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Kommentar 4 Min Lesezeit 95 Kommentare

Macht Schluss mit Facebook, bevor Ihr wie diese Schabe endet

Es war mit all den Skandalen bislang bei weitem kein gutes Jahr für Facebook und trotzdem bleibt das soziale Netzwerk weiterhin sehr beliebt. Wie kann das sein? Genau hier kommt die Juwelwespe und die Harlekinschabe ins Spiel.

Immer wieder ist Facebook mit Negativ-Schlagzeilen in den Medien: Der Skandal um Cambridge Analytica, der mangelnde Einsatz gegen Fake-News und jetzt noch eine Sicherheitslücke, die knapp 50 Millionen Konten betrifft. Trotzdem nutzen Viele das soziale Netzwerk, meist unverändert, weiter.

Darüber hinaus ist Facebook eigentlich auch weit davon entfernt, ein gutes Netzwerk zu sein. Die Timeline ist unchronologisch und spamt einen gerne mit alten Posts zu, sortiert bei jedem Ladevorgang die Timeline komplett um und die unlogisch strukturierten Einstellungen sorgen für mangelnde Anpassbarkeit. Von den Kommentaren unter den öffentlichen Posts will ich gar nicht erst anfangen. Trotzdem nutzen viele das soziale Netzwerk, meist unverändert, weiter.

Es fehlen die Alternativen zu Facebook

Allerdings fehlen auch irgendwie die Alternativen. Google+ stirbt langsam vor sich hin (auch wenn einige das Gegenteil behaupten), bei Twitter schreit man seine Infos immer gleich in die ganze Welt raus, Instagram ist für Poser und Essensfotos, Pinterest auch nicht besser und Snapchat für jeden unter 14 wohl kaum erträglich nutzbar (Meinung eines 31-Jährigen). 

facebook teaser new format
Es gibt zahlreiche soziale Netzwerke, aber Facebook thront weiterhin ganz oben. / © AndroidPIT

Da bekommt man irgendwie das Gefühl, dass es wohl in naher Zukunft kein Netzwerk geben wird, das sich als wirkliche Facebook-Alternative eignet oder schnell genug Nutzer anzieht, um eine zu werden. Und so bleiben viele Nutzer bei Facebook und lassen sich durch ab und zu gute Konversationen und einem kurzen Like-Hype unter dem ein oder anderen Bild wieder darin bestärken, das Netzwerk weiter zu nutzen.

Und was hat das alles mit der Schabe zu tun?

Das Verhalten der Facebook-Nutzer erinnert damit an das Verhalten der Harlekinschabe, die von der Juwelwespe als Wirt für das Austragen der eigenen Brut genutzt wird, wie Wired in einem Artikel noch magenunverträglicher beschreibt als ich im folgenden:

Die Wespe landet zwei Stiche, einer davon ist ein gezielter Stich in einen bestimmten Bereich der Ganglien und lähmt damit den Fluchtreflex der Schabe. Anschließend führt die Wespe das Tier an den Fühlern zu einer Höhle, legt ihre Eier am Körper der Schabe ab und schließt sie in der Höhle ein.

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Die Juwelwespe ist hübsch, hat es aber Faustdick in den Ohren. / © Muhammad Mahdi Karim (GNU)

Schlüpft die Larve, kann sie dann ganz genüsslich die Schabe Stück für Stück im Laufe einer Woche als erste Lebensmahlzeit verputzen. Die Schabe unternimmt aber wegen der Manipulation an ihrem Nervensystem keinen Versuch, sich zu befreien. Letzteres passiert mit einem Großteil der derzeit rund 2,5 Milliarden Facebook-Nutzer.

Facebooks Nervengift sind Likes

Im Übertragenen ist Facebook hier die Wespe, die mit Stichen in Form von Likes und mehr unser Nervensystem mit Glückshormonen manipuliert und uns so davon abhält, uns von Facebook zu befreien. Dem Netzwerk spielen dabei auch Gefühle wie die Angst, etwas zu verpassen (FOMO) oder Gewinnspiele, für dessen Teilnahme man unter Artikeln kommentieren muss, in die Karten.

Hinzu kommt, dass das Netzwerk so Mainstream geworden ist, dass man teilweise schon kritisch beäugt wird, wenn man keinen Facebook-Account hat. Und ich weiß wovon ich spreche, denn ich hatte bis vor drei Jahren keinen und hab ihn dann aus beruflichen Gründen angelegt.

