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Kommentar 6 Min Lesezeit 64 Kommentare

Facebook! Daten! Skandal! Reflexe bringen uns nicht weiter

Facebook hat eine Horrorwoche hinter sich. Mehrere Datenskandale kulminieren zu einem Gesamteindruck: Facebook verhökert die Daten seiner User an zwielichtige Firmen, die im Gegenzug absurde demokratische Entscheidungen erzwingen: Trump und Brexit. Ja, Facebook ist eine Datenkrake. Aber die aktuellen Ereignisse um Cambridge Analytica haben auch eine andere Seite der Medaille. Eine, die weniger quotenträchtig, dafür um so sperriger ist.

Frei nach Heinrich Heine könnten wir dichten: "Denk ich an meine Facebook-Daten in der Nacht / Dann bin ich um den Schlaf gebracht". Geradezu reflexhaft reagieren User und Medien mit Artikeln, Kommentaren und Ausstiegsanleitungen – auch wir haben uns dem Thema Facebook entsprechend gewidmet. Auch zurecht: Facebook speichert eine erhebliche Menge an Daten über jeden einzelnen von uns und weiß vielleicht mehr, als wir über uns selbst. Missbrauchsgefahren sind überall – da braucht es keine zwei Minuten, um sich die Gefahren zu versinnbildlichen. Aber ohne Fakten geht es auch wieder nicht.

Die Protagonisten in diesem Facebook-Daten-Drama

  • Aleksandr Kogan : Entwickelte die App "Test your Personality" und sammelte damit Daten über 50 Millionen Facebook-User.
  • Cambridge Analytica: Eine Firma, die letztlich an diesen Datensatz gekommen ist.
  • Christopher Wylie : Whistleblower, der die Geschichte einer Journalistin vom Guardian erzählte.
  • Brexit: Abstimmung wurde angeblich mit Cambridge-Analytica-Daten manipuliert.
  • Donald Trump: Wurde Präsident der USA, angeblich dank der Hilfe von Cambridge Analytica.

Und wie sie darin verstrickt sind

Ein Medium-Blog von Chris Kavanagh, einem kognitiven Anthropologen an der Universität Oxford, wirft einen nüchternen Blick auf den Facebook-Datenskandal. Lest den ganzen Artikel, denn er ist höchst informativ. Für meinen Zweck will ich einige Thesen zusammenfassen:

  1. Es gab keinen Daten-Leak: Die User-Daten, die bei Cambridge Analytica gelandet sind, waren damals öffentlich für Facebook-Apps einsehbar. Es muss tausende Entwickler mit entsprechenden Apps gegeben haben. Diese Möglichkeiten sind seit 2015 nicht mehr zugänglich.
  2. Es ist wichtig, zwischen Daten zu unterscheiden, die Facebook über das User-Verhalten sammelt und jenen, die für App-Entwickler zugänglich waren: Die internen Daten beinhalten zum Beispiel Likes, wie lange User einen Beitrag betrachtet haben, etc. Diese sind wertvoll, weil sie Mikro-Targeting ermöglichen.
  3. Bei Cambridge Analytica kamen Daten an, die ein Entwickler mit Hilfe einer Quiz-App über User und deren Freunde gesammelt hatte. Dabei handelte es sich aber um Profilinformationen, die nicht ansatzweise so detailliert sind, als dass sie sinnvoll für Mikro-Targeting verwendet werden könnten.
  4. Kernproblem ist, dass es Entwicklern eigentlich nicht erlaubt ist, die erfassten User-Daten zu verkaufen, was aber offenbar geschehen ist.

Kavanagh weist auch auf einen Umstand hin, der ebenfalls dubios erscheint, und zwar auf Seiten der Berichterstattung. Der angebliche Leaker Chris Wylie, der die Story über die Cambridge-Analytica-Daten an Journalisten weitergegeben hat, wird in den Original-Stories gewissermaßen zum Über-Genie stilisiert:

“when Wylie turns the full force of his attention to something — his strategic brain, his attention to detail, his ability to plan 12 moves ahead — it is sometimes slightly terrifying to behold” … “his suite of extraordinary talents include the kind of high-level political skills that makes House of Cards look like The Great British Bake Off.”

