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Digitale Ängste: Die Furcht vor dem Unbekannten

Digitale Ängste: Die Furcht vor dem Unbekannten

Immer wieder passieren im Netz Dinge, die Nutzer nicht verstehen. Das löst Ängste aus. Doch diese Furcht entsteht wie so oft vor allem durch Unkenntnis.

In dieser Woche hat Die Zeit eine Artikelserie zum Thema Digitale Ängste gestartet. Sie stellt dabei Fragen wie diese: Hört da wer mit? Sind gelöschte digitale Bilder wirklich gelöscht? Macht mich mein Smartphone süchtig? Hören Google, Alexa oder das iPhone mit? Die Zeit-Leser können in einer Umfrage Ihre größten Angstmomente im Netz loswerden. Im Laufe der Serie soll eben diesen Phänomenen auf den Grund gegangen werden.

Die Serie hat gerade erst begonnen, und ich bin gespannt, wohin sie führt. Ein Gedanke drängt sich mir allerdings schon beim Start auf: Entstehen diese Ängste nicht allesamt vor allem aus einem Grund, nämlich Unkenntnis? Die Angst vor Dingen und Entwicklungen, die man nicht versteht, speist sich vor allem aus der Tatsache, dass man es mit etwas Unbekanntem zu tun hat. In meinen Augen ist das mit den Digitalen Ängsten, wie Die Zeit es nennt, nicht anders.

Bevor der Verdacht aufkommt: Ich werde nicht behaupten, dass meine Mitbürger ein Haufen ignorante Hinterwäldler mit einem Hang zur Technikfeindlichkeit sind, im Gegenteil. Ich sehe in allen Altersklassen und sozialen Schichten in meinem Umfeld eine große Neugier in vielen Gebieten. Allerdings machen die Mechanismen im Netz es den Menschen zunehmend schwer, zu verstehen, was dort eigentlich geschieht.

Wir hinterlassen überall Spuren im Netz

Nehmen wir das Beispiel mit der personalisierten Werbung. Die hat ganz klare Ursachen. Mit jedem Schritt im Netz hinterlasst Ihr Spuren, und die nutzen Amazon, Google, Facebook und Co. aus, um Euch passende Produkte zu empfehlen und damit Geld zu verdienen. Die Angebote passen mal besser, mal schlechter, denn natürlich ist es für die Anbieter unheimlich kompliziert, Eure Interessen exakt zu erfassen. Aber hier wird gerne im übertragenen Sinne mit der Schrotflinte geschossen: Hauptsache ordentlich Werbung in der einigermaßen passenden Gattung raushauen, zur Not basierend auf der letzten Suchanfrage, wenn sonst keine Infos vorliegen. Irgendwas wird schon passen. Für den Anwender, der etwa nach neuen Turnschuhen gesucht hat und eine Minute später lauter Sneaker-Werbung sieht, ist das vielleicht verblüffend und beängstigend, eigentlich aber ziemlich simpel.

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Ohne Mikrofon kann Alexa nun einmal nicht zuhören. / © AndroidPIT by Irina Efremova

Dass für diese Vorhersagen immer mehr Daten zur Verfügung stehen, liegt in der Natur der Sache - wir nutzen ja auch mehr und mehr digitale Angebote. Das Problem ist: Es ist trotz vieler durchaus sinnvoller Bestimmungen und Regeln nicht so einfach ersichtlich, woher die Anbieter ihre Daten haben, welche sie untereinander austauschen, welche Unternehmen zusammen gehören und wie der Nutzer im Internet verfolgt und getrackt wird.

Wer nicht zuhört, kann nicht reagieren

Hinzu kommen viele Beispiele, bei denen man als Anwender Bequemlichkeit mit einer gewissen Unsicherheit in Sachen Datenerfassung bezahlt. Ihr wollt Alexa, Siri oder den Google Assistant herumkommandieren? Klar, gerne, aber mal ehrlich: Wie soll so ein System das Kommandowort erkennen, mit dem Befehle beginnen, wenn es nicht dauerhaft die digitalen Lauscher aufstellt? Woher sollen Verbesserungen im Sprachverständnis kommen, wenn keine Menschen stichpunktartig Gesprächsfetzen abhören und klassifizieren?

