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E-Klapprad Gocycle GX im Test: Die Zukunft ist faltbar

E-Klapprad Gocycle GX im Test: Die Zukunft ist faltbar

Nicht nur bei Smartphones ist die Zukunft faltbar, sondern auch bei E-Bikes. Das Gocycle GX ist ein Klapprad mit Elektroantrieb, und zwar ein ganz besonderes. Wir haben im Test viel Lob zu verteilen, aber auch ein wenig Kritik.

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Was ist das Gocycle GX?

Diese Frage ist schnell beantwortet: Ein Klapprad mit Elektromotor. Das Gocycle GX hat einen Aluminium-Rahmen, der sich an zwei Stellen falten lässt: an der Mittelstange und am Lenker. Die 20-Zoll-Reifen sind breit genug, um in keine Tram-Schiene zu rutschen und haben ein Profil für Straßen und feste Wege, nicht fürs Gelände. Die Motorunterstützung wird durch einen Pedaldrehmomentsensor geregelt.

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Ein Klapprad, das sich fährt wie ein großes Rad. / © AndroidPIT

Der Motor des Gocycle GX sitzt in der Nabe des Vorderrads und hat 250 Watt - mehr darf ein Elektrofahrrad, das noch als Fahrrad durchgehen soll, in Deutschland auch nicht haben. Der von Gocycle selbst entwickelte Antrieb hat sogar eine Traktionskontrolle, die in unserem Test allerdings nie eingreifen musste. Wie die Scheibenbremsen ist auch der Motor mit Plastikaufsätzen gekapselt. Das sorgt für zusätzlichen Schutz für Beschädigungen und Dreck. Die maximale Geschwindigkeit, die der Motor leistet, liegt bei 25 km/h, das ist die gesetzliche Grenze.

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Zusammengeklappt ist das Gocycle GX schön klein. Den Sattel könnt Ihr auch entfernen. / © AndroidPIT

Das Gocycle GX wiegt 17,8 Kilogramm und damit für ein E-Bike noch relativ wenig. Allerdings hat es auch kleine Reifen, leichte Felgen und keinerlei Anbauteile wie etwa einen Gepäckträger. Man kann das Rad zusammengeklappt recht gut tragen, für weitere Strecken sollte man es aber lieber schieben, denn dafür ist es dann doch zu schwer.

Das ist gut am Gocycle GX im Test

Da wären zunächst einmal die Fahrleistungen. Das Gocycle geht - die entsprechende Einstellung in der App vorausgesetzt - gut nach vorne, der Motor schiebt trotz der kompakten Größe kräftig an. Dass der Antrieb im Vorderrad sitzt, merkt man beim Fahren in aller Regel nicht. Nur wenn es steil bergauf geht ist der Vorderradantrieb im Nachteil - das Rad wird dann leicht und der Motor arbeitet weniger effizient. Hier auf den Berliner Straßen ist das Gocycle GX aber jederzeit Herr der Lage, man ist mit dem Elektro-Klapprad flott unterwegs und auf dem Radweg meist mit Überholen beschäftigt.

Klappräder gelten oft als wackelig und tendenziell instabil. Das ist beim Gogcycle GX nicht der Fall. Im Test überzeugte das Fahrrad, das exzellent verarbeitet ist, durch seine Stabilität und Wendigkeit. Ich bin kein besonders leichter Fahrer und reize die maximale Zuladung von 100 Kilogramm gut aus, habe aber beim Gocycle GX trotzdem nicht das Gefühl, als ob das Rad unter mir zusammenbrechen würde. Die 20-Zoll-Reifen machen das Klapprad angenehm wendig und damit vor allem für die Stadt sehr gut geeignet.

Konfiguriert wird das Gocycle GX über eine eigene App. Die sieht zwar nicht besonders modern aus, bietet aber interessante Statistiken und vor allem die Möglichkeit, die Motorunterstützung selbst regeln zu können. Die vorgefertigten Modi heißen City und Eco, im Sport-Modus macht der Motor einfach gar nichts - Ihr sollt ja Sport machen. Im Custom-Modus könnt Ihr selbst frei regeln, wann und wie stark der Motor unterstützen soll. Praktisch: Anders als etwa beim Cowboy Bike könnt Ihr das Gocycle GX auch völlig ohne App benutzen, denn ein- und ausschalten geht einfach über einen Knopf an der Seite des Rahmen.

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In der App könnt Ihr viele Dinge einstellen. / © AndroidPIT

Gocycle verspricht eine durchschnittliche Reichweite von 65 Kilometer mit einer Akkuladung, und das ist durchaus realistisch. Es hängt natürlich davon ab, in welchem Modus Ihr fahrt, wie die Strecke aussieht, wie schwer der Fahrer ist und wie warm oder kalt es ist. Der Akku hat eine Kapazität von 300 Wh und wird normalerweise im Rahmen geladen, Ihr könnt ihn aber auch entnehmen. Die Ladezeit ist mit sieben Stunden recht lang, aber ein Arbeitstag oder eine Nacht reichen locker aus, damit das Gocycle GX wieder genug Saft hat.

