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KI in der Kunst: Kann ein Computer wirklich kreativ sein?
Kommentar AI 5 Min Lesezeit 11 Kommentare

KI in der Kunst: Kann ein Computer wirklich kreativ sein?

Als das Gemälde "Portrait of Edmond Belamy" im Oktober letzten Jahres für 432.000 US-Dollar verkauft wurde, löste dies eine Debatte aus, die bis heute anhält. Der Grund dafür war aber nicht der hohe Preis, der deutlich über den Schätzungen lag, sondern die Identität des Künstlers: ein Computer. Aber kann ein Computer wirklich Kunst schaffen?

Das Porträt von Edmond Belamy wurde von einem in Paris ansässigen Kunstkollektiv namens Obvious geschaffen. Wie das Trio hinter Obvious, bestehend aus Hugo Caselles-Dupré, Pierre Fautrel und Gauthier Vernier, mitteilte, sei das Bild von einer künstlichen Intelligenz geschaffen.

Das Projekt löste viele Diskussionen zur künstlichen Intelligenz und Kreativität aus. Die Debatte fühlt sich ein wenig wie der Urheberrechtsstreit an, der dem berüchtigten Affen-Selfie von 2011 folgte. Bei der Geschichte nahm sich ein Schopfaffe die Ausrüstung des britischen Naturfotografen David Slate, richtete die Kamera auf sein eigenes Gesicht und machte ein Bild. PETA argumentierte anschließend, dass der Makake Naruto das Urheberrecht an dem Foto besaß, sehr zur Verwirrung von Slate.

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Wer ist jetzt der Fotograf? / © Wikipedia

Mittlerweile gelten die Fotos als gemeinfrei, nachdem sie von mehreren britischen Zeitungen veröffentlicht wurden und da sie das Werk eines nicht-menschlichen Lebewesen waren, behauptete das Online-Repository für frei verwendbare Bilder, Wikimedia Commons, dass es keinen menschlichen Urheber gäbe, dem das Copyright zustehe.

Heute habe ich das Gefühl, dass es mit der Künstlichen Intelligenz im Kunstbereich in die gleiche Richtung geht. Wenn eine intelligente Maschine ein Gemälde, ein Lied, ein Gedicht oder eine Skulptur schafft, wem verdanken wir dann die Entstehung? Und wenn die Antwort unklar ist, was wird die Kunstwelt ohne anerkannte Künstler machen?

Wer ist der wahre Künstler?

Das Porträt von Edmond Belamy wurde von einem Algorithmus erstellt, der aus zwei Teilen besteht: Wir wissen bereits, dass Algorithmen gute Fälscher sind und ein Bild oder ein Musikstück im Stil eines Künstlers schaffen können, den es im Detail "studiert" hat. Durch die Einspeisung von 15.000 Porträts, die zwischen dem 14. und 20. Jahrhundert entstanden sind, konnte der Algorithmus ein Porträt in einem ähnlichen Stil erstellen. Der Amadeus Code, das KI-Tool für Songwriting, funktioniert nach dem gleichen Prinzip. Das ist die Seite des Erstellers (Generator) eines Algorithmus.

Die zweite Seite, Diskriminator genannt, fungiert als Kontrolleur. Es versucht den Unterschied zwischen einer detaillierte Kopie von ursprünglich von Menschen gemalten Porträts und neuen Kreationen der Generatorseite zu erkennen. Das Ziel des Generators ist es, den Diskriminator zu täuschen. Der Generator lernt aus seinen Fehlern, wenn der Diskriminator korrekte Schätzungen vornimmt. Die Idee dahinter ist, den Fälscher (Generator) kreativer werden zu lassen, indem man ihn dazu zwingt, den Detektiv (Diskriminator) auszutricksen.