Als Faustregel im Netz könnt Ihr Euch merken: Bei kostenlosen Angeboten im Netz bezahlt Ihr mit Euren Daten. Das ist keine neue Erkenntnis, aber sie wird immer wichtiger, denn es werden immer mehr Daten, immer mehr Angebote und immer mehr Dienste. Die Ängste und die Unsicherheit, die viele Menschen dabei mehr und mehr verspüren, kommt nicht daher, dass wir zu dumm für die moderne Technologie werden. Sie kommen daher, dass es uns immer schwerer gemacht wird, zu erkennen, wer welche Daten sammelt und auf welche Weise nutzt. Da muss die gesamte Branche ansetzen, notfalls unter weiterem Druck durch den Gesetzgeber.

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Top-Kommentare der Community

  • Sprint X vor 2 Monaten

    Digitale Angst habe ich nicht ich habe bloß ein bestätigtes Misstrauen.
    Onlinebank sagt mir es ist sicher.
    Zu 100%? Natürlich nicht. Also lass ich es, da es um meine Kohle geht.
    Intelligente Systeme schlagen mir Produkte vor obwohl ich diese schon online bestellt habe.
    Ergo: keine Intelligenz.
    Alexa, Ok Google etc hören immer zu. Habe ich es vorher geahnt? Natürlich, wie will das Teil sonst mein "ok Google" hören.
    Das ist keine digitale Angst es ist der gesunde Verstand der einer Maschine, einem Algorithmus oder einer KI misstraut.

    Vielleicht bin ich auch einfach zu alt, aber ich muss nicht jedem Dreck hinterhereiern der meine Faulheit und Naivität ausnutzt.
    Ich kann sie aber auch bewusst nutzen mit dem Wissen dass mit meinen Informationen Geld gemacht wird.

    Heute heulen alle rum dass sie ausgehorcht, mitgetrackt und zugespamt werden, aber Hauptsache ist dass ich dieses gemoser erstmal in meiner Facebookfilterblase kund tue.

19 Kommentare

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  • C. F.
    • Blogger
    vor 2 Monaten Link zum Kommentar

    Den sorglosen Umgang mit seinen Daten vergleiche ich immer gerne mit dem Rauchen. Am Anfang macht es Spaß, ist toll, man ist hipp, gehört zu einer gewissen Gruppe Menschenschlag, ist sorglos, schiebt jegliche Gesundheitliche Warnungen und Bedenken gerne in den Wind. Man merkt ja nichts davon. Und man schädigt ja vermeintlich niemanden.

    Aber an die Spätfolgen denkt niemand. Die kommen irgendwann mal. Oft auch dann, wenn man das Rauchen schon längst aufgehört hat. Aber dann ist der Zug längst abgefahren und der Frust groß. Hätte ich doch.... Warum hat mir niemand....

    Tja, was ist passiert? Rauchen ist gesundheitsschädlich. Weiß jeder. Oder hat davon schon irgendwo mal gehört. Aber Unwissenheit schütz vor Schaden nicht. Will heißen, man hätte sich ja vorher oder während dessen informieren und entsprechend handeln können. Gerade so verhält es sich mit dem Umgang der eigenen Daten. Wenn ich nicht weiß, was mir persönlich passieren kann, dann informiere ich mich. Möglichkeiten gibts genug für jedermann.


  • Schöne Diskussion, liebe Leute! Danke für Eure Meinungen und Beiträge, finde ich sehr spannend!