Chris Kavanagh kommentiert dazu trocken: "Wow… what a guy."

Genau hinsehen

Hat also die Faszination einer Journalistin uns ein wenig in die Irre geführt? Fast scheint es so. Denn der Vorwurf über die Facebook-Daten ist ja, dass die Daten von 50 Millionen Menschen benutzt worden seien, um demokratische Entscheidungen zu beeinflussen – Brexit und Trump also ohne Cambridge Analytica vielleicht nicht stattgefunden hätten.

Ohne in die Details zu gehen: Offenbar ist diese Behauptung mindestens fragwürdig. Alles dreht sich hier um die Frage des Mikro-Targeting. Die Daten der 50 Millionen User bestehen ja vor allem aus Profilinformationen, die User selbst eingegeben haben. Kogan behauptet, die Vorhersage für Persönlichkeitseigenschaften sei in fünf von sechs Fällen völlig falsch gewesen. Ein darauf basierendes Mikro-Targeting hätte also vermutlich eher den gegenteiligen Effekt gehabt. Und überhaupt der Trump-Sieg: Cambridge Analytica hatte zuvor Ted Cruz bei seiner Vorwahl-Kampagne geholfen. Trump hat Cruz vernichtend geschlagen.

Was bleibt also übrig? 50 Millionen Datensätze über User-Profile, die weit weniger aussagekräftig sind, als gemeinhin dargestellt. Eine Sammlung von Anruf- und SMS-Daten, zu denen die User wahrscheinlich eine Einstimmung gegeben haben, auch wenn sie sich dessen vielleicht gar nicht bewusst sind.

Natürlich ist die Aktion für Facebook ein großes Problem. Für Cambridge Analytica und Chris Wylie ist sie aber auch ein PR-Stunt. Sie sagen letztlich: "Seht her, was wir alles können!"

Aber wartet, da ist mehr!

Die obigen Ausführungen sollen nicht darüber hinweg täuschen, dass etwas gewaltig schief läuft. Allen voran Facebook und Google leben davon, Daten über ihre User zu sammeln und zu Geld zu machen. Facebook weiß nicht viel von mir? Falsch gedacht: Jede einzelne Aktion auf Facebook wird protokolliert und für passendere Werbung ausgewertet. Facebook trackt Euch, sobald auf einer Webseite ein aktives Facebook-Widget eingebunden ist. So hat Facebook eine recht genaue Vorstellung über Eure Surfgewohnheiten. Google? Dito. Jeder Klick in der Google-Suche wird sorgfältig protokolliert. IP-Adresse und Browser-Kennung reichen schon aus, um Euch ziemlich genau zu identifizieren. Google hat mit den Daten unserer Smartphones einen riesigen Datenschatz darüber, wie wir die Welt erleben.

Werbenetzwerke schnüffeln ebenso notorisch unsere Gewohnheiten aus. Retargeting zum Beispiel: Nachdem Ihr bei einem Händler ein Produkt angeschaut habt, seht Ihr die Werbung bei Facebook, Google und auf allen möglichen Webseiten. Manchmal für Tage.

Facebook & Google vs. Apple

Facebook und Google haben einiges gemeinsam. Allen voran ihre Einstellung zu den Nutzern: Die Nutzer sind das Produkt, das beide Konzerne zu Geld machen. Das geschieht weitgehend via Werbung. Mindestens Facebook hat so detaillierte Möglichkeiten, Werbung auszuspielen, dass hierbei problematische Dinge wie politische Einflussnahme durchaus möglich sind. Früher konnten Werbetreibende angeblich aber auch Personen adressieren - und zwar nach den Merkmalen “stressed”, “defeated”, “overwhelmed”, “anxious”, “nervous”, “stupid”, “silly”, “useless” und “failure” wie der Guardian einst berichtete. Was soll da bitte schief gehen können?