Der Klappmechanismus von Gocycle ist ausgezeichnet. Die Scharniere rasten sauber ein, sind leicht zu bedienen und absolut sicher. Das Zusammenklappen dauert mit ein bisschen Übung nicht mehr als zehn Sekunden.

Der Antriebsschutz macht das Gocycle GX im Test zu einem enorm sauberen Fahrrad, zumindest was die Hosenbeine angeht. Die können kein Kettenfett abbekommen oder im Zahnrad hängen bleiben. Auch beim Zusammenklappen und Tragen ist dieser Schutz, den der Hersteller als Cleandrive patentieren ließ, eine rundum gelungene Sache. Gut mitgedacht, Gocycle!

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Der Cleandrive des Gocycle GX ist eine saubere Sache. / © AndroidPIT

Das ist schlecht am Gocycle GX im Test

Der Sattel und die Sitzposition des Gocycle GX sind nicht für jeden Fahrer besonders bequem. Der Sattel vom Typ Velo Sport ist arg hart und unbequem, er würde eher zu einem Rennrad passen. Bei einem sportlichen Rad ist die Sitzposition eine andere. Apropos: Durch die Tatsache, dass der Lenker des Gocycle nicht verstellbar ist, seid Ihr in dieser Hinsicht eingeschränkt. Der Sattel wird zudem nicht über einen Schnellspanner in der Höhe verstellt, sondern mit einem kleinen Imbus im Zoll-Maß. Den muss man unterwegs dabei haben, wenn man die Höhe verändern möchte. Generell ist das E-Klapprad eher für etwas kleinere Menschen als für Riesen passend.

So sehr die Power des Motors bei dem kleinen Rad gefällt, es gibt auch Kritik am Antrieb des Gocycle GX. Im Test störten das Motorgeräusch und der Nachlauf ein wenig. Der Motor ist mit seinem Jaulen deutlich zu hören, und das vergleichsweise laut. Hört man auf zu treten, schiebt der Motor trotzdem noch gut eine Sekunde lang an - das ist gewöhnungsbedürftig und führt dazu, dass man öfter bremsen muss als eigentlich nötig.

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Der Motor ist kräftig, aber auch laut. / © AndroidPIT

Am linken Griff hat das Gocycle GX einen kleinen Boost-Knopf. Mit dem soll der Motor zu jederzeit unter die Arme greifen, egal welcher Modus in der App eingestellt wurde. Im Test hat sich der Knopf allerdings als unzuverlässig und nicht immer hilfreich erwiesen. Vor allem am Berg müsste er als Anfahrhilfe direkt anschieben, statt auf eine halbe Kurbelumdrehung zu warten. Wenn man vor dem Anhalten vergessen hatte, in den ersten Gang hinunter zu schalten, wäre das eine echte Hilfe.

Die Abstimmung der Gangschaltung ist generell nicht besonders gut gelungen. Der zweite Gang der Gripshift-Schaltung ist nahezu identisch mit dem ersten, den Ihr wirklich nur zum Anfahren gebrauchen könnt. Der Sprung zum dritten Gang ist dann wieder recht groß, was dazu führt, dass der sich eben nicht besonders gut zum Anfahren eignet. Ihr müsst also an jeder Kreuzung oder Ampel erst einmal in den ersten und direkt nach dem Losfahren wieder hoch in den dritten Gang schalten. Das nervt auf Dauer.

Der Ständer des Gocycle GX ist recht eigenwillig, denn er sitzt mittig unter dem Tretlager und klappt nach vorne statt nach hinten aus. Er lässt sich nicht bequem mit dem Fuß bedienen, sondern wird am besten mit der Hand ausgeklappt - und unnötige Verrenkung. Immerhin: Ist er erst einmal ausgeklappt, steht das Gocycle GX sicher, wenn der Untergrund nicht zu weich ist.

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Für die Stadt ist das Gocycle GX gut geeignet. / © AndroidPIT

Was kostet das Gocycle GX?

Kurz gesagt: eine ganze Menge. Das Gocycle GX schlägt mit stolzen 3.199 Euro zu Buche - und es geht sogar noch teurer. Das Gocycle G3, das einen etwas stärkeren Akku, einen Rahmen aus Magnesium und Karbon sowie komplett innenliegende Kabel und Züge mitbringt, kostet sogar 3.999 Euro. Die leicht abgespeckte Variante Gocycle GS hat ein Preisschild 2.799 Euro. Alle drei Modelle des Elektrofahrrads sind also ein teurer Spaß. Die genauen Unterschiede zwischen den Modellen seht Ihr bei Gocycle.

Fazit

Unter dem Strich ist das Gocycle GX ein ziemlich schönes und praktisches Fahrrad. Das E-Klapprad fährt wie ein großes, wirkt stabil und hochwertig und ist doch ziemlich klein zu verstauen, egal ob in der Bahn, im Büro oder im Kofferraum. Der Motor ist ausreichend stark und das gesamte Rad wirkt durchdacht. Ihr solltet, vor allem angesichts des Preises, aber vor dem Kauf dringen ausprobieren, ob die Sitzposition für Eure Körpergröße passt - und natürlich genug Geld zusammenkratzen, denn besonders günstig ist das Gocycle GX nicht.

