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App-Entwickler im Interview: Diego Rodriguez spricht über bopbop

In unserem Entwickler-Interview sprechen wir diese Woche mit dem 27-jährigen Italiener Diego Rodriguez alias “Inferno”. Im Alleingang entwickelte er die App bopbop, ein Gelegenheitsspiel, das deutlich an das erfolgreiche iOS-Spiel "Dots" erinnert, das kürzlich endlich für Android portiert wurde. Also alles nur geklaut? Wie Diego mit der Klon-Kritik umgeht, was er von geistigem Eigentum hält und ob bopbop mehr als einfach nur ein billiger Abklatsch von Dots ist, erfahrt Ihr hier in unserem Interview.

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diego bopbop
© Diego Rodriguez / AndroidPIT

Hallo Diego, erzähle uns doch kurz etwas zu Deinem Werdegang, was hast Du gemacht und was hast Du vor?

Vergangenen Sommer habe ich in Bologna nach fünf Jahren harter Arbeit mein Studium in Informationstechnik abgeschlossen. Während meiner Uni-Zeit hatte ich nicht allzu viel mit Spiele-Entwicklung zu tun, aber eigentlich ist es genau der Bereich, in dem ich einmal arbeiten möchte. Also habe ich nach meinem Abschluss eigene Nachforschungen angestellt und ein Portfolio erstellt, um mich bei Spiele-Unternehmen zu bewerben. Aber sie nehmen oft keine Leute, die im Bereich der Spiele-Entwicklung noch keine Erfahrungen sammeln konnten. Also kann ich nur an alle Firmen da draußen appellieren und sagen: Falls Ihr einen Neuling für die Spiele-Entwicklung sucht, hier bin ich!

Wie hast Du Deine “Karriere” als App-Entwickler angefangen? Gab es schon früher ein paar Projekte, bei denen Du programmiert hast?

Alles hat mit Super Mario Bros. auf meinem 8 Bit schnellen Nintendo angefangen als ich fünf Jahre alt war. Das klingt sicher witzig, aber das war wirklich meine erste Begegnung mit Video-Spielen. Das erste Spiel, das ich entwickelt habe, ist tatsächlich “bopbop”. Ich wurde dazu von der großartigen Arbeit von Betaworks “Dots” auf dem iPhone inspiriert - vor kurzem haben sie es auch für Android veröffentlicht, meiner Meinung nach aber viel zu spät.

Ich mochte die Art des Spieles: Schlicht und einfach mit einem enormen Suchtpotential. Also wollte ich meine Fähigkeiten austesten und etwas ähnliches aber in der Spielmechanik trotzdem anderes kreieren. Das Ergebnis ist gut, ich war so schnell bei der Entwicklung und habe mich sehr über das Spiel gefreut, sodass ich es im Google Play Store veröffentlichte, um andere Nutzer daran teilhaben zu lassen, die “Dots” dort bisher vermisst haben. Für mich war “bopbop” allerdings kein Klon von Dots, sondern in erster Linie eine Übung für mich selbst.

Wann hattest Du zum allerersten Mal Kontakt mit Android? Gab es einen speziellen Grund?

Ich habe vor “bopbop” schon einmal eine App für Android entwickelt, es war aber kein Spiel, sondern ein Uhren-Widget. Ich hatte damals als die App herauskam eine Ziiiro-Watch gekauft, ich glaube sie wurde von einer deutschen Firma produziert. Ich war von dem Design beeindruckt und wirklich verärgert, weil es die digitale Version der Uhr nur für iPhones gab, aber nicht für Android. Also entschied ich mich, ein Widget für Android zu basteln und das Ergebnis war eigentlich ganz nett.

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Diegos Ziiiro-Widget für Android. / © Diego Rodriguez

Ich nutze das Widget immer noch auf meinen Geräten. Ich kontaktierte auch die Entwickler von der Ziiiro-App für iOS und fragte nach der Erlaubnis, um die App für Android zu veröffentlichen. Aber wann auch immer ich versuchte mit ihnen in Kontakt zu kommen, antworteten sie nie auf meine Mails. So wird das Widget wohl niemals in den Google Play Store kommen.

