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Android und das RAM-Management: Wer leert, macht's falsch

Update: Abstürzende Apps abwürgen

Viele Smartphone-Besitzer ärgern sich über einen vollen Arbeitsspeicher. Manche Nutzer installieren App-Killer oder RAM-Management-Apps, um den Speicher freizumachen. Aber ist ein manuelles RAM-Management in Android wirklich sinnvoll?

Was ist RAM?

Im Smartphone, wie auch in jedem Computer, habt Ihr mehrere Speicher-Typen. Diese sind unterschiedlich schnell, unterschiedlich teuer und werden unterschiedlich eingesetzt. Euer interner Speicher ist langsam, preiswert und er speichert Daten auch ohne Stromzufuhr dauerhaft. Dort liegen daher die Apps und deren Daten, aber auch Fotos oder Videos.

Der RAM (Random Access Memory) ist teurer, aber viel schneller als der interne Speicher. Doch vergisst er ohne Stromzufuhr alles. Im RAM (auch Arbeitsspeicher genannt) werden beim Einschalten das Betriebssystem, Autostart-Apps, Hintergrundbilder und Hintergrundprozesse für einen schnellen Zugriff geladen. Er dient den Apps sozusagen als Arbeitsfläche, auf der sie flüchtige Daten hinterlegen, die während der Nutzung nötig sind.

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Android-Smartphones: Den Arbeitsspeicher braucht Ihr nicht leeren. / © ANDROIDPIT

Android-RAM voll: Grund zur Panik?

Nach einer Weile ist der Arbeitsspeicher voll mit den Anwendungen, die Ihr am häufigsten nutzt. Danach muss er teilweise geleert werden, damit neue Anwendungen starten können. Das macht Euer Android-System vollkommen automatisch - Ihr müsst nichts unternehmen.

Warum sich der Gedanke, den belegten RAM in Android manuell zu leeren, etabliert hat, ist nach dieser Logik eigentlich abwegig. Denn geleerter RAM würde bedeuten, dass man ständig Apps komplett neu laden müsste. Das würde Zeit und Strom kosten und sich damit sogar ungünstig auf die Akkulaufzeit auswirken.

Voller RAM ist auch gar nichts Schlimmes und er ist sogar gewollt. Da Android seine Wurzeln im Linux- bzw. Unix-Bereich hat, stellt der Linux-Systemkern die Regeln für die Verwaltung des Arbeitsspeichers auf. Und diese folgen der Philosophie "Freier Arbeitsspeicher ist verschwendeter Arbeitsspeicher".

Freier Arbeitsspeicher ist verschwendeter Arbeitsspeicher

Wenn Ihr Euer Smartphone einschaltet und einige Apps gestartet habt, werden all diese Anwendungen im Arbeitsspeicher vorliegen. Wechselt Ihr nach dem Verwenden einer App zum Homescreen und greift wenig später wieder auf die App zu, lädt sie beinahe umgehend. Dies liegt daran, dass sie im Arbeitsspeicher in einer Form vorliegt, mit der der Smartphone-Prozessor sofort arbeiten kann.

Würde aber eine Task-Killer-App oder eine sparsamere RAM-Verwaltung im Hintergrund ständig Prozesse schließen, müsstet Ihr jedes Mal sehr lange warten, bis Facebook oder WhatsApp endlich wieder starten. Eine solche RAM-Verwaltung kann selbst leistungsfähige Smartphones wie ein Samsung Galaxy S7 (Test) in eine lahme Ente verwandeln, wie Ihr im folgenden Video beobachten könnt:

Android-RAM leeren: Wann ist es sinnvoll?

Da viele Smartphone-Hersteller zumindest "Aufräum-Buttons" in die Übersicht offener Apps eingebaut haben, scheint ja doch etwas an dem Gerücht dran zu sein. Doch in Wirklichkeit ist es nur in seltenen Fällen sinnvoll, eine App zu schließen, um in Android RAM freizumachen.

