht. Wenn man richtig gute Bilder will, muss man iPhone, Galaxy/Note, Pixel, HTC U11, V30 nehmen. Die sind eine richtige Oberklasse.


  • Mein LG G4 macht auch heute immernoch hervorragende Fotos.
    Wüsste nicht warum ich umsteigen sollte....


  • Die Aufnahmen oben zeigen das Dilemma. Mal ist die eine mal die andere Kamera besser.
    Wobei das menschliche Auge auf Helligkeit trainiert ist. Helle Bilder wirken “freundlicher“ und “frischer“. Ob die schärfe und die Farben stimmen ist dem Betrachter relativ egal.
    Deshalb sollte bei Vergleichstest eine Profikamera Vergleichsbilder liefern.


    • Ole vor 2 Wochen Link zum Kommentar

      Der Vergleich wäre absolut unfair. Ich zB habe den Vergleich bei einem Z5compact, einem Samsung S8plus und einer Sony Alpha 58 SLR Mittelklasse und schon dort ist der Unterschied gewaltig. Die Smartphonekameras werden nie, wirklich nie (zumindest aktuell und in naher Zukunft nicht) die richtigen Kameras ersetzen können und deshalb wäre so ein Vergleich, aus meiner Sicht, absolut unpraktisch. Man sollte nur Gleiches mit Gleichem gegenüber stellen, denn Leuten, die sich ein Smartphone kaufen wollen, wo die Kamera ein wichtiger Kritikpunkt ist, bringt es nichts, wenn du denen einen Vergleich zu einer richtigen Kamera lieferst. Dann weiß derjenige nämlich trotzdem nicht, welches Smartphone die bessere Kamera hat. Er weiß dann nur, was er vermutlich eh wusste: keine Smartphonecam ersetzt je eine richtige Kamera mit echtem Objektiv.


    • Das stimmt, “freundlicher“ und “frischer“ kann man jeder anders verstehen. Es ist unklar ob es richtig so gut ist.


  • Haben beide ne scheiss cam mein 1,5 jahre altes s7 edge fegt beide weg in sachen kamera und akku


  • Jetzt wäre es noch sehr interessant zu erfahren welchen Softwarestand das Oneplus 5 hätte. Mit dem Update auf OxygenOS 4.5.10 sollen das Problem mit den Pixel Fragmenten ja angeblich vorbei sein, bzw sich wesentlich verbessert haben.


    • Auch mit der Version 4.5.10 sind die Pixel Fragmente zu sehen. Gerade bei Bäumen hat man diese Farbklekse.


  • Eine Smartphone Kamera ist und bleibt für Schnappschüsse alles andere ist Utopie !


  • Lupo vor 2 Wochen Link zum Kommentar

    Ich muss immer etwas schmunzeln bei diesen Kameratests. Vor allem wenn der optische Bildstabilisator (OIS) zum Allheilmittel bei schlechten Lichtverhältnissen erhoben wird. Ich meine, wer fotografiert im Halbdunkeln schon Landschaften oder Blumen? Viel wahrscheinlicher ist es doch, dass Personen oder andere "bewegte" Objekte abgelichtet werden. Aber gerade in diesen Situationen ist die lange Belichtungszeit kontraproduktiv, da sie zu Bewegungsunschärfe führt. So gesehen hat die Kamera ohne OIS hier sogar die besseren Karten, auch wenn 1/17 sec. immer noch eine halbe Ewigkeit ist. OIS ist gut bei langen Brennweiten oder bei Videos, bei schlechtem Licht hilft dagegen nur ein grosser Sensor und eine lichtstarke Optik (am besten beides). So gesehen gibt es (noch) gar keine Smartphones die wirklich gute Bilder bei diesen Bedingen machen.


    • Otto-Normal-Benutzer macht Schnappschüße. Aber selbst meine Canon S2, lange ist es her, schaffte es nicht bewegte Bilder einzufangen. Alle Aufnahmen waren verschwommen. Die S2 bot natürlich die Möglichkeit alles selber einzustellen. Aber dann war auch der Moment weg.


  • Dafür das OnePlus wochenlang vor dem Start mit der Kamera geworben hat, finde ich das Ergebnis schon etwas enttäuschend. Ist ja dann klar, dass bei vielen jetzt die Erwartungen an die Kamera hoch sind. Viel besser als die des Vorgängers ist diese ja anscheinend nicht.

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