    Sarah


  • Peter vor 2 Monaten Link zum Kommentar

    Es sind nicht nur Facebook, WhatsApp und co. wo wir unsere Spuren hinterlassen, sondern alle von uns sind bei so so vielen Behörden, Ämtern und sonstigen Anstalten irgendwo mit unseren persönlichen Daten gemeldet ob wir wollen oder nicht. Bei Facebook hab ich es selber in der Hand was ich von mir preisgebe. Aber meine ganzen Daten was die Gesundheitsbehörde zb. hat, da weiß ich nicht mit absoluter Sicherheit was damit gemacht wird. Oder dieses ganzen Zwangsregistrierungen zb. beim Führerschein, auch da wissen die Behörden oft mehr als ein anderes Familienmitglied. In Österreich muss man seit 2019 seine Prepaid Karte auch registrieren lassen. Gefällt mir auch nicht, aber wenn ich sie weiter nutzen möchte dann muss ich das machen. Solche Dinge machen mir Sorgen.


    • C. F.
      • Blogger
      vor 2 Monaten Link zum Kommentar

      Behörden, Ämter, Gesundheitsbehörden etc. dürfen diese erhobenen Daten jedoch nicht kommerzialisieren. Und bei Facebook hast Du gar nichts in der Hand.


  • Ich habe eigentlich nicht das Gefühl, dass die Leute wirklich Angst vor Technik haben, es ist eher Faulheit. Das gibt man natürlich nicht gerne zu, also schiebt man Bedenken als Begründung vor. Manche haben auch einfach keinen Bock, sich mit komplexen Dingen zu befrachten, die sie eigentlich gar nicht brauchen, die man aber machen sollte, um nicht als altmodisch zu gelten. Es braucht aber nicht jeder Facebook, Twitter oder Instagram und manchen reicht das normale Fernsehprogramm ohne Netflix oder Amazon. Ich kann das gut nachvollziehen, ich bin selbst zwar fortschrittsbegeistert, mache aber auch nicht jeden Trend mit.


    • Braucht man unbedingt Facebook und Co? Nein, es gibt auch noch die schönen Briefe und Postkarten bzw. Telefon. Braucht man zwingend WhatsApp? Nein, wer was will kann auch anrufen oder SMS schreiben.


  • Aber, aber, ich habe doch nichts zu verbergen, was soll schon passieren?


  • Das Wort Angst ist falsch, denke ich. Menschen haben begründete Befürchtungen und letztlich mittlerweile auch die Gewissheit, dass ihre Daten (auch gegen sie selbst) missbraucht werden, dass sie überall für die Industrie und Politik transparent sind, dass sie die Macht über das, was mit ihren Daten geschieht, niemals nach der ersten Herausgabe wiedererlangen. Gespräche werden abgehört und abgetippt, Mails und SMS mitgelesen, Käufe registriert und ggfs. auch heimlich Fotos geschossen oder Videos aufgenommen. Alles miteinander verknüpft ergibt ein Bild der Nutzer, dass sie nicht einmal selbst so bewusst von sich haben. Ob man sich nun dagegen entscheidet, die Datensammelwut zu unterstützen und keine Sprachassistenten, Cloud, Frontkameras nutzt, anonym oder überhaupt nicht surft - viele Daten sind auf jeden Fall bereits im Netz vorhanden.

    Aufgabe der Politik ist es immer mehr, den Sammlern Regeln aufzuerlegen, damit für bestimmten Umgang mit Daten Strafbarkeit entsteht und deshalb zumindest in Teilen die Nutzer etwas Macht zurück erlangen. Denn der Nutzen der modernen Technik wird auch zur Herrschaft dieser über den Nutzer, insbesondere, je unkritischer damit umgegangen wird. Wenn bereits Kinder alles im Netz von sich preisgeben, was ihnen im Erwachsenenalter und Berufsleben später schaden kann, dann ist die Schutzfunktion des Staates besonders wichtig. Nicht Angst, sondern Vorsicht, Aufklärung und Eintreten für Regelungen, Gesetze sind Notwendigkeiten dieser Zeit. Deshalb muss auch in der Schule deutlich gemacht werden, welche Gefahren die moderne Technik mit sich bringt, um mündig mit ihr umgehen zu können.


