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Schöne Unschärfe für Portraits: So funktionieren Bokeh-Effekte im Smartphone

Jahrzehnte lang galt: Stimmungsvolle Portraits mit schönem Bokeh bekommt man nur mit großem Bildsensor und Objektiven mit großen Brennweiten hin. In den vergangenen Jahren haben Smartphones gelernt, per Software eine Hintergrundunschärfe zu erzeugen. Wir erklären Euch, was Bokeh ist, wie Smartphones den Effekt nachmachen und was es hier für unterschiedliche Ansätze gibt.

iphone x pixel 2 bokeh2
Ein unscharfer Hintergrund lenkt den Blick des Betrachters auf das abgebildete Subjekt. Diese Unschärfe nennt man Bokeh nach dem japanischen Wort für „verschwommen“. Häufig heißt der Bokeh-Modus auch Portrait-Modus, da er sich besonders für Porträt-Fotos eignet. / © AndroidPIT

Von Schärfe und Unschärfe in Kameras

Zunächst möchte ich das Konzept von Schärfe und Unschärfe erklären – und dafür ein Objektiv ganz vereinfacht als eine einzelne Linse betrachten. Je größer der Durchmesser dieser Linse ist, desto schneller driften die Lichtstrahlen im Strahlengang der nachfolgenden Grafik auseinander. Gegenstände außerhalb des Fokus werden dann nicht mehr punktförmig, sondern mit zunehmendem Linsendurchmesser als immer größere Kreise abgebildet. Sobald einer dieser Kreise auf dem Sensor größer ist als ein einzelner Pixel, ist der jeweilige Bildteil nicht mehr scharf.

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Hier haben wir der Einfachheit halber eine unendliche Motiventfernung angenommen, daher sind die ankommenden Lichtstrahlen parallel. Je größer das Objektiv ist, desto geringer ist die Toleranz, bis die Größe der Pixel (3) überschritten ist. Bei einem kleinen Objektiv (2) verlaufen die Lichtstrahlen von einem bestimmten Punkt paralleler als bei einem großen Objektiv (1). / © AndroidPIT

Neben dem Durchmesser der Linse spielt auch die Brennweite der Optik eine Rolle. Je höher die Brennweite, desto selektiver ist die Schärfe. Was Ihr bei Smartphones als beispielsweise 24 oder 26 Millimeter aus dem Datenblatt kennt, ist nicht die echte Brennweite der Objektive. Angegeben wird hier die sogenannte (Kleinbild-)Äquivalent-Brennweite. Diese beschreibt jene Brennweite, die ein Objektiv an einer Kamera mit 36 x 24-Millimeter-Kleinbild-Sensor haben müsste, um den gleichen Bildwinkel zu haben wie die Objektiv-Sensor-Kombination des Smartphones. Die realen Brennweiten der Weitwinkelobjektive von Smartphones liegen eher im Bereich von 4,0 bis 4,5 Millimetern. 

Angesichts der Mini-Linsen und winzigen Brennweiten wird klar: Bei Smartphones ist die Schärfentiefe immer riesig. Da hilft es auch nicht, dass Smartphones mit ihren winzigen Pixeln kleinere Zerstreuungskreise haben als Spiegelreflexkameras. Einen Einflussfaktor auf die Schärfentiefe habe ich hier bewusst außen vor gelassen: die Entfernung zum Motiv – je geringer diese ist, desto selektiver ist die Schärfentiefe. Den Effekt werden die meisten von Euch schon bei Makrofotos mit dem Smartphone beobachtet haben.

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Das iPhone X und das Pixel 2 nutzen jeweils unterschiedliche Ansätze, um Bokeh-Effekte zu erzeugen. / © AndroidPIT

Viel CPU statt großem Objektiv

Was Smartphones allerdings bieten, ist jede Menge Rechenpower und/oder andere physikalische Möglichkeiten, um die Effekte per Bildbearbeitung nachzuahmen. Grundsätzlich funktioniert das immer so, dass die Kamera Vorder- und Hintergrund voneinander unterscheidet und dann gezielt den Hintergrund weichzeichnet. Je sauberer dabei Motiv und Hintergrund voneinander getrennt sind, desto überzeugender der Effekt.

