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Ist Europa bereit, sich der "China-Herausforderung" zu stellen?
Hardware 4 Min Lesezeit 21 Kommentare

Ist Europa bereit, sich der "China-Herausforderung" zu stellen?

Man könnte denken, dass das Interesse der Medien an China neu ist. Dass es vielleicht einfach ein Echo auf die Aussagen eines amerikanischen Präsidenten ist, der sich Sorgen um den Aufstieg eines Konkurrenten macht. Der Aufstieg Chinas ist nicht aufzuhalten, aber die Europäische Union hat sich bislang nicht wirklich die Zeit genommen, sich auf die Herausforderung dieses riesigen Marktes vorzubereiten.

Als er 1989 China besuchte, sagte Gorbatschow, dass "die Chinesische Mauer sehr schön ist, aber dass es schon zu viele Mauern gibt, die die Menschen entzweit". Er wäre überrascht, zu sehen, wie sehr sich die Welt mittlerweile verändert hat. Immerhin will auf der anderen Seite des Atlantiks gerade ein Präsident eine neue Mauer hochziehen. Aber dank des Internets kann immerhin selbst so etwas die Menschen nicht mehr so leicht voneinander trennen.

China ist ein gutes Beispiel für das Verschwinden räumlicher Barrieren oder auch überwinden großer Entfernungen: Das Land ist zwar sehr weit von uns entfernt, aber mittlerweile für viele trotzdem nicht aus dem Alltag wegzudenken, insbesondere dank Smartphones. Und das nicht nur wegen Herstellern wie Huawei oder Xiaomi, sondern auch wegen der Fertigung in China.

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Nicht alle Smartphones werden in China hergestellt, aber eine sehr große Mehrheit / © crystal51

China ist es gelungen, zu einer Supermacht zu werden, zu einem Wirtschaftsakteur, der teils so wankelmütig ist, dass es alle anderen großen Wirtschaftsakteure der Welt erschreckt. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat Alarm geschlagen, denn dem Verband zufolge ist der Aufstieg Chinas nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa ein Problem. Das Problem ist vielschichtig, denn es ist nicht nur der Markteinfluss, der Europa bedroht.

Auch die Vorgehensweisen in China sind infrage zu stellen, denn die enge Verbindung zwischen dem Staat und chinesischen Unternehmen verleiht der Wirtschaft eine politische Dimension. Das zeigte nicht zuletzt die Verhaftung der CFO von Huawei, die zu einer Art wirtschaftlichen und politischen Erpressung geführt hatte. Und es gibt Noch ein weiteres wichtiges Element: das Gefühl des Verrats.

Als China 2001 in die WTO aufgenommen wurde, dachten die Vereinten Nationen naiv, dass sich China an die westliche Vorgehensweise anpassen würde. In der Praxis ist die chinesische Wirtschaft nach wie vor stark zentralisiert und der Staat zieht viele Fäden. Mit anderen Worten: Staatskapitalismus. Das sorgt für ein ungleiches Machtverhältnis zwischen den Ländern, insbesondere jetzt, wo die Technologie dank der Fortschritte in der künstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens leistungsfähiger denn je ist.

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Europa muss sich selbst die Mittel an die Hand geben, um wettbewerbsfähig zu bleiben. / © Metro

Neben der Warnung vor der Bedrohung, die China für den deutschen und europäischen Markt darstellt, hebt die IDB auch ein weiteres großes Problem hervor: Die Folgen, welche die Reaktionen einzelner Länder auf die internationale Bühne haben können. Auf der einen Seite kann China theoretisch leicht Verbündete finden, insbesondere in anderen BRICS-Ländern wie Russland oder Indien. Andererseits haben die Vereinigten Staaten bereits einen Überblick darüber gegeben, wie die aktuelle Situation zu Konflikten führen kann: Politische Maßnahmen und verstärkter Protektionismus sind die Folgen.

Europa muss reagieren

Deshalb muss Europa in der Lage sein, in jeder Situation einen kühlen Kopf zu behalten. Der BDI hat bereits einige Vorschläge gemacht, die wahrscheinlich nicht alle in der Form umgesetzt werden (können), aber der erste Schritt zu einer europäischen Strategie ist getan. Das hätte meiner Meinung nach aber schon vor langer Zeit geschehen müssen, bevor man sich z.B. stark dem amerikanischen Markt unterworfen hat. Allerdings wurden auch schon mehrere Maßnahmen ergriffen, um gegen die "US-Denkweisen" vorzugehen, die den europäischen Grundsätzen zuwiderlaufen. In diesem Zusammenhang ist auch die DSGVO entstanden.

