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The Banner Saga: Old-School-Rollenspiel mit ganz viel Gefühl

The Banner Saga für Android sieht auf den ersten Blick aus wie ein Rollenspiel "von früher" und das ist es weitestgehend auch. Wieso der Titel aber mehr ist als ein nostalgischer Trip, erfahrt Ihr im Test.

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Der Beginn einer wunderbaren RPG-Freundschaft. / © Versus Evil

Wenn sich ehemalige Entwickler von Bioware (Baldur‘s Gate, Mass Effect) zusammentun, um ein sehr klassisches Rollenspiel auf die Beine zu stellen, dann ist ihnen die Aufmerksamkeit der Kickstarter-Gemeinde sicher. Die Finanzierung für The Banner Saga wurde dann auch sehr schnell gestemmt und herausgekommen ist ein überaus gelungenes RPG für Android, das vor allem durch seine Story überzeugt. 

Um das geht’s

In der Welt von The Banner Saga gibt es drei große Probleme: Die Götter sind tot, die Sonne ist weg und das von der nordischen Mythologie inspirierte Land wird von gefährlichen Steinwesen (Dredge) angegriffen. In dieser gefährlichen Zeit versuchen ähnlich wie bei Game of Thrones verschiedene Fraktionen und Persönlichkeiten zurechtzukommen. 

Im Osten des Landes versucht Jäger Rook und seine Tochter Alette so schnell wie möglich von den Dredge zu fliehen. Ihnen schließen sich im Laufe der ungefähr 15-stündigen Spielzeit immer mehr Flüchtlinge an. So bildet sich eine immer größer werdende Karawane heraus, die ums nackte Überleben kämpft. Im Gegensatz zu dieser eher schwachen Truppe strotzt das Team im West nur so vor Kampfkraft. Hier ziehen Menschen zusammen mit den Varl in die Schlacht, damit die heranrückenden Dredges nicht das ganze Land erobern. Bei den Varl handelt es sich um Riesen, die auf dem Kopf mächtige Hörner haben.

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Die Karawane zieht immer weiter. / © Versus Evil

Sobald es zum Kampf gegen Menschen oder die an Golem erinnernden Eindringlinge kommt, schaltete das Spiel in einen Arena-Modus. Hier wird abwechselnd in Richtung des Feindes gezogen, Angriffe  sowie Spezialattacken ausgelöst. Das Besondere am Kampfsystem ist der Schild- und Stärkewert. Wird der Schutz eines Kriegers angegriffen und zerstört, kann im nächsten Zug mehr Schaden verursacht werden. Attackiert der Angreifer hingegen den Stärkewert, der gleichzeitig auch die Lebensenergie repräsentiert, kann der Angegriffene weniger Schaden verursachen. Da in einem Zug entweder der Schild- oder der Stärkewert angegriffen werden darf, ist taktisches Geschick gefragt. Auch sollte der Spieler stets darauf achten, wo er steht und ob er mit seinen Kameraden vielleicht eine Verteidigungslinie bilden kann. Dadurch erhalten die Kämpfer einen Defensiv-Bonus.

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Hier steckt viel RPG-Tiefgang drin. / © Versus Evil

Es gilt des Weiteren die begrenzten Ruhm-Punkte im richtigen Moment einzusetzen, um so einen Angriff zu verstärken. Fernkämpfer oder besonders flinke Gegner sollte man ebenfalls im Auge zu behalten. Vom Spieler wird also einiges verlangt und zu Beginn werden vor allem RPG-Neulinge viel Lehrgeld bezahlen, unfair sind die Auseinandersetzungen aber nie. 

Für gewonnen Kämpfe erhält der Spieler Ruhmpunkte, wodurch die Helden befördert und so stärker werden.  Diese Erfahrungspunkte erhält man auch bei Gesprächen, beziehungsweise durch Entscheidungen. Die sind mitunter alles andere als leicht und haben oft weitreichende Folgen. So kann es passieren, dass einem ein geliebter Freund schnell wegstirbt. Das ist mitunter sehr traurig, macht aber auch den Reiz von The Banner Saga aus.  

Das macht Spaß

In vielen Rollenspielen erkennt man sehr schnell, welche die gute, böse oder diplomatische Antwort ist. Bei The Banner Saga für Android ist das nicht der Fall. Das Spiel gibt keinerlei Hinweise darauf, in welche Richtung sich ein Dialog entwickelt, wenn eine bestimmte Option ausgewählt wird. Der Spieler muss somit selbst entscheiden, was er für richtig und was für falsch hält. Soll gewonnenes Geld also in bessere Waffen investiert werden, um damit im Kampf härter zuzuschlagen, oder ist es sinnvoller Lebensmittel für die Flüchtlinge zu kaufen, damit sie nicht verhungern? Fragen über Fragen und die darauffolgenden Ergebnisse werden einen oft überraschen und auch schockieren.  

Dadurch schafft es das RPG den Spieler tief in die Geschichte und die Welt hineinzuziehen und da den Helden viel Leben eingehaucht wurden, fühlt man sich sehr mit ihnen verbunden und trauert, wenn ihnen etwas zustößt. Diese Verbindung entsteht dabei nicht etwa durch aufwendige Zwischensequenzen oder lebensechte Animationen, sondern einfach durch die Dialoge. Die sind durch die Bank intelligent geschrieben und bauen so eine Spannung auf, die man so nur aus guten Fantasy-Romanen kennt. 