Typische Schwachstellen sind dabei Feinheiten wie beispielsweise abstehende Haare, die zusammen mit dem Hintergrund weichgezeichnet werden. Und auch Glas stellt die Bokeh-Funktionen immer vor Probleme: In den meisten Fällen werden Brillengläser von portraitierten Personen dem Vordergrund zugerechnet, der durch die Brille sichtbare Hintergrund jedoch dann nicht weichgezeichnet, wie es bei einem optischen Bokeh-Effekt der Fall wäre.

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Brillengläser oder feine Details stellen Bokeh-Modi oft vor eine unlösbare Aufgabe. / © AndroidPIT

Ganz neu sind diese Smartphone-Experimente mit Tiefenunschärfe nicht. Bereits das HTC One (M8) oder auch diverse Nokia-Geräte mit Windows Phone (Ruhe in Frieden) brachten Bokeh-Effekte auf die Bilder. Allerdings waren weder die Bildqualität noch die Verarbeitungsgeschwindigkeit gut genug, sodass der endgültige Durchbruch erst in den vergangenen zwei Jahren gelang. 

Wie heute auch fanden beim angesprochenen HTC One (M8) und bei den Nokia-Geräten unterschiedliche Ansätze Verwendung, die wir beide auch heute noch in ganz ähnlicher Form in aktuellen Smartphones finden. Auf die Unterschiede und deren Vor- und Nachteile möchten wir im nachfolgenden eingehen. Abgesehen von Sony, LG und – One (M8) außen vor – HTC gibt es von allen großen Herstellern inzwischen Devices mit Bokeh-Funktion. 

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Fünf der sieben hier abgebildeten Smartphones bieten einen Bokeh-Effekt. / © AndroidPIT

Doppel-Kamera für Bokeh-Effekte

Wie der Dual-Kamera-Pionier HTC One (M8) setzen auch heute viele Smartphones auf eine Doppel-Kamera, um eine Tiefenkarte der abfotografierten Szene zu errechnen. Analog zum Gehirn und den beiden Augen nutzt das Handy hier den Versatz der beiden Objektive. Auf die so als Hintergrund identifizierten Bildteile wendet die Software einen Weichzeichner an.

Gleiche Brennweiten

Die Dual-Kameras von Huawei, Honor, Nokia und Motorola setzen auf jeweils gleiche Brennweiten bei beiden Sensoren. So steht die Bokeh-Funktion für Weitwinkel-Fotos zur Verfügung. Bei den günstigeren Doppel-Kamera-Modellen, etwa dem Honor 7x, löst die Zweitkamera lediglich 2 Megapixel auf. Ihr einziger Zweck ist also die Erzeugung einer Tiefenkarte.

Die Flaggschiffe dagegen finden noch einen weiteren Einsatzzweck für die Kamera: Beim Huawei Mate 10 Pro etwa schießt der zweite Sensor hochauflösende Schwarzweißfotos, um die RGB-Aufnahmen der Hauptkamera mit zusätzlichen Helligkeitsinformationen zu unterfüttern. Das soll insbesondere beim Einsatz des digitalen Zooms die Bildqualität verbessern. Beim OnePlus 5T dagegen soll die Zweitkamera bei Nachtaufnahmen unterstützen.

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Im Oneplus 5T und im Huawei Mate 10 Pro stecken jeweils zwei Kameras mit gleicher Brennweite, dafür aber unterschiedlichen Sensoren. / © AndroidPIT

Unterschiedliche Brennweiten

Andere Modelle, darunter das Asus Zenfone 4, die iPhones oder das OnePlus 5 setzen auf unterschiedliche Brennweiten bei den beiden Optiken. Im Weitwinkel steht dann keine Bokeh-Funktion bereit, da das Telemodul nicht für das gesamte Bild eine zweite Sicht für die Generierung der Tiefenkarte ermöglicht. Andersherum funktioniert es aber: Ein Bildausschnitt aus der Weitwinkel-Kamera hilft beim Tele-Foto, die Tiefenkarte zu generieren. 

Diese Einschränkung dürfte in der Praxis nicht tragisch sein. Für Porträt-Fotos liefern die höheren Brennweiten des Tele-Moduls nämlich ohnehin schönere Ergebnisse. Ein Sonderfall ist hier noch das Galaxy Note 8: Der Weitwinkel-Sensor bietet nämlich einen Dual-Pixel-Autofokus, der – zumindest in der Theorie – auch Bokeh-Effekte ohne Zweit-Kamera ermöglicht. Aber dazu kommen wir gleich noch im Detail.

