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Kommentar 4 Min Lesezeit 48 Kommentare

Die digitale Gesundheitskarte: Das war schon lange überfällig

Ab und zu in den Impfpass gucken, dann die Befunde schön wegheften und die Röntgen-CD liegt doch auch noch irgendwo: Das kennt sicher der ein oder andere von Euch. Doch in Zukunft hat das hoffentlich ein Ende, denn die digitale Gesundheitskarte soll helfen und das ist echt lange überfällig.

Wer öfter zwischen verschiedenen Ärzten und vielleicht auch Krankenhäusern hin und her pendelt, kennt die Probleme: Befunde werden nicht weitergereicht, es kommt zu unnötigen Mehrfachuntersuchungen oder man fängt an seine komplette Krankengeschichte zu erzählen, damit der aktuelle Arzt versteht, was man überhaupt von ihm will. Im schlimmsten Fall schleppt man selber einen dicken Ordner mit Befunden mit sich, durch die ein neuer Arzt oder Spezialist sich erst mal durchfuchsen muss.

Als ehemaliger Krankenpfleger und jemand, der schon viel zwischen zahlreichen Hausärzten, Spezialisten und Krankenhäusern in teils unterschiedlichen Bundesländern, privat und beruflich hin und her getingelt ist, kenne ich das. Umso höher waren heute meine inneren Luftsprünge, als ich vom Start der ersten digitalen Gesundheitskarte mit 14 Partnern erfahren habe.

Zugriff und Kontrolle auf die eigenen Daten

Denn diese Ankündigung war lange überfällig und ist ein großer Schritt in die richtige Richtung, um Patienten mehr Kontrolle über die eigenen Daten zu geben und die aufgezählten Probleme endlich zu lösen. Außerdem bringt sie noch weitere zahlreiche Vorteile mit sich.

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Die App von Vivy bietet zahlreiche Möglichkeiten, seine Gesundheitsdaten zu verwalten. / © Vivy

So können Patienten über die sogenannte Vivy-App Befunde, Laborwerte und Rönt­genbilder einsehen, ihren Medikamentenplan speichern und sich über Wirkung und Wechselwirkungen informieren, an Impftermine sowie Vorsorgeuntersuchungen erinnern lassen und vieles mehr.

Wie wichtig das ist, zeigt unter anderem eine Forsa-Umfrage, nach der die Hälfte der Deutschen (56 Prozent) regelmäßig Medikamente nimmt und die Hälfte davon oder nur wenig darüber weiß, was diese Medikamente überhaupt machen. Und das betrifft anders als man vielleicht abschätzig denken mag nicht nur "alte Leute, die eh nichts mit einem Smartphone anzufangen wissen", sondern auch viele viele junge Menschen. 

Vorbei das Gefrickel mit Medikamentenplänen, bei denen man sich nicht mehr so ganz sicher ist, ob er jetzt auf dem aktuellsten Stand ist. Pflegediensten könnten die Daten beim Managen Ihrer Kunden helfen, wenn diese die Daten freigeben. Die Zahl der Arztbesuche und unnötigen Untersuchungen könnte reduziert werden und hoffentlich können wir dann auch bald auf die Röntgen-CDs und mehrseitigen Befunde verzichten, die nur in der Akte beim Arzt vergilben.

Sharing is caring 

Und damit das kein halbgares Datengrab auf dem eigenen Smartphone wird, die im übrigen durch mehrstufige Sicherheitsprozesse und eine asymmetrische Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, für die nur der Nutzer selbst den Schlüssel hat, geschützt sind, soll die Gesundheits-App von Vivy im kommenden Jahr Medatixx und KV-Connect unterstützen.

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Diese Krankenkassen unterstützen die digitale Gesundheitskarte. / © Vivy

Zwar startet die App mit nur 14 Partnern, weitere sollen aber im kommenden Jahr rasch folgen und werden dann auch die monatlichen Kosten von 4,99 Euro übernehmen.

Momentan hagelt es für die App zahlreiche negative Bewertungen, in denen von Problemen bei der Anmeldung und mehr berichtet wird. Allerdings gebe ich den Entwicklern gerne Zeit, die Anwendung rundzumachen. Ich sehe die Sache positiv und bin gespannt, wie es sich weiter entwickeln wird. Auf der Warteliste stehe ich schon mal und mit Warten hat man als Kassenpatient ja Erfahrung. 

Wie steht Ihr zu der digitalen Gesundheitskarte? Ist das ein Schritt in die richtige Richtung oder fürchtet Ihr mehr die Gefahren, die so viele gesammelte Daten auf einen Haufen bergen?


Anmerkung 1: In einer früheren Version dieses Artikel hieß es, dass die App vom Bundesinstitut für Arzneimittel- und Medizinprodukte als Medizinprodukt zugelassen sei, wie es noch in der Pressemitteilung von Vivy hieß. Wie uns das Unternehmen jetzt allerdings mitteilte, ist das doch nicht der Fall. Infos über das zulassende Institut bleiben nachzureichen.
Anmerkung 2: Außerdem ist die App jetzt dadurch aufgefallen, dass sie teils sensible Daten an Drittanbieter weitergibt, bevor der Nutzer die Möglichkeit hat, in die Datenschutzerklärung einzuwilligen. Wir haken nach und aktualisieren den Artikel, sobald uns weitere Informationen vorliegen.