  • Macht Smartphone süchtig?... Eindeutig ja. Es gibt ja sogar schon Entzugserscheinungen bei vielen. Wenn ich mich so umschaue jeden Tag und die meisten haben ihr Smartphone in der Hand auch wenn das Display aus ist, frag ich mich was das für Sinn macht dann sein Smartphone noch in der Hand Gassi zu führen statt es weg zu stecken?!
    Viele Verkehrsunfälle passieren doch durch Unaufmerksamkeit wegen dem Smartphone. Selbst verschiedene Zeitungen titelte schon , mit-dem-Smartphone-aufhören sei das neue mit-dem-Rauchen-aufhören. Mal ganz ehrlich jeder zu sich selbst : Wann immer wir uns wenige Sekunden langweilen, nutzen wir die Zeit nicht mehr, um uns zu entspannen oder mal über uns und die Welt nachzudenken – sondern wir checken Whatsapp & andere Messenger auf neue Nachrichten, suchen News auf Facebook, scrollen durch endlose Instagram-Bilder oder posten selber Fotos.
    Aber es gibt auch gute Gegenmaßnahmen :
    Eine davon wäre, Grau-Modus aktivieren
    Schwarzweiß-Modus aktivieren :

    Android: Einstellungen / Eingabehilfe / Sehhilfe und dort Graustufen anschalten (kann je nach Modell variieren).
    iPhone: Einstellungen / Allgemein / Bedienungshilfen / Display-Anpassungen / Farbfilter auf Ein schalten (Vorgabe: Graustufen).

    Weil ein farbiges Display macht ein Smartphone attraktiver als ein Smartphone mit schwarz / grau Display.

    Es gibt noch viel mehr z. B. Das Handy einfach mal zu Hause lassen.
    Nicht jeder von uns fühlt sich Smartphone-süchtig aber auch die meisten Raucher halten sich ja nicht für abhängig. Ich hab mal geraucht, geb ich zu aber seit gut Februar bin ich weg davon. Einfach die Kippen zu Hause lassen und so nach und nach konnte ich aufhören. Neuste Studie sagt, das rund die Hälfte aller „Millennials“ (Generation der zur Jahrtausendwende Geborenen) checkt mehr als 50 Mal am Tag ihr Smartphone, 25% der Millennials verbringen mehr als fünf Stunden am Tag mit ihrem Handy. Schon gruselig irgendwie. Fast jede 3. Beziehung geht durch das Smartphone kaputt. Noch grausamer war mal eine Umfrage von Bild :Viele fühlen sich laut Studie ohne ihr Mobiltelefon frustriert (27%), verloren (26%), gestresst (19%) und traurig (16%) und 4% würden sogar für einen Monat ins Gefängnis gehen, um ihr Gerät nicht für ein Jahr abgeben zu müssen. Noch schlimmer ist da Thema ab wann ein Kind reif ist für ein Smartphone...?! Meine Meinung nach, erst ab 14 und nicht eher.


    • Tim vor 2 Monaten Link zum Kommentar

      Den Punkt mit dem Grau- bzw. Schwarzweißmodus habe ich noch nie verstanden. Zumindst bei mir bringt der absolut gar nichts.

      Zudem darf man beim Thema Smartphone-Sucht nicht außer acht lassen, wie viel das Smartphone mittlerweile übernimmt.
      Wenn "früher" jemand 2 Stunden ein Buch und danach Zeitung gelesen hat, um danach mit der Mutter zu telefonieren und so weiter, hat das niemanden interessiert. Wenn man heute das exakt gleiche alles am Smartphone macht, schreien wiederum alle nach Handy-Sucht, weil derjenige ja so lang am Handy hängt.

      Und Studien der BILD würde ich ehrlich gesagt nicht zu hoch einstufen ^^ Ein Hetzendes Blatt, dass sich dann über Hass in Deutschland wundert, kann man echt nicht ernst nehmen.
      Und gerade angesichts, wie wichtig Smartphones heute sind, wundert es mich auch nur wenig, dass die meisten nicht ein ganzes Jahr(!) darauf verzichten wollen oder können.

