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Kommentar 5 Min Lesezeit 44 Kommentare

Früher oder später werden smarte Lautsprecher uns abhören

Seit Erfindung der Briefpost sind Menschen besorgt um ihrer Privatsphäre. Nach Telefon, E-Mails, Textnachrichten und sozialen Medien kommen nun die Sprachassistenten Google Assistant und Amazon Alexa, um das Thema mehr denn je auf den Plan zu rufen. Werden wir von ihnen bald kontrolliert und ausgebeutet? Ein Blick in die jüngere Geschichte kann nicht beruhigen.

Wir vertrauen weitgehend blind darauf, dass Telekommunikationsdienstleister zusammen mit dem Gesetzgeber und Verbaucherschützern unsere Privatsphäre nicht verletzen. Dennoch verbleibt ein großes Misstrauen; nicht zuletzt befeuert durch die Snowden-Enthüllungen. Selbst verschlüsselte Kommunikation fiel staatlich organisierten Lauschangriffen zum Opfer, da Software-Unternehmen zum Einbau von Hintertürchen gezwungen wurden. Dennoch geht die Nutzung derselben Dienste ungehemmt weiter und sie breitet sich sogar aus.

Okay, Google hört uns immer zu

Smarte Lautsprecher wie der Google Home werden uns im Handel quasi nachgeworfen. Ihr integriertes Mikrofon dient der Sprachsteuerung eures heimischen alltags. Doch zurecht befürchten viele Nutzer: "Aber dann hört Google uns ja immer zu!" Und damit haben sie absolut recht.

Alle Geräte mit dem Google Assistant lauschen permanent darauf, dass Ihr die Aktivierungsphrase "Okay, Google" oder "Hey, Google" sagt; analog gilt dies im Übrigen auch für andere Sprachassistenzsysteme. Genau deshalb bittet Euch der Einrichtungsassistent diverser Google-, Android- oder Cast-Geräte, jene Phrase mehrmals zu wiederholen.

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"Ok, Google" ist das universelle Schlüsselwort, um den Google Assistant zu aktivieren. / © AndroidPIT

Ruft Ihr ab dann jene Phrase, beginnt das Gerät mit der Aufzeichnung und sendet diese an Googles Server. Dort wird Eure Anfrage ausgewertet und Ihr erhaltet eine entsprechende Antwort oder eine anderweitige, passende Reaktion. In den FAQ erläutert Google alles zum Thema Datenschutz. Dort erfahrt Ihr auch, dass Ihr die Aufzeichnungen zwar von Eurem Nutzerkonto trennen, nicht jedoch wirklich von den Servern löschen lassen könnt. Für sein Machine Learning braucht Google alle Daten und will diese entsprechend nicht mehr hergeben.

Als wäre dies nicht schlimm genug, möchte ich noch an den Skandal nach Erscheinen des Google Home Mini erinnern. Ein US-Journalist und einer der ersten Tester des winzigen Sprachassistenten fand einen Bug in dem Lautsprecher, so dass dieser pausenlos Gespräche in seinem Haushalt mitschnitt. Google musste einen Hotfix an alle Kunden schicken, damit dieser akustische Einbruch ein Ende hat. Im Statement hieß es dann:

Wir nehmen die Privatsphäre unserer Nutzer und die Qualität unserer Produkte sehr ernst. Obwohl wir nur wenige Berichte über dieses Problem erhalten haben, möchten wir, dass Käufer Google Home Mini ohne Angst nutzen können.
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Eure Aufzeichnungen aus dem Google Assistant bleiben bei Google. / © Shutterstock

Niemand ist sich völlig sicher, dass diese Daten nicht auch woanders landen werden. Auch wenn es sich dann um einen Verstoß der DSGVO handeln würde, bliebe die Frage: Wer kann das kontrollieren? Also kommen wir hier darauf zurück, dass wir Google einfach vertrauen müssen.

Amazon macht es kaum besser

Analog zu den Geräten der Familie Google Home gilt all dies auch für Amazons Echos. Diese lauschen auf das Schlüsselwort "Alexa" und übertragen den Ton in die Amazon-Cloud. Findigen Nutzern ist beim Sichten ihrer Aufzeichnungen aufgefallen, dass diese schon ein Sekundenbruchteil vor dem Rufen des Hotwords beginnt. Die Echo-Geräte scheinen also offenbar permanent zu lauschen, auch wenn sie nicht alles an die Zentrale übertragen.

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Bei Amazon könnt Ihr Eure Aufzeichnungen wieder löschen lassen. / © Shutterstock

Auch hier wird der vom Echo aufgezeichnete Ton in Eurem Amazon-Konto gespeichert. Und wie bei Google könnt Ihr diese anhören oder löschen. Amazon verspricht jedoch, die Daten tatsächlich zu löschen.

Darf ich Amazon oder Google vertrauen?

