Im Rahmen unserer Websites setzen wir Cookies ein. Informationen zu den Cookies und wie Ihr der Verwendung von Cookies jederzeit widersprechen bzw. deren Nutzung beenden könnt, findet Ihr in unserer Datenschutzerklärung.

5 Min Lesezeit 35 Kommentare

Power Delivery, Quick Charge und der Rest: Kampf der Schnellladestandards

Schnelles Aufladen ist ein Zankpunkt unter Smartphone-Besitzern. Der neue USB-Standard Typ-C will mit Power Delivery einen einheitlichen Standard schaffen. Qualcomms teures Quick Charge oder proprietäre Lösungen wie Samsung Adaptive Fast Charge oder Huawei Supercharge oder OnePlus Dash hätten dann ausgedient. Wir haben uns die Standards näher angesehen und verglichen..

Schnelles Aufladen: Nicht per se schlecht

Ladegeräte wurden pfiffig. In den vergangenen Jahren haben sich die Mikrocontroller der Akkus und der Ladegeräte deutlich verbessert. Die Komponenten kommunizieren miteinander und handeln unentwegt die optimale Spannung und die Stromstärke aus, damit der Akku nicht zu warm wird und nicht vorschnell altert. Gleichzeitig konnte das Ladetempo erhöht werden, sodass nach wenigen Minuten Laden mehrere Stunden Laufzeit möglich sind.

Das USB Implementers Forum hat eigens dazu den Power-Delivery-Standard für den Typ-C-Anschluss verabschiedet. Dieser stellt eine kostenfrei lizenzierbare und universell kompatible Alternative zu den Standards der Smartphone-Hersteller und des Chip-Giganten Qualcomm dar. Ein Power-Delivery-Ladegerät lädt alle Typ-C-Smartphones schnell und schonend.

Liz Nardozza, Pressesprecherin der USB-IF erklärt uns hierzu:

"Bei USB Power Delivery handeln verbundene Anschlüsse Spannung, Stromstärke und -flussrichtung über den CC(communications channel)-Draht im USB-Kabel aus. Der Mechanismus funktioniert unabhängig von anderen USB-Methoden, mit denen Leistung ausgehandelt wird. Details dazu findet man in der USB-PD-3.0-Spezifikation."

USB Power Delivery ist ein offener Industriestandard, der ohne Lizenzgebühr genutzt werden kann. Dennoch unterliegt die Lizenz einiger Auflagen für ein Unternehmen, das USB 3.0 Adopter werden möchte.

Google hat in seine Compatibility Definition zu Android 7.1 Power Delivery als STRONGLY RECOMMENDED markiert. Der nächste Schritt für Android O könnte sein, dass daraus ein MUST wird. Halten sich Hersteller nicht daran, können sie das Update auf Android O nicht auf ihr Gerät liefern. Und was wäre dann? Nardozza erläutert:

"Es obliegt den OEMs, wie sehr sie USB PD implementieren und proprietäre Standards eliminieren wollen. Das USB-IF hält mit PD eine Lösung mit vielen Vorteilen bereit und sieht zahlreiche Vorteile eines offenen Industriestandards für schnelles Laden, die da wären...

  • keine Lizenzgebühr
  • weniger Elektroschrott weltweit, da Verbraucher weniger verschiedenes Ladezubehör kaufen müssen
  • Einfache Handhabung: Ladegeräte funktionieren herstellerübergreifend, sodass Verbraucher sie beliebig durch Alternativen austauschen können
  • OEMs sparen Kosten für Entwicklung, Herstellung und Lagerung, da der offene Standard die Zahl unterschiedlicher Ladegeräte reduziert
  • Globale Unterstützung: IEC für Europa, CCSA für China (Verhandlung im Gange)"

Für Euch wird der Unterschied also besonders dann offensichtlich, wenn Ihr Euer Handy kurz mal beim Kumpel ans Ladegerät steckt. Dauerte vorher das Laden an fremden Ladegeräten mitunter mehrere Stunden, geht das dank einheitlicher Spezifizierung erheblich fixer - wenn die Smartphone-Hersteller denn mitzögen.

