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BMW zündet stufenweise den Turbo für autonomes Fahren
Mobilität 3 Min Lesezeit 9 Kommentare

BMW zündet stufenweise den Turbo für autonomes Fahren

Das im Jahr 2000 gestartete Projekt für autonom fahrende Autos von BMW bekommt neuen Schub. Zunächst bringt der Hersteller 2021 die Serienversion des Vision iNEXT mit SAE-Stufe 3 auf den Markt. Ende des selben Jahres wollen die Bayern dann mit der Erprobung einer neuen Flotte von Testfahrzeugen mit SAE-Stufe 4, also mit hohem Automatisierungsgrad, beginnen.

Auf dem im April 2018 in Unterschleißheim, in der Nähe der Münchner Zentrale, eröffneten Campus für autonomes Fahren informierte BMW über seine Strategie für selbstfahrende Autos. Zweifellos misstrauisch gegenüber der Entwicklung und des Erfolgs von Tesla, schaltet der Hersteller in den Turbo, um so schnell wie möglich ein autonomes Fahrzeug anzubieten. Die Befürchtungen sind berechtigt, denn die Automobilwelt befindet sich in einem tief greifenden Umbruch, der namhafte Hersteller zu Fall bringen könnte.

Die erste Stufe des Turbos wird wenig überraschend der iNEXT sein, der bereits 2018 gezeigt wurde. BMW nutzte die Gelegenheit, um klarzustellen, dass das Modell Autofahrern ermöglicht, längere Zeit auf der Autobahn mit Geschwindigkeiten von bis zu 130 km/h im Autopilot-Modus zu fahren.

Um seine Ziele zu erreichen, hat BMW mit der Schaffung einer neuen Plattform namens BMW Group High Performance D3 eine Basis geschaffen. Das "D3" der neuen IT-Plattform steht für Data-Driven Development und dient als Grundlage für die Entwicklung und Validierung autonomer Fahrfunktionen. BMW geht davon aus, dass die Komplexität und Vielfalt der Verkehrssituationen auf jedem Kontinent nur durch die Erfassung großer Datenmengen abgebildet und verarbeitet werden kann. Das bedeutet, dass die Algorithmen und die Gesamtfunktion des autonomen Fahrens mit einem großen Datenpool validiert werden müssen.

Der Hersteller plant daher, seine Flotte aus Testfahrzeugen der Serie 7 in Deutschland, den USA, Israel und China von 80 auf 140 zu vergrößern, um autonomes Fahren der SAE-Stufe 4 zu testen und Daten aus rund 5 Millionen gefahrenen Kilometern zu sammeln. Mit diesen Daten führt BMW auch zahlreiche Simulationen durch, um weitere Daten aus 240 Millionen (virtuellen) Kilometern zu sammeln und so ein perfekt zuverlässiges, autonomes Fahrerlebnis zu ermöglichen.

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Mit diesem Fahrzeugtyp testet BMW autonomes Fahren. / © AndroidPIT

Datenverarbeitung im gigantischen Stil

BMW zufolge erfordert die Wiederaufbereitung der zwei Millionen realen und 240 Millionen virtuellen Kilometer eine leistungsfähige Datenplattform mit mehr als 230 Petabyte Speicherkapazität, der Rechenleistung von mehr als 100.000 Prozessorkernen und mehr als 200 GPUs. Ein Testfahrzeug erzeugt immerhin 8 TByte an Daten pro Stunde, davon 80 Prozent für Videoaufnahmen.

Daher ist eine 96 x 100-Gbit/s-Verbindung zwischen der BMW Group High Performance D3-Plattform und den Hardware-in-the-Loop (HiL)-Stationen auf dem wenige Kilometer entfernten BMW Group Autonomous Driving Campus erforderlich. Die Datenrate beträgt dann etwa 3,75 Terabit/s. Zur Veranschaulichung: Eine Bandbreite von 3,75 Tbit/s reicht aus, um eine Million HD-Streams gleichzeitig zu übertragen.

BMW ist eine Partnerschaft mit DXC Technology eingegangen, um diese Plattform zur Erfassung, Speicherung und Verwaltung von Fahrzeugsensordaten zu entwickeln. Daten können global gesammelt, aber zentral überwacht werden, sodass der Hersteller die Daten lokal verarbeitet und keine Drittanbieter wie Amazon AWS oder Microsoft Azure zur Verarbeitung einsetzen muss.

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Alle Sensoren senden Daten, die vom Fahrzeug erfasst und dann an das Rechenzentrum übertragen werden / © AndroidPIT

Neue Struktur bei den Arbeitsabläufen

Schließlich hat der Automobilhersteller auch bei den eigenen Abläufen Änderungen vorgenommen. Das Ziel, so paradox es auch erscheinen mag: Ein Tech- und nicht nur Automobil-Riese zu werden. Neben den neuen Großraumbüros auf dem BMW-Campus für autonomes Fahren wurden eine neue Führungsstruktur und agilere Kommunikations-Methoden eingeführt. Wie bei Start-ups geht es darum, schnell zu reagieren und neue Funktionen bereitzustellen - vor allem aber darum, neue Talente anzulocken, die eher für ein großes Tech-Unternehmen als für einen Automobilhersteller arbeiten wollen.

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