      Handy-Sucht ist ein Problem, aber mMn kann man das nicht so einfach über einen Kamm mit anderen Süchten wie Rauchen scheren, so funktioniert das nicht.
      Wenn mir bspw. langweilig ist, dann zeichne ich zum Beispiel gern auf dem iPad. Da kann ich auch meine Kreativität ausleben, über Gott und die Welt nachdenken usw. Trotzdem wird es mit über den Kamm geschoren, weil ich eben am Tablet hänge.


      • Schön wieviel ein Smartphone mittlerweile übernimmt. Ich nutze auch das Smartphone in Bus und Bahn aber es kann nicht sein, dass man nur noch den Blick drauf hat und wenn, kann man stehen bleiben und sich hinsetzen. Wenn ich das aber sehe wie gestern in Leipzig, da schiebt eine junge Mutter ihren Kinderwagen mit der linken Hand und hält ihr Kind in der rechten Hand und Smartphone zwischen Backe und Schulter, ey 🤯... bei sowas explodiere ich. Die läuft über die Straße bei rot drüber Richtung Straßenbahn . Haben dann 2 Frauen und 3 Männer die beiseite gezogen und erstmal ordentlich zusammen gewackelt. Die eine hat das Baby in den Kinderwagen gelegt und der eine Mann hat per Zufall einen von Ordnungsamt gesehen und dazu gerufen. Sowas machen viele, genauso wie mit Kopfhörer und Smartphone durch die Gegend laufen ohne Achtung auf Verkehr und Straßenbahn. Aber rum
        😢🤳🚋heulen wenn was passiert... Da sag mal einer noch, dass das keine Anzeichen von Smartphone - Sucht ist.

        https://www.rnz.de/politik/suedwest_artikel,-nach-unfall-mit-strassenbahn-in-karlsruhe-todesgefahr-smartphone-_arid,334193.html

        In solchen Fällen hab ich kein 🙄🤦‍♂️Mitleid und selber schuld :

        "Karlsruhe. (dpa-lsw/mare) Kopfhörer im Ohr, Blick auf das Smartphone: Wer sich als Fußgänger abgelenkt durch den Verkehr bewegt, lebt gefährlich. Besonders schlimme Folgen können Unfälle mit Straßen- oder Stadtbahnen haben. Jüngste Fälle sind der Tod eines 23-Jährigen und einer 17-Jährigen: Das Mädchen überquerte Mitte Januar an einer Haltestelle in Karlsruhe die Schienen und erlitt beim Zusammenprall mit einem Zug tödliche Kopfverletzungen."


      • Zudem halte ich das "früher" auch für verklärt. "Wann immer wir uns wenige Sekunden langweilen, nutzen wir die Zeit nicht mehr, um uns zu entspannen oder mal über uns und die Welt nachzudenken".

        Ich bezweifle, dass beispielsweise Pendler, die heutzutage auf ihrem Arbeitsweg in der Bahn ihr Smartphone nutzen, früher ihre Zeit "sinnvoller" verbracht haben. Kaum einer davon wird philosophierend einfach mal über sich und die Welt nachdenkend entspannt in der Bahn gesessen sein, und hinterher entspannter und weiser gewesen sein (die, die das damals machten, werden es heute vermutlich auch tun. Diejenigen, die heutzutage die Zeit mit dem Smartphone überbrücken, hätten wohl eher irgendwas gelesen oder schlichtweg in einer Art Pausenmodus gedöst. Wäre das besser gewesen? Überhaupt - selbst wenn jemand sich entspannend und über die Welt nachdenkend in der Bahn sitzt: ist das besser als irgendwas mit dem Smartphone zu machen (und wie Tim schon herausstellt, kann man sehr viele verschiedene Dinge damit machen. Lesen, spielen, kommunizieren, kreativ sein, ... wird das alles gleich "wertloser", nur weil das Smartphone das verwendete Werkzeug ist)? Und - warum war dieses vermeintliche früher denn überhaupt besser? War es nicht einfach nur anders (von den technischen Möglichkeiten her, die Leute und ihre Motivationen etc. waren letztlich wohl eher nicht anders als die heute)? Da scheint mir doch ein Großteil "früher war alles besser"-Denken drin zu stecken.