Apple hingegen setzt sich zumindest öffentlich ab von den Machenschaften bei Facebook und Google. Stattdessen stellt man das Thema Privatsphäre als wichtigen Selling Point schon seit Jahren in den Mittelpunkt. Nun bleibt unklar, wie viel davon zu halten ist, aber eines ist schon ersichtlich: In den vergangenen Versionen von iOS und macOS verschärfte Apple die Gangart gegen allzu aufdringliches Tracking. Und sein Geld macht Apple nicht mit Werbung, sondern mit dem Verkauf von iPhones und Medieninhalten. Und das ziemlich erfolgreich. Richtig ist aber auch: Apple sammelt eine Menge Daten über seine Nutzer, ebenso viele andere Firmen. Die Hoffnung ist, dass so bessere Produkte entstehen. Der Knackpunkt ist dann aber die Anonymisierung. Offensichtlich ist auch der Zweck der Sammlung ein ganz anderer. Das gilt es, bei Kaufentscheidungen zu berücksichtigen.

Werdet Ihr Facebook und Google den Rücken kehren? Trefft Ihr andere Maßnahmen gegen Tracking & Co.? Lasst uns in den Kommentaren diskutieren!

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Top-Kommentare der Community

  • Aries vor 5 Monaten

    Mir geht auf die Nerven, dass Leute wie du mit meinen Daten verantwortungslos umgehen.

    Wenn du die Apps von Facebook, Instagram und WhatsApp nutzt, werden auch Daten deiner Kontakte übertragen. Sogar ganze SMS und Anruflisten können darunter sein.

    Ich nehme an, dass du nicht nur mit dir selbst kommunizierst, also sind Daten von Personen darunter, denen das nicht schmecken wird.

    Zur Nutzung der modernen Technik gehört auch der Respekt vor anderen Leuten und diesen Respekt lässt dein Beitrag nicht erkennen.

  • Reinhard Schäfer vor 5 Monaten

    Warum ist es fragwürdig, ob Trump seine Wahl durch die Eingriffe gewonnen hat oder ob der Brexit beeinflusst wurde? Wir wissen doch, wie die Facebook-Welt ist - eine Welt der Hypes und Blasen. Da meldet jemand etwas, dass gerade in die Zeit passt und sofort wird es tausendfach geliked, unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Meldung. Es muss nur ein Aufreger sein. Eine riesige Anzahl von Menschen bildet sich so heutzutage ihre Meinung und schwenkt auch ebenso schnell um. Fast wie Angela Merkel über lange Zeit hinweg.

    Vor politischen Entscheidungen kann man durch eine so große Anzahl von Mitgliedern schon etwas bewegen - zumal wir wissen, dass Trump seine Wahl nicht zahlenmäßig gewonnen hat, sondern durch das amerikanische Wahlsystem. Wenn hier noch etwas mehr Stimmen für Hillary Clinton abgegeben worden wären, dann hätten auch die Wahlmänner nicht mehr geholfen. Beim Brexit war es ebenso möglich, durch gezielte Beeinflussung die Stimmung gegen Europa anzuheizen.

    Wie viele Falschmeldungen gab es denn über Vergewaltigung durch Nordafrikaner, als das Thema gerade in den Schlagzeilen kursierte? Auch diese wurden über Facebook weiterverbreitet. So wird für etliche Menschen eine Lüge zur Wahrheit, weil ja so viele Likes und Teilungen nicht lügen können.

    In einer Zeit, in der das Medium Internet immer mehr Macht hat, müssen geeignete Instrumente her, diesem die Macht wieder zu rauben und Verantwortlichkeit entgegenzusetzen. Die Politik muss handeln, aber die Menschen müssen auch kritischer werden. Viele derer, die jetzt dem Hype gefolgt sind, ihren Account zu löschen, werden innerhalb der Frist diesen wiederbeleben oder einfach einen neuen anlegen, denn es wird bald bestimmt wieder einen Run auf Facebook geben, weil das Fähnchen nie lange in eine Richtung weht. Das kann sich schon die Wirtschaft nicht leisten, die Millionen über die Werbung dort verdient, deshalb werden bald wohlwollende Besänftigungen in den Medien auftauchen und ein Mäntelchen der scheinbaren neuen Sicherheit ausgebreitet, um die Massen wieder zu lenken. Alle geloben Besserung und machen weiter wie zuvor, nur jedes Mal etwas geschickter und tückischer.

