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Inside 7 Min Lesezeit 15 Kommentare

Inside Samsung: Vom Testen. Den Mitarbeitern. Und meinem Fazit.

Eigentlich sollte der letzte Teil einer Serie der krönende Abschluss sein. Und vielleicht auch mit einer Art Quintessenz schließen. Während ich den letzten Teil strukturiere fällt mir auf: Vieles, was ich heute beschreibe, habe ich ganz zu Beginn meiner Reise erlebt und ist von daher gar nicht der Schlusspunkt, sondern vielmehr der Startschuss dessen gewesen, weshalb aus meinem ursprünglichen Plan, einen Artikel zu schreiben, nun doch vier geworden sind. Der Grund hierfür heißt: Faszination! Warum ich von dieser Reise und vom Unternehmen Samsung als solches fasziniert bin, lest Ihr in den nachfolgenden Zeilen.

Qualität kommt nicht von ungefähr – sondern von vielen Tests

Es war das dritte Mal, dass ich ein Testlabor eines Herstellers von innen sehen durfte. Gerne zeigen das die Hersteller nicht – immerhin stecken in den jeweiligen Tests viel Know-How und Erfahrung, die man selbstredend nicht mit allen teilen möchte. Deshalb ist das Filmen und Fotografieren in diesen Räumen auch strengstens untersagt. Alle Bilder, die Ihr hier seht, sind offizielle Bilder von Samsung.

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Für die Designer gibt es eine eigene Bibliothek zum Wohlfühlen und Arbeiten / © Samsung

Im Grunde sind die Labore und Verfahren allesamt gleich aufgebaut: Man simuliert mit Maschinen die tägliche Nutzung der Geräte beziehungsweise Produkte und versucht gleichzeitig bestimmte Einflüsse, wie Wetter, Luftfeuchtigkeit usw., nachzustellen. So zieht beispielsweise eine Maschine den Stift des Note 9 immer wieder aus seiner Öffnung und verändert dabei immer wieder den Winkel. So lässt sich feststellen, ob der Stift oder das Gehäuse leicht brechen kann oder ob und wann bei diesen Ermüdungserscheinungen auftreten.

Und so gibt es viele weitere Versuche. In einer Maschine, die einer Waschmaschine ähnelt, fällt ein Telefon durch die Rotation in regelmäßigen Abständen auf die nächste Stufe – dies soll das Herunterfallen bei einer Treppe gleichkommen. Und davon gibt es eine Reihe verschiedener Szenarien: Fallen aus rund 1,5 Meter Höhe, in verschiedenen Winkeln. Auf- und zuklappen von Schützhüllen, das Betätigen der verschiedenen Tasten… Wer nun glaubt, es sei mit einer handvoll Tests getan, der täuscht. "Oh, es sind schon einige tausend Tests, die wir hier durchführen", antwortet man mir auf meine Frage. Zum Beispiel Verhalten eines Geräts bei einer Außentemperatur von mehr als 40, 50 oder 60 Grad – wenn man beispielsweise mal sein Gerät im Auto vergessen hat. Oder bei 0, -5, -10 oder -20 Grad. Und das bei wechselnden Luftfeuchtigkeiten.

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Sogar einen Test, der das Hinsetzen simulieren soll, gibt es. / © Samsung

Wie gesagt, ich habe mehrere Testlabore gesehen. Das, was uns Samsung aber hier zeigt, geht über das bisher Gesehene hinaus. Und es ist auch der erste Moment meiner Reise, bei dem ich ein kleines Wow-Gefühl habe. Denn nach über zehn Jahren in der Branche kommt es nicht mehr so oft vor, dass man etwas noch nicht gesehen hat oder man wirklich beeindruckt ist. Ich frage mich ja, wie bei so vielen Tests das Note-7-Desaster passieren konnte, aber die Labore für Akkus standen leider nicht auf unserem Besichtigungsplan.

Und die Wow-Effekte wollte ich mir ja für den letzten Teil der kleinen Reportage aufheben.

Etwas, was man nie so richtig wahrnimmt: Klingeltöne und andere Sounds

Noch etwas, was ich in zehn Jahren AndroidPIT beziehungsweise Tech-Journalismus noch nicht zu Gesicht bekommen habe: Ein Soundlabor für das Erstellen der Sounds von technischen Geräten.

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Das Sound Lab – ein Studio für interne Zwecke / © Samsung

Wir benutzen unsere Geräte so leichtfertig und nehmen die kleinen Geräusche kaum wahr. Dabei helfen sie uns dabei, unsere Geräte ganz intuitiv zu verstehen. Tastengeräusche sagen uns, dass ein Klick auf unser Display erfolgreich war. Der Sound, dass eine Verbindung hergestellt werden konnte, lässt sich ebenfalls sehr leicht interpretieren. Wer hätte aber gedacht, wieviel Arbeit in der Entwicklung dieser kleinen Sounds stecken würde?

"Wir bekommen von unserem Produktmarketing gesagt, welche Zielgruppe wir erreichen wollen. Dann schauen wir uns an, was diese so mag. Was für Musik sie hört und welche Klänge sie mögen. Wir versuchen das bei jedem Produkt umzusetzen". Es ist der Chef der Sound-Abteilung, der mir meine Frage beantwortet, als ich wissen will, ob sie komplett frei wären in ihren Kreationen. "Aber im Grunde sind wir relativ frei", erzählt er uns.