Deine App “bopbop” hat im Google Play Store schon einige Downloads. Hattest Du bei der Entwicklung auch Probleme mit der App? Vielleicht kannst Du uns eine kleine Anekdote erzählen.

Natürlich gab es auch Probleme bei der Entwicklung, aber das ist ganz normal. Die erste Version des Spieles habe ich in einem nativen Framework für Android gebaut, es war für Geräte mit Android 4.0 konzipiert. Dafür, dass es mein erstes Spiel war, war es gar nicht mal so schwer. Die Probleme kamen erst als ich das Spiel weiterentwickelte. Ich bemerkte, dass das Framework nicht wirklich optimal war, um eine bessere Grafik mit guten Effekten einzubinden und Funktionen wie Speicherzuweisungen zu integrieren. Und genau das ist bei einer App-Entwicklung absolut unerlässlich und sollte schon vorher beachtet werden. Aus diesen Gründen suchte ich ein besseres Framework und entschied mich für libgdx, eine gut entwickelte Multiplattform.

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Eine kleine App-Evolution von "bopbop". / © Diego Rodriguez

Die Portierung hat mich etwa zwei Wochen gekostet und die Ergebnisse waren in Bezug auf das Gameplay wirklich gut. Die App funktionierte fortan auch auf leistungsschwächeren Geräten.

Eine kleine Anekdote... ja, es gab einen Bug in einer Version des Games. Die Punkte verschwanden einfach grundlos. Ich überprüfte den Quellcode so oft und am Ende war der Fehler nicht in meinem Code, aber in der Animations-Engine, die jedoch nicht ich entwickelt hatte. Ich musste das Animations-System von Grund auf neu schreiben.

Ich habe Deine App im XDA-Forum entdeckt, Kannst Du uns etwas zu Deinen Erfahrungen mit den XDA-Developers erzählen?

Die XDAs sind eine echt coole Community, die viele gute Leute zusammenbringt, nicht ausschließlich Entwickler. Anfangs war ich ein ganz gewöhnlicher Nutzer im Forum, ich suchte nach neuen Entwicklungen für meine Geräte wie Themes, ROMs und Custom-Features.

Als Entwickler bin ich dort jetzt zum ersten Mal unterwegs, ich wurde dazu von einem Freund ermutigt, Mirko Dimartino. Ihn habe ich während der Entwicklung von “bopbop” kennengelernt und er sagte mir, dass ich meine Arbeit in der XDA-Community vorstellen solle. Als ich das dann tat, stiegen die Downloads rapide an, Danke XDA!

Als Du "bopbop" bei den XDAs vorgestellt hast hieß die App noch “dotdot” - warum hast Du den Namen geändert?

Ich änderte den Namen nachdem mich die Anwälte von Betworks kontaktierten und mir schrieben, ich würde die Rechte ihres Klienten verletzen. Sie sagten, meine App würde die Leute, die Betaworks ”Dots” kennen, verwirren. Ich akzeptierte das und entschied mich dazu, den Namen in “bopbop” zu ändern und mich an meine eigene konkrete Ausgestaltung in der App zu machen.

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Von "dotdot" zu "bopbop" - eine rechtliche Namensänderung. / © Diego Rodriguez

Hattest Du noch andere Probleme mit Betaworks oder war die Sache damit vom Tisch? Habt Ihr noch Kontakt?

Nein, mit der Aufforderung, den Namen der App zu ändern, war das dann gegessen. Es gab keinen weiteren Austausch mit Betaworks.

Ist die Vorgehensweise von Betaworks für Dich nachvollziehbar?

Ja absolut. Aber ich würde es an ihrer Stelle nicht genauso machen. Ich denke, wenn meine App von jemandem geklont oder kopiert werden würde, dann würde ich mir diese auch ansehen und gerne erfahren, was die Nutzer davon halten. Ich persönlich denke, wenn eine App besser ist als meine eigene Entwicklung, dann würde ich sie den Leuten auch zeigen und die Nutzer werden schließlich entscheiden, welche sie bevorzugen. Aber das ist eine Frage der Marke, die auch respektiert werden sollte. In diesem Sinne kann ich die Position und Reaktion von Betaworks verstehen.