Ich will keine endgültige Antwort auf diese Frage geben. Aber ich gehe nicht davon aus, dass einer dieser Konzerne Euch persönlich ausspionieren würde. Die Milliarden-Dollar-Unternehmen handeln im Interesse ihrer Aktionäre und können sich einen so eingehandelten Vertrauensverlust nicht leisten. Die Kosten-Nutzen-Rechnung ginge nicht auf, wenn sie sich beim Belauschen ihrer Kunden so einfach erwischen ließen.

Und dann dürfen wir auch nicht vergessen, dass der Staat an den Daten jener Unternehmen ein Interesse hat. Einen interessanten Präzedenzfall dazu lieferte ein Gerichtsprozess in den US-Bundesstaat Arkansas, bei dem Alexa-Aufzeichnungen als Beweismaterial genutzt werden sollten. Amazon ließ sich jedoch bis zum Schluss zur Herausgabe der sensiblen Kundendaten zwingen und gab diese erst nach Zustimmung durch den Nutzer heraus; konnte so also die Privatsphäre aller Nutzer schützen.

Kann man einen Echo Dot/Home Mini nicht hacken?

Die smarten Lautsprecher lassen sich natürlich auch unbefugt einsetzen. Eine der lustigeren Geschichten dazu ist die Superbowl-Werbung von Google und Burger King. In dieser fiel die Aktivierungsphrase "Okay, Google", die mit einem Mal in Millionen Haushalten die Assistenten weckte. In einem Software-Update verbesserte Google dann die Fähigkeit des Assistants, echte von künstlicher Stimme zu unterscheiden. Funktioniert das für Euch schon?

Ein weniger witziges Beispiel betrifft Alexa. Deren Echo ließ sich über dessen Debug-Pins und eine so angeschlossene MicroSD-Karte trojanisieren. Der Angreifer konnte danach aus der Ferne das Mikrofon abhören, hat den Echo also in eine Wanze verwandelt. Der Nutzer sah dem Gerät diese Manipulation jedoch äußerlich nicht an und konnte das Gerät wie gewohnt weiterverwenden. Die IT-Sicherheitsfirma MWR InfoSecurity machte ihre Entdeckung freundlicherweise öffentlich bekannt und arbeitete mit Amazon rechtzeitig an einer Schließung der Sicherheitslücke. Nichtsdestotrotz dient dieser Fall als Paradebeispiel, dass die neue Technologie fehlbar ist.

Und die Moral von der Geschicht'…

Die Anbieter der digitalen Assistenten kämpfen um unser Vertrauen. Das gesunde Misstrauen, das wir für Telekommunikation oder sogar das Postgeheimnis haben, müssen wir uns aber für die Sprachassistenten erhalten. Denn wer uns wirklich ausspionieren will, dem wird das auch mit den neuen Technologien gelingen. 

Wie viel Vertrauen steckt Ihr in Amazon oder Google? Teilt mit uns Eure Meinung dazu in den Kommentaren. 

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Top-Kommentare der Community

  • omi uhr vor 1 Woche

    ich hasse sprachsteuerung. absolut ätzend, z.B. Hotlines. Meine Google App bleibt deaktiviert.

  • ait vor 1 Woche

    Die Stasi wäre über diese Geräte außer sich vor Freude gewesen.

  • Tim vor 1 Woche

    Solang ich mir keinen smarten Lautsprecher anschaffe, kann er mich auch nicht anhören ^^ (Jaja, ich weiß, mein Smartphone macht das ja schon ^^)

    Ich sehe immer noch keinen Sinn in so ziemlich allem, was mit Sprachsteuerung zu tun hat... Es dauert oft länger, ist ungenauer und bietet für mich nichts, um mich eben mit diesen Nachteilen rumzuschlagen.
    Aber ich glaube auch wenn Sprachsteuerung richtig gut funktionieren würde, würde ich es nicht nutzen. Ich habe absolut kein Bedürfnis, meine "Befehle" an irgendein Gerät laut auszusprechen...

    "Kann man einen Echo Dot/Home Mini nicht hacken?"
    Ich glaube, man kann es fast schon als Faustregel verwenden, dass sich jede Hardware, auf der Software läuft, hacken lässt. Und ich würde darauf wetten, dass sich das auch niemals ändern wird. Systeme werden sicherer, aber auch die Hacking-Tools und die Hacker selbst natürlich auch. Ein Programmierer bzw. Hacker von vor 30 Jahren würde sich am heutigen Programmen die Zähne ausbeißen, wohingegen es für heutige Hacker teilweise ein Leichtes ist ^^

44 Kommentare

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  • Früher waren die Geräte dumm und die Menschen smart – heute ist es genau umgekehrt ...


