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Kommentar 4 Min Lesezeit 25 Kommentare

Klagen gegen 5G-Auktion: Chaos mit Ansage

Nach Vodafone und Telefónica klagt nun auch die Deutsche Telekom gegen die Bedingungen für die Vergabe der 5G-Frequenzen in Deutschland. Die Auktion droht schon vor dem Start im Chaos zu versinken. Doch es muss dringend eine Lösung her, denn 5G ist zu wichtig.

"Deutschland hat die längsten Genehmigungsverfahren für Antennenstandorte in Europa, daneben gibt es zahlreiche gesetzliche, bürokratische Hindernisse sowie tatsächliche Hürden wie begrenzte Baukapazitäten und Bürgerinitiativen. [...] Die verschärften Ausbauauflagen gehen deutlich über das hinaus, was die Bundesnetzagentur zuvor selbst als zumutbar und verhältnismäßig beschrieben hat."

Dies sagt die Deutschen Telekom zu der Klage. Die Telekom, daran sei erinnert, ist nach wie vor zu zwei Dritteln in Staatsbesitz. Die Bundesnetzagentur, die die Bedingungen festlegt, ist dem Bundeswirtschaftsministerium unterstellt.

Die Netzbetreiber, die sich an der Auktion beteiligen, sollen bis Ende 2022 mindestens 98 Prozent aller Haushalte in jedem Bundesland, alle Schienenwege mit mehr als 2.000 Fahrgästen pro Tag, alle Autobahnen und wichtige Bundesstraßen mit einer mobilen Datenübertragungsrate von mindestens 100 Megabit pro Sekunde versorgen. Bis Ende 2024 sollen dann auch die übrigen Bundesstraßen mit dieser Geschwindigkeit folgen. 50 Megabit pro Sekunde sind auf allen Landes- und Staatsstraßen, Seehäfen, Wasserstraßen und den übrigen Bahnverbindungen die Vorgabe. Zudem sind 500 neue Funkstationen auf bisher nicht versorgten weißen Flecken zu bauen - pro Netzbetreiber.

Experten halten die Erfüllung dieser Vorgaben für unmöglich: Weil die meisten 5G-Frequenzen kurzwellig sind, können sie zwar mit hoher Geschwindigkeit Daten transportieren, haben aber nur eine Reichweite von wenigen Hundert Metern. Es wären also ein Vielfaches der momentan vorhandenden Antennen nötig.

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5G is here - aber nicht überall. / © AndroidPIT

Vorgaben für National Roaming sorgen für Unklarheiten

Die Telekom und Telefónica kritisieren in ihren Klagen zudem den Passus zum National Roaming, das nicht verpflichtend sein wird. Telefónica bemängelt "Unklarheiten mit Blick auf Roaming und die Vorgaben zur Zusammenarbeit mit Diensteanbietern", die Telekom befürchtet, dass so gerade die Anbieter bevorzugt würden, die nicht in den Ausbau investieren wollen. Vodafone geht nicht weiter ins Detail. United-Internet-Chef Ralph Dommermuth hatte bereits vor der Verkündung der Bedingungen für die 5G-Frequenzvergabe angemahnt, dass es ohne National Roaming unmöglich sei, ein viertes Mobilfunknetz in Deutschland aufzubauen und die Versorgung zu verbessern - die Kunden bräuchten schließlich von Anfang an überall Empfang.

Unzufrieden sind also alle namhaften Mobilfunkanbieter in Deutschland mit den Bedingungen für die Vergabe der 5G-Frequenzen. Viel Zeit für eine Klärung bleibt nicht, denn schon am 25. Januar müssen die Unternehmen entscheiden, ob sie an der Aktion teilnehmen wollen oder nicht. Aufschiebende Wirkung haben die Klagen nicht.

Bei 5G wird alles anders als bei LTE

5G ist viel mehr als nur ein neuer, schnellerer Mobilfunkstandard, der dazu führt, dass wir Fotos schneller verschicken oder Videos besser streamen können. Mit 5G werden ganz neue Anwendungen möglich, und die braucht die deutsche Industrie dringend, um ihre Spitzenposition behaupten zu können. Für Dinge wie autonomes Fahren, moderne Produktionslinien, Augmented Reality und die Vernetzung der unzähligen Gerätschaften des Internet of Things ist 5G entscheidend und nicht zu ersetzen. Indirekt werden auch die Privatnutzer schnell von 5G profitieren, denn für den neuen Standard muss auch das LTE-Netz im Hintergrund weiter ausgebaut werden. Die ersten 5G-Smartphones werden 2019 ebenfalls auf den Markt kommen.

