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Launch-Event im Zeichen des Embargos: Huawei in der Zwickmühle

Launch-Event im Zeichen des Embargos: Huawei in der Zwickmühle

Auf dem Launch-Event zum Mate 30 in München zeigt sich, wie ungewiss die Zukunft von Huawei in Sachen Smartphones ist. Ein Kommentar.

Bei der Vorstellung des Huawei Mate 30 Pro geizte Firmenboss Richard Yu nicht mit Rekorden und Bestwerten, im Gegenteil. Die größten Kamerasensoren stecken in dem neuen Smartphone, die krassesten Zeitlupenaufnahmen sind möglich, die beste Gesichtsentsperrung, die bequemsten Komfort-Features - das Ding ist schlicht perfekt. Als es dann aber zum Ende der Veranstaltung ging, zeigte sich die Zwickmühle, in der Huawei steckt.

Richard Yu machte einen großen Bogen um den Elefanten im Raum - nämlich die Frage, ob das Huawei Mate 30 überhaupt in Europa zu kaufen sein wird und wann. Zwar wurden die Preise in Euro bekannt gegeben, aber es gab nicht einmal einen Hinweis auf den angedachten Termin für den Verkaufsstart. Der Huawei-Boss, der insgesamt angriffslustig und schlagfertig wirkte, konnte sich nicht einmal zu einem "Coming soon" durchringen.

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Den Slogan "Rethink possibilities" sollte Huawei auch auf sich beziehen. / © AndroidPIT

Wie unsicher die Lage für Huawei derzeit ist, war bereits am Vormittag zu bemerken. Der Hersteller hatte dutzende Journalisten aus europäischen Ländern zu einem geheimen Vorab-Briefing geladen. Das ist üblich, dort erhält die Presse in der Regel schon vor dem eigentlichen Launch-Event Informationen über die Neuheiten, um die Berichterstattung vorbereiten zu können. Diesmal jedoch gingen die beiden Sprecher mit keinem Wort auf das Mate 30 oder die aktuelle Situation ein, sondern sprachen über China, die Geschichte von Huawei und die App StorySign, mit der Huawei Gehörlosen helfen möchte. Alles gut und schön, aber im Endeffekt vertane Zeit und vollkommen nutzlose Informationen zum momentanen Zeitpunkt.

Macht man daraus allerdings einen Vorwurf für Huawei, geht das ein wenig am Ziel vorbei. Der chinesische Konzern mit über 180.000 Mitarbeiter ist zum Spielball des Handelskriegs zwischen den USA und dem Reich der Mitte geworden und muss nach wie vor um seine Zukunft bangen. Findet sich keine Lösung, kann es durchaus sein, dass Huawei in seiner aktuellen Form untergehen wird - Harmony OS hin oder her.

Mehr Selbstbewusstsein und Offenheit, Huawei!

Ich hätte mir trotzdem mehr Offenheit bei der Präsentation des Mate 30 gewünscht. Wenn ohnehin allen Anwesenden klar ist, wo die Probleme liegen, kann man sie auch klar und deutlich ansprechen. Es wäre ein Leichtes gewesen, etwas zu sagen wie: "Das Smartphone ist fertig, aber ohne Google-Dienste wollen wir es nicht anbieten, deshalb suchen wir noch nach einer Lösung, weshalb sich der Verkaufsstart verzögert. Wir versuchen alles, das Mate 30 so schnell wie möglich nach Europa zu bringen und halten Sie auf dem Laufenden." Mit einer Krise proaktiv umzugehen ist ein Zeichen von Stärke, nicht Schwäche. Huawei hat einen jahrelangen, beispiellosen Aufstieg hinter sich, da hätte ich in so einer Situation mit mehr Selbstbewusstsein gerechnet. Schade, Chance vertan. Auf das Mate 30 Pro freue ich mich trotzdem.

