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4 Min Lesezeit 20 Kommentare

Essential Phone: Hat Andy Rubin das Smartphone neu erfunden?

Andy Rubin, der Erfinder von Android, hat heute das Essential Phone präsentiert - mehr dazu in unserer News. Rubin will es aber als Teil eines großen Projekts verstanden wissen. Seine großen Ziele skizziert er in einem Blog-Eintrag. Hat er eine Chance?

Essential sei aus der Idee heraus geboren, Technologie einfach benutzbar zu machen. Er sehe sich selbst in der Verantwortung: Android habe zwar einige Errungenschaften gebracht, sei aber auch dafür verantwortlich, dass komplizierte Technik den Alltag erschwert, statt zu vereinfachen. Zu viele Produkte, die nicht miteinander zusammenarbeiten. Aus dieser Erkenntnis leitet er die Mission von Essential ab: Es soll eine Firma sein, die Lösungen für die Menschen des 21. Jahrhunderts bringt - in seinem Blogpost nennt Rubin sechs zentrale Ideen, die Essential antreiben.

  • Geräte sind dein persönliches Eigentum. Wir zwingen dir nichts auf, was du nicht möchtest.
  • Wir arbeiten mit anderen gut zusammen. Geschlossene Ökosysteme sind trennend und veraltet.
  • Hochwertige Materialien und Verarbeitung sollten nicht für einige wenige verfügbar sein.
  • Geräte sollten nicht jedes Jahr veralten. Sie sollten sich mit dir weiterentwickeln.
  • Technologie sollte dir dabei helfen, dein Leben zu genießen.
  • Einfach ist immer besser.

Seine erste Antwort auf diese Thesen ist nun also zumindest in Teilen das Essential Phone: Aber welches der genannten Probleme löst es wirklich? Tolle Verarbeitung für alle? Bei einem Preis von rund 700 US-Dollar (zzgl. Steuern) ist das zwar Standard, nicht aber “für alle” verfügbar. Und in einem Jahr ist das Essential Phone “altbacken”, wenn die nächste Chipgeneration eingetroffen ist (Snapdragon 845) - mitwachsen kann es jedenfalls nicht, höchstens nicht schlimm altern.

essential phone hero
Das Essential-Phone mit Displaylücke / © Essential

Und die geschlossenen Ökosysteme? Hier liefert das Essential Phone eine wohl proprietäre Modul-Schnittstelle, die offenbar eine 60-GHz-Funkverbindung verwendet. Im besten Fall veröffentlicht Essential eine Dokumentation, im schlimmsten Fall gibt es nur wenige Gadgets. Unklar ist, wie offen die Schnittstelle gestaltet ist: Braucht es eigene APIs dafür? Kann jeder ein Essential-Mod basteln? Fragen über Fragen. Vorschusslorbeeren sind hier fehl am Platz: Abseits der 360-Grad-Kamera hat Essential noch nichts gezeigt. Wiederholt sich das Lenovo-Problem? Die Moto Mods sind zwar eine gute Idee, zuletzt machte Lenovo aber eher mit Konzepten auf sich aufmerksam als mit realen Mods. Noch immer sind nur die vier ersten Mods verfügbar, die nicht einmal sonderlich überzeugend sind.

Das Design ist ja vielleicht gelungen, aber es sieht schon ein bisschen merkwürdig aus: Die Selfie-Cam ist in das Display integriert und am oberen Rand wurde einfach ein Stückchen Bildfläche geopfert. Es stimmt schon, dass dort nicht sehr oft Inhalte zu sehen sind. Spiele und Videos wiederum benötigen diesen Platz schon eher. Gibt es dort einfach einen schwarzen Balken zu sehen? Hätte ein klassischer Rahmen hier nicht Vorteile?

