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So arbeitet Volkswagen am Auto der Zukunft
Mobilität AI Virtual Reality 4 Min Lesezeit 25 Kommentare

So arbeitet Volkswagen am Auto der Zukunft

Halle 90b. Das klingt ziemlich unspektakulär, ist aber viel mehr als nur eine weitere "Halle" auf dem fast 50 Quadratkilometer großen Werksgelände von Volkswagen in Wolfsburg. In Halle 90b, einem modernen Bau aus dem Jahr 2014, schlägt das Herz der Elektronik-Entwicklung von VW, hier arbeitet der Konzern am Auto der Zukunft. Wir durften den Ingenieuren einen Blick über die Schulter werfen.

Der Bereich der Elektronikentwicklung, abgekürzt EE, ist ein Teil der Abteilung Technische Entwicklung (TE) bei Volkswagen. Knapp 1.500 Menschen arbeiten hier daran, die VW-Flotte fit für die Zukunft zu machen. Die drei großen Trends sind Digitalisierung, Vernetzung und neue Mobilitätskonzepte. VW will - wie so viele klassische Autobauer - vom reinen Fahrzeughersteller zum kompletten Mobilitätsanbieter werden, wie Entwicklungsleiter Dr. Rolf Zöller betont.

Die drei Bereiche greifen dabei Hand in Hand. Das vernetzte Auto braucht jede Menge digitale Technik und muss wenn möglich immer mit dem Internet verbunden sein. Da sich das nicht gewährleisten lässt, ist es unumgänglich, die Basisfunktionen auch offline nutzbar zu machen, also ins Fahrzeug zu integrieren. Ohne Handynetz könne man nicht telefonieren, so Zöller, aber das akzeptierten die Menschen. Würde ein Auto stehen bleiben, weil es keine Internetverbindung habe, sehe das ganz anders aus.

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VW-Manager Dr. Rolf Zöller leitet die Abteilung EE in Wolfsburg. / © Volkswagen

Die Netze müssen mit wachsen

Auch deshalb betont Zöller die Wichtigkeit des Netzausbaus im Mobilfunkbereich und des neuen 5G-Standards. Schwächen bei der Netzabdeckung behindern in den Augen des VW-Managers die Entwicklung der Technologien, die darauf angewiesen sind.

Vor allem die Entwickler, die an den Cockpit-Systemen arbeiten, müssen dabei trotz aller modernen Möglichkeiten auch Vorsicht walten lassen. An haptische Knöpfe und Drehregler haben sich die Menschen über Jahrzehnte gewöhnt, sie können sie häufig blind bedienen. Mit neuen Touch-Systemen ist das nicht so, und das schreckt vor allem ältere Menschen unter Umständen ab. Neue Autos dürfen aber nicht so aussehen, dass sie nur die Generation Smartphone ansprechen. Den goldenen Mittelweg zu finden ist hier gar nicht so einfach.

Bei der Entwicklung der Bedienelemente kommen nicht nur Programmierer und Ingenieure zu Wort. Auch Psychologen, Grafikdesigner und viele andere Spezialisten sind daran beteiligt.

Virtual Reality ist zum Testen und Experimentieren unersetzlich

Gut, dass man viele Dinge mittlerweile ausprobieren und Feedback sammeln kann, ohne ganze Autos dafür zu bauen. In einem Simulator und mit einer VR-Brille - Volkswagen setzt hier derzeit auf die HTC Vive Pro - lassen sich die neuen Anzeigen und Bedienelemente simulieren und untersuchen, wie intuitiv nutzbar sie für unterschiedliche Personen sind. Dabei messen die Experten auch Dinge wie Abweichung von der eigentlichen Fahrlinie, wenn sich der Fahrer mit den Bedienelementen beschäftigt - ein guter Indikator dafür, wie die Bedienung die Sicherheit beeinflusst.

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Getestet wird mit modernsten Methoden und VR-Brille. / © AndroidPIT

Ein wichtiger Punkt in Zukunft werden Sprachassistenten sein, die im Auto mitfahren. VW entwickelt derzeit einen eigenen virtuellen Beifahrer, der den Fahrer nicht nur bei der Bedienung des Fahrzeuges unterstützt, sondern auch unterhalten soll. Ein Befehl wie "Meine Füße sind kalt" wird der Assistent dann so verarbeiten, dass er die Heizung und Lüftung entsprechend steuert.

Eine besondere Herausforderung: die Vernetzung der vielen Komponenten im Auto. Dafür gibt es eigene Prüfstände in Halle 90b. Dort wird die komplette Elektronik eines Fahrzeugs aufgebaut, von Lampen oder Bedienelementen und Sensoren bis hin zu den Lautsprechern für das Autoradio. Einzelne Komponenten lassen sich einzeln kontrollieren und tauschen, um Wechselwirkungen zu untersuchen. Volkswagen testet in diesen Aufbauten sowohl ganz neue Fahrzeuge als auch solche, die längst in Serie auf den Straßen unterwegs sind. In Bildern zeigen dürfen wir diese Testlabore nicht.

Das liegt auch daran, dass sich in diesen heiligen Hallen von Volkswagen immer wieder Protoypen von neuen Fahrzeugen befinden. Tauchen die vor der geplanten Präsentation auf oder bekommt die Konkurrenz Wind davon, kann der Schaden in die Millionen gehen. Deshalb werden entsprechende Fahrzeuge sogar in den Laboren und Werkstätten meist verhüllt oder unkenntlich gemacht - wer weiß, wer sich dorthin verirrt.

Das Auto ist nur ein Teil des Angebots

Immer stärker rückt bei den alteingesessenen Autobauern die Tatsache in den Fokus, dass das Auto nur ein Teil des Mobilitäts-Mixes ist. In eine komplette Routenführung will Volkswagen daher das Auto ebenso integrieren wie öffentliche Verkehrsmittel, Fahrräder, Leih-Fahrzeuge oder den Fußgänger. Je mehr Komponenten aus diesem Mix man selbst mit den unterschiedlichen Marken des Konzerns abdecken kann, umso besser.

Um die Entwicklung des Autos der Zukunft weiter fortschreiben zu können, braucht Volkswagen vor allem eines: kluge Köpfe. In drei Jahren werde sich der Bedarf an Ingenieuren und IT-Fachkräften verzehnfachen, so Zöller. Man ist also stets auf der Suche nach dem passenden Personal, um in Halle 90b die Entwicklung weiter voran zu treiben.

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