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Top-Kommentare der Community

  • Tenten vor 4 Wochen

    Ich habe es beim anderen Artikel schon geschrieben, mich wundert es nicht, dass man sich zur Situation mit Google nicht geäußert hat. Mich hätte es eher gewundert, wenn man es doch getan hätte. Ich muss selbst manchmal Präsentationen abhalten, bei denen es "nur" um Projekte im zweistelligen Millionenbereich geht und nicht um Größenordnungen wie bei Huawei, aber ich weiß dadurch, wie peinlich genau man darauf achten muss, kein falsches Wort über schwebende Verfahren oder laufende Verhandlungen zu verlieren. Selbst die bloße Erwähnung ist da für viele schon Affront genug. Man konzentriert sich auf das wesentliche, im Falle Huaweis Marketing, und lässt Nebenkriegsschauplätze außen vor. Ich bin sicher, Huawei arbeitet intensiv an Lösungen und Vereinbarungen, nur möchte man sich nicht verfrüht darüber äußern.

    Ganz nebenbei finde ich die Strategie Huaweis, sich nicht durch irgendwelche Äußerungen in die Opferrolle zu begeben, durchaus richtig.

13 Kommentare

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  • Probleme/Herausforderungen oder unangenehme Themen öffentlich anzusprechen ist nach wie vor ein no Go. Die Kultur in China verzeiht solche Äußerungen nicht, selbst wenn wir Europäer das locker nehmen würden


  • Also Leute das Thema ist doch jetzt schon zig Mal durchgekaut worden und alle wissen über Huawei Bescheid.


  • Aber es ist doch auch irgendwie käse mit großem Tamtam der Öffentlichkeit sein neuestes Smartphone vorzustellen und dann nicht zu sagen wann,wie und ob es zu kaufen ist oder? Also ich finde das sehr seltsam.


  • Denke huawei hat sein eigenes Betriebssystem entwickelt? Das wird schon. Etwas Konkurrenz schadet nie.


  • Es liegt aber nicht in der Mentalität der Chinesen, so offen über ein Problem zu sprechen. Aus Sicht der Chinesen kann man sehr schnell sein Gesicht verlieren, wenn man ein Problem öffentlich angeht.


  • Mir gefallen immer klare Worte.
    Huawei hätte ruhig etwas sagen können.
    Nicht alle Leute lesen hier täglich nach und sind bestens informiert.


  • Erschreckend wieviele Menschen sich abhängig von Google machen 🤔und ich denke auch, das es Google nicht einmal soo Unrecht ist. Vielleicht lassen sich dann Ihre Pixel 4 Geräte in höheren verkaufszahlen verkaufen.


  • Ich habe es beim anderen Artikel schon geschrieben, mich wundert es nicht, dass man sich zur Situation mit Google nicht geäußert hat. Mich hätte es eher gewundert, wenn man es doch getan hätte. Ich muss selbst manchmal Präsentationen abhalten, bei denen es "nur" um Projekte im zweistelligen Millionenbereich geht und nicht um Größenordnungen wie bei Huawei, aber ich weiß dadurch, wie peinlich genau man darauf achten muss, kein falsches Wort über schwebende Verfahren oder laufende Verhandlungen zu verlieren. Selbst die bloße Erwähnung ist da für viele schon Affront genug. Man konzentriert sich auf das wesentliche, im Falle Huaweis Marketing, und lässt Nebenkriegsschauplätze außen vor. Ich bin sicher, Huawei arbeitet intensiv an Lösungen und Vereinbarungen, nur möchte man sich nicht verfrüht darüber äußern.

    Ganz nebenbei finde ich die Strategie Huaweis, sich nicht durch irgendwelche Äußerungen in die Opferrolle zu begeben, durchaus richtig.


  • Tim vor 4 Wochen Link zum Kommentar

    Sorry, aber dass Huawei untergehen könnte, ist Quatsch. Sie haben in Europa gute Einnahmen, sind davon aber bei weitem nicht abhängig. Huawei macht den Großteil seiner Gewinne in China und daran ändert auch der Handelskrieg nichts.
    Vielleicht verschwindet Huawei von europ. Markt, weil er sich durch den Handelskrieg finanziell nicht mehr lohnt, aber untergehen wird Huawei deswegen noch lange nicht.

    Dass Huawei nichts öffentlich zur Problematik gesagt hat, war auch klar. Solche Events dienen dem Marketing und entsprechend wird dort nur das positive hervorgehoben. Ich denke, die ganze Situation da ist um einiges schwieriger, als dass man einfach sagen könnte: "proaktiv zu sein ist stark, nicht schwach". So einfach ist das nicht.

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