        Ich pendle jeden Tag ca eine Stunde mit zweifachem Umsteigen zur Arbeit (falls die Bahn nicht wieder ihre üblichen Ausfälle, Störungen und Verspätungen hat - aber vielleicht will sie dadurch ja nur mehr Zeit zum Entspannen und Nachdenken geben?). Ich habe in den Jahren auf diesen Fahrten bereits als "Haupttätigkeit" * den SPIEGEL gelesen (subjektiv: "früher war der besser" :P), * Hörbücher gehört * mich mit anderen unterhalten * geschlafen * Belletristik gelesen * "Graphic Novels" gelesen * am Smartphone gespielt. War jeweils zur gegebenen Zeit eine für mich tauglich wirkende Art, die Fahrtzeit zu verbringen. Ich könnte nicht sagen, dass irgendas davon "besser" als die restlichen Tätigkeiten gewesen wäre.

        Zur Sucht: Nun ja. Ich persönlich glaube, dass Smartphone hier ggf. ein gewisses Potenzial haben, "süchtig zu machen", weil die Dinge, die man damit tun kann, so vielseitig sind. Und da sind halt auch diverse Betätigungen dabei, die für uns Menschen Suchtpotenzial haben. Spielen -> Spielsucht gibt's auch in vielen anderen Formen, sei es nun in Gestalt von Glücksspiel oder Realitätsflucht. Ablenkung vom Alltag -> Fernsehen, Bücher, ... (beim Fernsehen wurde genauso geklagt, die junge Generation sei/werde süchtig. Und als das Lesen von Büchern Verbreitung fand vermutlich ebenso ;) Wie war das eigentlich beim Radio?). Soziale Medien -> Wunsch/Drang nach Anerkennung/Geltung/Selbstbestätigung. Aber auch die Angst "ausgelassen" zu werden, in der Peer Group zurückzufallen/verdrängt zu werden, daher ständiges online sein, Nachrichten nachsehen, etc. Warum machen Leute z.B. teils unsinnige/riskante Real Life Mutproben? Weil sie Anerkennung in einer gewissen Gruppe/Selbstbestätigung suchen. Und bei der digitalen Kommunikation äußern sich ähnliche Motivationen das dann vielleicht im Posten vieler Selfies o.ä. Mein persönliches Fazit: Die ganzen Motivationen sind nicht neu und drücken sich auch in vielerlei "Offline-Gestalt" aus. Das Smartphone mit seiner Vielseitigkeit bündelt sie jedoch gewisserweise, dadurch kann das dann auch als "Smartphone-Sucht" sichtbar werden.


      • Idiotisch aber durch Smartphone und Kopfhörer sein eigenes Leben riskieren und andere gefährden. Da müsste man ansetzen und Bußgelder verlangen.


      • Kann ich nur zustimmen. Ich pendle derzeit auch täglich eine Stunde hin und eine zurück. Ich hab das vor 15 Jahren auch schon mal gemacht und empfand es damals als wesentlich lästiger als heute. Damals habe ich gelesen, natürlich nur das Buch, das ich dabei hatte und hab Musik gehört. Natürlich auch nur das, was ich dabei hatte. Meine Freundin hatte ich am Morgen nur kurz gesehen und kaum mit ihr gesprochen.
        Heute? Heute habe ich zig Bücher am Smartphone, eine Musikauswahl ohne Ende über Spotify, ein paar Spiele zur Entspannung und geistigen Anregung und übers Internet bin ich auch noch aktuell informiert. Aber das beste, ich kann mich mit meiner Partnerin per Messenger austauschen, Wichtiges und Unwichtiges mit ihr besprechen und muss das nicht erst auf den Abend verschieben. Ich kann ein paar wichtige Mails erledigen und die Einkäufe für Weihnachten oder Geburtstage. Ich mache ein paar Anrufe, damit mein Arbeitstag etwas weniger voll ist. Ich kann mit Freunden kommunizieren und was fürs Wochenende planen. Usw usw.
        früher hatte ich das Gefühl, beim Pendeln Zeit zu verschwenden. Heute habe ich viel eher das Gefühl, diese Zeit sinnvoll nutzen zu können. Früher war es nicht besser, es war einsamer.