Viele der hier skizzierten Aspekte sind bei anderen Smartphones besser realisiert. Gute Verarbeitung lässt sich schon bei Mittelklasse-Smartphones finden. Module gibt es bei der Moto-Mod-Serie. Google Pixel, Lenovo, HTC und einige andere verzichten auf ausgiebige Bloatware; andere erlauben die Deinstallation. Günstig und Highend, für diese Kombination sind OnePlus und - zu einem gewissen Grad - Honor bekannt.

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OnePlus: Die wahrscheinlich härteste Konkurrenz für Essential.  / © AndroidPIT

Andy Rubin is back!

Andy Rubin is back! Ehrlicherweise muss man zugeben: Das Essential Phone erhält vor allem deswegen so große Aufmerksamkeit, weil der Android-Erfinder persönlich dahinter steht. The Verge schrieb, Rubin habe schon die eine oder andere richtige Entscheidung bei mobilen Geräten getroffen. Mag sein. Demnach müsste das Essential Phone voller raffinierter Ideen stecken? Das stimmt in mancherlei Hinsicht: Reduktion der Softwareausstattung, die Verarbeitung scheint hochwertig zu sein. Ansonsten steckt das Essential Phone nicht gerade voller Überraschungen.

Mit dem ebenfalls vorgestellten Smart-Home-Gerät Essential Home gibt es eine Erweiterung, die Essential ins Wohnzimmer bringt. Offenbar ist das Ziel, einen Google-Home-Konkurrenten an den Start zu bringen. Ausgiebige Details stehen noch aus, klar ist aber: Essential ist nicht angetreten, um das Smartphone neu zu erfinden. Rubin will vielmehr ein ganzes Technologie-Universum zimmern.

Nur so lässt sich das Essential Phone begreifen: Es ist nur der erste Schritt. Stellt sich der Erfolg ein, so dürfte Rubin allerdings daran denken, in weitere Felder der Elektronik einzudringen - einen Schritt Richtung Smart Home hat er ja schon angedeutet.

Kann Rubin also Erfolg haben? David Ruddock von AndroidPolice.com hat seine Zweifel:

Denn:

Im Heimatmarkt USA sieht es also recht düster aus. Eine ähnliche Prognose dürfte auch für Märkte in Europa gelten. Das Essential Phone richtet sich gewissermaßen an Enthusiasten, die dem Einheitsbrei anderer Android-Smartphones entkommen möchten. Ich drücke Rubin die Daumen, dass diese Lücke groß genug ist, denn vielleicht kann er einige Fragmentierungen im Tech-Markt zurückdrängen.

Welche Erfolgsaussichten hat Rubin aus Eurer Sicht? Sehen wir hier einen neuen großen Player? Oder wird aus Essential essentiell Saygus? Schreibt Eure Meinung in die Kommentare!

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Top-Kommentare der Community

  • Michael K. 31.05.2017

    Ob das Gerät ein Erfolg wird, kann man natürlich nicht wissen, zumal noch offen ist, ob Essentials nicht noch ein paar Joker bei der Software hat. Schon das Versprechen, die Software fünf Jahre lang zu pflegen, d.h. das Gerät mit Updates zu unterstützen, wäre eine Sensation im Androidbereich.

    Die vorgestellte Hardware jedenfalls lässt nicht die Hoffnung aufkommen, dass das Smartphone neu erfunden wurde. Die Flash-Ausstattung ist grosszügig, aber offen ist noch, ob UFS-2.x oder eMMC-Speicher verbaut wird. SoC und RAM-Ausstattung sind für ein High-End-Gerät aktueller Standard, aber eben auch nicht besonders zukunftssicher. Über die Qualität von Display und Kamera lässt sich derzeit noch nicht viel sagen. Immerhin wird mit Titan für den Rahmen schon ein sehr hochwertiges Material, gleichzeitig hart und leicht, verwendet.
    Der fehlende SD-Slot ist ärgerlich. Zwar erscheinen 128 GB derzeit mehr als ausreichend, aber in drei Jahren sieht das möglicherweise wieder ganz anders aus, so dass das Gerät auch in diesem Punkt nicht sonderlich zukunftssicher erscheint.