Nun droht nicht nur eine Wiederholung des Milliardenpokers der UMTS-Auktion aus dem Jahr 2000, die noch heute als Entschuldigung für viel zu hohe Mobilfunkpreise in Deutschland genutzt wird, sondern auch noch ein juristisches Chaos. Keine guten Aussichten für 5G in Deutschland, zumal wir bei diesem Thema ohnehin schon spät dran sind, wenn man den Blick über die Grenzen wagt. Die zuständigen Akteure müssen schleunigst an einen Tisch und eine Lösung finden, denn die aktuelle Kombination aus Lustlosigkeit, regulatorischen Knüppeln zwischen den Beinen und verletzten Eitelkeiten wird zu nichts führen - und das kann sich Deutschland als Industrienation nicht leisten.

Was meint Ihr, wie wird die 5G-Versteigerung ausgehen? Und was sind die Auswirkungen des neuen Standards?

Quelle: FAZ, Welt

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Top-Kommentare der Community

  • Tim vor 1 Woche

    Auch wenn es uns Kunden vorerst wahrscheinlich nichts bringt, so finde ich doch gut, dass an diesem bescheuerten System mit den Versteigerungen endlich mal gerüttelt wird...
    Kann echt nicht sein, dass wir heute immer noch (unter anderem deswegen) für rund 10GB gern mal 50€ im Monat hinlegen sollen. Und dabei hat das 5G-Zeitalter mit fast schon lächerlich schlechten Reichweiten noch nicht mal angefangen.

    Aber vor allem in Hinblick auf unsere mobilen Begleiter ist 5G mMn ohnehin völlig sinnlos und nicht wirklich anwendbar.
    LTE hat je nach Frequenz eine Reichweite von 5 bis 10 Kilometern. 5G hingegen schafft es wie schon beschrieben nur wenige hundert Meter weit.
    Allein die Tatsache, dass Hersteller deutlich mehr Antennen in den Geräten einbauen müssen, da schon das normale Halten durch die Abschirmung der Hand(!) für einen massiven Einbruch der Verbindung sorgt, spricht doch Bände... #AntennaGate würde mit 5G quasi zum Normalzustand werden.
    Ich für meinen Teil bin jedenfalls erstmal für einen anständigen 4G-Ausbau. Wenn wir bei 95-98% Abdeckung sind, können wir ja noch mal über 5G reden, aber nicht vorher...

  • Thomas vor 1 Woche

    da unser land ja immer mehr damit beschäftigt ist sich ins finanzielle und wirtschaftliche aus zu schiessen (dgsvo,dieselfahrverbote usw.),brauchen wir uns über 5g wohl erstmal keine sorgen machen

  • Mr. Android vor 1 Woche

    Ich wäre glücklich wenn das 4G Netz auf seinen höchsten Speed und auch flächendeckend ausgebaut wird, bevor 5G überhaupt Thema ist...

    Da die Frequenz von 5G deutlich mehr Masten/Sendeabdeckung pro Quadratkilometer benötigt, wird dieses ja noch langsamer ausgebaut als 3G + 4G zusammen 🔊📲

  • 3377 vor 1 Woche

    Schon armselig wenn man sieht wie das Netz in Deutschland ausgebaut ist. Bin gerade 4 Wochen quer durch Thailand gereist und hatte selten mal schlechtes Netz. Meistens 4G+ oder nur 4G, ganz selten H+ und das tolle E hatte ich kein einziges mal in der Anzeige. Davon können wir hier nur träumen.

25 Kommentare

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  • Ach, nur weil die Industrie glaubt, dieses Netz zu brauchen .... das was die Bundesnetzagentur da so los lasst ich auch fraglich. Ich bin jedenfalls nicht Undankbar das uns dieses zukünftige "Überallantennenszenario" noch nicht umgibt.


  • War doch nichts anderes zu erwarten.🙄


  • Ich wäre glücklich wenn das 4G Netz auf seinen höchsten Speed und auch flächendeckend ausgebaut wird, bevor 5G überhaupt Thema ist...

    Da die Frequenz von 5G deutlich mehr Masten/Sendeabdeckung pro Quadratkilometer benötigt, wird dieses ja noch langsamer ausgebaut als 3G + 4G zusammen 🔊📲


    • 4G wird mit Sicherheit nicht weiter ausgebaut, wenn 5G gestartet wird. Auch das 2G-Netz wurde nie vollendet, das 3G Netz ebensowenig.


    • Das wären wir alle. Aber wir Endverbraucher sind hier nicht die vorrangige Zielgruppe (wir sollen es nur mitbezahlen). Die eigentlichen Interessenten für 5G kommen aus der Industrie. Daher würde es mich nicht überraschen, wenn der Ausbau – sobald er denn beginnt – sogar schneller und flächendeckender würde als frühere Standards. Denn wenn die (Automobil-)Industrie was will, dann bekommt sie das auch, egal was es kostet.