Im Alltag ist es also nicht ratsam, eine App zu beenden oder gar den ganzen Arbeitsspeicher zu leeren. Trotzdem gibt es eine Situation, die klare Maßnahmen erfordert: Eine App ist abgestürzt oder funktioniert nicht so, wie sie soll. Das kann ein Browser sein, der Darstellungsfehler anzeigt oder nur noch sehr hakelig funktioniert. Das können ständige Ladefehler bei Facebook oder Twitter sein. Die Symptome können sich sehr vielfältig gestalten. Auch eine starke Erhitzung des Smartphones ohne erkennbaren Grund kann eine abgestürzte App andeuten.

Nur in solchen Fällen ist es überhaupt sinnvoll, die betreffende App abzuwürgen, also ein Beenden zu erzwingen. Manchmal reicht dafür, die App in der Multitasking-Ansicht wegzuwischen. Dabei handelt es sich oftmals um eine Placebo-Funktion, die zwar die App aus der App-Übersicht entfernt nicht aber beendet.

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Multitasking: Alle Beenden ist manchmal nur ein Placebo / © Screenshots: ANDROIDPIT

Android: RAM-Auslastung anzeigen und Apps beenden

Wenn das Wegwischen einer App nicht geholfen hat, dann müsst Ihr eine härtere Gangart einschlagen und eine App händisch beenden. Das geht in den Einstellungen. Dort ist auch zu erkennen, ob Apps möglicherweise zu viel RAM belegen und somit ein Kandidat für den nächsten Smartphone-Putz sind.

Um den belegten RAM also anzuzeigen, müsst Ihr in Eurem Smartphone in die Einstellungen gehen. Sucht dort den Eintrag Anwendungen oder Apps und geht dort in Aktiv. Diese Ansicht findet sich seit Android Marshmallow in einem eigenen Eintrag, der in der Hauptebene der Einstellungen den schlichten Titel Speicher trägt.

Ihr seht in dieser Ansicht eine Statistik über den Speicherverbrauch in den vergangenen Stunden. Je nach Smartphone versteckt sich die Detailanzeige der Apps hinter einem weiteren Menüpunkt.

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Bei Sony gibt es noch den Alles-Schließen-Button (links). / © ANDROIDPIT

Um Apps wirklich zu beenden, müsstet Ihr in die App-Info gehen. Diese erreicht Ihr in der Regel, indem Ihr den Eintrag der App in der Übersicht auswählt. Dort findet Ihr dann einen Button Beenden erzwingen. (Ob die App danach sofort wieder startet, entzieht sich oft Eurer Kontrolle.)

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RAM-Auslastung auf einem Moto Z / © Screenshots: ANDROIDPIT

Tippt dort auf die einzelnen Einträge, um die größten Speicherfresser Eures Systems zu identifizieren. Besteht das Problem mit der App immer noch, kann auch ein Neustart des Smartphones helfen.

Android-RAM freigeben: Speicherfresser deinstallieren

Die obige Liste zeigt an, wie viel Arbeitsspeicher eine App verbraucht. Dieser Wert kann durchaus auch ein Hinweis darauf sein, dass eine App zu viel Ressourcen verbraucht. Für den gleichen Zweck gibt es möglicherweise aber Alternativen. Außerdem bietet es sich unter anderem an, Apps zu deinstallieren, die Ihr schon lange nicht mehr genutzt habt oder die Euch verdächtig vorkommen. 

Geht also in den Einstellungen in Apps oder Anwendungsmanager und findet die betreffende App. Deinstalliert dann die App - wenn sie sich so einfach deinstallieren lässt. Falls das nicht funktioniert, müsst Ihr der Anwendung "erhöhte Rechte" entziehen. Diese Rechte erteilt Ihr meist bei der Installation der App.

Geht in Einstellungen > (Allgemein) > Sicherheit > Geräteadministratoren und entfernt den Haken bei der verdächtigen App. Danach könnt Ihr die betreffende Anwendung deinstallieren.

Weitere Tipps zum Deinstallieren von Apps, die RAM belegen, findet Ihr in unserem ausführlichen Artikel "Android Virus entfernen: So löscht Ihr Malware oder Adware"

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Der Android-Gerätemanager ist ein erwünschter Geräteadministrator, doch eine öminöse Drittanbieter-App eher weniger. / © ANDROIDPIT

Android-RAM-Management: Fazit

Muss man den Arbeitsspeicher leeren? Nein!