    Wem gehören die meisten Massenmedien? Wirtschaftsbetrieben, insbesondere die Privatsender im Fernsehen und Rundfunk, auch Tageszeitungen, Magazine, Internetseiten. Entweder sind sie Teilhaber, stille oder öffentliche Besitzer oder mischen durch die Werbefinanzierung mit und beeinflussen die Nachrichten. Und mit den Nachrichten beeinflussen sie auch die Sichtweise der Menschen, die diese konsumieren. Ohne die Wirtschaft hätte die AfD in Deutschland nie so erfolgreich werden können - schließlich profitiert die Wirtschaft vom Erfolg dieser Partei besonders, weil diese nicht für die kleinen Leute Politik macht, aber von der Dummheit derselben profitiert - man kann sie so leicht mit Polemik und Fanatismus beeinflussen.

    Wir wissen ja alle, wie oft eine Zeit lang Berichte über Honor hier standen und kennen auf anderen Seiten Hitlisten, die sich oft gravierend voneinander unterscheiden. Da ist dann die Objektivität flöten, weil der Kommerz ruft. Ohne finanziellen Erfolg können nur öffentlich-rechtliche Seiten und Sender langfristig überleben. Deshalb ist es wichtig, wieder mehr Mündigkeit an den Bürger zu transportieren....auf Facebook hatte und hat man vielfach kaum mündige Menschen vorgefunden, die sich mit einer Sache tiefer auseinandersetzen und sie von mehreren Seiten betrachten. Und in den Kommentarspalten hier und anderswo, auch in den Tageszeitungen findet man oft mehr Kindergarten als Sachlichkeit. Und statt mit Humor auf manchen Kommentar zu reagieren (oder gar nicht), entstehen schnell Netz-Feindschaften.

    Also: alle mal innehalten und nachdenken und vielleicht wirklich Facebook über Bord werfen und schauen, ob die Zeit nicht sinnvoller verbracht werden kann, z.B. mit echten Freunden statt virtuellen.

  • Kai Schulz vor 5 Monaten

    AP warum seit ihr immer noch bei FB aktiv .

    Werdet doch selbst mal aktiv und setz ein Zeichen dagegen ,statt nur zu Hetzen in eure Artikel darüber.🤔

  • Tenten vor 5 Monaten

    Man sollte sich halt überlegen, ob man von dem System profitieren möchte oder ob man gegen das System ist. Einerseits über Facebook empört sein, aber es dann weiterhin unterstützen ist nicht sehr glaubwürdig. Da drängt sich der Verdacht auf, dass die Empörung vielleicht nur gespielt sein könnte, um auf dieser Welle mitzuschwimmen und Klicks zu generieren. Man kann nicht Wasser predigen und Wein trinken.

  • ChrisBlack2k vor 5 Monaten

    Als ich meinen Facebook-Account löschte wurde ich ernsthaft gefragt wie das Leben ohne Facebook denn so ist.
    Als ich anklingen ließe, dass ich WhatsApp lösche, wurde ich echt gefragt wie man mir dann schreiben könnte.

    Und ja, das sind erwachsene Menschen!

64 Kommentare

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  • C. F.
    • Blogger
    vor 5 Monaten Link zum Kommentar

    Jetzt haben wir uns alle in diversen Artikeln und Diskussionen ausgekotzt. Und jetzt? Was hat sich bei wem geändert?


  • Dass für eine Seite wie AndroidPit die Reichweite der Leserschaft enorm wichtig ist sollte jedem klar sein. Ich kann durchaus verstehen, dass sie aus finanziellen Gründen die sozialen Medien weiter nutzen.

