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Bose lauscht mit: Die Krux mit dem Datenschutz

Die Audio-Experten von Bose haben einen handfesten Skandal am Hals. Bose-Kopfhörer sollen Informationen über abgespielte Musik an Bose und eine Data-Mining-Firma weitergeben. Anonymisiert seien die Daten auch nicht. Die Empörung ist groß, aber Bose hat seine Noise-Cancelling-Kopfhörer aufgesetzt.

Der Vorwurf des Klägers Kyle Zak ist gravierend. Ohne Zustimmung durch den Nutzer sammle Bose Informationen über abgespielte Musik, Podcasts und beispielsweise auch Dateinamen. Schlimmer noch: Diese Daten würden unter anderem an eine Data-Mining-Firma weitergegeben, und zwar in Verbindung mit der eindeutigen Geräte-ID. Unklar ist, wohin die Daten danach fließen. Weil die Geräte-ID Bose bekannt ist, wenn der User seinen Kopfhörer bei Bose registriert, sind diese Daten auch nicht anonym, sondern auf konkrete einzelne Nutzer zurückführbar - inklusive E-Mail-Adresse und anderer persönlichen Daten.

Belege für die Behauptungen enthält die Klageschrift übrigens nicht. Auch ist nicht ersichtlich, wie der Kläger die Vorwürfe entdeckt hat. Auf unsere Anfrage hat die deutsche Bose-PR-Agentur noch nicht reagiert. Gegenüber golem.de wollte sich die Bose-PR übrigens nicht äußern.

AndroidPIT Bose QuietComfort 35 review 3183
Watching the Watcher: Bose-App spioniert angeblich Nutzer aus. / © AndroidPIT

Mit den gesammelten Daten könne Bose eine Menge über seine User erfahren. Die Klageschrift zitiert eine wissenschaftliche Studie, die eine Verbindung zwischen dem Musikgeschmack und Charaktereigenschaften darstellt. Sogar eine Neigung zu Autismus sei über den Musikgeschmack erkennbar. Wenig verwunderlich verraten gehörte Musik oder Podcasts viel über die Lebensumstände der User: Religiöse Überzeugungen, sexuelle Orientierung aber auch Krankheiten könnten mittels der Daten erschlossen werden.

Sollten die Vorwürfe stimmen, so könnte es ungemütlich für Bose werden: Denn in der Datenschutz-Erklärung (zugänglich in der Bose-Connect-App) ist nie die Rede von so ausufernder Schnüffelei. Und anonymisiert würden die Daten ohnehin - wie oben gesehen, soll dies aber tatsächlich nicht der Fall sein. Es findet sich auch der etwas verräterische und erstaunlich flapsig formulierte Satz: "We share the information that we collect with a variety of third parties." Kläger Kyle Zak nennt vorsorglich einen Schaden von fünf Millionen US-Dollar und ruft zu einer Sammelklage auf.

Bose Connect Install on Google Play

Im Google Play Store sind unter der Bose-Connect-App schon erste negative Rezensionen zu lesen, die die Datensammelleidenschaft beklagen. Eine Antwort von Bose ist auch dort noch nicht zu lesen.

Firmen und App-Entwickler: Teilt nicht, sondern spart!

Der Fall wirft ein schlechtes Licht auf das heutige Verhalten vieler Firmen mit Daten: Wo immer Daten sind, werden sie gesammelt. Im Play Store kommt keine Taschenrechner-App ohne Datenschutzerklärung aus. Das vielgerühmte Datenschutz-Prinzip der Datensparsamkeit ist längst ad absurdum geführt.

Wer sich die Mühe macht, sich durch verschiedenste Datenschutzerklärungen von Apps zu arbeiten, sieht bald den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Es handelt sich ja meist weniger um Datenschutz- sondern vielmehr um Datenfreigabeerklärungen. Eine Option, diese abzulehnen, gibt es ohnehin nie - außer durch kompletten Verzicht.