Nur wenn Euer Smartphone auffällig langsamer wird, müsst Ihr einschreiten. In der Regel ist Android in der Lage, den RAM optimal zu verwalten. Das Leeren der Übersicht geöffneter Apps bedient vielleicht Euren Ordnungstrieb, hat aber mit RAM-Effizienz nichts am Hut.

Und das ist noch nicht einmal schlimm, denn ein gut funktionierendes, automatisches Management ist das schnellste und effizienteste, was Ihr Euch wünschen könnt. Überlasst also Android die Speicherverwaltung und das Betriebssystem überlässt Euch den Spaß an Eurem Smartphone.

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Top-Kommentare der Community

  • Eric Herrmann
    • Staff
    14.01.2016

    Bei uns in der Redaktion verwendet übrigens niemand RAM-Optimierer. Wenn wir je welche empfohlen hatten, ziehen wir hiermit diese Empfehlungen zurück und behaupten das Gegenteil.

71 Kommentare

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  • My1 vor 1 Monat Link zum Kommentar

    es kann grundsätzlich sein, dass benutzter ram gut ist aber wenn der nicht mal die 3 Letzten Anwendungen innerhalb von 10 minuten im RAM halten kann, macht der mMn was falsch, vor allem wenn man ein gerät mit mehr als 2GB RAM hat (Note 4 hat laut Taskmanager 2,71 GB).

    • Sicher kann ein Gerät die drei letzten Anwendungen im RAM halten. Voraussetzung ist aber, dass er nicht anderweitig benötigt wird und die Apps in Summe in den verbauten RAM passen. Außerdem sind 10 Minuten für einen Computer eine halbe Ewigkeit. Dort wird mit Nanosekunden gerechnet.

      • Man braucht ja nur den Taskmanager öffnen, da sind die Apps die im RAM sind aufgelistet. Ich habe 11 Apps im RAM und 2,09 GB frei von 4.00 GB gesamt RAM.

      • Nur welche Infos sind das:
        die des Linux, die die VM, in der die Apps von Android laufen sehen, ...
        Überall gibt's unterschiedliche Daten und Werte! Und frei wird der Speicher kaum sein - nur eben aktuell nicht von einer aktiven VM/App genutzt. Oder zeigt der Taskmanager auch die zig laufenden nativen Programme an? Ich denke nicht! Was man sieht sind garantiert nur die ausführbaren Apps - auch die zig Provider, Services etc. werden sehr oft 'unter den Tisch fallen '...

  • Ich habe da Markenübergreifend genau gegenteilige Erfahrungen gemacht, sei es Samsung, Medion oder Xiaomi. Besonders schlimm beim Medion Tablet mit 1 GB RAM, wenn ich da drei Apps öffne geht gar nichts mehr, hilft nur noch Neustart (wenn es das überhaupt noch macht). Wenn ich dem RAM rechtzeitig leere, läuft es einigermaßen. Aber auch bei meinem Samsung S4 Active (2 GB RAM) oder Redmi 3s (3 GB) hat eine RAM Bereinigung positiven Einfluss auf die Performance. Von einer automatischen "intelligenten" Verwaltung seitens des Systems (Android 4.4 bis 6.02) habe ich bei keinem Gerät etwas bemerkt.
    MIUI hat übrigens einen eigenen Knopf, um genau das zu tun, nämlich den RAM zu bereinigen.

    • Wenn Du 2 GB oder sogar 3 GB so voll bekommst, dass das System laggt, dürfte der Fehler bei den Apps und Deiner Nutzung liegen.

      Werbefinanzierte Apps belasten das System stärker, als Kauf-Apps. Oft arbeiten werbefinanzierte Apps im Hintergrund und sammeln sowie senden "statistische Daten".

      Viele Apps lassen sich konfigurieren, so dass sie im Hintergrund nichts mehr machen oder seltener machen. Beispiel: Wetter- und Nachrichten-Apps. Braucht man alle 15 Minuten Aktualisierungen oder reichen auch alle 4 Stunden?

