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Holografie-Smartphone RED Hydrogen One: Bullshit oder Blick in die Zukunft?
Hardware 5 Min Lesezeit Keine Kommentare

Holografie-Smartphone RED Hydrogen One: Bullshit oder Blick in die Zukunft?

Der Kamera-Hersteller RED hat vergangene Nacht ein Smartphone vorgestellt; mit holografischem Display und modularem System für Profi-Videoqualität. Was auf den ersten Blick nach Bullshit klingt, ist primär mal ein spannender Blick in die Zukunft der Medien – und erst in zweiter Linie ein exotisches Nischen-Smartphone.

Zum besseren Verständnis möchte ich kurz ein paar Sätze zur Geschichte von RED verlieren. Die RED Digital Cinema Camera Company wurde 2005 vom Oakley-Gründer Jim Jannard ins Leben gerufen – mit keinem geringerem Ziel als der Revolution des Kamera-Marktes. Auf der NAB 2006 stellte der Konzern eine für damalige Verhältnisse erschwingliche 4K-Kinokamera vor, die trotz riesiger Skepsis in der Branche im darauffolgenden Jahr bei den ersten Filmproduktionen eingesetzt wurde. Seitdem hat sich RED neben Arri, Sony & Co. etabliert und ist aus der Branche kaum mehr wegzudenken. 

Wie kommt nun ein Hersteller von Profi-Kameras dazu, ein Smartphone anzukündigen? Ein Smartphone, dessen Datenblatt nach Science-Fiction klingt – und dessen Preisstruktur auf der Vorbesteller-Webseite mit 1.195 Dollar für die Aluminium- und 1.595 Dollar für die Titanversion sogar Apple günstig erscheinen lässt?  

RED Hydrogen One: mehr als ein Android-Smartphone

Eines vorweg: Mangels Vertriebskanälen, Produktionskapazitäten und nicht zuletzt auch der Ausrichtung des Smartphones wird sich RED zumindest kurz- bis mittelfristig nicht in Konkurrenz zu Samsung, Apple und dergleichen stellen. Und das versucht der Hersteller auch gar nicht. Stattdessen versucht RED an dieser Stelle, Werkzeuge und Standards, die künftig einmal eine gewaltige Bedeutung haben werden, in den Händen von Profis zu etablieren.

Natürlich kann man mit dem RED Hydrogen One auch telefonieren oder Clash of Clans spielen. Während in den Elektronikmärkten dieser Welt 4K immer noch ein großes Thema ist, werden bereits die Standards für die nächsten zehn Jahre entwickelt. Spoiler Alarm: Das werden keine platten oder notdürftig um stereoskopische Informationen erweiterten Bildformate sein. Für Filmaufnahmen von Virtual-Reality-Umgebungen, in denen wir uns zumindest eingeschränkt bewegen können, benötigen wir Medienformate, die Volumen abbilden.

Genau ein solches hat RED gemeinsam mit dem Hydrogen One angekündigt: H4V. 

Bei normalen Videos stammen die Bilddaten aus einem Objektiv. Bei stereoskopischen 3D-Videos sind es üblicherweise zwei Objektive. Bei H4V werden Bildinformationen aus (mindestens) vier Quellen zusammengerechnet. Wie das genau funktionieren soll, darüber schweigt sich der Hersteller derzeit noch aus. Sicherlich ist RED aber nicht die erste Firma mit einem solchen Ansatz. Die vom ehemaligen Lytro-Videochef Jon Karafin gegründete Light Field Lab, Inc. beispielsweise arbeitet ebenfalls an einem holografischen Content-Universum. Und auch Lytro selbst forscht mit Kameras wie der Immerge an den Medienwerkzeugen der Zukunft.

Modularität für Profis

Zurück zum Hydrogen One und weiter mit der Modularität: An das Android-Smartphone lassen sich jede Menge Module andocken. Allerdings kann ich Euch versichern, dass RED hier keine Lautsprecher- oder Wireless-Charging-Module meint. Wer sich ein wenig durch die bereits im Juni aufgetauchte Patentschrift wühlt, wird stattdessen auf Module mit Bildsensoren und Wechselobjektiven oder Lichtmodule mit Ringlichtern & Co. stoßen. RED hat die Module offenbar so konzipiert, dass sie sich zu einem ganzen Stapel zusammensetzen lassen – mit dem Kameramodul am einen und dem Sucherdisplay am anderen Ende.