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Das Samsung Galaxy Note 8 und das iPhone 8 Plus haben jeweils eine Dual-Kamera mit unterschiedlichen Brennweiten. / © AndroidPIT

Sonderfälle

Vereinzelt finden sich auch Experimente mit aufwändigeren Kamera-Systemen, bei denen nicht aus dem Versatz der beiden Objektive eine Tiefenkarte ermittelt wird. Die Front-Kamera des iPhone X beispielsweise projiziert ein Infrarot-Punktmuster auf die Umgebung und kann so nicht nur das Gesicht des Nutzers erkennen, sondern diesen auch sauber von der Umgebung freistellen. Huawei arbeitet an einem ganz ähnlichen System. 

Einen Schritt weiter gehen noch das Asus Zenfone AR oder das Lenovo Phab 2 Pro, die jeweils eine Time-of-Flight-Kamera unterhalb der Hauptkamera integriert haben. Hierbei scannen sie mit einem Infrarotlaser den Raum ab, was noch einmal eine erhöhte Reichweite bringt. Diese von Google unter Project Tango vorangetriebene Technologie hat sich bislang jedoch noch nicht etablieren können. Wir haben bereits an anderer Stelle ausführlich über ToF-Kameras und Project Tango berichtet.

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Die Time-of-Flight-Kamera im Phab2 Pro ermöglicht spektakuläre AR-Effekte. Inzwischen klappt das jedoch auch mit konventionellen Smartphone-Kameras in Zusammenarbeit mit den weiteren Sensoren ganz gut. / © AndroidPIT

Bokeh-Effekte mit nur einem Objektiv

Den Effekt kennt Ihr bestimmt: Haltet Ihr Euch ein Auge zu, funktioniert Eure Tiefenwahrnehmung nur noch eingeschränkt. Wie schaffen es also Smartphones, mit nur einer Linse Vorder- und Hintergrund voneinander zu unterscheiden? 

Für die zuvor erwähnten Windows Phones gab es damals eine App namens Refocus. Hier schossen die Handys einfach Fotos mit unterschiedlichen Fokuspunkten, und mit einem Fingertipp konnte der Nutzer dann auswählen, welche Bereiche scharf sein sollen. Das hat zwar ganz gut funktioniert, war aber sehr langsam und damit nur eingeschränkt praxistauglich. Heutzutage sind sowohl Hard- als auch Software weiter – und daher klappt’s auch ganz ohne Fokus-Reihen.

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Dual-Pixel-Autofokus sei Dank: Das Goole Pixel 2 braucht für Bokeh-Effekte nur einen Bildsensor. / © AndroidPIT

Das Google Pixel 2 bietet einen Bokeh-Effekt mit einer einzelnen Linse. Hier hilft ein Feature des Bildsensors IMX362, nämlich der Dual-Pixel-Autofokus. Hier ist jeder einzelne Bildpunkt auf dem Sensor in zwei Hälften unterteilt. Wie bei den Dual-Kameras ist es so möglich, zwei leicht versetzte Bilder zu generieren. Die technische Umsetzung ist allerdings komplexer als bei zwei einzelnen Sensoren, da der Versatz nicht im Zentimeter-Bereich liegt, sondern dem halben Objektivdurchmesser entspricht. Die aktuelle Pixel-Generation kombiniert hier eine ganze Serie von Fotos für die Tiefenkarte und setzt zusätzlich auf AI-gestützte Bildanalyse.

Samsung setzt beispielsweise im Galaxy S8 und S8+ ebenfalls einen Bildsensor mit Dual-Pixel-Autofokus ein (den Sony IMX333), verzichtet aber bislang auf eine echte Bokeh-Funktion. Selective Focus funktioniert nur bei Makro-Aufnahmen und ohne Einfluss seitens des Nutzers. Mit dem anstehenden Oreo-Update soll das Samsung-Duo jedoch einen echten Bokeh-Modus erhalten. Bei anderen mit Dual-Pixel-Autofokus ausgestatteten Smartphones wie dem HTC U11 oder dem Moto G5 Plus gibt es bislang gar keine Bokeh-Funktion. Diese ließe sich aber eben per Software-Update noch nachrüsten.