AndroidPIT fast chargers 9888
Power Delivery rockt die Akkus. / © AndroidPIT

Was macht Qualcomm dann mit Quick Charge besser?

Natürlich haben wir bei Qualcomm nachgefragt, was da eigentlich besser sein soll. Qualcomm muss man zugute halten, dass es eine wichtige technologische Vorarbeit geleistet hat. Qualcomm legte den Finger auf die Wunde und hat viele Schwachpunkte des bisherigen USB-Standards offengelegt.

AndroidPIT fast chargers 9885
Quick Charge ist für viele Hersteller unnötig teuer. / © AndroidPIT

Zunächst wurde mit Quick Charge 2.0 die Obergrenze der Spannung von bis dahin 5 Volt gesprengt. Höhere Spannungen wurden möglich, ohne den Akku zu beschädigen. Dank der auf neun Volt erhöhten Spannung konnte die Impendanz zwischen Kabeln, Anschlüssen, PMICs, PCBs, und weiteren Komponenten reduziert werden, erklärt uns ein Qualcomm-Sprecher.

Qualcomm Quick Charge 3.0 führte die INOV-Technologie ein, die zwischen Ladegerät und Akku die optimale Ladespannung aushandelt. Parallel verwendet Quick Charge AICL zur Aushandelung der optimalen Stromstärke. Automatic Power Source Detection (APSD) hilft dem Akku, das Ladegerät zu identifizieren und passt entsprechend den eingehenden Stromfluss an; eine Unterstützung also in einer Welt, in der es hunderte verschiedene Ladegeräte gibt.

AndroidPIT fast chargers 9867
Die Zahl unterschiedlicher Ladegeräte ist zu hoch. / © AndroidPIT

Wie man unschwer erkennt, sind etliche dieser Technologien jetzt in Power Delivery verankert. Wozu also einen kostenpflichtigen Lizenz-Standard dazukaufen, wenn der verbaute Typ-C-Anschluss ohnehin schnell und schonend lädt und die anderen Technologien mit Verschwinden inkompatibler Lader obsolet werden?

Wie arbeiten PD und Quick Charge 4 zusammen?

Quick Charge 4 sei komplett Power-Delivery-kompatibel. Also stellt sich die Frage, was Quick Charge 4 da noch drauflegt. Power Delivery beherrscht bereits Technologien zum Aushandeln von Strom und Spannung. Qualcomms Quick Charge 4 kann hierbei kontrollierend eingreifen und tut dies insbesondere in Hinblick auf das sogenannte Thermische Budget des Geräts; mit anderen Worten: Es kontrolliert, dass das Smartphone beim Aufladen nicht zu heiß wird.

Dass Quick Charge und PD koexistieren können, liegt daran, dass Power Delivery lediglich ein Protokoll zum Aushandeln von Spannung und Strom ist. Quick Charge 4 hat einfach diese Sprache zu sprechen gelernt, tut aber dasselbe wie schon Quick Charge 3; mit kleinen Erweiterungen. QC4 ist damit folgerichtig Typ-C-exklusiv.

AndroidPIT fast chargers 9893
Huawei lässt gleich zwei Schnellladetechnologien parallel laufen. / © AndroidPIT

Was haben Samsung mit Adaptive Fast Charge oder Huawei mit SuperCharge zu bieten?

Selbst bei den Typ-C-Smartphones Samsung Galaxy S8 und Huawei Mate 9 oder P10/Plus sehen wir noch dedizierte Schnellladegeräte. Adaptive Fast Charge oder SuperCharge haben jedoch Power Delivery nichts entgegenzusetzen. Als wir die Geräte an unseren PD-tauglichen Tischlader Anker PowerPort+ 5 anschließen, laden beide Geräte mit fast demselben Tempo auf wie mit dem mitgelieferten Ladegerät.