Im Übrigen ist das Hydrogen One nicht das erste modulare Produkt für RED. Mit der DSMC und DSMC2 hat der Hersteller bereits modulare Kameras im Portfolio. Dass sich das Hydrogen One in das bestehende Kamera-Lineup einfügen wird, hat RED bereits bestätigt. Wie diese Integration genau aussehen wird, dazu gibt es noch keine Details. Das hält die Nutzer im REDUser-Forum nicht davon ab, gleich mehrere Hydrogen Ones vorzubestellen.

Erfrischend finde ich an dieser Stelle noch eines: RED hat bislang nur bestätigt, dass das Smartphone eine Haupt- und eine Selfiekamera haben wird. Statt große Versprechen zu revolutionärer Bildqualität abzugeben, bleibt der RED-Gründer im Forum erfrischend realistisch: Die in Smartphones verbauten Kameras würden „niemals Bilder in Kinoqualität liefern. Das tut kein Mobiltelefon.“ Stattdessen verspricht Jannard ein modulares System, mit dem das Smartphone alle anderen Kameras übertreffen soll – außer den hauseigenen RED-Kameras natürlich. 

Auch wenn bei den DxOMark-Ergebnissen Skepsis angebracht ist: Der 8K-Helium-Sensor von RED liegt mit 108 Punkten mit gewaltigem Abstand an der Spitze des DxOMark-Rankings. Um so viel Qualität an das Hydrogen One andocken zu können, wird man neben den gut 1.195 respektive 1.595 Flocken für das Smartphone selbst allerdings auch noch einmal etliche tausend Dollar an RED überweisen müssen.

hydrogen patent
Die Module des RED Hydrogen One lassen sich in mehreren Schichten übereinander anbringen (links). Außerdem sind Wechselobjektive und Adapter auf verschiedene Linsensysteme denkbar (rechts). / © RED

Holografisches Display

Kaum etwas aus der Pressemitteilung des RED Hydrogen One schreit so sehr „Marketing-Bullshit“ wie das holografische Display. Zwar hat der Hersteller bislang keine technischen Details veröffentlicht. Aus den Forenposts des RED-Gründers wissen wir aber zumindest schon einmal, was für ein Bildschirm im Hydrogen One NICHT steckt. Nämlich keines dieser lentikulären Kopfweh-Displays, wie wir es aus dem HTC Evo 3D oder der Nintendo 3DS kennen. Daneben hat Jannard auch verraten, dass sich auf dem Display um bestimmte Gegenstände herumblicken lässt und die Inhalte von vier Seiten aus sichtbar sind. Das Display des Hydrogen One hätte bei der Produktion von entsprechenden Medienformaten dann tatsächlich einen extremen Mehrwert. 

Ohne jetzt genaue Datenraten von REDs künftigen Holografie-Produktionen zu kennen: die Herausforderungen bei der Datenverarbeitung sind enorm. Die großen Lytro-Kameras beispielsweise schreiben bei Maximalleistung pro Sekunde auch mal mehr als 300 GByte weg. Nur zum Vergleich: Um diese Datenmenge zu produzieren, hat die ganze Menschheit 1992 noch ganze drei Tage benötigt. Lytro verarbeitet diese unfassbaren Datenmengen dann in der Cloud und speist sie den Produktionsfirmen dann per Stream in deren existierende Workflows ein. Analog dazu könnte auch das Hydrogen One hier ein wichtiges Werkzeug sein, um die Qualität der Aufnahmen zu beurteilen.

Fazit

Während wir jeden Tag über 2K, 4K und Konsorten diskutieren, tobt im Hintergrund bereits längst der Kampf um die Medienformate des nächsten Jahrzehnts. Auch wenn das spärliche Datenblatt nach kräftig Bullshit riecht: Das RED Hydrogen One offenbart uns hier einen aufregenden Blick in die Glaskugel. 

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