Der Chef der Soundabteilung ist vielleicht Ende 20 oder Anfang 30, sieht mit langem Mantel, Nerdbrille und Cappy trendy aus und ist Herr mehrerer Studios unterschiedlicher Größe. "Wir haben hier immer wieder ganz berühmte Musiker zu Gast, mit denen wir unseren Signature Sound (Anm. d. Red: das immer wiederkehrende Lied von Samsung) jährlich neu interpretieren". Dieser Signature Sound nennt sich "Over the Horizon" und findet sich immer wieder bei Samsung – beispielsweise auch bei seinen Klingeltönen. In diesem Jahr ist es ein Isländer, der das Stück meiner Meinung nach wundervoll interpretiert.

Samsung tut viel für seine Mitarbeiter. Wirklich viel!

Die Mobile-Sound-Lab-Tour war eines meiner Highlights. Nicht nur, weil ich eine solche Arbeit bei einem anderen Hersteller bisher nicht gesehen habe. Sondern vielmehr, weil man spürte, wie viel Spaß den Leuten dort die Arbeit macht.

Nicht nur deshalb dürften viele Menschen bei Samsung ausgesprochen gerne beim Konzern arbeiten. Es hat sich viel getan an allen Standorten Samsungs. Vor zehn Jahren schon sagte man mir, dass es ein Privileg in Südkorea sei, für Samsung arbeiten zu dürfen. Dann habe man es geschafft. Alleine dieses Privileg und die Aussicht auf einen überdurchschnittlichen Lohn trieb die Leute an. Diese Zeiten sind vorbei – wie alle Unternehmen weltweit steht auch Samsung in einem harten Wettbewerb um die besten Mitarbeiter. Da dürfte es nicht überraschen, dass man auch hier – ganz Silicon-Valley-like – für gutes Essen und das Wohlbefinden der Mitarbeiter sorgt.

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Ein riesiges Fitnessstudio nur für Mitarbeiter von Samsung  / © AndroidPIT

Ohne das Selbe schon einmal bei Google, Apple oder Facebook gemacht zu haben, glaube ich aber, dass Samsung noch deutlich mehr bietet als hübsche Büros und leckeres Essen. Auf jedem Campus hat Samsung eine eigene Klinik eingerichtet, an der man sich und seine Familie behandeln lassen kann. Samsung ist ja auch in der Medizintechnik vertreten und entsprechend sind alle Geräte auf dem neuesten Stand. Es gibt einen Zahnarzt, bei dem man sich und seine Familie kostenlos behandeln lassen kann. Sämtliche Medikamente werden von der Firma übernommen – selbstverständlich ebenfalls für die gesamte Familie. Am R&D-Campus, an dem vor allem junge Menschen arbeiten, gibt es einen riesigen Kindergarten mit 200 Kindern. Es gibt eine große Boulderanlage zum Klettern und es gibt an allen Standorten Fitnessstudios, die keine Wünsche offen lassen. Letztere kosten zwar Geld. Aber für 20 US-Dollar monatlich sind diese deutlich günstiger als vergleichbare Einrichtungen.

Wer nun denkt, dass Samsung all das tut, um die Menschen auf dem Campus zu halten und damit zu mehr Arbeit zu bewegen, irrt. Mit DJ Koh, dem neuen Chef von Samsung Electronics, kam auch ein neues Verständnis was Arbeitszeiten anbelangt. Heute will man die Leute zu einer guten Work-Life-Balance bewegen. Man wolle gesunde und glückliche Mitarbeiter.

Mein Fazit: Ich bin wirklich beeindruckt!

Diese Zwischenüberschrift kostet mich anfangs etwas Überwindung. Wo ist meine Distanz? Ist das denn noch objektiv? Ja, denke ich mir dann. Immerhin kam ich mit ganz anderen Erwartungen und flog inspiriert, mit Ideen im Kopf und eben durchaus beeindruckt zurück. Warum also sollte ich das nicht auch so schreiben? Es gibt noch genug, was mich an Samsung stört. Dass beispielsweise kaum ein Apple-Produkt oder -Feature unkopiert bleibt. Oder Bixby – für mich Käse hoch 10. Es gab mal bada – erinnert Ihr Euch noch? Es war schrecklich.

Samsung hat für mich den richtigen Weg eingeschlagen, resümiere ich für mich selbst. Einen Weg, der das Unternehmen nicht nur nahbarer und menschlicher macht. Sondern wahrscheinlich auch Platz für viel Neues und auch Innovationen schafft.

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Der Palast im Herzen von Seoul – von Hektik ist hier keine Spur / © AndroidPIT

Und Südkorea? Dahin will ich bald wieder mal zurück. Es ist ein Land, das mich gepackt hat und das ich auch privat bereisen will. Denn auch abseits der offiziellen Termine konnten wir etwas von Land und Leute mitbekommen – den Palast beispielsweise. Oder aber auch den Lotte Tower, das fünftgrößte Gebäude der Welt.

Ich bin beeindruckt.

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