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Es muss sich wie ein Schlag ins Gesicht angefühlt haben. Damals, 2007, als Apple sein erstes iPhone der Öffentlichkeit präsentierte und der Konkurrenz vorführte, wie ein benutzerfreundliches Handy zu funktionieren hatte. Angst und Schrecken machte sich sofort unter den Handyherstellern breit. Zu Recht. Weit war ihnen Apple voraus. Trotzdem dauerte es nicht lange und sogenannte iPhone-Killer wurden auf den Markt geworfen. Aber Apples Hosentaschenmaschine war nicht tot zu kriegen – nicht einmal eine Schramme hat sie abbekommen. Bis jetzt.

Denn nun ist ein Silberschweif am Horizont zu erkennen. Ein Gegner tritt auf den Plan, der die Herrschaft des iPhone ins Wanken bringen könnte. Auf seiner Brust prangt das Logo von HTC. Sein Name: Magic. Seine stärkste Waffe: Googles Betriebssystem Android. Ein echter Killer!

Nun werden einige sagen, das Magic sei doch nur ein aufgemotztes G1, und kommt statt Tastatur eben mit Touchscreen daher. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Um die ganze Wahrheit zu erfahren, muss man nach Kalifornien ins Silicon Valley reisen. Hier, auf dem Google Campus, arbeitet Andy Rubin, der Chefentwickler von Android. Und der macht gleich zu Beginn klar, dass er das G1, den Vorgänger des Magic, für eine Art Betaversion hält. „Es ist nicht wirklich ausgereift“, sagt er. „Es ist unsere Version 0.8.“ Im Magic hingegen stecke Androids Version 1.0. Und die sei viel leistungsfähiger. sogar besser als Apples angekündigte Version 3.0 für das iPhone. Weiter kann man sich kaum aus dem Fenster lehnen.

So sieht ein Killer aus
Soweit die Theorie. Kommen wir zur Praxis, kommen wir zum HTC Magic: Es ist ein wenig kleiner als das iPhone, leichter und liegt deutlich besser in der Hand. Obwohl es über sechs Tasten und ein zentrales Scollrad verfügt, sind seine Funktionen komplett über den Touchsceen bedienbar. Mit einem Fingerstreich schiebt sich das Menü über dem Startbildschirm. Alle wichtigen und gängigen Applikationen sind hier vorinstalliert und können auf den Startbildschirm verschoben werden. Außerdem sind selbstredend die Google Suche, Google Mail, Google Maps, der hauseigene Fotodienst Picasa sowie Google Talk und Youtube an Bord.

Die Menüführung ist einfach und intuitiv. Eine „Zurück-Taste“ hilft bei der Navigation, die „Home-Taste“ führt den Nutzer stets zum Startbildschirm und wer den Touchsreen nicht benutzen möchte, kann wahlweise auf das Scrollrad zurückgreifen. So weit so bekannt – mit dem Unterschied, dass beim Magic alles so reibungslos funktioniert wie man es sich als Nutzer wünscht. Keine langen und nervigen Ladezeiten unterbrechen den Fluss und auch der integrierte Bewegungssensor arbeitet genauso gut und schnell wie bei Apples Konkurrenzprodukt.

Genau ins Schwarze
Das Magic will aber mehr sein, als ein schlaues Smartphone. Doch wer seine Fähigkeiten voll ausschöpfen will, kommt um ein Konto bei Google Mail nicht herum und muss seine Daten offenbaren. Denn nur dann öffnen sich die Tore zum eigentlichen Herzen von Android: Dem „Market“ – Googles Antwort auf Apples App Store. „Der große Vorteil von Android ist die Geschwindigkeit, mit der neue Softwarelösungen entwickelt werden,“ sagt Rubin im Interview mit Abdroidpit. Denn während Apple nur ausgesuchten Entwicklern Einblick in sein Betriebssystem gibt und neue Applikationen genau prüft, darf sich bei Android jeder austoben, der Software schreiben kann. Schon jetzt stehen Hunderte von Applikationen auf Googles Marktplatz bereit und täglich werden es mehr. „Unsere Nutzer fungieren hierbei als Kontrollinstanz“, sagt Rubin und wehrt damit den Einwurf ab, dass eine Open-Source-Plattform wie Android, Tür und Tor für Scharlatane öffne. „Eine Applikation, die nichts taugt, wird schlecht bewertet und verliert sofort ihre Anziehungskraft“, so Rubin. Man verlässt sich also auf Selbstregulierung, die sich im Web 2.0 bewährt hat.

Ein Konzept, dass zu funktionieren scheint. Denn im Market tut sich eine Spielwiese fantastischer Applikationen auf, mit der jeder sein Magic auf einfache und schnelle Weise tunen kann. Mit „Barcode“ wird das Handy beispielsweise zum Barcode-Leser. Die Kamera wird dabei einfach über die schwarzen Linen gehalten und schon bekommt man Bewertungen zu einem Produkt aus dem Netz. „Barcoo“ funktioniert nach dem gleichen Prinzip und liefert mit Hilfe einer Gesundheitsampel Informationen über die Qualität von Lebensmitteln. Man kann das Magic mit einer Camcoder-Funktion versehen, ein Diktiergerät oder Internetradio daraus machen und mit etlichen Fotoapplikationen in die digitale Bildbearbeitung einsteigen. Alles scheint mit dem Google-Phone möglich. „Und wir stehen erst am Anfang“, sagt Rubin und legt ein Gewinnerlächeln auf.