Interessant ist hierbei, dass die DSGVO ursprünglich geschaffen wurde, um die Daten-Sammelwut amerikanischer Großkonzerne zu beschränken, die vielfach mit privaten Daten hantierten, die ohne unser Wissen gesammelt wurden.

Der Verdacht der Spionage gegen Huawei hingegen ist nicht bewiesen oder zumindest die Ergebnisse von möglichen Untersuchungen nicht veröffentlicht worden. Der Grundgedanke klingt mit Hinsicht auf die Verknüpfung zwischen Staat und Wirtschaft in China plausibel, aber ohne Beweis bleibt es eine Hypothese.

Europa muss jetzt aufwachen und an Alternativen arbeiten. Das kürzlich eingeräumte Budget für die KI-Forschung ist ein guter Anfang, aber es bleibt noch viel zu tun, wenn Europa wettbewerbsfähig bleiben will.

Quelle: Les Echos

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21 Kommentare

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  • Michail Gorbatschow „wäre überrascht, zu sehen, wie sehr sich die Welt mittlerweile verändert hat“.

    Also meiner Meinung nach lebt er noch, aber wenn das jemand anders sieht, bitte sehr. ;-)


  • Europa kann sowieso NICHT mithalten. Weder mit China, noch der arabischen Welt und nicht mal mit den USA. Der globale Wettbewerb wird die verwöhnten Deutschen noch mächtig durchschütteln, die sich mit Schönwetter-Projekten wie u.a. Kohleausstieg oder Feinstaub als Moral-Weltmeister aufspielen, aber währenddessen die Innovation in Richtung AI oder Elektro-Auto verpennen...


  • Eine typisch französische Sichtweise: Nationale äää Europäische Champions mit Staatssubventionen gepäppelt mit einem Management, was sich von der Uni her mit den Leuten im Staatsapparat kennt... Wir in Deutschland haben das Modell des Mittelstandes - man kann sehen, was erfolgreicher ist. (Selbst UK hatte zu Beginn der Thatcher Zeit noch mehr Industrie als Frankreich heute - an deren Ende sowieso) Auch verstehen die Franzosen mit ihrem zu tiefst elitären Denken die "Staats"wirtschaft in Asien nicht.

    Was könnte man also hier tun? Geld auf das Problem werfen wird nicht funktionieren. Wie wäre es, junge Menschen für MINT Fächer zu begeistern? Um vorn mitzuspielen brauchen wir Fachwissen und den Willen daraus auch Profit zu schlagen um z.B. nicht bei Siemens oder Bayer in der Hierarchie zu versauern sondern ein Startup zu gründen. Junge Menschen sind knapp in Europa - und jeder der sich von linken Leerern dazu zu einem Blabla Studium oder "irgendwas mit Medien" (... die "Sache" zu verbreiten - denn das ist es) ist verloren.


    • Das "französische Modell" ist am Scheitern. Mehrfach hat Deutschland Frankreich quasi den Vortritt gelassen, da seine Industrie nicht leistungsfähig genug ist.


  • Europa ist doch nicht mal imstande, sich Europa zu nennen. Europa ist eher eine Zweigstelle der USA ohne jegliche Befugnisse.


  • Alle reden über Huawei und China. Dabei lauscht die NSA überall mit siehe Abhörskandal Merkel und nun kommt auch noch ein Amerikanischer Telefonanbieter nach Deutschland.(1&1) Ob da Herr Trump wohl nur seine eigenen Interessen vertritt um mehr Hardware zu verkaufen. Die wollen hier Ihr eigenes Netz Aufbauen. Mich k.... rs einfach nur an.


    • Wir reden hier über Huawei und China weil es um Huawei und China geht. Über die NSA wurde schon viel geredet und wir kennen die Sachlage gut. Huawei und China ist eine neue Herausforderung, daher reden wir über Huawei und China.