Freier Wasserkäfer statt Facebook-Schabe

Doch wir müssen nicht die Kakerlake sein, die sich von Facebook wie von einem Parasiten festhalten lässt. Wir können auch wie der Wasserkäfer sein, der sich ins kalte Wasser stürzt, um den sich wie die Juwelwespe parasitär fortpflanzenden Pferdehaarwurm los zu werden. 

Löscht Euren Facebook und Instagram-Account oder schmeißt beide Apps einfach mal vom Smartphone und wagt damit den Sprung in das kalte Wasser. Das bereitet zwar zu Beginn kurz Bauchschmerzen, aber es ist unwahrscheinlich, dass man dabei wie der Wasserkäfer Gefahr läuft, zu ertrinken. Denn um den Parasit los zu werden, müssen diese länger unter Wasser bleiben, als Ihr Luftvorrat reicht. Doch manchmal muss man was riskieren, um glücklich weiterleben zu können. 

Via: Wired

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Top-Kommentare der Community

  • Aries vor 2 Wochen

    Ich habe 2006 einen Facebook-Account eingerichtet. Der eigentliche Grund war beruflicher Natur. Ich musste wissen, was dieses Facebook eigentlich ist und ich habe es gut gefunden. Einige verschollene Schulfreunde habe ich wiedergefunden. Teilweise hier um die Ecke, teilweise in Übersee (damit meine ich nicht den Ort am Chiemsee).

    Im Laufe der Jahre wurde ich jedoch kritischer. Da wurden Kinderfotos vom Nachwuchs gepostet, der selbst noch gar nicht entscheiden konnte, ob ihm das so recht ist. Jeder Restaurant- und Biergartenbesuch wurde durch ein Foto dokumentiert. Aus dem Urlaub wurde gepostet und die ersten haben das ausgenutzt, um Wohnungen ungestört leerzuräumen. Partyeinladungen hatten Polizeieinsätze zur Folge und Mobbing hat schließlich zu mindestens einem Selbstmord geführt.

    Man kann sagen, all das gäbe es auch ohne Facebook, doch das ist zu kurz gesprungen. Die enorme Reichweite bei gleichzeitiger persönlicher Distanz, hebt das auf eine neue Ebene.

    Mir stellte sich die Frage, was man wohl mit den Informationen anfangen könnte, die ich im Laufe der Jahre hinterlassen habe? Kann das nur positiv für mich ausfallen, weil ich meine Selbstdarstellung in der eigenen Hand habe oder könnte es mir auch nachteilig ausgelegt werden?

    Immer mehr Firmen waren auf Facebook präsent, aber nicht mehr per E-Mail erreichbar. Selbst auf dem ÖR kann man oft nur noch auf Facebook oder WhatsApp mitdiskutieren.

    Ich hinterlasse also weit mehr Informationen über mich, als auf meiner eigenen Seite steht. Was, wenn Hacker Facebook knacken? Das wäre ein immenser Informationspool.

    Dann hat Facebook mich geradezu penetrant aufgefordert, meine Telefonnummer zu hinterlegen, was ich aber nicht wollte. Auch die automatisch, ohne Auftrag angelegte und als primär eingetragene E-Mail-Adresse gingen mir gegen den Strich. Ich fühle mich bevormundet.

    Als sie dann WhatsApp gekauft hatten, war mir klar, jetzt bekommen sie doch meine Telefonnummer. Das hat mir nicht geschmeckt, dennoch hat es bis 2016 gedauert, bis ich meinen Account gelöscht habe (im Bewusstsein, dass meine Daten vermutlich nie wirklich gelöscht sein werden). Grund dafür waren die Änderungen der AGB von WhatsApp, deren Einhaltung mir nicht möglich erschien.

    Jetzt sind wir zwei Jahre weiter. Das Jahr begann mit dem Skandal um Cambidge Analytica und das war nicht der erste Datenskandal bei Facebook. Das Jahr ist noch nicht vorbei und schon wieder sind 50 Millionen Konten potenziell gehackt und weitere 40 Millionen möglicherweise ebenfalls.

    So schön wie Facebook einerseits ist, die Kehrseite der Medaille sollten wir nicht ausblenden. Monopole und Oligopole waren nie gut für die Bevölkerung. Soetwas für das Gut "Daten" wird uns sehr wahrscheinlich in einigen Jahren böse auf die Füße fallen. Die Mahnungen gibt es schon lange und die ersten konkreten Auswüchse, zeigt das aktuelle Kalenderjahr.