So gut wie jede App enthält heute Analyse-Tools, die verfolgen, wie User die Anwendung nutzen und welche Aktionen sie ausführen. Obwohl dieses Tracking für App-Entwickler verlockend ist, sollten sie nur sparsam Verwendung finden. Zu groß ist die Gefahr, Nutzungsdaten (wie möglicherweise im Fall von Bose) zu sammeln, die die Sphäre des Users eigentlich nicht verlassen sollten.

Was meint Ihr: Wie lässt sich der Datensammelwahn mancher Firmen begrenzen?

Via: Engadget Quelle: Klageschrift

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Top-Kommentare der Community

  • Th K vor 7 Monaten

    Die Unternehmen haben uns nie gefragt, ob wir mehr für die Produkte (und dafür ohne Schnüffelei) zahlen wollen oder nicht. Sie haben dieses Modell von sich aus so eingeführt.

    Und nebenbei, bei solchen überteuerten Produkten überhaupt noch nebenbei mit dem Verkauf von Käuferdaten abzukassieren ist für sich genommen schon ekelhaft.

  • Aries vor 7 Monaten

    Besser als "glauben" wäre, bei der App-Auswahl auf die Berechtigungen zu achten. Denn wo keine Internetrechte sind, ist auch kein Ausspähen möglich. Gut, damit schränkt man die "Smart-Funktionen" ein. Aber vielleicht ist es smarter, nicht alles haben zu wollen, nur weil es auf den ersten Blick so toll aussieht.

26 Kommentare

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  • Damir vor 7 Monaten Link zum Kommentar

    Hoffentlich werden die qc35 dadurch billiger... Wird sofort gekauft :))


  • Es ist nicht heuchlerisch, wegen Datenschnüffelei ein Faß aufzumachen. Das Wort heuchlerisch ist nur angebracht, wenn ich etwas anprangere, das ich selber tue.


  • Frk vor 7 Monaten Link zum Kommentar

    Was regt ihr euch auf? Google, Amazon, Apple, alle hören mit und machen mit unseren Daten Profit. Jetzt wegen Bose ein Fass aufzumachen, ist heuchlerisch.


  •   54
    Edda314 vor 7 Monaten Link zum Kommentar

    Da gibt es dicke Minuspunkte für Bose...⚠


  • Grobi vor 7 Monaten Link zum Kommentar

    Das scheint dann aber, wenn es denn wirklich wahr ist, nur Bluetooth Kopfhörer zu betreffen und dann auch nur, wenn der Besitzer die Bose App installiert hat. Andernfalls frage ich mich, wie Bose oder überhaupt jemand es mitbekommen soll, welche kabelgebundenen Kopfhörer ich an mein Handy stöpsel.


  • Schlimm ist, dass man keine Wahl mehr hat... Ich glaube ALLE lesen alles mit.


    • Aries vor 7 Monaten Link zum Kommentar

      Besser als "glauben" wäre, bei der App-Auswahl auf die Berechtigungen zu achten. Denn wo keine Internetrechte sind, ist auch kein Ausspähen möglich. Gut, damit schränkt man die "Smart-Funktionen" ein. Aber vielleicht ist es smarter, nicht alles haben zu wollen, nur weil es auf den ersten Blick so toll aussieht.


      • Takeda vor 7 Monaten Link zum Kommentar

        sehe ich auch so, überlegen was man braucht und wenns geht, nicht die apps nutzen über die in der Hinsicht viel geschrieben wird, z.b whatsapp oder fascbook. Jeder muss selber entscheiden was er nutzen will und überlegen worauf er sich einlässt.


      • Peter vor 7 Monaten Link zum Kommentar

        Bei den meisten Apps sind aber so gut wie alle Berechtigungen zwingend nötig damit die App überhaupt funktioniert. Weil sonst braucht man sie erst gar nicht installieren.


      • Takeda vor 7 Monaten Link zum Kommentar

        Bis jetzt habe ich bei den meisten apps alle brechtigungen ab geschaltet die diese app nicjt braucht um zu arbeiten.