Portrait of Edmond Belamy
Das Gemälde mit dem Titel: Portrait of Edmond Belamy, erstellt von einer KI. / © Ovious

Diese Methode wird als erzeugendes gegnerisches Netzwerk oder Generative Adversarial Networks (GAN) bezeichnet. Es wurde 2014 von Ian Goodfellow ins Leben gerufen und hat bei den Mitarbeitern im Bereich des maschinellen Lernens für Begeisterung gesorgt. GAN soll Maschinen eine Art der "Fantasie" geben, oder zumindest so etwas ähnliches. Aber gilt so etwas als wahre Kreativität? Lässt GAN eine Maschine zum Künstler werden?

Der Top-Down- gegen den Bottom-Up-Ansatz

Möglicherweise habt Ihr bereits von Top-Down- und Bottom-Up-Designs gehört, die bei Denk-, Lehr- oder Führungsstrukturen beliebt sind. Beide sind Systeme der Informationsverarbeitung. Sie sollen uns dabei helfen zu verstehen, was passiert, wenn ein Algorithmus oder eine KI Probleme löst.

Der Top-Down-Ansatz, manchmal auch als logisches Denken bezeichnet, funktioniert wie folgt: Ein Programmierer speist Informationen und Daten mit analytischer Logik in einen Computer ein, nachdem er bereits den Ansatz zur Lösung des Problems oder der anstehenden Aufgabe gefunden hat. Der Computer durchsucht dann eine Reihe von Algorithmen, um ein Endergebnis zu erhalten.

Beim Bottom-up-Ansatz geht es darum, ein System zu schaffen, das mehr ist als die Summe seiner Teile. Hier soll durch die Zusammenfassung einfacherer Systeme oder Algorithmen eine wesentlich komplexeres System erschaffen werden. Es geht also weniger darum, den Regeln zu folgen, um eine Antwort zu finden. Vielmehr werden viele einfachere Prozesse kombiniert, um gemeinsam komplexe Ideen zu entwickeln. Wenn eine KI jemals wirklich kreativ sein wird, muss sie also den Bottom-up-Ansatz nutzen.

Und wann wird es kreativ?

Es besteht kein Zweifel daran, dass wir mit neuen Techniken und Fortschritten im Bereich des maschinellen Lernens kreativen Computern näher sind als je zuvor. Aber die grundlegende Frage bleibt: Hat der Computer das Kunstwerk geschaffen, oder war es der Mensch, der die KI dazu ausgebildet hat Kunst zu erschaffen?

Hier muss man wohl auch die Definition von Kunst selbst mit einbeziehen. Doch bevor wir uns hier in einer Grundsatzdiskussion verirren, nehmen wir als kleinsten gemeinsamen Nenner, dass echte Kunst eine gewisse Originalität inne haben muss. Natürlich könnte man eine Person (oder einen Computer) dazu ausbilden, Gemälde im Stil von Pablo Picasso oder Lieder im Stil von Nirvana zu schaffen, aber das unterscheidet sich dann trotzdem von der Schaffung etwas völlig Eigenem.

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KI-Tools können Songs erstellen, sind aber stark auf Datensätze angewiesen, um ähnliche Ergebnisse zu erzielen. / © AndroidPIT

Das andere Problem, das ich damit habe solche KI-Kunst als kreativ zu bezeichnen, ist der notwendige menschliche Input. Die Maschine, die das Porträt von Edmond Belamy schuf, tat das auf "Aufforderung" von Menschen. Damit Maschinen als kreativ eingestuft werden können, müssen wir dahin kommen, dass eine KI Kunst schafft, um etwas auszudrücken und nicht wegen speziellen Anweisungen.

Es klingt verrückt: Einen Computer der einfach nur malen, schreiben oder komponieren möchte und nicht soll? Ja, denn genau dorthin müssen wir meiner Meinung nach gelangen. Davor können wir eine KI nicht als "den Künstler" hinter einem Werk bezeichnen.

Was sagt Ihr dazu? Werden wir jemals ein Stadium erreichen, in dem wir Computer als kreativ bezeichnen können? Oder werden wir eines Tages einen berühmten KI-Künstler sehen?

