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Kommentar 3 Min Lesezeit 60 Kommentare

Google Chat ist nicht "eine weitere Chat-App" - zum Glück!

Google macht, was es gut kann und verschmelzt die Erkenntnisse mehrerer Teams zu einem vielversprechenden, neuen Produkt. Das ziemlich gelungene Design des ziemlich erfolglosen Messengers Allo wird recyclet für das ziemlich vielversprechende Google Chat. Warum Chat vielversprechend ist? Weil es anstelle auf ein eigenes Chat-System auf einen 2016 endlich ausreichend definierten Standard setzt, der schon seit rund zehn Jahren ausgehandelt wird. Und der könnte einiges in Bewegung setzen.

Eigentlich kam nur, was kommen musste. Kollege Hans-Georg hatte den Tod von Allo vorhergesehen und schon damals betont, dass RCS in Android Messages unterschätzt wird. Nun wird Google Messages endlich zu Chat aufgewertet und die neue App bekommt das Allo-Design. Das Team hinter Allo soll sich ab sofort um Chat kümmern.

Chat ist Googles neuer Client, der Nachrichten im RCS-Standard an die Masse bringt. Der schon seit 2008 diskutierte und 2016 per Universal Profile ausreichend verhandelte SMS-Nachfolger unterstützt Chat, Gruppenchat, Dateitransfer, Audio-Botschaften, Video-Sharing, Synchronisierung über mehrere Geräte, "Enriched Calling", Standort-Freigabe und Zeichnungen in Echtzeit.

Alle machen mit, außer i-ner

Zumindest das Universal Profile von RCS wurde von genügend Hardware- und Software-Herstellern sowie Providern abgesegnet, um Bewegung in den Markt zu bringen. Vodafone, Telefónica und Telekom sind dabei, genau so wie HTC, Lenovo, LG, Huawei und Samsung. Apple fehlt. Aber Apple wäre in diesem Fall gehörig in der Minderheit.

Das Wichtigste hierbei ist: Diese Bewegung ist im Sinne des Verbrauchers. Denn bisherige Alternativen zur extrem Feature-begrenzten SMS Lösung waren Chat-Clients. Und die brachten uns in die Abhängigkeit von Internet-Dienstleistern wie WhatsApp/Facebook, die unsere Daten und die unserer Kontakte vermarktet haben. RCS hingegen läuft über den Provider; eine Instanz, mit der wir ohnehin schon im Kontakt stehen.

Und jeder dieser Internet-Dienstleister, sei es Telegram, WhatsApp, Signal oder ein anderer, bedeutete das Betreten eines eigenen eingezäunten Gartens. Wir mussten mehrere solcher Messenger auf einmal installieren, um all unsere Freunde zu erreichen, die in den jeweiligen Gärten verteilt waren. Das hat mit RCS ein Ende.

"Standard" heißt: Alle Messenger/Smartphones/Provider können RCS

RCS ist ein Standard. Das heißt, Eure RCS-Nachrichten könnt Ihr von O2/Telekom/Vodafone zu den jeweils anderen Providern senden und von ihnen empfangen. Heißt, Ihr könnt sie von Google Chat aus senden und Euer Gegenüber kann sie mit Vodafone Message+ oder Telekom Message+ (O2 Message+Call wurde eingestellt, RCS besteht jedoch fort) empfangen und umgekehrt.

Und was ist mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung?

Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, bei denen Nachrichten erst auf dem Gerät des jeweiligen Empfängers entschlüsselt werden, ist so in RCS nicht vorgesehen. Doch ist sie umsetzbar. Auch im antiquierten Messenger ICQ hat es derlei Lösungen gegeben. OTR-Chat ist nicht vom Transportpfad abhängig.

Es kann sogar sein, dass etablierte Messenger wie Threema, Telegram oder sogar WhatsApp RCS-Funktionalität nachrüsten und ihre jeweiligen Verschlüsselungs-Optionen auf den neuen Standard ummünzen.

Warum haben wir dann so lange gewartet?