    Noch ärgerlicher ist der Wegfall der Klinke, der keinen Vorteil für den Käufer bringt, aber ihn ggf. zum Kauf neuer digitaler oder Bluetoothkopfhörer zwingt. Wie war eine der sechs Ideen: "... Wir zwingen Dir nichts auf, was du nicht möchtest." Pustekuchen.

    Ein ganz anderer Ansatz, und gerade deshalb interessant, wird bei der Modulschnittstelle verfolgt. Anders als bei Motorola, kann diese bei Essentials Module halten und per 60 GHz Funk anbinden, macht aber nicht mal den Versuch einer mechanischen Integration von Modul und Gerät.
    Die Funkschnittstelle steht auch im Widerspruch zur Idee "Einfacher ist besser.", denn ohne Zweifel würde eine Leiterverbindung, wie bei Motorola, die Handhabung nicht erschweren, die Modulentwicklung aber vereinfachen, und wäre auch kostengünstiger und robuster zu realisieren.
    Daher darf angenommen werden, dass mittels der Funkschnittstelle Module angebunden werden sollen, die sich auch in einigen Metern Entfernung betreiben, und mit hoher Bandbreite verbinden lassen.
    Dazu bräuchten die dann natürlich einen eigenen Akku, der sich über die beiden Pins dann bei Bedarf aus dem Gerät laden lässt.
    Ob der bei der 360 Grad Kamera vorhanden ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber Action-Cams, mit Kameras bestückte Roboterfahrzeuge, oder auch HDMI-Adapter für den Fernseher wären denkbar, und würden eine sehr breitbandige Übertragung, möglicherweise bis zu 10 m in Sichtlinie, zulassen. Ich nehme nicht an, dass Essentials Zusatzakkus, Lautsprecher oder Diktiergeräte an dieser Schnittstelle anbinden will.
    Und so könnte es gerade die Modulschnittstelle sein, die das Gerät aus der Masse heraushebt, vorausgesetzt, entsprechend interessante Module werden dann auch bereitgestellt.
    Den Markt für Drittanbieter solcher Module könnte Essentials dadurch öffnen, dass es vorzertifizierte Basismodule mit SoC und Funkmodul zur Verfügung stellt, die interessierte Firmen dann nach dem Arduino-Prinzip zum eigenen Modul ergänzen.

    Fazit:

    Eine Neuerfindung des Smartphones kann ich in dem vorgestellten Gerät nicht erkennen, das Gerät würde ich im Rahmen aktueller Geräte sehen, auch im Rahmen derer Nachteile, wie der fehlenden Klinke und SD-Karte.
    Dabei ist eine hervorragende Verarbeitung eigentlich ebenso selbstverständlich, wie eine Kamera und ein Display im Spitzenfeld, denn an dem muss sich das Gerät auch schon preislich messen lassen.
    Hierzu fehlen aber noch Tests und Beurteilungen.
    Essentials könnte aber noch bei der Software überraschen, genauso wie bei den Erweiterungsmodulen. Für eine endgültige Bewertung ist es, wie sollte es anders sein, daher noch viel zu früh.
    Wie die sechs, teilweise wenig konkreten "Ideen" dabei noch umgesetzt werden sollen, bleibt spannend.