Und man hat wirklich gut Lachen beim Spaziergang durch Googles Marktplatz. Besonders stechen innovative, ortsbasierte Dienste ins Auge. Dank GPS und digitalem Kompass haben sich hier einige Softwareentwickler richtig ins Zeug gelegt. „My Tracks“ beispielsweise zeichnet zurückgelegte Strecken auf und bietet Statistiken über Durchschnittgeschwindigkeit und Höhenunterschiede für Wanderer, Jogger oder Fahrradfahrer. „Wikitude“ präsentiert Informationen über Sehenswürdigkeit, sobald man das Handy darauf richtet. Und das funktioniert richtig gut. Hier wird deutlich: In Sachen Ortsbestimmung ist das HTC dem iPhone überlegen – schneller, genauer.
Die beste Applikation ist aber so einfach wie genial und nennt sich schlicht „Owner“. Mit der kann man einen Namen, eine Telefonnummer und eine E-Mailadresse bestimmen, die auf dem Startbildschirm erscheint, wenn das Telefon gesperrt ist. Geht das Handy verloren, sieht der Finder sofort, wem das Handy gehört und kann ihn kontaktieren. Schlaue Nutzer schreiben deshalb direkt die Höhe des Finderlohns dazu.

Der Startschuss
Highnoon für das Magic ist Ende April. Dann soll der Alleskönner den deutschen Markt erobern. Er wird exklusiv von Vodofone vertrieben werden. Über die Vertragsmodalitäten schweigt man sich hier allerdings noch aus.



















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Autor: Tobias Pützer

2 Kommentare

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  • Ist dieser Artikel wirklich durchgehend ernst gemeint?
    Hier werden wieder einmal Äpfel mit Birnen verglichen, im wahrsten Sinn des Wortes. Wer einen alten Apfel mit einer neueren Birne vergleicht, wird schnell merken, dass die Birne ein bisschen appetitlicher ist.

    > „Es ist unsere Version 0.8.“ Im Magic hingegen stecke Androids Version 1.0. Und die > sei viel leistungsfähiger. sogar besser als Apples angekündigte Version 3.0 für das
    > iPhone.

    Das ist wohl kaum ein Wunder. Google wird ungern zugeben, ein unausgereiftes Betriebssystem auf den Markt geworfen zu haben, für dessen Fertigstellung jetzt die User verantwortlich sind. Man sagt einfach: 0.8, dann werden die dummen Benutzer schon kleingläubig über kleinere Fehler hinwegsehen. Oder?

    > So weit so bekannt – mit dem Unterschied, dass beim Magic alles so reibungslos funktioniert wie man es sich als Nutzer wünscht.
    Oh ja, der erste Android-Klotz hat reibungslos nicht in meine Hosentasche gepasst.

    > Schon jetzt stehen Hunderte von Applikationen auf Googles Marktplatz bereit und täglich werden es mehr.
    Mehr ist nicht gleich besser. Und bei Apples zugelassenen, angebotenen Applikationen brauch ich mir keine Sorgen über die Qualität machen.

    >Die beste Applikation ist aber so einfach wie genial und nennt sich schlicht „Owner“.
    Unglaublich! Und der ehrliche Dieb weiß endlich, wen er Tag und Nacht auslachen kann, hat er das Ding einmal gestohlen.

    > Alles scheint mit dem Google-Phone möglich.
    Nach mehreren Jahren Zeit, das iPhone zu kopieren oder zu übertrumpfen, ist es keine Überraschung, dass es Produkte gibt, die das jetzige Applehandy überholen.
    Fakt ist, dass alle Hersteller eine jahrealte Technik erst einmal einholen müssen, bevor sie sie übertrumpfen können.


    • Fabien Roehlinger
      • Admin
      • Staff
      04.04.2009 Link zum Kommentar

      Hallo Paolo,

      das ist natürlich eine Art "Glaubensfrage". Du hast natürlich Recht, dass man Apple - mal wieder - viel abgeguckt hat. Auf der anderen Seite frage ich mich, wie weit hier nicht sogar eine Zusammenarbeit stattfindet. Immerhin ist Eric Schmidt Mitglied des Verwaltungsrates bei Apple. Ganz unabgesprochen kann es also nicht sein.

      Offen gestanden, glaube ich, dass Android und iPhone komplett anders positioniert sind. Apple hat mit dem iPhone den "echten" Massenmarkt doch gar nicht im Auge, und zielt vielmehr auf trendbewusste Professionals, die auch bereit sind ein "bißchen" mehr für ein Telefon auszugeben. Und ich bin mir sicher: Apple wird mit der neuen Generation beim iPhone richtig nachlegen - und erneut Maßstäbe setzen.

      Android ist, wie gesagt, das Produkt für die Massen. Es ist ein für Handyhersteller kostenloses Betriebssystem. Und gerade heute, da Margen im Mobilfunkbereich nicht mehr in den Himmel wachsen, wird es wohl einigen Herstellern gerade Recht kommen, dass ein ausgefeiltes Betriebssystem für ihre Handy ganz kostenlos zu haben ist. Wo also mit hoher Wahrscheinlichkeit in naher Zukunft Android das iPhone überflügeln wird, ist in der Zahl der Installationen. Das schmälert aber die Leistung Apple's in keinster Weise. Wie gesagt: ich bin mir sicher, dass die neue iPhone Generation in Sachen Innovation wieder das Maß der Dinge ist - und von daher große Begehrlichkeiten bei den Leuten wecken wird, die eben bereit sind mehr Geld für noch coolere, innovativere Sachen auszugeben.

      Von daher bin ich ziemlich froh, dass es nachgebaut wird. Das treibt die Innovationen! So ist Apple gefordert zu agieren. Und der Rest re-agiert. Uns User und Kunden kann es nur freuen. Ich wüsste einige Märkte bei denen es leider nicht so viel Wettbewerb, dafür aber null Innovationen gibt!

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