    Oder würdet ihr 1-2 Mitarbeiter kündigen um so eventuellen Umsatzeinbußen zu korrigieren?!


    • Man sollte sich halt überlegen, ob man von dem System profitieren möchte oder ob man gegen das System ist. Einerseits über Facebook empört sein, aber es dann weiterhin unterstützen ist nicht sehr glaubwürdig. Da drängt sich der Verdacht auf, dass die Empörung vielleicht nur gespielt sein könnte, um auf dieser Welle mitzuschwimmen und Klicks zu generieren. Man kann nicht Wasser predigen und Wein trinken.


      • @Tenten
        genau diesen Inhalt habe ich auch in den anderen Themen zu FB von Eric gemeint. Ich finde es ebenfalls fragwürdig. Aber gut, ist nun mal so ähnlich wie bei einigen Smartfone Tests von "unliebsameren" Herstellern...da wird auch gern das "Sandkorn im Getriebe" gesucht und - besonders in der Bewertung - dann ohne es persönlich nachvollziehen zu können als Contra/Pro Punkt angegeben.


    • @ChrisBlack

      ...


  • Androidpit soll den konsequenten, sofortigen, mutigen und einzig richtigen Weg gehen und sich trauen auf diesen kriminellen Konzern ( Facebook / WhatsApp / Instagram ) zu verzichten, um ein großes SO NICHT Zeichen setzen.


  • Der Witz an dem ganzen Thema ist: Wir reden hier aktuell nur über Facebook, und wenig bis überhaupt nicht von anderen die ähnlich agieren.
    Noch schlimmer kommt es aber wenn wir mal über die aktuellen Assistenten wie Alexa, Google Home etc. reden würden.
    Bei Facebook, Google u. Co. geben wir ja jedes mal bewusst Informationen Preis. Also in dem Moment wo wir etwas darin tippen/eingeben.
    Bei den Lausch-Assistenten geben wir nichts bewusst ein, werden aber ständig abgehört was wir sagen. Angeblich sollen die Geräte nur reagieren wenn ein bestimmter Befehl erteilt wurde (warum hören sie aber ständig mit?). Wer's glaubt wird selig, oder hat jemand z.B. "bewusst" den Befehl an Facebook gegeben seine Daten zu vermarkten bzw. vermarkten zu lassen?
    Die Infos die die Lausch-Assistenten sammeln wird immer damit schön geredet, dass es nur dem Zwecks des "Lernens" des Gerätes dient um dann besser dienlich zu sein.
    Weil ich das nicht als einzigen Grund glaube, weil Erfahrungen zeigten das man sich auf solche Behauptungen nicht verlassen kann, liegt mein Google Home nach 1/2 Std. Nutzung nur noch im Regal u. verstaubt. Nur um eine Lampe per Assi anzuknippsen setzte ich mich doch keiner totalen Überwachung aus. Wie blöd ist das denn? No Smart Home, is a safe Home!


    • C. F.
      • Blogger
      vor 5 Monaten Link zum Kommentar

      Das Grundproblem ist das Nutzen von nicht-materiellen Diensten. Das suggeriert freie Nutzbarkeit ohne sichtbare Gegenleistungen. So auf die Art "das Internet und dessen Dienste sind frei und kostenlos für Jedermann". Und man vergisst dabei, dass es im Leben nichts umsonst gibt. Erwirbst Du ein Auto, möchte der Verkäufer Geld dafür. Willst Du am Ende des Monats Dein Gehalt auf dem Konto, musst Du vorher Deinem Arbeitgeber gegenüber Leistung erbringen. Ziehst Du Strom aus der Steckdose, kommt der Anbieter am Ende des Monats mit einer Rechnung. Etc pp. In all diesen Fällen geht man schriftlich einen Vertrag ein, den Du mit Deiner handschriftlichen Unterschrift bestätigen musst. Jeder liest diese Verträge mit ihrem Kleingedruckten vor Abschluss genaustens durch (unterschlage ich jetzt mal). Anders sieht das mit den AGB bei facebook, WhatsApp und Co aus. Gelesen hat sie keiner. Nur ganz am Schluss das OK angeklickt, um endlich loslegen zu können. Macht ja eh jeder so.