20 Kommentare

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  • Die Frage ist, was ist heute noch "innovativ"? Das Thema Smartphone ist ausgelutscht! Es finden derzeit nur noch Face-liftings statt, alle Displays scheinen "gecurved" sein zu müssen, Bezels haben schmal zu sein, die verklebten Akkus pendeln sich zwischen 3000-4000 mAh ein, um das QHD-Display einen Tag am Leben halten zu können, die Kameras als dominierendes Feature bekommen mehr Pixel und Feinschliff und der Preis tendiert in der Premiumklasse je nach Irrsinn zwischen 700 und 1400 Euro.
    Da das Eintippen eines PIN´s inzwischen für viele gechipte Datenmilchkühe...Verzeihung- USER eine körperlich und geistig anstrengende Eigenleistung zu sein scheint, die es um jeden Preis (bis hin zur Aufgabe aller Persönlichkeitsrechte und Datenschutzbedenken!) zu vermeiden gilt, kann derzeit z.B. ein Fingerprintscanner, Iris- und/oder Face-Detektor den Terminus "Innovation" für sich missbrauchen.
    Insoweit bietet derzeit KEIN Hersteller wahre Innovation, die den Namen verdient....
    Das Essential ist ein wunderschönes Gerät mit einem Maximum an Display und Minimum an Software-Müll (Stock-Android). Und was anderes will es nicht sein. Es will mittels Design und Werkstoffen auffallen und belebt vorhandene Ideen.
    Anzunehmen, dass ein Gerät "zukunftssicher" zu sein hat, um eine Wertigkeit zu erhalten, galt noch zu "BlackBerry-Zeiten", wo Geräte über 4, 5, 6 Jahre genutzt wurden... Inzwischen ist davon auszugehen, dass die typischerweise fehlende Markenbindung von Android-Nutzer dazu führt, dass ein Neugerät nach ca. einem Jahr durch das schönere, bessere, schnellere, schickere Neugerät eines ggf. anderen Herstellers ersetzt werden wird... Wir sind eine Konsum- und Wegwerfgesellschaft und nirgends drückt sich das deutlicher aus als im Konsum von Android-Smartphones!
    Das Essential ist schick! Und es ist nicht weniger innovativ als der gesamte restliche Müll, der derzeit in den großen Smartphone-Langweile-Eintopf geworfen wird.


  • Die Optik ist okay. Was viel interessanter ist, ist wie er frei von geschlossen Systemen und mit einem wachsen umsetzt. Würde das bedeuten Aosp frei von Google und Play Services mit ordentlichen Support?

    Ich werde es beobachten. Bis dahin steht weiterhin mein Plan Android zu verlassen wenn Sony Xperia mit Sailfish-OS in Serie kommt (mitte ende Quartal 3).


  • Moritz Deussl
    • Mod
    • Blogger
    31.05.2017 Link zum Kommentar

    Mir gefällt es von vorne als auch von hinten nicht so sehr.


  • Essential, der Typ will sich auf das Wesentliche konzentrieren. Mal abgesehen vom hohen Preis ist das doch schon zumindest auf dem Papier gut umgesetzt. Also nein, er hat das Smartphone nicht neu erfunden, aber ich vermute mal stark, dass er das auch nicht wollte. Und bei allem Gerede um das Gerät, letztendlich will er mit sienem Konzept, seiner Idee eines wesentlichen Smartphones einfach auch Geld verdienen, verständlich oder etwa nicht? Darum kostet die Gurke ja auch so viel. Das kann man schon nehmen wenn man sich vergleichbare Geräte ansieht, nur für ein wesentiches Gerät ist das halt kein Preis, der für alle ist. Aber ich vermute wiederum, dass er einfach für alle Preisklassen geräte anbieten will und hofft einen Anteil vom Kuchen zu kriegen. Ob man diesen hübschen Kuchen nun bestellen und bezahlen will, das entscheidet dann einerseits der Geldbeutel des Menschen, andererseits die Geschicktheit der Werbung und evtl. noch der Hype, den die Medien draus machen könnten, egal ob es nun für gut oder nicht so gut gehalten wird. Ich bin ebenfalls der Ansicht, dass ein Prouzessor vom Vor(vor)jahr nicht unbedingt "alt" ist. Ich sehe den Bedarf und den Wunsch der durschnittlichen Handyuser aufgrund unsere Unrenehmenserfahrungen und da steht der Prozessor nicht im Vordergrund, ehr die Kamera, die Displaygröße, Speicheroptionen, Akku und Design.