AndroidPIT fast chargers 9883
Adaptive Fast Charge: Klingt geil, ist aber inkompatibel mit Konkurrenz-Smartphones. / © AndroidPIT

Warum sich Samsung, Huawei oder OnePlus mit Dash überhaupt noch die Mühe machen, ist angesichts von Power Delivery fast schon fragwürdig. Es gibt aus finanzieller Sicht keine offensichtlichen Argumente mehr für eine eigene Entwicklung und den Kunden wird es freuen, wenn er sein Samsung-Handy mit dem Huawei-Ladegerät es Kumpels flott aufladen kann. OnePlus könnte sich sogar teure Marketing-Videos sparen...

Power Delivery trägt bereits erste Früchte und viele Mittelklasse-Smartphones werden dieses Jahr hoffentlich gleichziehen. Dann wäre Schluss mit heißen Akkus und ewigem Warten auf das Ladegerät Eures Kumpels. Und da sich die Hersteller die Lizenzgebühr und die eigenen Entwickler sparen, können sie das Budget in andere Komponenten oder vielleicht sogar den Umweltschutz investieren.

Seid Ihr emsige Quick-Charger oder findet Ihr gemeinsame Standards besser? Kommentiert gerne unter dem Artikel!

Dank ist diese Seite frei von Werbebannern

35 Kommentare

Neuen Kommentar schreiben:
Alle Änderungen werden gespeichert. Änderungen werden nicht gespeichert!

  • Also ich hatte ein LG G4 das mit Qi nach gerüstet.. super langsames laden und das Gerät ist übelst warm geworden. Der akku war auch ziehmlich schnell leer obwohl es wie mein U11 3000mAh hat. Das U11 lade ich mit dem Orginalnetzteil und Kabel. is schon praktisch wenn das Gerät nach ca 40 min von 30 % auf etwas über 90% kommt. Wird auch nicht wirklich warm.

    Vollaufladen soll man die ja eh nicht. Ich denke mal Qualcomm hat sich mit QC4 das ja im 835er Chip ist was gedacht. Glaube nicht das es auf den Akku geht. Zumindest stell ich nach nem 3/4 Jahr nix fest.

    Wichtiger Hinweis man sollte Akku´s gennerell nicht unbeaufsichtigtmehre Stunden laden.!

    Hatte dann auch 2 ersatzakkus fürs LG G4 und so nen Tischlader dafür hatte den Akku über nacht da drin. Tja Tischladestation geschmolzen und Akku auf gebläht.

    Da nehm ich gern die 45 min bis Stunde mit Quickchrage und habs Tel im Auge!


  • Da hier gerade die Schnellladefunktion diskutiert wird, komme ich mit meinem Problem auf euch zu:

    Ich habe seit kurzem das Huawei P10, nach kurzer Zeit funktionierte das Laden nicht mehr. Durch Austausch des Netzteiles und des Kabels konnte ich feststellen, dass der Fehler im Kabel liegt.
    Beim Verwenden des Original Huawei Kabel erscheint am Display:
    Akkustand in % und der Satz „Ladevorgang mit Supercharger läuft"

    Bei Verwendung eines USB C Kabels (zwei unterschiedliche getestet), wird das Gerät geladen - jedoch erscheint am Display nur der Akkustand in % (ohne den Beisatz …Supercharger…).

    Der Huawei Kundendienst (schriftliche Anfrage) wollte gleich das ganze Gerät zurück haben, auf das ich aber zur Zeit nur schlecht verzichten kann.

    Kann mir hier irgendjemand erklären, an was das liegt, bzw. weiß jemand. ob das beigelegte Huawei Kabel doch nicht dem Standard entspricht?

