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AndroidPIT Inside 5 Min Lesezeit 7 Kommentare

Unterwegs auf dem PUBG-Turnier in Berlin: Spieler, die auf Profi-Zocker starren

Da sitze ich also in der Mercedes Benz Arena in Berlin. In der Arena eine kreisrunde Bühne, auf der 80 Spieler um Ihr Leben kämpfen. Natürlich nicht in echt, viel mehr zocken sie im Rahmen des Turniers PUBG Global Invitational 2018 - gewissermaßen die Weltmeisterschaft für PUBG-Spieler - am PC um den Sieg in mehreren PUBG-Matches. Insgesamt geht es um ein Preisgeld von zwei Millionen Dollar. Was macht eine Weltmeisterschaft im E-Sport so reizvoll?


Was ist PUBG? PUBG ist die geläufige Abkürzung für das Spiel Playerunknown’s Battlegrounds. Story? Braucht es nicht. Aber ein Setting: Zusammen mit bis zu 99 weiteren Spielern fliegt Ihr mit einem Flugzeug und springt mit einem Fallschirm über einer Insel ab. Jetzt heißt es: Jeder gegen jeden. Auf den Inseln gibt es genug Waffen und andere Ausrüstung. Sieger ist, wer zuletzt am Leben ist. Am Ende heißt es dann “Winner, Winner! Chicken Dinner!” für den Sieger.


Das Turnier PUBG Global Invitational 2018 hat nicht nur mich und Basti, sondern auch mehrere Tausend weitere Zuschauer angelockt. Für mich war es zunächst eine etwas merkwürdige Vorstellung, anderen beim PC spielen zuzuschauen. Und das auch noch in einer riesigen Halle, fast wie im Fußballstadion. Noch dazu kenne ich mich mit PUBG nicht so gut aus, aber unter den Nicht-VR-Spielen steht es ganz weit oben auf meiner Liste. Zum Glück ist Basti unser PUBG-Experte und kann mir einige Details erklären, die mir leicht entgehen.

The Show Must Go On

Eine bombastische Show zur Eröffnung heizt die Stimmung in der Arena ein. Da schweben Schauspieler von der Hallendecke auf die Bühne und führen einen Mini-PUBG-Fight auf. Die Spielarena ist verdeckt und als der Vorhang fällt, sind alle Spieler bereit, das erste PUBG-Match zu starten.

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PUBG: Pompöse Eröffnungsshow / © AndroidPIT
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PUBG Global Invitational 2018: Pompöse Eröffnungsshow / © AndroidPIT

Wie bei Sportveranstaltungen gibt es aber erst einmal einige Worte der Kommentatoren. Für Einsteiger wie mich ziemlich gut. So lerne ich die Teams kennen und erfahre einiges über PUBG aus Sicht von Profis. Denn es ist ja so: Nur weil ich auf dem Bolzplatz mal das Tor treffe, heißt es nicht, dass ich die Feinheiten der Taktik in der Champions League verstehen würde.

Das Publikum fiebert mit

Und dann geht es auch schon los. Die Teams springen nach und nach aus dem Flugzeug und auf großen Leinwänden über den Spielern können wir Zuschauer das Spiel miterleben. Schnell flammt die Begeisterung auf: Ein Spieler landet, schnappt sich binnen Sekunden eine Waffe und holt sich quasi sofort den ersten Kill, weil ein Gegner unachtsam auf einem Parkplatz gelandet ist.

Es ist schon spektakulär, solche Szenen zu sehen - bei dieser Aktion brandet ungläubiges Raunen und unbändiger Jubel durch die Halle. Schnell ist klar: Im Publikum sitzen viele PUBG-Spieler, die selbst schon eine Menge auf der Insel erlebt haben.

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Die Teams in der Arena / © AndroidPIT

E-Sport ist in Asien alltäglich. Kein Wunder also, dass hier viele Zuschauer aus China und Korea in der Halle sind. Ein wenig überrascht war ich vom Drumherum: Ein PUBG-Match dauert rund eine halbe Stunde, da braucht es Pausenfüller. Zumindest am ersten Tag war aber kein großer Rummel: einige Spielstationen für PUBG gab es, eine Area für PUBG Mobile ebenfalls. Beide Bereiche waren für jeweils 10 bis 20 Personen ausgelegt, aber am ersten Tag noch geschlossen. Am Wochenende dürfte es dann gerappelt voll sein.

