Im Rahmen unserer Websites setzen wir Cookies ein. Informationen zu den Cookies und wie Ihr der Verwendung von Cookies jederzeit widersprechen bzw. deren Nutzung beenden könnt, findet Ihr in unserer Datenschutzerklärung.

Satellitennavigation Galileo: Mehr als technische Probleme?

Satellitennavigation Galileo: Mehr als technische Probleme?

Galileo soll eigentlich Satellitennavigation bieten, die unter europäischer und vor allem ziviler Kontrolle steht. Doch die letzten Tage haben gezeigt, dass noch viel Arbeit nötig ist - vielleicht nicht nur auf technischer Ebene. Zumindest funktioniert Galileo jetzt erst einmal wieder.

Die gute Nachricht gleich vorweg: Europas Satellitennavigationssystem Galileo ist wieder online. Und die schlechte gleich hinterher: Wenn das ohnehin schon verspätete System, wie geplant fertig gestellt werden soll, dann ist noch viel Arbeit nötig. Vielleicht auch gar nicht auf technischer Ebene. Das hat sich in den vergangenen Tagen gezeigt.

Eine richtig gute Idee

Galileo ist aus vielen Gründen eine gute Idee. Es gibt natürlich noch andere Satellitennavigationssysteme. Das russische System GLONASS etwa, oder das chinesische System Beidou. Und nicht zu vergessen das amerikanische System NAVSTAR-GPS - oder kurz GPS, das die meisten von uns vermutlich häufig selbst nutzen. Nicht nur steht keines dieser Systeme unter europäischer Kontrolle, sie werden auch allesamt vom Militär betrieben.

mapfactor gps map app
Satellitennavigation ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. / © ANDROIDPIT

Viele mögen schon vergessen haben, dass GPS nicht immer so genau war, wie wir es heute kennen. Ursprünglich nutzte die US-Regierung nämlich "Selective Availability". Nur das Militär konnte sehr präzise Informationen erhalten. Im Jahr 2000 stoppte der ehemalige US-Präsident Bill Clinton dieses Vorgehen und künftig durften die GPS-Signale für zivile Nutzer nicht mehr verfälscht werden. Später kam heraus, dass man hoffte, Galileo so noch verhindern zu können.

Denn wer die Satelliten kontrolliert, kontrolliert auch, wer die Navigationsdaten erhalten kann. Die US-Regierung hat durchaus schon einmal ein fremdes Militär von der GPS-Nutzung ausgeschlossen. Das Risiko wollte man in Europa nicht eingehen. Auch sendet Galileo stärker und auf mehreren Frequenzen. Es soll letztlich genauer sein als GPS - vor allem bei ziviler Nutzung. Viele Geräte unterstützten Galileo schon.

Keiner weiß, was los ist

Dann begannen letzte Woche Donnerstag die Probleme. Zwischenzeitlich zeigte die Satellitenübersicht fast alle Systeme als ausgefallen an - bis auf "Galileo Search and Rescue", um Menschen in Not zu finden. Heute dann verkündete die zuständige EU-Agentur GSA, man sei wieder online. Zu Problemen könne es aber weiterhin kommen. Eine Woche hat der Ausfall also gedauert. Auslöser war eine Fehlfunktion in den Bodenstationen. Es heißt weiter, ein Team habe 24/7 daran gearbeitet das Problem zu beheben. Eine Woche lang also rund um die Uhr.

Und so richtig weiß man wohl auch weiter nicht, was da eigentlich passiert ist. Eine unabhängige Untersuchungskommission soll das nun herausfinden. Daraus sollen dann alle ihre Lehren für den Betrieb dieses Systems ziehen. Und das scheint angesichts dieses Ausfalls auch bitter nötig zu sein.

Denn wir dürfen nicht vergessen, dass sich Galileo noch im Testbetrieb befindet. Fertig sein sollte das Projekt 2008, letztlich fing der Testbetrieb erst 2016 an. Die Kosten sind natürlich mittlerweile viel höher, als ursprünglich geplant. Im November geht es um weitere Milliarden. Die letzten vier der insgesamt 30 Satelliten sollen Ende nächsten Jahres ins All befördert werden.

Gestörte Kommunikation

Bis dahin hat man also noch Zeit, an Problemen zu arbeiten. Schließlich soll neben der Genauigkeit eben auch die Ausfallsicherheit für Galileo sprechen. Eigentlich gibt es zwei Kontrollzentren: in Oberpfaffenhofen und im italienischen Fucino. Beim aktuellen Vorfall ging Fucino wohl aufgrund von Wartungsarbeiten vom Netz. Also hätte Oberpfaffenhofen übernehmen sollten - konnte aber nicht, da auch dort Probleme auftraten. Das berichtet Spiegel Online.

Nun ist Technik eine Sache. Besser das System fällt während der Testphase aus und besser es fällt in Zeiten aus, wo aufgrund der anderen Systeme dennoch Navigationsdaten verfügbar sind und Empfänger auf diese umschalten können. Doch die Technik ist vielleicht nicht das einzige Problem. Es gibt Berichte, wonach auch europäische Politiker, Beamte der verantwortlichen Europäischen Kommission und Techniker der ESA Kommunikationsschwierigkeiten haben.

Um richtige Verhältnisse unter den Mitgliedsstaaten zu gewährleisten, sind die Zuständigkeiten in ganz Europa verteilt. Das ist auch sinnvoll. Doch wenn Galileo in Zukunft richtig funktionieren und eine echte Alternative darstellen soll, dann muss genau dieses Problem dringend so angegangen werden, wie die technische Seite. Denn ohne vernünftige Zusammenarbeit - und vielleicht ein weiteres Kontrollzentrum - könnte es auch weiter zu Schwierigkeiten kommen. Schließlich sind auch die Gründe dafür, dass Galileo mehr als zehn Jahre später fertig wird, nicht nur technisch.

Quelle: GSA

Empfohlene Artikel

Top-Kommentare der Community

15 Kommentare

Neuen Kommentar schreiben:
Alle Änderungen werden gespeichert. Änderungen werden nicht gespeichert!
Neuen Kommentar schreiben:
Alle Änderungen werden gespeichert. Änderungen werden nicht gespeichert!
Neuen Kommentar schreiben:
Alle Änderungen werden gespeichert. Änderungen werden nicht gespeichert!
[Error]