    Hard


  • Ihr bezeichnet in dem Artikel Smartphones als "altbacken", sobald eine neue Prozessorgeneration herausgekommen ist. Kann ich absolut nicht nachvollziehen. Die Prozessoren von vor ~1 Jahr sind im Normalfall ähnlich gut wie die neueren Modelle und ein Laie erkennt keinen Unterschied. In meinem Surface Pro 4 hab ich auch einen Prozessor der 2 Jahre alt ist und ich sehe den Unterschied in der Performance zum neueren Modell fast nicht. Ein Gerät ist erst dann "altbacken", wenn es 2+ Jahre auf dem Buckel hat und spürbar langsamer ist als neuere Produkte und das tritt meist erst nach 2+ Jahren ein.


    • Ich denke, im Kontext des Satzes wird klar, dass altbacken hier meint: Es ist dann eben ein alter Prozessor, der langsamer ist als die Nachfolger. Konkret schreibe ich ja im Zusammenhang mit der Leistung: "mitwachsen kann es jedenfalls nicht, höchstens nicht schlimm altern."


  • Für mich widerspricht ja bereits der Name "Essential" einer "Neuerfindung".
    In der Regel verbindet man mit dem Wort ja eher, etwas auf das Wesentliche zu _reduzieren_. Und wesentlich scheint für Rubin zu sein: Harte Schale, viele (schnelle) Kerne, handlich aber großes Display, nur die nötigsten Anschlüsse und die Möglichkeit einer Erweiterung, durch Dinge, die mal wesentlich werden können (360° Kamera, Heim-Assistent).

    Ich persönlich bräuchte auch nicht mehr Smartphone und dass es optisch total austauschbar ist, gefällt mir wiederum: Ich muss es nämlich auch nicht haben, dass einem beim Telefonieren x Leute auf die Finger schauen und tuscheln, dass es das neueste Irgendwas-Phone ist. Ich befürchte aber, Rubin hat auch etwas ganz Wesentliches übersehen: Nur ein verschwindend geringer Anteil der potentiellen Käufer ist gewillt ein kleines Vermögen für etwas so austauschbares auf den Tisch zu legen. Da wird er mit Highlights in der Software punkten müssen, wenn man sich langfristig positionieren will.


  • Außer dem Akku wahrscheinlich ein sehr gutes Smartphone. Die Module werden sich nie wirklich durchsetzen. Die meisten Nutzer wollen ein Gerät, welches von Haus aus alles kann. Und da hat keiner Lust die ganzen Erweiterungen mit sich rumzuschleppen. Das ist zu umständlich und wenn der Nachfolger kommt, kann man damit wieder von vorne anfangen. Daher ist es für mich eher eine Geldmacherei, als eine Innovation.


  • Erfunden hat er so das Smartphone bestimmt nicht neu. Eher die ganzen negativen Punkte anderer Hersteller in ein Gerät gepackt. Zumindest da ist er ein Erfinder.


  • Ob das Gerät ein Erfolg wird, kann man natürlich nicht wissen, zumal noch offen ist, ob Essentials nicht noch ein paar Joker bei der Software hat. Schon das Versprechen, die Software fünf Jahre lang zu pflegen, d.h. das Gerät mit Updates zu unterstützen, wäre eine Sensation im Androidbereich.

    Die vorgestellte Hardware jedenfalls lässt nicht die Hoffnung aufkommen, dass das Smartphone neu erfunden wurde. Die Flash-Ausstattung ist grosszügig, aber offen ist noch, ob UFS-2.x oder eMMC-Speicher verbaut wird. SoC und RAM-Ausstattung sind für ein High-End-Gerät aktueller Standard, aber eben auch nicht besonders zukunftssicher. Über die Qualität von Display und Kamera lässt sich derzeit noch nicht viel sagen. Immerhin wird mit Titan für den Rahmen schon ein sehr hochwertiges Material, gleichzeitig hart und leicht, verwendet.
    Der fehlende SD-Slot ist ärgerlich. Zwar erscheinen 128 GB derzeit mehr als ausreichend, aber in drei Jahren sieht das möglicherweise wieder ganz anders aus, so dass das Gerät auch in diesem Punkt nicht sonderlich zukunftssicher erscheint.

