Im Rahmen unserer Websites setzen wir Cookies ein. Informationen zu den Cookies und wie Ihr der Verwendung von Cookies jederzeit widersprechen bzw. deren Nutzung beenden könnt, findet Ihr in unserer Datenschutzerklärung.

Beliebte Video-Chat-App sammelt Eure Daten im ganz großen Stil

Beliebte Video-Chat-App sammelt Eure Daten im ganz großen Stil

Unbekannt ist die App Houseparty nicht. Die Video-Chat-Anwendung wurde im Jahr 2016 veröffentlicht und in den Vereinigten Staaten schnell beliebt. In diesen Tagen hören auch wir immer öfter von der App, die Ihr wahrscheinlich bereits in einer Liste der "besten Anwendungen für Videokonferenzen" gefunden habt.

Seit wir unsere Tage größtenteils in unseren heimischen vier Wänden verbringen müssen, tummeln sich die Listen der "besten Videokonferenzanwendungen" im Netz. Erst heute morgen lud mich ein befreundeter Journalist in Paris auf "ein Bier auf Entfernung" über eine solche App ein. Houseparty heißt sie. Schon bei der Installation fällt mir die enorme Aggressivität der App auf, die auf meine Telefonkontakte, Facebook und/oder Snapchat zugreifen will. Daneben will die Video-Chat-Anwendung natürlich Zugriff auf das Mikrofon und die Kamera des Smartphones haben – die ist übrigens immer aktiviert, solange die App geöffnet ist. Weiterhin will sie auch den Zugriff auf die GPS-Position, aber das ist optional.

Nachdem ich diese eindeutige Datenfalle entfernt hatte, machte ich mich auf die Suche nach weiteren Informationen über Houseparty. Und tatsächlich bin ich gerade auf einen französischen Artikel von BFMT gestoßen, der am Montag (23. März) veröffentlicht wurde. Dort warnt man vor der Anwendung, die "sehr gierig nach persönlichen Daten" sein soll.

Eure Hausparty mit Houseparty: Offene Bar und frei zugängliche Daten

Die Handhabung der App ist denkbar einfach. Sie erlaubt es Euch, einen Video-Chat in virtuellen Räumen zu führen. Teilnehmen können dabei bis zu acht Personen. Perfekt also, um einen Drink zu nehmen und soziale Kontakte auch während der Zeit zu Hause zu genießen.

Besonders an Houseparty ist, dass auch Freunde von Freunden an den Video-Chats teilnehmen können. Das entscheidet Ihr aber selbst. Wollt Ihr unter Euch bleiben, dann könnt Ihr natürlich auch private Chat-Räume nutzen und ungebetene Gäste ausschließen. Daneben bietet Euch Houseparty eine recht begrenzte Auswahl an integrierten Minispielen an, die Ihr über den Dienst nutzen könnt. Hierzu gehören unter anderem Pictionary oder Trivial Persuit.

Klingt angenehm, aber nur ein einziger Blick in die Datenschutzrichtlinien und Ihr seht, welche Datenmengen gesammelt werden. Wenn der beantragte Zugang zu Euren Kontakten noch nicht erteilt wurde, dann "wird die Anwendung die IP-Adresse des Benutzers, die IMEI-Nummer seines Gerätes, seinen Betreiber und im weitesten Sinne den Namen, den Standort, das Geschlecht und auch die Fotos seiner Benutzer abrufen. All diese Informationen können dann abgeglichen werden", sagt Suzanne Vergnolle, Doktorandin der Rechtswissenschaften an der Universität Paris-II-Panthéon-Assas und Spezialistin für den Schutz personenbezogener Daten und der Privatsphäre.

Das schlimmste am gesammelten Datenfluss ist jedoch, dass Houseparty, "den Inhalt aller Geräte, die über den Dienst geführt werden, einschließlich aller Ideen, Erfindungen, Konzepte, Techniken oder Know-how für die Entwicklung, Gestaltung und/oder Vermarktung von Produkten oder Dienstleistungen verwenden darf."

Houseparty collect
Die Nutzungsbedingungen von Houseparty sind sehr weit gefasst, um Eure Daten abzugreifen. / © Houseparty

Daten-Freiwild: Houseparty macht Datenschutz zur Farce

Konkret heißt das: Vergesst die Verschlüsselungen all Eurer Gespräche und sagt Hallo zur vollständigen Archivierung – sowohl Video als auch Audio – für den kommerziellen Zweck. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand die Idee des Jahrhunderts oder ein revolutionäres Produkt oder Start-Up-Konzept enthüllt, ist relativ gering. Im Fall, dass Euch aber doch ein Geniestreich gelingt, kann Houseparty Eure Idee klauen, falls Ihr sie dort geteilt habt.

Das wirklich Schlimme ist aber die bloße Aufzeichnung jedes Eurer Gespräche. Houseparty hört Euch genau zu und die Anwendung macht auch keinen Hehl daraus. Es gibt sogar einige Daten, die vom Netzwerk automatisch als "nicht-persönlich" eingestuft werden. Mehr sagt die Houseparty-Anwendung in ihren Nutzungsbedingungen nicht dazu. Wahrscheinlich verfolgt die Anwendung auch abseits des Dienstes die Nutzer-Aktivitäten, um einzusehen welche Webseiten Dritter besucht wurden. Insbesondere in diesen Fällen hat die Verweigerung der Datenerhebung keine Wirkung.

Bedeutet das, dass wir nun vollständig auf Houseparty verzichten müssen? Ja, genau das heißt es! Es gibt eine Menge an verschlüsselten Chat-Anwendungen, die Ihr stattdessen nutzen könnt. Wählt einfach zwischen Whatsapp, Facetime oder Telegramm aus. Bleibt zu Hause und verriegelt Eure Türen vor Houseparty.

Empfohlene Artikel

10 Kommentare

Neuen Kommentar schreiben:
Alle Änderungen werden gespeichert. Änderungen werden nicht gespeichert!
Neuen Kommentar schreiben:
Alle Änderungen werden gespeichert. Änderungen werden nicht gespeichert!
Neuen Kommentar schreiben:
Alle Änderungen werden gespeichert. Änderungen werden nicht gespeichert!