Insgesamt wirkt das PUBG-Event in Berlin merkwürdig herkömmlich. Die Stimmung war während der Spiele durchaus launig, auf den Gängen draußen aber eher ruhig. Ich hätte damit gerechnet, dass alles ein wenig schriller zugeht. Stattdessen trugen die Kommentatoren Anzug und Krawatte. Der Merchandise-Stand war bis zum Bersten gefüllt mit T-Shirts, Jacken und anderem Kram.

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Karl Lagerfeld könnte sich nicht besser kleiden... / © AndroidPIT

Aller Anfang ist schwer

Am Anfang eines PUBG-Matches suchen sich die Teams erst einmal Ausrüstung zusammen. Waffen, Autos und Med-Kits sind für das Überleben entscheidend. Nach und nach verkleinert sich die Spielfläche, sodass die Vierer-Teams aufeinander stoßen müssen. Die ersten zehn Minuten gibt es in diesen Profi-Matches meist nur kleine Scharmützel. Erkennbar ist, dass alle Teams mit einer klaren Taktik in die Matches ziehen. Unvorsichtige Alleingänge gibt es nicht. Mit jeder Minute zieht das Tempo spürbar an.

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Die PUBG-Teams sind gerade auf der Insel... / © AndroidPIT

Jetzt treffen die Squads aufeinander und spektakuläre Gefechte sind die Folge. Hier sieht man, wie sicher die Profis PUBG beherrschen. Stark vor allem, mit welcher Präzision die Spieler mit Scharfschützengewehren weit entfernte Gegner ausschalten. Immerhin: Einmal zeigte die Regie einen Spieler, der mehrfach hintereinander statt durch die Tür zu laufen an den Türrahmen rempelte. Da habe ich mich und meine Shooter-Fähigkeiten wohlwollend wiedererkannt.

Den Schlussakkord im dritten Match des Tages setzte Team Liquid. Zuletzt sind zwei Liquid-Spieler in einem Turm verschanzt, draußen vor der Tür lauern zwei Spieler vom Team Gen G Black. Plötzlich wagt sich Liquid aus der Deckung und nimmt den ersten Gegner ins Visier. Kill! Sekunden danach springen beide aus dem Fenster und attackieren den übrig gebliebenen Gegner. "Winner, Winner! Chicken Dinner!" Das Publikum tobt!

Danach haben wir uns erstmal einen Imbiss gegönnt. Stilgerecht natürlich Chicken Nuggets. Wir wollten eben auch mal ein Dinner.

Wie steht Ihr zu E-Sport-Veranstaltungen? Seid Ihr leidenschaftliche PUBG-Spieler?


Das PUBG Global Invitational 2018 läuft noch bis zum 29. Juli in der Mercedes Benz Arena in Berlin.

7 Kommentare

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  • ich kann den hype um solche sachen nicht verstehen,das sind doch nur ballerspiele wie viele andere auch,
    was mich allerdings wundert,dass noch gar nicht die 'immer wichtigen' jugendschützer hervor getreten sind und nach verbot schreien,
    ich kann mich noch gut an das theater wegen counterstrike erinnern


    • Man hat in der Vergangenheit oftmals vergeblich versucht, den Konsum von Splatterfilmen und Ballerspielen als Ursache für Gewalttaten und Amokläufen zu vermitteln-insoweit sind die "Jugendschützer" ideologisch gescheitert. Es ist vielmehr so, dass aus ANDEREN Gründen sozial vereinsamte, unfähige und verhaltensauffällige Menschen, die sich dann in Gewalttaten verwirklichen, von derlei Medien "begleitet" werden.
      Inzwischen hackt man auf diesen Medien nicht herum, weil sie einen riesigen Wirtschaftfaktor darstellen und ihre politischen Lobbyisten haben und es politisch gar nicht so unwillkommen ist, wenn Menschen sich sozial "entbinden", entsolidarisieren, entrealisieren und ihr Kontroll- und Mitwirkungsbedürfnis in eine virtuelle Spielewelt verlagern....dort richten sie keinen real-politischen Schaden an und gehen nicht auf die Straße, z.B. für Mindestlohn, soziale Gerechtigkeit, gegen Datenmissbrauch und Überwachungsstaat, gegen globale Erwärmung... Und Kryptowährungen werden dezent vorgestellt und gehyped.... eine win-win-Situation für die Strippenzieher.... da darf der Jugendschutz schon mal zurücktreten....