      Stell Dir mal vor, in jeder größeren Stadt gebe es für jede App einen Laden. Du willst facebook nutzen, also gehst Du in den nächsten facebook-Store. Die Verkäufer dort erklären Dir facebook in allen Farben und Facetten. Am Schluss, nachdem Du geäußert hast, dass das genau das ist, was Du möchtest, legt man Dir einen mehrseitigen Vertrag zur Unterschrift vor und erklärt Dir nochmals genau, womit Du eigentlich bezahlst, welche Rechte Du abtrittst, welche Inhalte von Dir und deinen "Freunden" an kommerzielle Einrichtungen gehen, um damit Geld zu verdienen. Natürlich gehen die gesammelten Daten an Versicherungen, Banken, Arbeitgeber, Krankenkassen. Aber nur, um keine falschen Schlüsse zu ziehen. Wir wissen nach kurzer Zeit, was sie täglich machen, wo Sie arbeiten, wer Ihre Freunde sind, Einkommen, Familienstand, Religion, Besitztümer, wann Sie wo mit wem Urlaub machen, welche Krankheiten Sie haben.....bitte unterschreiben Sie hier.

      Würden genau so viel unterschreiben wie ungelesen bei der App den AGB zugestimmt haben? Ich glaube nicht.

      Weiter geht's. Du willst WhatsApp nutzen? Also rüber zum WhatsApp-Laden. Am Schluß sagt der Verkäufer, Du kannst den Dienst erst nutzen, wenn Du mit den schriftlichen Einwilligungen aller Deiner Telefonbuchtkontakte wieder kommst. Und das würde man vor Ort schnell überprüfen. Dann wirst Du freigeschaltet. Nebenbei erklärt man noch, dass man alle Daten mit deinem facebook-Account, für den Du gerade gegenüber Interesse bekundet hast, ableichen werde. Man verspricht Dir dadurch ein viel besseres Nutzererlebnis. Und? Würdest Du nochmals in diesen Laden gehen? Wohl kaum.

      Na ja, aber wenigstens Googeln können. Also ab in den Google-Shop. Gleiches Spiel dort. Man weiß ja schon, dass Du zuerst bei facebook, danach bei WhatsApp warst und erklärt Dir ausführlich, was für tolle Nutzerprofile man aus all den Daten von Dir und Deinen Freunden generieren kann, Natürlich nur, um Dir ein besonderes Online-Erlebnis zu verschaffen und Dir nur die Werbung zu schicken, für dessen Produkte Du dich interessierst. Anbei der mehrseitige Vertrag, man bittet um Deine Unterschrift.

      Und das ist das Problem. Man sollte nicht einfach auf OK klicken können, wenn das Feld "AGB gelesen und damit einverstanden" kommt.


      • Ja, genau! Das ist das Problem. Wer ließt denn die AGBs (diese staubigen, langen Texte) überhaupt von oben bis unten. Selbst wenn man aus gegebenem Anlass motiviert ist schläft man bei den ersten AGB Absätzen meist schon ein, weil diese meist fast identisch mit allen anderen sind. Erst weiter unten, irgendwie halb versteckt kommen dann die wesentlichen Punkte, welche dann aber auch nur sehr knapp bzw. oberflächlich erwähnt werden. Wer es da eilig hat, stutzt evtl. ein wenig u. klickt dann trotzdem auf weiter.
        Eigentlich müsste das Sammeln u. Weitergeben von Personenbezogenen Daten grundsätzlich unter Strafe verboten werden. (ist es wohl irgendwie, aber auch irgendwie nicht) Nur mit Sondergenehmigung für Strafverfolgung evtl.. Wenn dann div. Dienste nicht mehr den "Service" bieten können, welcher aber nur durch sammeln von Daten möglich ist, dann gibt es nur 2 Möglichkeiten. 1. Entweder der Laden macht gleich wieder dicht. 2. Der Laden kann unter Auflagen u. staatlicher Aufsicht weiter geführt werden. Sollte dann evtl. der Staat Missbrauch betreiben, dann hilft eigentlich sowieso nichts mehr, außer man hält sich von sowas einfach grundsätzlich fern. Mehr fällt mir dazu auch kaum noch ein. Heute kann man sich eh auf nichts mehr verlassen, außer darauf abgezockt und ausgesaugt zu werden.