  • Hahahahaha, wer liest denn heutzutage nicht mehr mit?! :D


  • Tenten vor 7 Monaten Link zum Kommentar

    Soweit ich das sehe, liegt da bislang noch kein einziger Beweis dafür vor, es gibt nur Behauptungen. Und alle springen gleich mit auf auf den Zug der Vorverurteilung. Da sollte man schon auch mal sein eigenes Verhalten hinterfragen.

    Stellt es sich allerdings als wahr heraus, dann ist Bose halt auch nicht heiliger als all die anderen großen Unternehmen. Was sie vermutlich auch nie behauptet haben. Einen Skandal sehe ich da nicht.


  • Wie und wo kommen da bitte 5 Millionen Dollar Schaden zustande?


    • Das sind in Amerika üblich hohe, übertriebene Schadensersatzsummen, die dann durch die Geschworenengerichte leider auch allzu oft zugesprochen werden. Beispiele lassen sich viele finden (Hund in Mikrowelle, Kaffee aus dem Automat zu heiss usw. usw.). Während man überall in der Welt durch Schaden klug wird, wird man in Amerika durch Schaden reich.


  • MaWe vor 7 Monaten Link zum Kommentar

    Schade, dass wir bezüglich der Sammelklagen Amerika wirklich hinterher hinken. Firmen, ohne jedweder Art der Zustimmung durch den Nutzer sollten wirklich mal ordentlich zur Rechenschaft gezogen werden.

    Für viele solcher Datenansammlungen und dessen Wert sind wir selbst verantwortlich und nehmen ihn billigend in Kauf aber der Verkauf an Dritte sollte ohne explizite Zustimmung verboten werden. Jedenfalls meiner Auffassung nach.


  • Wow schlimmes Eigentor Bose... 😵😲🤢😡

    So darf das Kundenvertrauen nicht behandelt werden!!!

    Die Strafe in den Verkäufen wird sicherlich bald folgen, wenn das Thema noch Paar Wochen durch die Welt geistert?!


    • MaWe vor 7 Monaten Link zum Kommentar

      "Die Strafe in den Verkäufen wird sicherlich bald folgen, wenn das Thema noch Paar Wochen durch die Welt geistert?!"

      Das glaube ich nicht wirklich, denn die Menschen vergessen zu schnell. Zumal diese Meldung wohl nicht jeden erreichen wird der auch Bose nutzt. Nur interessierte und recherchierende User werden dies wahrnehmen. Wie die Erfahrung schon gezeigt hat, ist der Aufschrei erst immer riesen groß, verstummt dann irgendwann wieder und wird dann toleriert da der Nutzen als wichtiger eingestuft wird. Siehe Datenweitergabe von Whatsapp an Facebook oder nach der eigentlichen Übernahme. Es ist und bleibt das ewige Leid aber man ist nicht ganz machtlos. Die Dienste nicht nutzen oder wie in dem Fall deren Güter nicht kaufen aber die letzte Konsequenz scheint da zu fehlen.


  • Peter vor 7 Monaten Link zum Kommentar

    Der Datensammelwahn der Firmen lässt sich damit begrenzen, indem man vieles nicht nutzt. Nur weiß man bei keiner Firma absolut sicher ob sie nicht Daten weitergegeben. Selbst WhatsApp hat das ganz geschickt umschrieben.
    Aber selbst meine Mutter, die nicht mal ein Smartphone hat, sich noch nie im Internet aufgehalten hat, bekommt immer wieder Anrufe aufs Festnetztelefon ob sie Interesse an bestimmten Produkten hat. Da rufen aber Firmen an, bei denen sie noch nie was bestellt hat und deren Namen sie nicht mal kennt. Die Weitergabe von Daten ist nicht nur auf die Nutzung im. Internet beschränkt.


  • Sollte sich dies als wahr herausstellen, ist BOSE komplett und auf Dauer aus meinen Käufen gestrichen!

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