48 Kommentare

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  • Leute, lasst euch nicht verarschen! Das ist lediglich eine (geschickt platzierte) Mogelpackung. Die App verfügt nicht im Ansatz über die erforderlichen Schnittstellen. Weder mit den Ärzten, anderen Medizinern oder mit Kassenärztlichen Vereinigungen gibt es einen funktionierenden Datenaustausch. Der Anbieter hat praktisch keine Chance auf eine Anbindung an die Arztsoftware. Es fehlt jede Standardisierung und Zertifizierung. Das zeigen schon die angesprochenen Probleme mit dem Datenschutz.
    Die großen Kassen arbeiten seit Jahren an dem Thema und kommen damit nur langsam vorwärts. Trotzdem sind sie meilenweit weiter. Ein großes Problem ist die Akzeptanz bei den Medizinern und deren technische Anbindung. Das löst die Spaßtruppe von Vivy mit ihren Kommunikationsprofis bestimmt nicht.


  • Es gibt einen weiteren Nachteil. Es wird mindestens Android 6 vorausgesetzt. Ein weiterer Nachteil für die Anwender, und ein Vorteil für die Handyhersteller. Also wieder nichts für mich. Ich kaufe ganz sicher kein neues Smartphone nur um solche Apps nutzen zu können.


    • Mindestens Android 6? 😅 Das erfüllen wohl mittlerweile 90% der Android Nutzer. Was hast du denn für ein Handy?


      • Das Note 4. Technisch bedingt noch mit Android 5.1.1. Dabei bleibe ich auch solange es geht. Das manche Apps eine höhere Version erfordern ist mir persönlich egal, ich verzichte dann einfach auf die Apps. Mal davon abgesehen weiss ich selber wann ich bei den Schutzimpfungen war und welche Medikamente ich nehmen muss (derzeit garkeine). Ich weiss sogar noch welche Medikamente mir in 1997 verordnet wurden.


      • na ja, Android 5.1.1 ist nicht sonderlich sicher und für das Note 4 gibt es garantiert haufenweise aktuelle Custom Roms, oder zumindest ANdroid 6 oder 7 als Custom Rom. Das Märchen, das es Technisch Bedingt nicht möglich sei upzudaten hat Samsung damals gerne als Ausrede genutzt um keine Updates mehr anbieten zu müssen.


      • Ich hatte vor ein paar Jahren ein Custom-ROM (Android 6) installiert. Danach ging einiges nicht mehr. Deshalb habe ich wieder die 5.1.1. eingespielt. Mit dem Hersteller hatte das nichts zu tun. Und das Märchen mit "Android 5.1.1. ist nicht sonderlich sicher" vergessen wir mal schnell wieder. Android wird m.E. erst dann unsicher wenn man sich alle Apps installiert die einem kredenzt werden.


      • C. F.
        • Blogger
        vor 3 Wochen Link zum Kommentar

        „Was hast du denn für ein Handy?“

        Auf Handys läuft Android nicht. Nur auf Smartphones


      • tja - dann warte einfach mal ab, bis es mehr als "garkeine" sind ...


    • Du solltest dir aus ganz anderen Gründen mal ein neues Smartphone zulegen. Mit derartigen Sicherheitslücken würde ich unabhängig von Apps nicht leben wollen.


  • toll, und was nützt diese app jetzt? es sind ja noch nichtmal alle Gesetzlichen Krankenkassen dabei, dass nicht jede Private mit macht verstehe ich ja noch, freier Markt und so.
    Vor allem wundert mich, das die TK nicht mit macht, bei der ich bin und die sonst bei sowas mal Vorreiter war.


    • Weil die TK zusammen mit IBM eine eigene Akte entwickelt hat.


      • Das heist aber: Ärzte müssen sich mit Zwei Systemen rumschlagen wenn Sie sowas für alle nutzten wollen? Dann wird sich keines der Beiden durchsetzen. Dafür braucht es ein einheitliches System, dass alle nutzen.


      • An "dem" einheitlichen System namens Gesundheitskarte arbeiten wir in Deutschland jetzt seit 18 Jahren und das Ergebnis ist ein schlechter Witz. Dass die Kassen irgendwann das ganze selbst in die Hand nehmen war nur eine Frage der Zeit. Die AOK hat übrigens inzwischen auch eine eigene eGA.
        Außerdem können die verschiedenen Systeme über das einheitliche IHE Protokoll Daten tauschen.
        Und was die Ärzte betrifft: es wäre schön, wenn die sich überhaupt einmal mit dem Thema beschäftigen würden ;-)


      • Meine Ärzte sind alle über 60, das wird ein Spaß


      • Die Gesundheitskarte wurde von paranoiden Datenschützern kaputt gemacht, die durchgesetzt haben, dass da nur die Kassen-Zuigehörigkeit drauf gespeichert werden darf und keine Patientenakte, was technisch aber möglich wäre. Und die gleichen Datenschützer werden wahrscheinlich auch diese Systeme über die wir hier diskutieren irgendwie, irgendwann kaputt bekommen, leider.
        Und die Ärzte sollte man gesetzlich verpflichten an den Systemen mit zu machen, Basta. Mir egal was die davon halten. Wir sind hier in Deutschland eh viel zu Technophobisch, das sieht man schon allein darann wie lange es bei uns im Vergleich zu anderen Ländern dauert bzw. gedaurt hat bis es vernünftige Systeme fürs mobile Bezahlen gibt.

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