Und Ihr so?

Es gibt also eine ganze Reihe verschiedener Möglichkeiten, auch mit den kleinen Bildsensoren und Mini-Objektiven von Smartphone-Kameras Aufnahmen mit stimmungsvoller Hintergrundunschärfe zu knipsen. Welchen Ansatz wünscht Ihr Euch denn für Euer nächstes Smartphone? Lasst uns in den Kommentaren über die Vor- und Nachteile diskutieren!

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24 Kommentare

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  • Es hat sich was getan. Die Softwarelösungen arbeiten deutlich besser und und bei klaren Freistellungen sind die Ergebnisse bei Betrachtung über das Display mehr als brauchbar.
    Aber man darf sich nichts vormachen, das Bokeh, das über die Optik erzeugt wird hat ein ganz anderes Kaliber. Scharfes Auge mit sanft abnehmenernder Schärfe zum Ohr hin. Dazu eine Auflösung bei der man die feinen Härchen auf der Wange sieht...
    Ist das Objekt nicht sauber vom Hintergrund getrennt, bspw. sitzende Person auf dem Boden ist ein Arm der nach vorn gestreckt ist, dann ist die Software chancenlos.

    Aber es gibt Momente da muss sich auch eine Vollformat DSLR geschlagen geben. Eines
    meines besten Fotos dieses Jahr ist mir mit einer Boxkamera aus den 1930ern gelungen. Hat einen 10er in der Bucht gekostet und wird mit 120er Rollfilm gefüttert... die "Sensorgröße" beträgt dann 6x9cm ;-) also 4,25" in der Diagonalen...

    Tim


    • Tim vor 1 Woche Link zum Kommentar

      Eine Vollformat-Kamera hat da keine Chance, ja, aber es gibt ja auch noch Mittelformat... :D Kann sich nur kein Normalsterblicher leisten :D


  • hä? Klar gibt es das auch bei Sony. Schon seit Jahren. Wurde schon im Xperia Z eingeführt.


  • C. F.
    • Blogger
    vor 1 Woche Link zum Kommentar

    Gibt's bei Sony als App und heißt "Hintergrund-Unschärfe". Funktioniert bestens.


  • Nach langer Zeit Mal wieder ein Artikel, den ich gerne gelesen habe. Danke!


  • Huawei bekommt das mit dem Bokeh recht gut hin für eine Softwarelösung.
    Hab aber eine ganz andere Idee wie man eine Dualkamera sinnvoll verwenden kann
    Eine Linse sollte hochauflösend, mindestens 20 MP haben und nur für Tageslichtaufnahmen verwendet werden. Die zweite Linse, weniger MP, eventuell sogar nur 8MP und einen großen Sensor und eine extrem offene Blende. Wenn möglich sogar unter f1.0 Und natürlich beide Linsen mit einem OIS ausgestattet. So könnte man aus Tages und Nachtaufnahmen unabhängig voneinander das Beste herausholen ohne das sich die jeweiligen Nachteile der spezifischen Eigenschaften des Sensors im Weg sind.
    Schön wäre auch wenn man mal die Blende individuell einstellen könnte.


    • Tim vor 1 Woche Link zum Kommentar

      Es ist jetzt erst Samsung gelungen die Blende auf F1.5 zu drehen, bis man bei unter 1.0 ist, dauert es noch eine Weile, wenn es denn überhaupt möglich ist.
      die größte mir bekannte Blende liegt aktuell bei F0.95 und das ist echter Overkill

      Aber mit so einer Lösung hätte man genau das gleiche Problem, welches ich beim Note8 ständig feststelle und das mich fast zur weißglut bringt: Ab welchen Lichtbedingungen soll welcher Sensor verwendet werden?
      Ist die Software bspw. nicht gut genur kalibriert kann es sein, dass du schon bei noch recht guten Lichtbedingungen nur noch mit dem 8MP-Sensor-Bilder machst und dann kannst du selbst das geringste Reinzoomen eigentlich vergessen.
      Das Problem ist halt, dass zwischen "guten" und "schlechten" Lichtbedingungen ein durchgehender Übergang ist. Da gibt es keinen radikalen Cut... Und Kunstlicht machen es für so eine Software noch schwieriger.