      • Ja da stimme ich dir zu, das schönste an Smartphone man steht in ständigen Kontakt mit seinen Angehörigen aber das kann unter Umständen auch manchmal lästig werden, wenn man selbst manchmal nicht mal mehr Ruhe für sich selbst hat. Mich nervt das, wenn ich ein Film schauen möchte und alle 2 min piept das Handy und einige sind genervt weil ich nicht gleich antworte. Irgendwann will ich auch mal meine Ruhe haben und was für mich tun, da bleibt mein Handy lautlos in der Tasche. Ich muss auch jeden Tag knapp 1 Stunde mit Zug und Bus zur Arbeit und da nutze ich auch meinen New 3ds xl oder Smartphone, das streite ich nicht ab. Mich geht es einfach nur um die Dämlichkeit vieler, die leichtsinnig durch die Stadt laufen und sich Gefahren aussetzen und andere.


      • Dass manche Deiner Kontakte genervt sind, wenn Du nicht gleich antwortest, ist aber deren Problem. Ich hoffe es gelingt Dir, das nicht zu Deinem Problem werden zu lassen :)

        Und ja, die Möglichkeit der mobilen Mitnahme all dieser Kommunikations-, Informations- und Unterhaltungsfeatures in Form eines kompakten kleinen Gerätes verleitet die Leute dazu, sich auch damit zu beschäftigen, wenn sie es lieber nicht tun sollten (z.B. beim Überqueren der Straße). An die menschliche Vernunft zu appelieren ist halt nicht allumfassend wirksam... dies gilt allerdings ebenso für Verbote. Eine wirkliche "Lösung" fällt mir nicht ein... mit einer gewissen Restmenge an gelebter Unvernunft werden wir uns wohl arrangieren müssen (was natürlich nicht bedeutet, dass man die Appelle an die Vernunft aufgeben sollte ;) Und nicht vielleicht hie und da ein Verbot sinnvoll ist, auch wenn man mit diesen möglichst sparsam umgehen sollte). In Ballungszentren fällt diese Restmenge dann mehr auf (mir kommt's ja auch so vor, als gäbe es immer mehr Orientierungslose und von einfachen Ideen wie "zuerst aussteigen lassen, dann einsteigen" restlos Überforderte im ÖPNV - dabei sind es anteilig vermutlich nicht mehr als früher, es sind schlichtweg mehr Leute unterwegs, und damit auch mehr dieser Spezialisten).


      • Mein Smartphone ist grundsätzlich auf lautlos, ich hab nicht mal einen Klingelton eingerichtet. Ich schau nur drauf, wenn ich es will, sonst wird man ja wahnsinnig, wenn das Ding alle 2 Minuten irgendwas meldet.


  • Ich habe immer nur Angst, dass die Akkukapazität nicht ausreicht bei mir.


  • Digitale Angst habe ich nicht ich habe bloß ein bestätigtes Misstrauen.
    Onlinebank sagt mir es ist sicher.
    Zu 100%? Natürlich nicht. Also lass ich es, da es um meine Kohle geht.
    Intelligente Systeme schlagen mir Produkte vor obwohl ich diese schon online bestellt habe.
    Ergo: keine Intelligenz.
    Alexa, Ok Google etc hören immer zu. Habe ich es vorher geahnt? Natürlich, wie will das Teil sonst mein "ok Google" hören.
    Das ist keine digitale Angst es ist der gesunde Verstand der einer Maschine, einem Algorithmus oder einer KI misstraut.

    Vielleicht bin ich auch einfach zu alt, aber ich muss nicht jedem Dreck hinterhereiern der meine Faulheit und Naivität ausnutzt.
    Ich kann sie aber auch bewusst nutzen mit dem Wissen dass mit meinen Informationen Geld gemacht wird.

    Heute heulen alle rum dass sie ausgehorcht, mitgetrackt und zugespamt werden, aber Hauptsache ist dass ich dieses gemoser erstmal in meiner Facebookfilterblase kund tue.

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