  • Das echt schlimme des menschoichen Verhaltens der Ignoranz, der Angst sicht damit auseinander setzen zu müssen, macht ja nicht bei Datenschutz halt, das ist ein sehr weitreichendes Phänomen, das getragen wird von meist nicht mehr vorhandenem echten Journalismus und Medien wie facebook bis auch hin zur Tagesschau, die Menschen manipulieren, absichtlich oder nicht, dass sie nur noch süchtig nach ihrer Komfortzone sind und politisches, kriegstreiberisches, wirtschaftsmafioses Verhalten in unserer Welt akzeptieren, weil sie eine fertige Meinung vorgesetzt bekommen. Bestes Beispiel war und ist dieser angebliche facebook-Skandal. Ich glaube erst mal nichts, nicht dieses Russenbasching, nicht das was im Nahen Osten passiert und erst recht nicht was bei facebook berichtet wird. Es geht nicht darum dass nichts passiert in dieser Welt, es geht darum, wie es von den Medien und Journalisten aufgearbeitet wird um Menschen eine bequeme Meinung, die im Sinne irgendwelcher Mächtigen im Hintergrund geschieht, vorgegeben wird, die dann in die Komfortzone der westlich geprägten Menschen passt. Menschen werden dadurch zu Zoombies, nur das sie nich Menschenfleisch brauchen, sondern medialen Müll.
    Dies hier ist ein Grund warum ich Menschen eigentlich nicht mag, obwohl ich mich andererseits so sehr als Menschenfreund empfinde, ich sehe so selten noch echte Menschen, und nicht die leeren bequemlichkeitssüchtigen Hüllen, die hier so rumirren und alles "fressen" was die Medien ihnen vorgekaut vors Gesicht "kotzen" ..... Wie sagt doch Fox Mulder: "Die Wahrheit ist da draussen!" .... und das stimmt, nur wir bekommen wenig davon mit. Darum ist auch der Datenskandal von facebook nur ein lächlerlicher Ansatz im dem Sinne, wie ich hier schreibe.

    P.S.: Ich fühle mich nicht frei von Beeinflussung durch Medien, ich versuche zu erkennen und meine Komfortzone zu verlassen, ab und an gelingt es mir und ich bin mir bewusst, dass ich trotz vieler Gegenmaßnahmen meinerseits, dennoch ziemlich Gläsern sein dürfte, auch weil ich aus Bequemlichkeit Google und facebook und einiges mehr benutze ..... aber mit abnehmenden Charakter.....


  • Habe eben gelesen das die deutsche Post unsere Daten an Parteien verkauft . Anllerdings hat Facebook diese nicht aktiv zu Verfügung gestellt die Post aber wohl und das schon seit 2005. Alle die in Deutschland eine Adresse haben sind dort gespeichert . Man muß um das zu verhindern schriftlich Eindpruch einlegen das man dieses nicht möchte . Macht natürlich kaum einer. Da ist ja Facebook noch Gold gegen , da muß ich zustimmen das die meine Daten speichern dürfen . Laut dem Bericht hat die Post Daten wie Kaufferhalten Bankverhalten, Geschlecht ,Alter,Bildung,Wohnsituation ,Familienstruktur,Wohnumfeldgestaltung und PKW Besitz . Außerdem kaufen die Daten vom Katasteramt und Krafthahrt- Bundesamt . Da ist Facebook ein Weisenknabe gegen . Habe immer schon gesagt egal was du machst oder du deine Daten einmal frei gibst du bist gläsern .