    Noch ärgerlicher ist der Wegfall der Klinke, der keinen Vorteil für den Käufer bringt, aber ihn ggf. zum Kauf neuer digitaler oder Bluetoothkopfhörer zwingt. Wie war eine der sechs Ideen: "... Wir zwingen Dir nichts auf, was du nicht möchtest." Pustekuchen.

    Ein ganz anderer Ansatz, und gerade deshalb interessant, wird bei der Modulschnittstelle verfolgt. Anders als bei Motorola, kann diese bei Essentials Module halten und per 60 GHz Funk anbinden, macht aber nicht mal den Versuch einer mechanischen Integration von Modul und Gerät.
    Die Funkschnittstelle steht auch im Widerspruch zur Idee "Einfacher ist besser.", denn ohne Zweifel würde eine Leiterverbindung, wie bei Motorola, die Handhabung nicht erschweren, die Modulentwicklung aber vereinfachen, und wäre auch kostengünstiger und robuster zu realisieren.
    Daher darf angenommen werden, dass mittels der Funkschnittstelle Module angebunden werden sollen, die sich auch in einigen Metern Entfernung betreiben, und mit hoher Bandbreite verbinden lassen.
    Dazu bräuchten die dann natürlich einen eigenen Akku, der sich über die beiden Pins dann bei Bedarf aus dem Gerät laden lässt.
    Ob der bei der 360 Grad Kamera vorhanden ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber Action-Cams, mit Kameras bestückte Roboterfahrzeuge, oder auch HDMI-Adapter für den Fernseher wären denkbar, und würden eine sehr breitbandige Übertragung, möglicherweise bis zu 10 m in Sichtlinie, zulassen. Ich nehme nicht an, dass Essentials Zusatzakkus, Lautsprecher oder Diktiergeräte an dieser Schnittstelle anbinden will.
    Und so könnte es gerade die Modulschnittstelle sein, die das Gerät aus der Masse heraushebt, vorausgesetzt, entsprechend interessante Module werden dann auch bereitgestellt.
    Den Markt für Drittanbieter solcher Module könnte Essentials dadurch öffnen, dass es vorzertifizierte Basismodule mit SoC und Funkmodul zur Verfügung stellt, die interessierte Firmen dann nach dem Arduino-Prinzip zum eigenen Modul ergänzen.

    Fazit:

    Eine Neuerfindung des Smartphones kann ich in dem vorgestellten Gerät nicht erkennen, das Gerät würde ich im Rahmen aktueller Geräte sehen, auch im Rahmen derer Nachteile, wie der fehlenden Klinke und SD-Karte.
    Dabei ist eine hervorragende Verarbeitung eigentlich ebenso selbstverständlich, wie eine Kamera und ein Display im Spitzenfeld, denn an dem muss sich das Gerät auch schon preislich messen lassen.
    Hierzu fehlen aber noch Tests und Beurteilungen.
    Essentials könnte aber noch bei der Software überraschen, genauso wie bei den Erweiterungsmodulen. Für eine endgültige Bewertung ist es, wie sollte es anders sein, daher noch viel zu früh.
    Wie die sechs, teilweise wenig konkreten "Ideen" dabei noch umgesetzt werden sollen, bleibt spannend.


    • Ein toller ausführlicher Kommentar. Danke! Eine Ergänzung möchte ich hinzufügen. Du schreibst, dass die Funkschnittstelle über mehrere Meter hinweg funktionieren könnte. Das dürfte aber wahrscheinlich nicht der Fall sein, weil hier das 60-GHz-Band zum Einsatz kommt. Hier kann man zwar Daten sehr schnell übertragen, die Reichweite ist aber eher im Zentimeter-Bereich zu messen. Möglicherweise (!) kommt dafür das System Keyssa zum Einsatz, das aber sogar nur über wenige Millimeter funktioniert.


