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Lidl Pay kommt: Brauchen wir den Discounter-Bezahldienst?

Lidl Pay kommt: Brauchen wir den Discounter-Bezahldienst?

Nach einer Testphase in Spanien will Discounter Lidl seinen digitalen Bezahldienst Lidl Pay auch nach Deutschland bringen. Dahinter steckt eine ausgeklügelte Strategie, denn durch Kombination aus Bonus-Programm und digitaler Bezahlung legen Lidl-Kunden künftig ihr Kaufverhalten weiter offen. 

Immer öfter finden deutsche Discounter den Weg in die Schlagzeilen von Tech-Portalen. Ob durch günstige Tech-Angebote oder zunehmender Digitalisierung – Supermärkte wollen die technikaffine Generation binden. Und obwohl mit Google Pay und Apple Pay bereits zwei Bezahldienste für Android- und iOS-Smartphones existieren, will Lidl in Deutschland noch in diesem Jahr eine Alternative anbieten. 

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Discounter mit "Lidl Plus" (aktuell nur in Berlin und Brandenburg verfügbar) eine Art Payback-Alternative für seine Kundschaft in die App Stores gebracht. Die Lidl-App bietet Coupons, erstellt digitale (d.h. papierlose) Kassenbons, Prospekte oder Rubbellose. Hinter dem Service steht keine Nächstenliebe, sondern eine Strategie, um Kundenverhalten noch besser analysieren und tracken zu können. Nun folgt also ein Bezahldienst, der mögliche Auswertungen von Kundenverhalten auf ein neues Level hebt. 

Anders als die Dienste von Google und Apple will Lidl mit seinem eigenen Bezahldienst die breite Masse ansprechen und hat längst realisiert, dass ein NFC-Chip in vielen Smartphones unter 200 Euro fehlt. Lidl verzichtet also auf die Bezahlung per NFC und generiert stattdessen QR-Codes, die einige Minuten gültig sind und an der Kasse zum Bezahlen vorgezeigt werden müssen. Lidl-Kunden zahlen dann per App, wenn eine Kreditkarte in den Zahlungsinformationen der App hinterlegt wurde. Äußerst wahrscheinlich ist, dass Lidl seinen Kunden auch das Lastschrift-Verfahren anbietet.

lidl plus
Coupons, Rubellose und Kassenbons gibt's für Nutzer der Lidl-Plus-App zum Preis von Daten. / © Lidl / AndroidPIT

Neben weiteren Daten, die Lidl von Kunden sammeln kann, spart sich das Unternehmen die fälligen Gebühren pro Transaktion über Apple Pay oder Google Pay. Hier werden Gebühren pro Zahlung bis zu 0,2 Prozent des Betrages fällig. 

Bereits beim Start von Lidl Plus geriet der Discounter aufgrund der offensichtlichen Daten-Sammelwut in die Kritik. Die Lager sind geteilt; vielen Menschen ist es schlichtweg immer noch egal, ob Supermärkte oder Bonusprogramme wie Payback Daten zum Einkaufs- und Konsumverhalten sammeln. Was man einkaufe, sei kein Geheimnis.

Das Problem geht allerdings viel tiefer. Denn wo wir täglich mehr Toleranz gegenüber Datensammlern aufbauen, entsteht eine Grenzverschiebung. Unzählige Menschen werden bereits im digitalen Leben mit personalisierter Werbung bombardiert, nun schwappt das Tracking in den stationären Handel und macht uns abseits des digitalen Lebens zunehmend berechen- und skalierbar, schränkt unsere persönliche Entwicklung dadurch irgendwo auch ein. 

Deshalb sollten Konsumenten generell hinter den Deckmantel von Coupons und Vergünstigungen oder vermeintlich praktischen Bezahlmethoden blicken und sich fragen, ob 35 Prozent Rabatt auf Discounter-Kochschinken es wert sind, zum gläsernen Menschen zu werden.

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