    Wenn ich mich irgendwo unwohl fühle, gehe ich dort weg. Das kann man auch für Facebook anwenden. Von den Medien würde ich mir wünschen, nicht nur über die Skandale zu berichten, sondern auch die Konsequenzen zu ziehen und den Account zu löschen. AndroidPIT gehört dazu. Es gab ja schon Beschwerden, weil Aktionen (zunächst) nur auf Facebook geplant waren.

    Die aktuellen Datenskandale sollten jedem zu denken geben, ob Facebook noch der richtige Ort ist. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der nächste Skandal öffentlich wird. Und überhaupt: Wieviele sind nie öffentlich geworden?

  • Karsten 😄🖖 vor 2 Wochen

    Ich hab die Probleme nicht da ich soziale Netzwerke meide. Meine Welt ist draußen.

  • DiDaDo vor 2 Wochen

    Ah, cool. Verstehe. Geht ja auch immer nur eins von beiden.

  • DiDaDo vor 2 Wochen

    Also ich weiß, dass die Profile meiner Freunden, Bekannten und Verwandten definitiv keine Fakeprofile sind. Und mit denen schreibe/rede ich durchaus auch jenseits von Facebook &Co. Wo ist da auch der Widerspruch?
    Andere Leute hab ich nicht in meiner Liste.

    Aber du scheinst dich ja auszukennen.... offensichtlich .... nicht.

  • Aries vor 2 Wochen

    Karsten, Du hast die Probleme auch.

    Webseiten haben schon seit Jahren den Like-Button oder das Facebook-Icon eingebunden. Darüber weden Daten über Dein System übertragen, ohne dass Du etwas anklicken musst. Durch sogenanntes Fingerprinting bist Du wiedererkennbar, wenn auch nicht namentlich und deshalb als "anonym" bezeichnet. Das wird seit Jahren kritisiert und es gibt Lösungsvorschläge dafür, die Webseitenbetreiber setzen sie aber selten um.

    Einige Deiner Apps enthalten mit Sicherheit ein Facebook-Modul. Damit erfährt Facebook schon mal von einem Teil Deiner Apps. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sie alle Deine installierten Apps kennen.

    Facebook weiß deshalb zwar noch nicht, dass Du "Karsten irgendwie" heißt, aber sie können Dich anhand von Android-ID, IMSI, IMEI, Google-Werbe-ID und Telefonnummer (das können die Apps alle mehr oder weniger auslesen und an Facebook übermitteln) eindeutig identifizieren.

    Du stehst in zahlreichen Kontakten mit Deinem echten Namen und der Telefonnummer. Wenn diese Leute WhatsApp, Instagram oder eine andere Facebook-App installiert haben, haben sie gegenüber dem Facebook-Konzern bestätigt, dass sie berechtigt sind, die Kontaktdaten an Facebook zu übermiteln. Also auch Deine Daten! Gefragt hat Dich das vermutlich niemand, weil kaum jemand die AGB liest, und wenn, dann nicht konsequent zuende denkt, was sie bedeuten.

    Somit bist auch Du Facebook mit an Sicheheit grenzender Wahrscheinlichkeit namentlich bekannt und sie haben mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein sogenanntes Schattenprofil von Dir. Möglicherweise "psudonymisiert", aber das bedeutet nicht, dass der Personenbezug durch Verknüpfungen mit anderen Datzenbeständen (rechtmässig oder unrechtmässig) nicht wiederhergestellt werden kann.

    Wenn Du über Datenskandale liest, ist immer von "Nutzern" die Rede. Könnten aber nicht auch zusätzlich ein paar Millionen Schattenprofile betroffen sein, die nie mitgezählt werden?

95 Kommentare

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  • [..]Macht Schluss mit Facebook, bevor Ihr wie diese Schabe endet[..]
    Soll ich Schluss machen, bevor oder nach dem ich euren Artikel auf Facebook & Co. geteilt habe?


  • Schauen wir mal wie es in 10 Jahren aussieht.


  • Irgendwie wird immer angenommen, es würde ALLEN nur um Likes, Gewinnspielen und möglichst viele "Freunde" gehen. Ich habe viele Freunde, auch im Ausland oder die man generell seltener besuchen kann. Nur mal als Beispiel.