      Eine verstellbare Blende wäre denke ich auch unmöglich in einem Smartphone. Samsung hat zwar angeblich bei diesem neuen Klapp-Handy sowas eingebaut, aber ich glaube da irgendwie nicht wirklich dran bzw. denke eher, dass das nur eine Software ist, die eine Blende zwischen "F1.5 und F2.4" (so heißt es) simuliert...


      • Es ist schwierig und auf jeden Fall immer irgendwo ein Kompromiss. Bei meiner Idee würde ich aber den Hauptsensor trotzdem für fast alles einsatzfähig machen. Von Tageslicht bis hin zur Dämmerung. Erst bei Nachtaufnahmen soll der zweite Sensor seine Leistung ausspielen. Müssen auch nicht nur 8 Mp sein, auch 12 MP denke ich würden passen. Natürlich ist die Software hier auch ausschlaggebend.


      • Zeiss hat mal zehn F0,7-Objektive gebaut. IIRC haben die sich die NASA für eine Mondmission und Stanley Kubrick für einen Film mit Kerzenlicht-Beleuchtung geteilt ;-)

        Zum W2018 von Samsung: Hier hab ich ein Video gesehen, dass sich tatsächlich im Objektiv etwas bewegt. Ob das nun wirklich eine Iris ist, war leider nicht zu erkennen. Nachdem es aber neben F1.5 nur eine weitere Lichtstärke gibt, tippe ich eher auf eine Art bewegliche Plastikschablone, die die Eintrittspupille (da war's wieder :D) verkleinert.


      • @Peter:
        Eigentlich gibt es schon eine Lösung für dieses Problem und die heisst Pixelbinning. Sie wird auch von verschiedenen Herstellern eingesetzt, ist aber irgendwie nicht so bekannt.
        Dabei werden unter Low-Light-Bedingungen die Signale mehrere benachbarter Pixel zusammengefasst, wobei sich das Nutzsignal der zusammengefassten Pixel aufaddiert, das unkorrelierte Rauschen auch, aber weniger stark, gerade so, als wäre das Signal das eines größeren Einzelpixels.
        Fasst man also jeweils 3 benachbarte Pixel eines 24 Megapixel Sensors zusammen, so entspricht das Ergebnis in etwa einem 8 Megapixel Sensor mit dreimal so großen Pixeln.
        Da Low-Light nicht so eindeutig ist, wäre bei Zwischenlicht auch denkbar, nur zwei Pixel zu 12 Megapixel mit doppelter Fläche zusammen zu fassen. Und das Pixelbinning kann auch in der Bildbearbeitung in Software geschehen.

        https://de.m.wikipedia.org/wiki/Binning

        http://elektroniktutor.de/elektrophysik/rauschen.html

        http://www.sengpielaudio.com/Rechner-kohquellen.htm

        Quelle: Wikipedia, elektroniktutor.de, sengpielaudio.com


      • Tim vor 1 Woche Link zum Kommentar

        @Peter
        Ja das ist aber eben der Punkt... Ab wann sind Aufnahmen denn "Nacht"? Wenn es so wenig Licht gibt, dass auch ein solcher Sensor nichts bringt, dann macht es wenig Sinn... Und gerade wenn dein 20MP-Sensor für Tag-Aufnahmen gedacht sein soll, kannst du ihn schon bei Dämmerung vergessen und dort den passenden Übergang zu finden ist unglaublich schwer bis unmöglich...

        @Michael K.
        OnePlus nutzt genau diese Technik beim 5T. Das funktioniert nur schlecht bis gar nicht... die nutzen einen 20MP Sensor mit 1,0µm und F1.7 Blende. Bei schwachem Licht werden vier Pixel zu einem großen kombiniert. Du erhältst also in der Theorie 5MP mit 2,0µm und F/1.7... damit würde es ein S8 locker in die Tasche stecken, tut es aber nicht... die Ergebnisse sind nur minimal bis überhaupt nicht besser...