  • Erstmal vielen Dank für den guten Bericht, fand ich sehr interessant und anschaulich.

    Prinzipiell habe ich nichts gegen E-Sports, allerdings habe ich bei dieser Veranstaltung schon gemischte Gefühle. Der Sinn des Spieles ist es, möglichst schnell möglichst viele Mitspieler zu "killen". Um mehr geht's letztlich nicht. Daraus eine große Veranstaltung, ein Happening zu machen und somit dieses Verhalten nicht nur zu legitimieren, sondern es noch zu feiern, halte ich für völlig falsch.


    • Nick vor 2 Monaten Link zum Kommentar

      Naja, ich kann deine Aussage zwar nachvollziehen, stimme dem aber nicht zu.
      Erstens handelt es sich hierbei um ein Unterhaltungsmedium, welches Spaß machen und nicht die Brutalität des Krieges veranschaulichen soll. Bei Actionfilmen sterben doch auch viele Menschen und im Horrorgenre kommt sogar eine besondere Art der Brutalität meist noch dazu. Hältst du diese Art von Medium dann auch für "völlig falsch"? Oder TV-Sendungen wie DSDS, Naked Attraction oder Big Brother, welche aus einer ethischen Sicht ebenfalls "schlecht" sind?

      Zudem wird hier in keinster Weise ein "Happening" veranstaltet, es geht nicht um das Töten an sich, sondern um die Leistung der Spieler, wie sie taktisch vorgehen und bestimmte Problemstellungen angehen (damit meine ich nicht das Töten!) bzw. feinmotorischen Fähigkeiten einsetzen (der Rückstoß in dem Spiel ist nämlich nicht zu verachten und muss auch gelernt werden). Daraus resultiert ja die Begeisterung, nämlich in dem man die spielerische Leistung der Profis honoriert und im wahrsten Sinne des Wortes feiert.
      Kannst du mir denn zeigen, wo hier das Töten legitimiert, bzw. gefeiert wird? Zelebriert für dich dann auch ein Looney Tunes Gewalt, weil dem Koyoten in diversen Folgen teil schwerer physischer Schaden widerfährt?

      Es ist doch schön zu sehen, dass Videospiele solche Massen begeistern können und Communities erschafft, welche sich wegen ihrem Hobby zusammenfinden und zusammen feiern.