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11 Kommentare

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  • Windows produzierte frueher gelegentlich sehr kreative Bluescreens :D


  • Input = Output

    ...die Maschine gibt aus, womit sie zuvor gefüttert wurde....


  • Kunst bleibt Ansichtssache.

    Tim


  • "Damit Maschinen als kreativ eingestuft werden können, müssen wir dahin kommen, dass eine KI Kunst schafft, um etwas auszudrücken und nicht wegen speziellen Anweisungen."

    Hieße das im Gegenzug, ein Künstler, der nicht aufgrund einer intrinsischen Motivation (dem eigenen Wunsch etwas auszudrücken, zu schaffen, etc) sondern aufgrund einer extrinsischen Motivation (Geld, Ruhm, Anerkennung, etc) etwas tut, erschafft keine Kunst?
    Heißt das sämtlich Auftragswerke, der großen klassischen Künstler wie Mozart oder DaVinci u.s.w. sind keine Kunst?


    • Mozart und DaVinci hatten die Wahl ob sie "Geld, Ruhm, Anerkennung, etc" versuchen über ihre Werke zu erlangen oder eben auf andere Weise, vorausgesetzt dies war tatsächlich ihre Motivation, was wir ja nicht wissen, beide sind Tot und können hierzu nicht mehr befragt werden.
      Ein derzeit als KI bezeichnete Maschine hat diese Wahl nicht, sie muss das machen für was Sie programmiert wurde und erschafft nichts aus eigenem Antrieb, ob jetzt aus intrinsischer oder extrinsischer Motivation.
      Mozart oder DaVinci u.s.w. hatten die Wahl die Auftragswerke abzulehnen, eine heutige KI nicht.


      • KI kann auch den Auftrag ablehnen....Error.

        Heutigen jetzigen und zukünftige Künstler haben auch die Wahl mit was man Ruhm und Reichtum erlangen kann... DSDS, YouTube etc.
        Nur heutzutage geht das schneller weltweit bekannt zu werden durch Internet als zu Zeiten von Mozart und DaVinci. Heutzutage kann man sich auch schneller blamieren .
        🤔🙈🤦🏻‍♂️ 🎤🤩


      • stimmt, aber ein Error bedeutet, dass die KI den Auftrag nicht versteht. Also entweder hat sie vom Auftraggeber nicht alle nötigen Infos bekommen, der Schöpfer der KI hat beim erstellen der KI einen Fehler gemacht oder die KI erhält einen Auftrag, dessen Umsetzung ihr nicht einprogrammiert wurde.
        All diese Varianten zeigen allerdings wie Beschränkt KIs heute noch sind, ein wirklicher Künstler würde in solchen Fällen nciht nur "Error" rufen sondern nach den fehlenden Informationen fragen (OK, das machen heutige KIs evtl. schon), einen weg finden einen von seienm Shöpfer bei seiner Erstellung begangenen Fehler selbstständig zu beheben bzw. zu umgehen (dies funktioniert heute noch nicht) oder im dritten Fall: Die Umsetzung selbst erlernen bzw. selbstständig nach einem Weg suchen dies zu tun (da versucht man KI bereits hin zu bringen). Aber heuteoge KI kann eben nicht alle diese Punkt. Vor allem das selbständige Lernen muss gegeben sein für Kreative Arbeit und das ist noch nciht der Fall, auch wenn daran schon geforscht wird.


  • Sofern die KI nicht kritisch selbstreflektiert schafft er keine Kunst, sondern nur Produkte. Denn Kunst ist mehr als nur Blaupausen generieren


  • Wie sagt man so schön?
    "bilde einen Satz mit Kunst."

    "kunst mi mol am Arsxx lecken."

    Die Programmierung von dem Kram ist kreativ, vielleicht auch eine Kunst, aber eine Maschine ist nicht kreativ weil dazu eine geistige Leistung notwendig ist.... So sehe ich das.
    Ob es Kunst ist..... Wer es so sieht kann es so nennen.

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