Die Frage, warum RCS erst jetzt kommt, kann ich nicht abschließend beantworten. Bei der Ausarbeitung von Industriestandards sind viele Teilnehmer am Werk und jeder von ihnen will seine Interessen im Resultat vertreten sehen. Provider wollen die leidige SMS loswerden und langfristig auf All-IP umrüsten, um Infrastruktur-Overhead und Altlasten abzubauen. Aber Apple will mit iMessage ein Alleinstellungsmerkmal beschützen. Doch diesen Zwiespalt hat Russel Holly von Android Central ausreichend erörtert.

Das Warten hat jedenfalls spätestens zur Google IO ein Ende. Und dann freue ich mich gewaltig auf RCS-basierten Chat für alle - und zwar nicht nur für Nutzer von Google-Chat.

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60 Kommentare

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  •   4
    Gelöschter Account vor 3 Wochen Link zum Kommentar

    Sechs Anläufe und trotzdem haben die es nicht kapiert. Der Markt gehört WhatsApp & Telegram


    • H.E. vor 3 Wochen Link zum Kommentar

      Aber nur in Europa, in Asien oder in den USA sieht es ganz anders aus. Schließe bitte nicht von unserem Markt auf alle Märkte.


      • Tenten vor 3 Wochen Link zum Kommentar

        Das ist richtig, aber auch dort haben sich bereits etliche andere etabliert und Google wird da kein Bein auf den Boden bringen.


      • H.E. vor 3 Wochen Link zum Kommentar

        Um das geht es doch gar nicht. Man versucht einen Standard zu schaffen über alle Geräte hinweg.


  • Vom Prinzip her habe ich das ja verstanden. Ist halt wie SMS was jedes Telefon auf der Welt empfangen kann.
    Aber ist es denn mehr als das? Kann es genau soviel wie Whatsapp und co.? Chatten, Voice Message, Video Telefonie? Und wenn ja ist es dann kostenpflichtig wie SMS? Wenn nicht wird man bei Whatsapp bleiben, weil dort eben alles für lau ist.


    • H.E. vor 3 Wochen Link zum Kommentar

      Nun wenn beide auf RCS gehen sollte es kostenfrei bleiben. Und nicht für (lau) Daten wie bei Whatsapp. So wie es auch auf dem IPhone mit IMessage ist untereinander kostenfrei.


  • Es muss übrigens "Google verschmilzt" und nicht "Google verschmelzt" heissen.


  • Max vor 3 Wochen Link zum Kommentar

    RCS Protokoll wird bei der Android Messages App, seit Ende 2017 bereits unterstützt, von daher was ist da jetzt neu?

    Man kann also nur mutmaßen was dieser Kommentar Aussagen soll, vielleicht wird die Messages App umbenannt. Vielleicht gibt es einen neuen Goggle Messenger App die RCS auch unterstützt?


  • Karl E vor 3 Wochen Link zum Kommentar

    Ich sehe großes Potential bei diesem Thema, es könnte WhatsApp ablösen, wenn alle zusammen arbeiten und das Endergebnis funktioniert.
    Allerdings sehe ich die große Gefahr, dass es scheitert, und wenn es klappt und weltweit eingeführt wird, sozusagen als SMS plus, dann sicher weil es der Spionage dienen wird und dann ist jeder selbst gefragt, ob er verschlüsselt.... aber Spionage ist eh bei JEDEM System möglich, nicht nur bei WhatsApp, es ist nur ne Frage des Aufwands und ob der einzelne User was dagegen unternehmen kann ... und viel wichtiger will.....den den meisten gehts am Popo vorbei, egal wie verängstigt man tut... Reden und Handeln liegen nicht auf einer Linie und genau so wird es wohl dann, falls keine Totgeburt, bei Chat auch sein. Aber plattformübergreifend als SMS plus hat es tatsächlich Chance WhatsApp in einigen Jahren abzulösen... falls WhatsApp sich das gefallen lassen wird.