      • Ich bin da tendenziell bei Tenten... Natürlich werden wir auch durch andere Medien zugemüllt und es mutet schon befremdlich an, wenn eine sichtbare Frauenbrust die Sittenwächter auf den Plan ruft und eine FSK ab 16 zur Folge hat, während das Vorabendprogramm völlig ungefiltert Leichen, Verkehrsunfälle, gewaltsame Konflikte etc. darbietet. Aber das ist die Bigotterie der christlich-abendländischen Kultur: ein sichtbarer Frauenkörper ist eben moralisch bedenklicher als ein Tötungsdelikt!
        Dennoch empfinde ich derlei Veranstaltungen als Ausdruck eines dekadenten Werteverfalls. Ob man nun das erforderliche strategische Denken oder die taktischen Fähigkeiten der Spieler als lobenswerten Bestandteil dieser Battles hervorhebt- das Ziel ist die Beschaffung von Tools/Waffen, um den Gegner zu töten und real aus dem Spiel zu werfen. Die erforderliche Interaktion ist aus vielerlei Gründen natürlich nicht mit den infantilen Sinneseindrücken z.B. aus Looney Tunes zu vergleichen. Ungeachtet dessen hinkt jede Argumentation, wenn man etwas Negatives schön reden möchte, indem man auf das Vorhandensein anderer "negative" Dinge verweist und daraus das moralische Recht ableiten will, dass man dann auch weiterhin Verwerfliches fortsetzen darf. Man kann das Rauchen nicht dadurch rechtfertigen, nur weil Benzinmotoren ebenso CO2 ausstoßen.
        Eine Gesellschaft, deren (zumeist) männlichen Mitglieder sich im Wettkampf messen möchten und sich dafür das virtuelle Töten (und reale Ausscheiden aus der Interaktion) von Artgenossen als angemessenes Szenario aussucht, hat offenbar das kulturelle Niveau von Neanderthalern nicht verlassen und schwingt statt Keulen lediglich Konsolen und Controller. Die Gewöhnung an Gewalt führt nachweislich zu einer Abstumpfung. Ich frage mich, warum man nicht die katholische Version spielt, wo man in einem abgeschlossenen Areal (z.B. Vatikan) möglichst viele minderjährige Messdiener poppen muss, PowerUps (z.B. Viagra) einsammeln kann und letztlich die Strategie der Verschleierung etc. zur Straffreiheit und damit zum Sieg führt. Vielleicht, weil es rechtlich problematisch ist und einen anwidern würde. Das Töten selbst scheint jedoch bereits gesellschaftsfähig zu sein. Der sportliche und kulturelle Gehalt dieser Dekadenzveranstaltung ist m.E. auf der Ebene von amerikanischen Wettessen zu verorten, wo sich jemand den Würgreiz unterdrückend 50 Hotdogs einfährt und als Held bejubelt wird.


      • Bastian Siewers
        • Admin
        • Staff
        vor 2 Monaten Link zum Kommentar

        "Die Gewöhnung an Gewalt führt nachweislich zu einer Abstumpfung"
        Und genau hier sehe ich einen klaren Unterschied zwischen virtueller und realer Gewalt. Ich spiele solche spiele nun seit über 10 Jahren, praktisch täglich. Lange Zeit CoD4, dann CSGO und nun PUBG (natürlich neben anderen Spielen, aber das waren sozusagen meine "Hauptspiele"). Eine Abstumpfung spüre ich bei mir und praktisch jedem, mit dem ich bisher gespielt habe (und persönlich kenne) nicht. Ich möchte mich auch heute mit niemanden prügeln und lehne Gewalt grundsätzlich ab. Auch finde ich es nach wie vor befremdlich, Gewalt zu sehen/erfahren. Das hat doch nichts mit den Spielen zu tun. Wie hier schon angeführt wurde, spielen diese Dinge selbstverständlich eine Rolle, grundsätzlich kann man die Dinge aber doch nicht pauschalisieren.
        Zum Event: Ich versuche meinen Eltern seit Jahren zu erklären, warum ich solche Spiele spiele. Genauso warum ich rauche. Beides ist schwer zu erklären, weil es leider keinen ultimativen Grund dafür gibt. Letztlich geht es um den Wettkampf, den anderen "von der Map zu entfernen" ist eben der ultimative "Wettkampf", so böse das auch klingen mag. Mir persönlich ist es ehrlich gesagt ziemlich egal wie realistisch oder unrealistisch die Waffen und Sounds sind, so lange mir sie Spiele-bezogen gefallen.


      • Ich sehe das auch so, hier spielt man in einer fiktiven Umgebung und so wenig wie Mario reale Schildkröten zertritt werden hier Menschen geschädigt. Da könnte man auch ein Verbot von Paintball oder Laser Tag erwirken wollen, aber unterm Strich ist auch das nur eine Art von Freizeitsport.

        Viel kritischer sehe ich jene Menschen die bei jedem Unfall auf der Autobahn versuchen ein Selfie von sich mit einem abgetrennten Körperteil zu erhaschen oder die bei Schlägereien munter Filmen statt die Polizei zu rufen.

        Bei dieser Gruppe finden wir am ehesten die Psychopathen vor welchen wir Angst haben sollten. Diese Menschen wollen Blut sehen, die interessiert eine virtuelle Darstellung auf einer Leinwand ganz gewiss nicht.

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