    • Aber wenn Du schon freunde im Ausland etc. hast, kannst Du auch telefonieren, skypen, SMS schreiben usw... Facebook ist dafür nicht zwingend notwendig. 😉


      • Nein, natürlich ist es nicht "notwendig". Aber für kurze Kommunikation, um mehrere in Gruppen zu besprechen oder einfach mal kurz was sagen wollen ist es halt gut. Was ich damit sagen wollte, war einfach nur das es auch immer darauf ankommt WIE man FB benutzt. Viel zu oft geht man davon aus, das derjenige der FB nutzt kein echtes Leben haben kann...


  • Moritz Deussl
    • Mod
    • Blogger
    vor 2 Wochen Link zum Kommentar

    Ich nutze Facebook und andere soziale Netzwerke wie Instagram gerne, da ich selbst noch keine schlechten Erfahrungen damit gemacht habe. Natürlich weiß ich auch, was es für Nachteile auf Facebook gibt wie Fake-Profile etc...

    Peter


    • Genau getroffen. Auch ich denke so. Warum sollte ich etwas den Rücken kehren was mir noch nicht geschadet hat? Leute fahre doch auch weiter mit dem Auto, obwohl täglich in den Medien von schweren Unfällen berichtet wird.


      • C. F.
        • Blogger
        vor 2 Wochen Link zum Kommentar

        Warum mit dem rauchen aufhören, wenn doch eh nur die anderen Lungenkrebs bekommen? Warum übermäßigen Zuckerkonsum aufhören, wenn doch eh nur die anderen Karies bekommen? Warum keinen ungeschützten Geschlechtsverkehr? Aids bekommen doch eh nur die anderen.


      • Warum Facebook und WhatsApp den Rücken kehren? Probleme haben eh nur die anderen... Oder moment mal.. 🤔 Eigentlich keiner.. Auch nicht die Anderen..


    • Das nennt sich, die Reibungshitze als Nestwärme zu empfinden.

      Du wirst vermutlich nie die Nachteile erkennen. Niemand wird Dir sagen, dass der Kredit oder die Versicherung für Dich teurer als normal ist, weil Dein rating aufgrund von Facebookdaten schlecht ausgefallen ist.

      Facebook wird dir auch nicht schreiben, dass Dein Account geknackt ist uund die Daten jetzt in unbekanntnen Händen sind. Sie werden immer von technischen Problemen schreiben, die vorsichtshalber eine Änderung des Passwortes erfordern.

      Ich möchte auch nicht warten, bis der Gesetzbeger den Datenschutz abschafft, weil er nicht mehr durchsetzbar ist und die Bevölkerung mit der Nutzung der sozialen Netzwerrke beweist, dass er nicht nötig sei.


      • @Aries, glaubst du wirklich das Kreditagenturen und Versicherungen usw. nur wegen Facebook und deren Datenauswertung ihre Preise erhöhen? Wenn solche Unternehmen ihre Preise oder sonst was anheben wollen, dann finden die immer einen Grund. Und wenn es nur eine Lüge ist. Ich wäre zb. viel misstrauischer beim bezahlen mit Kreditkarte. Weil hier lässt sich wirklich nachverfolgen was man wo überall gekauft hat.


      • Tatsache ist, dass Facebook mindestens an eine britische Rating-Agentur Daten verkauft hat. Was die damit machen, lässt sich nicht nachprüfen und somit auch nicht, warum der eine schlechtere Konditionen bekommt als ein anderer.

        Bei einer Kreditkarte kann der Herausgeber und das Kreditkartenunternehmen natürlich die Zahlungen auswerten. Das kann aber auch Deine Bank. Was man gekauft hat, kann jedoch niemand nachvollziehen. Nur, bei welchem Händler Du wann über welchen Betrag gekauft hast. Deshalb ist Amazon als Herausgeber keine gute Wahl, weil der dann weiß, was und wieviel du bei ihm und über wieviel du woanders eingekauft hast.


      • C. F.
        • Blogger
        vor 1 Woche Link zum Kommentar

        Man kann ja auch im Winter in die Hose pinkeln, weil es angeblich so schön warm macht 🙄


  • Bereits gelöscht ✅


  • Ich hab die Probleme nicht da ich soziale Netzwerke meide. Meine Welt ist draußen.

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