        @Stefan
        Interessant, von den Objektiven wusste ich nichts. Aber zehn Stück... wie gesagt: Overkill :D

        Habe mir auch gerade ein Video zum W2018 angesehen... da scheint sich tatsächlich die(se blöde :D) Eintrittspupile zu vergrößern bzw. zu verkleinern... Wäre wirklich mal interessant zu wissen, wie das funktioniert und ehrlich gesagt auch wozu es in einem Smartphone gut sein soll.


      • @Tim, ist eine gute Frage wegen : wann beginnen Nachtaufnahmen?. Aber ich glaube das sollte gar nicht so ein Problem sein. Das sollte man einfach nach Gefühl machen und ausprobieren im Zweifel. Eventuell auch eine Software die einem ab einer gewissen Dunkelheit den zweiten Sensor vorschlägt.
        Es kann ja auch der Hauptsensor im Grunde genommen so in etwa sein wie die Qualität und Leistung aktueller Smartphones. Aber eben mit Hauptaugenmerk auf scharfe Tageslichtaufnahmen. Trotzdem aber im Lowlight Bereich noch ausreichend gut. Erst wenn "ausreichend gut" nach persönlichem Empfinden nicht mehr ausreichen sollte, dann nimmt man den extremen Lowlight Sensor.


      • Tim vor 1 Woche Link zum Kommentar

        @Peter
        Doch, genau das ist das Problem und ein sehr großes... Nicht jedes Szenario ist gleich. Du willst ein dunkles Auto Bildfüllend fotografieren? Das kann ein Smartphone dann als Nachtbild interpretieren, weil ein großteil des Bildes eben dunkel ist...
        Darfst nicht vergessen, dass man quasi alles fotografieren kann, nicht nur Landschaften im Freien ^^
        Kunstlicht sorgt bei der Software genauso für Kopfzerbrechen, da Kunstlicht für so einen Sensor so gut wie nie "gutes Licht" ist...


  • Statt sich mit dem Boke(h)-Effekt zu beschäftigen, der rein abbildungstechnischer Natur ist und durch Software bestenfalls einigermaßen schlecht nachgeahmt werden kann, sollten die Kamera-Hersteller und Software-Entwickler sich ransetzen, dass man mit Smartphones einigermaßen gute Bilder bei schwachen oder schwierigen Lichtverhältnissen machen kann. Oft sind solche Bilder verrauscht oder werden vollkommen indiskutabel softwareseitig nachbearbeitet. Klar sind hier auch Grenzen erkennbar, aber ich denke, dass man mit Sensoren höherer Lichtempfindlichkeit und adäquater Softwarenachbearbeitung bessere Ergebnisse erzielen kann.

    Tim


    • In Sachen Lowlight hat sich schon einiges getan die letzten Jahre. Ist mir gerade gestern wieder aufgefallen, als ich ein Review bei YouTube von Swagtag sah. Wenn man da das galaxy s3 und das galaxy s8 vergleicht sind das Welten. Meiner Meinung nach wird sogar zu viel Wert auf die Lowlightperformance gelegt, da wiederum andere Aspekte darunter leiden. Wie zb. Details beim heranzoomen oder generell die Megapixelanzahl. Aber wie du sagst sind hier Bauartbedingt einfach Grenzen gesetzt und dafür schlagen sich die Smartphones recht gut.


      • Tim vor 1 Woche Link zum Kommentar

        Naja diese Grenzen sind bei Kameras generell gegeben. Auch Nikon, Canon und Co. müssen die perfekte Mitte aus hoher Auflösung und Guter LowLight-Performance finden.
        Deshalb findet man auf dem Massenmarkt bspw. auch kaum bis gar keine DSLRs mit bspw. APSC-Sensor und 50 Megapixeln... Das wäre das Equivalent zu 30MP bei Smartphones oder so ^^ Klingt auf dem Papier "echt gut" ist aber dämlich.

        Ich denke 12-13 Megapixel ist bei Smartphones eine gute Mitte. Mit ordentlich großem Sensor müssten da durchaus um die 1,6µm drin sein (30% größer, als die Pixel biem S8).