  • Und so einige hier haben nicht verstanden das sie niemandem zum "Wechsel" irgend eines Clients bringen müssen, RCS ist einfach eine Erweiterung der SMS und wird auf Millionen Geräten der teilnehmenden Hersteller sowieso einfach mitlaufen und drauf sein. Ich kann ja auch heute noch jemandem ne SMS schicken, obwohl ich tausend andere Messenger installiert habe, und so uralt der Knochen des anderen auch sein mag, die SMS wird er immer bekommen. Jetzt hab ich hingegen die Möglichkeit in der SMS noch viel mehr machen zu können, und kann das empfangende Gerät das nicht, bekommts ne SMS die wieder ankommt...kompatibler geht es nicht!


    • H.E. vor 3 Wochen Link zum Kommentar

      Genau so verstehe ich das auch, und alle die gleich schreien brauche ich nicht, will ich nicht oder Totgeburt. Die sollten bevor Sie irgend etwas schreiben, erstens den Artikel richtig lesen und wenn Sie nicht in der Lage sind es zu begreifen, einfach mal nachfragen oder ......


  • Aries vor 3 Wochen Link zum Kommentar

    So ein Unsinn! Niemand braucht RCS. Alles schon vorhanden und älter als RCS. Für RCS ist noch kein RFC geschrieben, das sollte uns aber wichtig sein, wenn das Internet nicht durch die Hintertür von Konzernen gekapert werden soll.

    Anstatt RCS sollten die Konzerne ihre Kraft in XMPP und OMEMO investieren. Ich hoffe, das ist der Grund, warum Apple nicht mitmacht. Leider ist diese Firma allerdings in der Vergangenheit auch mit Eigenlösungen negativ aufgefallen.


    • Genausowenig braucht irgendwer sms. Jetzt haben sich aber 55 provider der Welt drauf geeinigt, wie sie RCS verkehrstauglich machen. Also werden wir es auf kommenden smartphones haben. Einen standardkonformen, interoperablen client zu entwickeln, der demnächst auf zwei Milliarden Endgeräten läuft, und dessen Nachrichten auf 5.5 Milliarden Handys gelesen werden können, ohne dass deren Nutzer etwas dafür konfigurieren müssen, halte ich für gar keinen so überflüssigen Schritt.


      • Aries vor 3 Wochen Link zum Kommentar

        Leider haben sich Provider auf ein neues, properitäres Verfahren entschieden. Gut ist das nicht!

        Was bei E-Mail funktioniert hat, wird bei Messaging zu Lasten von offenen Verfahen in geschlossene Systeme gesteckt. Es ist egal, ob ein Walled Garden von einer Firma oder von 55 betrieben wird. Es bleibt ein geschlossenens System und läuft dem Internetgedanken zuwider.


      • Aber eigentlich wird hier doch ein totes Pferd geritten, den Versuch einen RCS basierten Nachfolger von SMS und MMS zu etablieren, gab es schon 2012 mit dem Produkt "joyn":

        https://de.m.wikipedia.org/wiki/Joyn

        https://web.archive.org/web/20130128180356/http://www.joynus.com:80/de/uber-joyn/

        Damals wollten die Netzbetreiber Geld pro Nachricht wie bei der SMS, und selbst wenn RCS Erfolg haben sollte, weil es eine Weile kostenlos angeboten wird, muss man davon ausgehen, dass irgendwann ggf. wieder Gebühren dafür erhoben werden.
        Joyn war kein Erfolg, so wenig wie "Hangouts", das vor ein paar Jahren auf Millionen von Android-Geräten vorinstalliert war, also ohne zusätzliche App hätte gleich genutzt werden können.
        Dagegen wurde WA (das ich selber nicht nutze) ein Riesenerfolg. Obwohl man eine App installieren und konfigurieren muss und trotz der Datenschutzproblematik nutzen Milliarden Menschen, vom Kleinkind bis zum Greis WA.
        Womit also will ein RCS-Messenger punkten, und WA Marktanteile wegnehmen?
        Die SMS-Anbindung ist ein Vorteil, aber die ließe sich, wie "iMessage" zeigt, auch in andere Messenger einschliesslich WA integrieren.
        Wenn die Netzbetreiber im Spiel sind, dürfte es auch nur mit Webseiten-Tricksereien möglich sein, solche Messenger auf Tablets und PC's ohne Mobilfunkmodem zu nutzen.
        XMPP ist eine offene, providerunabhängige Alternative zu RCS, die sich problemlos auf Tablets und PC's nutzen ließ, dem man die SMS-Anbindung sicher auch noch beibringen könnte, und das als moderne Alternative zu RCS keine Nachteile ihm gegenüber hätte.
        Ob sich ein solcher Messenger gegen WA durchsetzen könnte, bleibt natürlich wie bei RCS eine offene Frage.