  • sehe persönlich immer noch keinen wirklichen Nutzen in diesen Teilen, deswegen ist unser Heim (oder soll ich "old-school" Haushalt schreiben) nach wie vor ohne so ein Teil. Klar TV ist "smartfähig" aber bis dato habe ich die Sprachsteuerung dort -wie übrigens auch beim Smartphone noch nie verwendet.


  • Gott sei Dank ist die Audioqualität der smarten Lautsprecher noch eher auf gehobenem Radioweckerniveau. Wenn sich das mal ändern sollte, würden mich smarte Funktionen nur vom Kauf solcher Geräte abhalten.


  • Ich sehe aus Angst vor Lauschangriffen keinen Sinn darin diese Geräte abzulehnen, wenn man ein Smartphone besitzt. Da ist es ja sehr einfach möglich...


  • Ich bin schon gelangweilt was das Thema sprachassistenten angeht. War mal interessiert aber mein Smartphone kann mehr als eine Sprachbox. Das Smartphone und Tablet für mich interessanter sind ist viele meiner Freunde klar und da wird nie über sprachassistenten gesprochen. Tja war wohl nix und zu gleich teuer


  •   12
    Gelöschter Account vor 1 Woche Link zum Kommentar

    Mir reicht (m)ein Smartphone, von dem ich überzeugt bin, dass es mich/uns abhört. Kann solchen Sprachassistenten einfach nichts abgewinnen und wenn ich die Werbungen dazu höre (Alexa mach die Lichterkette an, Alexa bestell xx), komm ich höchstens zum Schmunzeln...


  • Mir kommt so’n Ding nicht ins Haus. Siri ist aus und mein TV hat keinen Zugang zum Netz.

    H G


  • Dieses Spielzeug macht eh nicht viel Sinn. Zu limitiert. Und überhaupt wer sich freiwillig die Abhörstation in die Wohnung stellt.. na gz

    H G


  • Ich habe meinen Amazon Echo Dot seit gewiss 6 Monaten nicht mehr in Gebrauch. Ich war damal einfach neugierig, wie das Gerät bzw. der Service dahinter funktioniert. Google Assistant nutze ich, jedoch nur sporadisch.


  • Abhören hin oder her ich habe mir so ein Teil nicht gekauft , weil ich keinen Vorteil in der ganzen Geschichte sehe .Wozu brauche ich sowas ? Musik hören schmeiße ich meine Anlage an . Wetter nehme ich Smartphone oder schaue aus dem Fenster. Solange diese Helferlein bei schlechtem Wetter nicht mit unserem Fiffi rausgehen können brauche ich es nicht .😆


  • "Alle Geräte mit dem Google Assistant lauschen permanent darauf, dass Ihr die Aktivierungsphrase "Okay, Google" oder "Hey, Google" sagt"

    Das ist ein althergebrachtes Klischee. Das lauschen der "Aktivierungsphrase" passiert IMO aber lokal. Erst danach wird eine Verbindung aufgebaut.


  • Und was macht Apple? Ist das so geheim, dass es nicht veröffentlicht werden darf? :-O


    • Jup versteh ich auch nicht, es gibt kein Grund Apple nicht negativ zu erwähnen, weil die mit Siri genau so einen Sprachassistenten haben.

      H G


    • Geheim ist es nicht. Apple zeichnet alles komplett auf und gibt die Daten dann anonymisiert weiter.

      Aber das sich die aufgezeichneten Verhaltensweisen einer Person auf Grund der Standortdaten und wieder einem Namen zuordnen lassen, daß steht auf einem anderen Blatt.


  • Ich bin da wahrscheinlich noch etwas ''altbacken'', aber ich nutze überhaupt keine Sprach oder ''KI'' Assistenz am Handy oder Computer. Komme mir dabei immer zeimlich behämmert vor, mit meinem Handy in der Hand zu reden und empfinde das auch so, wenn ich andere dabei beobachte (Absolut nicht böse gemeint, just my 2 Cents :D ) ^^


    • Falls ich mal sowas benutze, dann würde ich diese "KI-Wanze" auch gelegentlich vom Strom trennen.


      • Definitv. Das einzige was ich in der Richtung besitze ist Fire TV von Amazon. Sehe nicht ein mir einen Smart TV zu kaufen, wenn mein bisheriger Flachmann noch richtig gute Ergebnisse liefert. Egal, worauf ich raus will. Fire TV hat ja auch Alexa in dem Gerät integriert samt Mikro, das wird nur dann angeschaltet, wenn es genutzt wird. Ansonsten heißt es hier auch, Saft abdrehen.


  • Das smarte an den smarten Lautsprechern ist, daß man sie jederzeit als Wanze nutzen kann und sie auf Grund ihrer Funktionsweise permanent mithören müssen.

    Das weniger smarte an der Sache sind die User. 😐.


  • Ich nutze keine Sprachassistenten. Mir genügt es schon dass Telefongespräche abgehört werden (können).

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