Wenn man sich beide Apps anschaut, dann fällt auf, dass Du sogar die Schriftarten vom Original übernommen hast. Hand aus Herz: Wie stark hat die Arbeit von Betaworks Deine eigene Arbeit beeinflusst?

Naja, die Schriftart ist nicht die gleiche, aber sie ist dem Original sehr ähnlich. Ich habe die grafische Benutzeroberfläche von “Dots” verwendet, sie aber ein bisschen modifiziert und die Spiel-Mechanik verändert. Bei meinem Spiel sind auch diagonale Verbindungen möglich, es gibt andere Boni und drei verschiedene Spiel-Modi, die anders sind als im Original-Spiel. Meine Intention war nicht, das Spiel zu kopieren oder zu klonen, ich habe es lediglich als Vorlage verwendet, um meine eigenen Fähigkeiten auszuprobieren und etwas anderes daraus zu machen.

Ist das Klonen/Kopieren von Apps in Deinen Augen eine legitime Vorgehensweise für Entwickler?

Ich respektiere geistiges Eigentum, aber ich habe meine eigene Meinung zu dem Thema. Eine App exakt auf die gleiche Art und Weise wie im Original zu klonen oder zu kopieren ist falsch, weil Du den Nutzern damit keinen Gefallen tust. Außerdem ist es einfach lächerlich, das Rad neu zu erfinden. Aber etwas zu verwenden, was es bereits gibt und etwas neues dazu zu entwickeln und es zu erweitern, ist etwas ganz anderes. Denn man zeigt das Thema aus einer eigenen Perspektive neu auf und das Ergebnis kann am Ende dann besser oder schlechter als das Original sein.

Ist Android eine Art “Wilder Westen”, wo sich alle Entwickler frei bedienen können, oder sollte es hier schärfere Richtlinien geben?

Ich liebe die Freiheiten, die die Android-Plattform mit sich bringt und ich finde es gut, dass meine Arbeit sich nicht einer Bewertung unterziehen muss, bevor sie für die Nutzer zugänglich wird. Ich bin sehr offen dafür, zu hören, was die Nutzer über meine App denken und ob sie sie für besser oder schlechter befinden. Nach deren Feedback werde ich die App auch verändern und ihre Gedanken und Vorschläge in die Weiterentwicklung mit einbeziehen, denn am Ende sind sie die Nutzer meines Produktes.

Planst Du noch weitere Apps für Android zu entwickeln?

Aber sicher! Ich starte in den nächsten Tagen ein neues Projekt, eine ganz eigene Idee, bei der Pflanzen eine Rolle spielen sollen (ja, diese grünen Dinger, die wachsen...). Außerdem will ich noch etwas mit Raumschiffen und der Ouya machen, aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Ich entwickle gern für Android, denn ich habe ein Android-Smartphone, nichtsdestotrotz schließe ich es nicht aus, in näherer Zukunft auch etwas für iOS zu programmieren.

Welche Hard- und Software verwendest Du bei der Entwicklung von Android-Apps?

Derzeit entwickle ich auf einem Macbook Pro Retina und verwende Eclipse IDE. Zuletzt habe ich die genymotion virtual machine benutzt, um meine App auf dem PC auszuprobieren, ohne sie dazu auf dem Smartphone zu installieren.

bopbop entwicklungsumgebung
"bopbop" in der Entwicklungsumgebung. / © Diego Rodriguez

Hast Du eigentlich Unterstützung beim Vertrieb Deiner App?

Das ist ein schwieriges Thema. Im letzten Update der App habe ich In-App-Käufe hinzugefügt. Ich hoffe, die Nutzer kaufen etwas nur um meine Arbeit zu unterstützen. Aber für die nächsten Spiele möchte ich einen anderen Weg wählen. Eine Demo-Version und eine Vollversion vielleicht, denn als Spieler weiß ich, dass ich erst einmal ein Spiel ausprobieren wollen würde, bevor ich es kaufe.

Vielen Dank für das Interview, Diego!

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