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Neben der packenden Geschichte sind es auch die fordernden und stets motivierenden Kämpfe, die den Reiz des Spiels ausmachen. Wirklich innovativ ist das Kampfsystem zugegebenermaßen nicht, dafür ist es aber jederzeit fair und es kommt schlicht auf die richtige Taktik an, um einen Kampf zu gewinnen. Zufälle oder Glück werden einen nicht retten.

Ein weiterer großer Pluspunkt ist die Aufmachung des Spiels. Die handgezeichneten Charaktere mögen zwar nicht jedermanns Sache sein, dieser ganz besondere Look versprüht aber einen Charme, der einfach erfrischend anders ist und sehr gut zur doch eher gedrückten Stimmung des Spiel passt. Untermalt werden diese Szenen von der Musik des Grammy-Gewinners Austin Wintory (Journey, The Order 1886). Der spiegelt mit seinen wunderschönen Melodien genau die Stimmung von The Banner Saga wieder. Beide Daumen hoch! 

Das nervt

The Banner Saga ist absolut kein Spiel für Casual Gamer, sondern eine Liebeserklärung an traditionelle Rollenspiele. Das mag Spieler mit einer Vorliebe für "Old School-RPGs" freuen und die kommen auch definitiv auf ihre Kosten, dennoch hätte es insgesamt etwas zugänglicher sein können. Besonders der Einstieg bei den Kämpfen fällt schwer und ist mitunter frustrierend. Hier heißt es: Durchhalten und aus Fehlern lernen.

Dass es nur relativ wenige Möglichkeiten gibt seinen Kämpfer mit Erfahrungspunkten in eine bestimmte Richtung zu "leveln", ist auch ein kleiner Wermutstropfen, mehr Entscheidungsfreiheit hätte dem Spiel sicher nicht geschadet.

Während es bei den Dialogen mehrere Antwortmöglichkeiten gibt, ist es nur an wenigen Stellen möglich seine Karawane in eine bestimmte Richtung zu lenken. Apropos Mannschaft: der schaut man oft zu, wie sie durch die Landschaft zieht. Das ist nett anzusehen und sorgt für Atmosphäre, ein bisschen langweilig ist es aber auch. Wer es schnell und besonders actionreich will, wird mit The Banner Saga aber ohnehin nicht glücklich.


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Fazit

"Was? Der ist gestorben? Och nö!“ Selten hat mich der Tod eines virtuellen Kameraden so bewegt wie bei The Banner Saga für Android. Oft musste ich das Tablet kurz weglegen, um mich zu sammeln, wenn einem geliebten Mitstreiter etwas zugestoßen war. Wie es das Rollenspiel schafft, solche Gefühle hervorzurufen? Ganz einfach: Durch die packende Geschichte und die teils sehr harten Entscheidungen, die der Spieler treffen muss. Dabei gibt einem der Titel keinerlei Hilfestellung oder Hinweise darauf, welche Konsequenzen meine Entscheidungen haben. Das ist etwas gewöhnungsbedürftigt, sorgt aber auch für viel Spannung.

Nicht besonders einsteigerfreundlich ist auch das rundenbasierte Kampfsystem. Das wirkt auf den ersten Blick zwar simpel, um aber erfolgreich seine Krieger zum Sieg zu führen, bedarf es viel taktisches Geschick. Einsteiger sollten sich hier von Rückschlägen nicht entmutigen lassen, sondern es einfach immer wieder probieren. Es lohnt sich!

Eine weitere Stärke von The Banner Saga ist die schicke Aufmachung und der einfach grandiose Soundtrack, der die Stimmung dieses atmosphärischen Spiels perfekt untermalt. 

Kurzum: Fans klassischer Rollenspiele greifen zu, ebenso Spieler, die eine gute Geschichte zu schätzen wissen.   

Wertung: 8 von 10.

  • Getestet mit: Galaxy Tab S 10.5
  • Preis: 7,99 Euro (Stand: 17. Februar 2015)
  • Spieler: 1
  • Erforderliche Android-Version: 4.1 oder höher
  • Größe: 1,7G
  • Systeme: Android-Tablets, Android-Smartphones (Erfordert eine Mindestbildschirmauflösung von 960 x 640)
The Banner Saga Install on Google Play
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3 Kommentare

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  • Ich mag das Spiel sehr, man sieht ihm das Herzblut an, mit dem es gemacht wurde. Nur das Ende (bzw. die Möglichkeiten wie es endet) empfand ich als etwas unbefriedigend.

    Ich kann es trotzdem jedem an Herz legen, der gerne in ruhige Spiele "versinkt".
    Aber Achtung! Die App bläht sich mit fortschreitender Geschichte vom Speicherplatz her wahnsinnig auf - 4 freie gb waren plötzlich belegt und wurden erst nach der Deinstallation wieder frei.

  • Hallo Christian. Es gibt deutsche Texte.

  • Ist das Spiel a f deutsch?

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