        Quellen: wikipedia, web.archive.org


      • H.E. vor 3 Wochen Link zum Kommentar

        @Michael K. Deine Idee in allen Ehren, aber damit hast du noch weniger Erfolg als jeder andere auf dem Markt.

        Weil? Weil keine zu einem andern Anbieter umsteigen wird, aber einen Dienst pushen der sowie so auf dem Smartphone vorhanden ist, das ist in meinen Augen eventuell doch intelligenter als deine Idee.

        Und na gut dann wird das tote Pferd halt noch eine Runde geritten, eventuell kann man es ja wiederbeleben.


      • XMPP ist ein Messenger Protokoll, das auf TCP/IP basiert, und damit im Prinzip von jedem internetfähigem Gerät sofort genutzt werden kann, während RCS ein Protokoll für Mobilfunknetze ist. Es ist längst ausentwickelt und wird dennoch erweitert, es gibt Clients dafür und es ist ein viel universellerer Ansatz als RCS. Leider scheint die grosse Mehrheit der Nutzer propritäre Ansätze zu bevorzugen.
        Ob Google da noch was ändern kann, weiss ich auch nicht, aber wenn sie schon eine universelle standardisierte Lösung anstreben, dann hätte ich doch gehofft, dass sie das gleich richtig angehen. RCS muss von den Mobilfunkanbietern unterstützt werden, einen Client brauch ich auch dafür.
        Wozu sollen die Mobilfunkprovider da mitmischen, und überhaupt, das Internet ist viel größer als die Mobilfunknetze.
        Es wurde schon 2012 released, weil die propritären Messenger "nicht monetarisierbar" für die Provider waren, ich glaube da erübrigt sich jedes weitere Wort.

        https://de.m.wikipedia.org/wiki/Extensible_Messaging_and_Presence_Protocol

        Auch wenn es mich ehrt: von mir ist da gar nichts.

        Hangouts war bis vor kurzem auch noch auf allen Androiden vorinstalliert, der Konfigurationsaufwand war minimal. iPhones konnte man damit so wenig erreichen, wie das voraussichtlich mit RCS der Fall sein wird. Zum Durchbruch hat das Hangouts auch nicht verholfen. Wo liegt jetzt der strategische Vorteil von RCS, wenn man von der SMS-Einbindung mal absieht?

        Quelle: wikipedia


      • H.E. vor 3 Wochen Link zum Kommentar

        @ Michael K. du magst ja durchaus Recht haben, aber dazu benötigst Du wieder eine separate App, und der Großteil der Nutzer wird das nicht machen wollen, weil ja alle Kontakte die haben müssten, das ist Problem eins, daher würden Sie alle bei deinem Ansatz bei WhatsApp bleiben, und es wäre auch nichts gewonnen. Wenn man aber auf einen Ansatz geht, der sowieso schon auf dem Gerät ist, dann sieht es in meinen Augen etwas anders aus. Es muss nur noch dem Nutzer nahe gebracht werden, wie es funktioniert, und welche Möglichkeiten es damit gibt.

        Ich habe mir mal den Link angesehen, und da sieht man schon schön welche Einschränkungen es dort gibt, nicht jeden Clienten gibt es für jede Plattform.

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