      NilsD


  • Ein LTE Netz wie in Dänemark würde mir persönlich reichen. Super Netz dort.


  • Das ist eben das Problem wenn der Staat mitverdienen will, und die TK-Unternehmen nur dort investieren wollen wo es sich für sie lohnt.


    • Frequenzversteigerungen sind auch in anderen Ländern Usus und trotzdem sind die Preise für Endverbraucher moderater. Und eben weil die Mobilfunkanbieter ihr Netz so schlecht ausgebaut haben, sind Regeln erforderlich. In anderen Ländern mag es ohne diese Regeln funktionieren, hier aber offensichtlich nicht.
      Ein Blick in die Geschäftsberichte der Anbieter genügt, um festzustellen, dass es denen sehr gut geht und auf hohem Niveau gejammert wird.


    • Wie oben gesagt: die Telekom ist noch zu 2/3 im Staatsbesitz und somit bietet der Staat bei der Versteigerung zu einem nicht unerheblichen Teil mit sich selbst gegen die Privatwirtschaft.


      • Und da dies ein Fall von Linke-Tasche-Rechte-Tasche ist, müssten die Preise für dem Endverbraucher schon heute moderater sein. Aber der deutsche Michel durfte ja noch den Verlust des magentafarbenen Riesen ausgleichen, den er in den USA eingefahren hat.


  • Ich wage mal einen Blick aus anderer Perspektive:
    Wenn 2 (von 3) Mobilfunkanbietern sich zur Wehr setzen, ist das verständlich. Wenn aber auch der dritte klagt, wird eigentlich nur deutlich, dass mit 4G noch viel Geld zu holen ist und man eigentlich auf die künftigen Einnahmen durch 5G gar nicht angewiesen ist. Man verzögert so einfach die Einführung eines neuen Standards. Damit ist bewiesen, dass die 3 großen Anbieter in Deutschland viel zu viel Macht haben. Ich erwarte daher künftig wachsweiche Regularien, sinkende zu erwartende Einnahmen durch die Frequenzversteigerung und Ausnehmen des Kunden wie eine Weihnachtsgans (wie heute schon).


  • Schon armselig wenn man sieht wie das Netz in Deutschland ausgebaut ist. Bin gerade 4 Wochen quer durch Thailand gereist und hatte selten mal schlechtes Netz. Meistens 4G+ oder nur 4G, ganz selten H+ und das tolle E hatte ich kein einziges mal in der Anzeige. Davon können wir hier nur träumen.


  • Eigentlich geht es nur um die Zukunft das wirklich alles vernetzt ist um die gewaltigen Datenströme noch meistern zu können, was lte nicht schaffen kann.

    Ich will die totale Digitalisierung eigentlich garnicht.


  • 5G = "Privatkunden-Molkerei"


  • Für Smartphone reicht LTE und wenn das selbsfahrende Auto von 5G abhängig sein sollte dann bleibe ich doch lieber bei meinem alten Diesel.


  • Alle Netzbetreiber werden teilnehmen auch wenn es weiterhin Rechtsunsicherheit gibt. Die drei werden sich ihre Frequenzen sichern und erstmal abwarten. Das wird den Ausbau hinauszögern. Die Auflagen werden sicher den Preis nach unten drücken


  • Auch wenn es uns Kunden vorerst wahrscheinlich nichts bringt, so finde ich doch gut, dass an diesem bescheuerten System mit den Versteigerungen endlich mal gerüttelt wird...
    Kann echt nicht sein, dass wir heute immer noch (unter anderem deswegen) für rund 10GB gern mal 50€ im Monat hinlegen sollen. Und dabei hat das 5G-Zeitalter mit fast schon lächerlich schlechten Reichweiten noch nicht mal angefangen.

    Aber vor allem in Hinblick auf unsere mobilen Begleiter ist 5G mMn ohnehin völlig sinnlos und nicht wirklich anwendbar.
    LTE hat je nach Frequenz eine Reichweite von 5 bis 10 Kilometern. 5G hingegen schafft es wie schon beschrieben nur wenige hundert Meter weit.
    Allein die Tatsache, dass Hersteller deutlich mehr Antennen in den Geräten einbauen müssen, da schon das normale Halten durch die Abschirmung der Hand(!) für einen massiven Einbruch der Verbindung sorgt, spricht doch Bände... #AntennaGate würde mit 5G quasi zum Normalzustand werden.
    Ich für meinen Teil bin jedenfalls erstmal für einen anständigen 4G-Ausbau. Wenn wir bei 95-98% Abdeckung sind, können wir ja noch mal über 5G reden, aber nicht vorher...

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