    • Ja, das gab es heute morgen schon bei Spiegel oder so zu lesen. Umso wichtiger ist es doch wohl, diesen Firmen endlich einmal zu verdeutlichen, dass wir uns das nicht gefallen lassen. Es nimmt überhand, bald jede Woche ein neuer Skandal in den Medien. Und anstatt etwas zu unternehmen, stehen alle nur dumm rum und zucken mit der Schulter. Peinlich!!


    • Daran kann man mal sehen was das BDSG wert ist, nämlich garnichts. Ich habe dem Kraftfahrtbundesamt nie meine Zustimmung zum Verkauf meiner Daten gegeben. Aber das wir alles ungestraft im Sande verlaufen. In wenigen Tagen spricht niemand mehr darüber. Über die "Banken-CD" spricht auch keiner mehr.


    • Aries vor 5 Monaten Link zum Kommentar

      Dass die Post Adresshandel betreibt, sollte eigentlich allgemein bekannt sein. Berichte dazu reihen bis mindestens 2010 zurück. Mir ist aus beruflichen Gründen bekannt, dass das seit mindestens 2003 passiert. Und seitdem kann man dem auch widersprechen. Die Robinsonliste gibt es schon sehr viel länger, allerdings ist deren Beachtung nicht zwingend.

      Der Datenhandel geht noch weiter. Die Wohngegend fließt zum Beispiel in die Bewertung bei der Schufa ein.

      Das ist aber kein Argument, Facebook zu verteidigen. Wenn ich das eine nicht mag, unterstütze ich doch nicht das andere freiwillig.


  • Facebook für mich seit Jahren schon immer eine große 💩🙊 wie bitcoin...


  • C. F.
    • Blogger
    vor 5 Monaten Link zum Kommentar

    Liebes AndroidPit-Team. Vielleicht solltet Ihr an dieser Stelle einmal einen ausführlichen Artikel mit dem Thema "Datenschutz - was ist das eigentlich? Und wie schütze ich meine Daten und die anderer?" bringen?


    • J. G. vor 5 Monaten Link zum Kommentar

      Datenschutz???? Die Einzigen, die das derzeit mit einer gewissen Konsequenz betreiben (allerdings aus fehlgeleiteten Motiven) und mir daher u.a. auf den (beruflichen) Sack gehen, sind die sog. Reichsdeutschen!
      Alle Anderen gieren nach einem Fingerprint- und Fressenscanner, weil sie zu faul (und/oder intellektuell überfordert) sind, um sich ein Passwort oder einen PIN zu merken und einzugeben. Die gleichen Leute lieben die Cent-Krümel, die bei freiwilliger Datenübergabe an PayBack und anderen Kommerz-Stasi-Diensten als Belohnung abfallen. Wir sind die "Indianer", die für Glasperlen und Feuerwasser unser Land verkaufen... Datenschutzbewußtsein bei einer Gesellschaft zu erwarten, die lieber eine Wearable mit Vitaldaten-Übermittlung an amerikanische Server trägt und sich nicht mal schämt, angefressene Burger als Ausdruck ihrer Dekadenz ins Netz hochzuladen, scheint mir die Hoffnung zu sein, in einem Bordell auf eine Jungfrau zu treffen.
      Ein Raucher, der sich das Rauchen abgewöhnen will, erhält in der Raucherecke Zuspruch, wenn er von seinem Vorhaben berichtet... zumindest anfangs.... dann kommen die skeptischen Äußerungen, ob "man es wirklich selbst glaube, ob man es schaffe". Scherzbolde bieten sogar eine Kippe an, um das Vorhaben sarkastisch zu kommentieren... Und all die Reaktionen folgen einem Schema: "ich selbst schaffe es nicht und damit ich nicht als einziger Loser in dieser Raucherecke stehen muss, boykottiere ich den Absprung anderer!" So läuft es bei WhatsApp und Facebook- die Hinweise auf einen Ausstieg werden verhöhnt- vor allem von den Suchtkranken, die gerne möchten, dass alle "Opfer" bleiben...

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