    Viele Grüße


  • Was mich besonders ärgert ist, dass so wenig getan wird, um kabelloses Laden voranzubringen. Ich finde QI-Laden genial! Ich lege mein Handy abends auf das Pad und morgens ist es voll und das reicht in der Regel auch für einen Tag. Keine Fummelei mit Stecker, kein Suchen nach Stecker oder Kabel. Und es gibt gar keine Chance, den Akku durch "Schnell-Laden zu schädigen". Noch besser wäre das Voranbringen der neuen Technologie über Beacon von Ossia. Schluss mit den ganzen Kabeln und Steckernetzteilen! Das ist echte Innovation! AndroidPit-Team, setzt euch mal dafür ein! Anstatt eure Newsletter gesetzeswidrig zu streuen! (Der musste jetzt sein).
    @ Michael K. : proprietärer Standard ist wirklich ein schwachsinniger Ausdruck und zeugt von wenig Sachkenntnis.


    • Qi laden hat eigentlich mehr nach als Vorteile. Der einzige Vorteil ist, das man das Smartphone einfach auf eine Ladefläche ablegen kann. Wie gut das mit Schutzhüllen funktioniert weiß ich nicht, aber in der Vergangenheit gabs damit vereinzelt Probleme. Ebenso wurden die Akkus und. Smartphones durch Qi laden relativ warm. Ist auch nicht so gut. Dann kann man es nicht nebenbei nutzen, wie beim Kabelladen. Und es dauert länger, was dann wieder den besten Nutzen hat es über Nacht zu laden. Durch USB C ist das einstecken des Ladekabels schon recht einfach und hat eigentlich nichts mehr mit fummeln zu tun.


  • Was wäre, wenn Samsung FastCharge, OnePlus Dash oder wie sie alle heißen (abgesehen von Qualcomm QuickCharge, da Chiphersteller) nur Werbenamen für Power Delivery sind?


  • "Optimale Spannung" ist sicher nicht über 5 V bei Li-Ion Akkus. Das Problem ist, dass Quickcharge über diese Spannung geht und das herunterwandeln auf Zellspannung mit Wärmebildung im Gerät einhergeht. Und Laden mit hohen Strömen + Wärme ist die schlechteste Kombi für Akkus.
    OnePlus macht es richtig - normale 5 V Spannung mit 4 A. Fertig! Braucht man halt nur ein wenig dickere Kabelquerschnitte für.


    • sehe ich ähnlich, vor allem da die 5v4a de facto keine kommunikation brauchen, das gerät holt sich einfach was es braucht. bei spannung geht das nicht.


  • Mache mir beim Mate 9 wegen super Schnelladung keine Gedanken! Nutze sie und bin begeistert.
    Sollte Akku innerhalb 3 Jahren schlapp machen, so erhalte ich gem.Huawei-Garantie ( wenn innerhalb 4 Wochen nach Kauf bei Huawei angemeldet ! ) keine Reparatur,sondern ein neues Mate9. Das sagt doch viel über Vertrauen in Qualität aus!


  • Die Leute sollten die Funktion nicht nutzen dann würden sie wenigsten mal ein paar Stunden am Tag nicht auf ihren Palavaknochen schauen.


  • keiner sagt das schnellladen für denn Akku nicht gut ist, bei mein Note 4 war der Akku nach 11 Monaten hin, weil ich schnellladen ständig genutzt habe. Bei meiner Schwester mit ihrem S6 das selbe. Beim Note 4 ist der Akku Wechsel kein Problem, sieht aber beim S6 anders aus. Es sollte erwähnt werden, das schnellladen für den Akku auf der Dauer nicht gut ist, warum wird das nie erwähnt? Zumindest hier bei AP sollte die Schreiber es erwähnen oder warum machen die es hier nicht?


    • steht sowas nicht normalerweise irgendwo in der anleitung? RTFM.


      • Nein steht in keiner Anleitung zumindest nicht beim Note 4 oder S6. denke mal auch das es so gewollt ist, aber bloß gut man kann das schnellladen abschalten. weiß aber nicht wie das ab dem S7 aussieht ob man es noch abschalten kann. Ich nutze schnellladen nur wenn ich es mal brauche.

Zeige alle Kommentare

Empfohlene Artikel

Dank ist diese Seite frei von Werbebannern