      • Vielen Dank. Ich war zunächst der Meinung, hier könnte Wireless-USB verwendet worden sein, habe dann aber schnell gemerkt, dass das für viel kleinere Frequenzen ausgelegt ist. Dabei ist mir aber aufgefallen, dass es mittlerweile auch einen WLAN-Standard für den 60 GHz-Bereich gibt, der die von mir angedeuteten Eigenschaften hat: beschränkte Reichweite von einigen Metern, unfähig Wände zu durchdringen, aber mit recht hoher Bandbreite von bis zu knapp 7 GBit/s:

        https://www.elektronik-kompendium.de/sites/net/1407241.htm

        Dann könnte das Gerät über einen eigenen Hotspot im 60 GHz Bereich unkomprimierte Videodaten übertragen, während es über 2,4 oder 5 GHz mit dem "normalen" WLAN verbunden ist.

        Das ist aber derzeit reine Spekulation. Gut möglich ist natürlich auch, dass die Schnittstelle mit nur sehr geringer Sendeleistung betrieben wird, und lediglich eine galvanische Verbindung hoher Bandbreite ersetzen soll. Dann wären allerdings auch Module mit eigenem Akku sinnlos, denn ob die wenige Millimeter vom Smartphone entfernt sind, oder gleich an ihm kleben, um darüber mit Energie versorgt zu werden, ist vom Nutzerwert her egal.

        In dem Fall hätte man allerdings sinnvollerweise zwei oder vier Kontakte zusätzlich für die Datenleitungen verbaut, oder die Daten zusätzlich über die Kontakte für die Energieversorgung übertragen, was durchaus denkbar wäre. Die Funkübertragung über kurze Distanz wäre, anders als bei einer Zugangskontroll- oder Bankterminalanwendung, lediglich eine technische Spielerei, ein Beispiel für "Overengineering".
        Und wie sagt doch Rubin selber in seinen sechs Ideen:
        "Einfach ist immer besser."

        Quelle: www.elektronik-kompendium.de


    • Auf der Website wird von UFS 2.1 gesprochen und anderen Seiten berichten, dass man einen Adapter erhält. Damit kann man also seine Kopfhörer weiterhin nutzen. Man muss lediglich den Adapter an der Klinke dran lassen.


  • reiswaffel mit salami


  • Finde positiv, dass 5,7" bei nur 141,5mm Bauhöhe realisiert werden. Mag eigentlich die langengezogenen Geräte nicht sehr. Aber so ist es nicht länger als ein normales Galaxy S7 mit 5,1"👍


    • der Akku dadurch aber auch nicht ^^ Aber das Display verbraucht trotzdem so viel Strom, wie ein 5,7"-Display eben verbraucht.


      • Stimmt , das ist sicher auch ein Aspekt. Die Architektur der SOC's wird aber immer kleiner und sparsamer.
        Eventuell müsste man da auf gute Mittelklasse zurückgreifen um auch mit 3000Ma/h gute Laufzeiten zu erreichen und auf m.M.n. unnützes 4k verzichten. Zum Beispiel SD630 mit Full HD Display. Ich muss dazu sagen, dass ich auch kein Power User bin. Komme so auf ca. 2-3 Std. DOT am Tag. Wenn es dann 2 Tage reicht ist für mich alles ok.


  • Irgendwie interessiert mich das Nokia 9 mehr.


  • 5.5" wär mir lieber als 5.7"


  • Schönes Smartphone und eine echte Alternative zu den großen Smartphone Hersteller. Jetzt wäre noch schön zu wissen wie ist die Acculaufzeit und was ist an Bloatware drauf und wie verhält es sich mit Updates. Material und Aussehen macht neugierig und löst ein haben wollen aus.

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