        Was ich aber gut fände, wäre ein HiRes-Mode, wie ihn glaube Oppo schon einige Male verwendet hat. Es werden einfach ganz schnell hintereinander 4-5 Bilder gemacht und die werden dann bspw. zu einem 50Megapixel-Bild zusammengefügt. So hätte man gute Zoom-Möglichkeiten und gute LowLight-Performance, sogar mit einem Sensor ^^


      • Stimmt. Die Megapixelanzahl sollte schon ein breites nutzbares Spektrum des Sensors abdecken. Bei APS-C haben sich 24 MP als Standard durchgesetzt. Sony hat zb mit der Sony a7s II (Alpha 7s II) einen Vollformat Sensor der nur 12 MP hat. Die ist im Lowlight absolut Spitzenklasse, dafür fehlt ihr bei Tageslicht die Schärfe und fällt hinter 24 MP APS-C zurück.


  • DaSe vor 1 Woche Link zum Kommentar

    Der Artikel ist im Grunde nicht schlecht, einzig mir fehlt der absolute Bokeh König, das Xiaomi Mi6(2 unterschiedliche Linsen/Brennweite). Welches in allen unabhängigen Test die komplette Konkurrenz stehen lässt und das seit Release im April.


  • Tim vor 1 Woche Link zum Kommentar

    "Jahrzehnte lang galt: Stimmungsvolle Portraits mit schönem Bokeh bekommt man nur mit großem Bildsensor und Objektiven mit großen Brennweiten hin"
    Das ist auch heute immer noch so... die beste Software der Welt kriegt keine Optik ersetzt. Das wird sich auch nie ändern...
    Spätestens wenn es zu Motiven mit sehr vielen Details im Vordergrund kommt (wehende Haare im Wind, Tiere mit langem Fell etc.) ist jede Software sofort raus. Bei jemandem mit kurzen Haaren, bisschen Bart und fertig ist das natürlich viel einfacher und selbst da versagt die Software.

    "Angesichts der Mini-Linsen und winzigen Brennweiten wird klar: Bei Smartphones ist die Schärfentiefe immer riesig. Da hilft es auch nicht, dass Smartphones mit ihren winzigen Pixeln kleinere Zerstreuungskreise haben als Spiegelreflexkameras."
    Ist es nicht so oder so genau umgekehrt? Gerade wegen den winzigen Sensoren ist die Schärfentiefe so riesig... Ein Vollbildsensor mit 26mm und F1.7 Blende.. damit wäre ein sehr krasses Bokeh möglich, was man mit einem S8 halt vergessen kann. Wegen der Sensorgröße.

    Die Hersteller sollten einfach nur größere Sensoren verbauen, statt die winzigen 1/3,6", wie LG bspw,. beim V30... Dazu dann eine höhere Brennweite, große Blende und fertig.
    Ein Note8 könnte bspw. ein ziemlich gutes Bokeh erreichen, wenn der zweite Sensor genauso groß wäre, die der Hauptsensor und die Blende ebenfalls F1,7 wäre. Letzteres stellt oftmals eine Herausforderung dar (es gibt aktuell keinen Smartphone-Hersteller, der bei zwei Kameras mit unterschiedlichen Brennweiten die gleiche Blende verbaut), aber gerade das mit der Sensor-Größe nunja... Dafür müssten die Smartphones ja dicker werden, ne? Und das wollen "wir" ja nicht...


    Samsung nutzt so eine Funktion übrigens schon seit gut 4 Jahren, namentlich "Selektiver Fokus". Dabei wird, ebenfalls mit einer Linse, ein Bild mit fokussiertem Vordergrund und eins mit fokussiertem Hintergrund gemacht. So kann man im Nachhinein den Fokus ändern und das Bokeh lässt sich so auch nachdrehen, digital versteht sich. Und das funktioniert auch nicht nur bei Makros.

    Ich find aber Protrait-Modi wie beim Pixel echt sinnlos. Portraits mit Weitwinkel sehen einfach nur selten Schön aus... Aber der Ansatz ist sehr gut.
    Gut wäre, für sowas eben einen Tele-Sensor zu verbauen, der ebenfalls Dual-Pixel verwendet (noch ein Punkt, den Samsung mMn verbockt hat. Aber hey! es hat ja einen doppelten OiS *seufz* der nur fast nie zum Einsatz kommt)

    Also mein Ansatz wäre halt, wie schon gesagt, einfach größere Sensoren verbauen... Zusammen mit bspw. 56mm (auf Kleinbilg) kann man dann ein ansehnlicheres Bokeh auf natürliche Weise hinkriegen, ohne eine fehleranfällige Software

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