    • 1&1 bzw. deren Mutter United Internet ist ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Monabaur. Deren Marktauftritt ist unter anderem GMX, Web.de und eben 1&1. Die Eigentümerstruktur sind die Gründer und ein großer Streubesitz. Glaube nicht, daß Donald einen großen Anteil daran hat :-)


    • Die USA hat auch die entsprechenden Befugnisse. Das ist Grundwissen in VT ... ;-)


  • Wäre Internet zu DDR Zeiten schön möglich gewesen hätten wir im Osten neben der Mauer auch nur E gehabt um nur schwer mit dem Westen zu kommunizieren, wenn überhaupt.


    • Das wäre spannend geworden - was wir als Internet in der Zone bekommen hätten - einen Browser für den KC85 :-) und dann so ein abgespecktes Netz an der Uni oder im Pionierhaus. Wahrscheinlich wäre es so wie heute auf Cuba. Zum Glück sind die Heinies erst einmal weg. (und darum ärgert mich die Verherrlichung der Kommunisten um so mehr - wie z.B. hier in Berlin)


  • H G vor 3 Monaten Link zum Kommentar

    China agiert.
    Europa reagiert.
    Das sagt alles!


    • Europa hat zuvor agiert, indem es China zu seiner billigen Werkbank machen wollte. Das hat eine Weile funktioniert, tut es teilweise immer noch aber nichts ist für immer. China hat sich zum Akteur entwickelt und das wurde eben zu lange hingenommen und verschlafen.


      • Was hätten sie tun sollen? Einer meiner Vorfahren machte in den 20ern (also vor fast 100 Jahren) eine Ausbildung zum Feinmechaniker in Dresden. Dort an der Berufsschule lernten sie: die Chinesen kommen zur Leipziger Messe, kaufen eine Maschine - nehmen sie auseinander und bauen sie nach. Daran hat sich nichts geändert. Der Gerechtigkeit halber: noch einmal fast 100 Jahre vorher haben wir das gleiche mit englischen Lokomotiven gemacht (Schuberts Saxonia- auch in Dresden im Verkehrsmuseum zu bewundern :-) )

        Was ein Land nach vorn bringt ist Unternehmertum mit einer starken technisch, wissenschaftlichen Basis. Soziale Besitzstände, große "VEB-Kombinate" mit alles zerreibenden Hierarchien und Blabla- "Wissen"schaften erreichen das Gegenteil.


      • Die Chinesen haben einen Weg gefunden, der sie den westlichen Industriestaaten überlegen macht, nämlich die Kombination aus Parteidiktatur und Marktwirtschaft. Sie haben viel kürzere und rigorosere Entscheidungsprozesse und es gibt im Land kaum Widerstände. Die Maschinen mussten sie nicht in Leipzig kaufen, man hat sie ihnen bereitwillig gebracht und wundert sich nun über die Kopien. Aber über die Kopien sind sie lange hinaus. Sie eignen sich weltweit die Ressourcen an und haben schon eine ganze Reihe von Regierungen an der finanziellen Leine. Ich empfehle diese Sendung: Die Neue Seidenstraße bei ZDF Mediathek.
        Was da berichtet wird ist meiner Meinung nach nur der Anfang.


    • Aries vor 3 Monaten Link zum Kommentar

      Du bist auch Europa. Agierst Du?


      • Ich bin weder Politiker noch Wirtschaftskapitän. Welche Idee hättest du, in diesem Maßstab zu agieren? Aber ich habe nicht mehr allzu viele Jahre im Arbeitsprozess vor mir, und wenn die letzten paar davon mein Boss aus China kommt überlebe ich das gewiss auch. Und weißt du was? Die Bosse in Europa und der Welt, welche von den Chinesen ausgetauscht werden überleben das ebenfalls, sogar noch viel besser. Und unsere Politiker? Die tanzen jetzt nach der Pfeife deutscher, amerikanischer und europäischer Konzerne, sie werden das auch der der Pfeife chinesischer Bosse tun. Hätte man damals den dreißigjährigen Krieg oder die Völkerwanderung angekündigt, sie hätten ohnehin stattgefunden. Die Weltkriege hat man angekündigt und niemand hat sie verhindert. Nichts ist für ewig, Freunde aber es ist interessant zu beobachten.


    • @HG

      ...... völlig richtig.....🙈


    • Ist schon korrekt. Nur ich würde es etwas genauer beschreiben - in China agiert die Regierung. Die Europäische Regierung reagiert eher. Aber die europäische Bevölkerung agiert.

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