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Das Gocycle GX ist ein teurer Spaß. / © AndroidPIT

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12 Kommentare

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  • Ich bin das Rad in Berlin bei Boxbike schon Probe gefahren. Es macht wirklich sehr viel Spaß. Die Lautstärke vom Motor stört mich allerdings enorm und lässt mich noch mit dem Kauf (Dienstrad Leasing) hadern.
    Ein Tern mit Mittelmotor (Bosch und bafang verfügbar) fährt sehr leise - wiegt dafür aber merklich mehr und sieht nicht so fetzig aus.


  • Vor allen Dingen wird die Zukunft teuer!
    Smartphone für 1000 Euro und Fahrrad für 3000 Euro.


  • "Der Motor des Gocycle GX sitzt in der Nabe des Vorderrads und hat 250 Watt - mehr darf ein
    Elektrofahrrad, das noch als Fahrrad durchgehen soll, in Deutschland auch nicht
    haben."

    Elektrofahrrad ist in Deutschland entweder ein Pedelec oder E-Bike.
    Das Pedelec darf maximal 250 Watt haben und darf aus eigener Kraft (ohne treten) 6 kmh fahren, mit in die Pedale treten maximal 25 kmh und benötigt deswegen kein versicherungskennzeichen.
    Ein E-Bike kann man ohne treten 45 kmh fahren
    und braucht ein Versicherungskennzeichen incl. Helmpflicht.
    Beide Fahrzeuge sind aber immer noch Fahrräder.

    Trotzdem, Pedelecs mit Motor im Vorderrad fahren sich im Vergleich zum Pedelec mit Heckantrieb unangenehm.
    Bei dem Preis ist ein Mittelmotor angemessen.
    Aber was schimpfe ich hier überhaupt über den Preis. Ich war bereit für mein Pedelec mehr als das doppelte hinzulegen... das ist zwar auch behindert aber es ist eine äußerst spaßige Behinderung.


    • A. K.
      • Mod
      vor 1 Monat Link zum Kommentar

      "Elektrofahrrad ist in Deutschland entweder ein Pedelec oder E-Bike"

      Ich denke, der Schreiber meint eher die gesetzliche Unterscheidung zwischen "zweirädriges Kleinkraftrad EU-Katergorie L1e-B" (S Pedelec), "Elektro-Leichtmofa" (Max 500W, 20 km/h, Mindestalter, Versicherungspflichtig und Mofaführerschein) und normalem Fahrrad.

      Begriffe wie "E Bike" oder "Pedelec" haben sich etabliert und wurden vom Handels und Zweirad-Industrie-Verband genutzt.

      Insofern sehe ich keinen Fehler im Artikel.


    • Mittelmotor wird extrem überschätzt.
      Das Fahrgefühl mit meinem 20-Zoll Frontmotor-Pedelec und erst recht mit meinem 26-Zoll-Fatbike-Pedelec ist absolut super und nicht so schwammig indirekt wie beim Mittelmotor.
      Ausserdem werden Kette und Zahnräder nicht so sehr beansprucht.


  • Hui, stolzer Preis für ein Radl aber die Materialien sind auch qualitativ hochwertig. Die Zukunft ist faltbar? Freu mich schon auf das erste faltbare Auto, welches ich dann im Rucksack mit der Bahn mitnehmen kann. 👍 Die Bilder sind klasse.


  • Interessantes Konzept, wenn auch nicht für meine Vorstellungen. Der Preis ist auch viel zu hoch.


  • Man möchte den Menschen vom Auto weg bringen und zu solchen ökologischen E-Bikes überreden und diese attraktiver machen. ich verstehe nicht warum man solche Preise verlangt? Da Kauf ich mir schon fast ein gutes Motorrad dafür.


    • Damit kann man dann noch mehr Dreck ausstoßen als mit dem Auto. Das fehlt mir auch bei diesen Fahrrädern ;-)


      • Auch Radler produzieren Abgase. Durchs pupsen und atmen.Allein ein Raucher, der pro Tag eine Schachtel Kippen qualmt, produziert im Jahr gerechnet dermaßen viele Schadstoffe aus der Lunge, dass es mindestens 10 Bäume braucht welche die Schadstoffe aus der Luft neutralisieren.


    • Ein Kollege von mir hat den gleichen Arbeitsweg wie ich. 20 km quer durch Berlin.
      Er fährt mit dem Auto, ich mit dem Pedelec.
      Er braucht zur Frühschicht 60 Minuten, ich 45-50 Minuten.
      Er regt sich über den Verkehr auf, ich mich über Radler die die Stvo nicht beachten.
      Im Endeffekt bin ich morgens derjenige der absolut entspannt auf Arbeit ist und mit einem Lächeln durch die Stadt braust.

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