      Auf vielen Telefonen finde ich Apps für die gleiche Aufgabe. Es reicht eine ordendliche Mail-App und nicht für jeden Account die spezielle des Providers.

      System-Apps und- Dienste, die man nicht braucht, kann man deaktivieren.

      Muss man für jeden geistigen Erguß eines Kontaktes in den sozialen Netzwerken eine Push-Benachrichtigung bekommen? Reicht nicht eine E-Mail? Dann erübrigt sich vielleicht auch die spezielle App und man kann das soziale Netzwerk im Browser nutzen.

      Aprops Browser:
      Firefox mit uBlock Origin ist so ziemlich die beste Kombination, um flüssig im Web zu surfen.

      Schließlich noch Spiele auf dem Telefon. Als Zeitvertreib, OK, aber bedenke, es ist ein Telefon. Viele Spiele verbarauchen viele Ressourcen. Wenn dann noch dazukommt, dass sie auch im Hintergrund arbeiten, kostet das unnötig Leistung - ganz zu schweigen vom Freivolumen.

      • ich denke, Android verwaltet das? Kann ja wohl kaum was mit Werbung zu tun haben. Sonst wäre das Prinzip ja nur: Nutze Apps mit wenig Speicherhunger. Hat wohl kaum etwas mit intelligentem System zu tun, sondern nur mit "wenn voll ist ist voll", kann meine Badewanne auch.
        Ergo hilft es doch, den RAM zu putzen.
        Und... ich bin nicht in sozialen Netzwerken und Push Nachrichten sind bei mir generell deaktiviert. Spiele habe ich gar keine.

  • Also bei meinem Android ist es so, das automatisch alle Apps, die ich über den Home-Button weg drücke, geschlossen werden. Natürlich außer System-eigne Apps. Ich muss expliziet angeben, welche Apps im Hintergrund aktiv bleiben dürfen. Macht auch wenig Sinn, wenig genutzte Apps im Hintergrund weiterlaufen zu lassen, ist zumindest meine Meinung. Solche Optimierungstools nutze ich schon lange nicht mehr.

  • Kommt dieser Artikel aus dem Jänner 2016 jetzt alle paar Monate erneut wieder....

  • Android hat doch im Kernel ein Speichermanagment. RAM-killer sind kontraproduktiv. Wenn Apps in den recent Apps angezeigt werden bedeutet das nicht dass sie auch aktiv sind. Der Arbeitsspeicher regelt sich selbst.

  • Ich leere den Android RAM nur selten aber bei 3GB ist dies auch völlig OK 😜

    Habe leider kein OPO 3T wie mein Verwandter der halt eben 6GB RAM also
    bissel mehr als ich 😂😅

    Denke es sollte derzeit jedem Apit Leser bekannt sein, dass RAM leeren tendenziell nur mehr Akkuverbrauch bedeuten?!

    Android ist halt eben Linux und wird bei guter RAM Auslatung nicht langsamer in der Verwendung.

    Apit kann dies gerne mal testen zum Vergleich??!!

    Danke und Mfg

  • J.K.
    • Blogger
    vor 1 Monat Link zum Kommentar

    und wer nicht leer macht hat einen leeren Akku....

    • Genau anders rum. Dadurch, dass die Programme neu geladen werden müssen, verbraucht unser Smartphone mehr Saft. Es ist absolut irrelevant für den Stromverbrauch ob der Arbeitsspeicher voll oder leer ist.

      • J.K.
        • Blogger
        vor 1 Monat Link zum Kommentar

        Das Beenden der Apps zu erzwingen ist falsch....

        Jedoch eine App im Arbeitspeicher zu lassen heißt ja auch, dass eine App im Hintergrund läuft und Daten sammeln kann oder nicht?

      • eine App, die darauf ausgelegt ist, ständig Daten zu sammeln, startet sich höchst wahrscheinlich selbst wieder neu, wenn du sie beendet hast. Also, wieder mehr Akku.

    • Du hast den Artikel leider nicht verstanden...

    • Liest du auch die Artikel durch, oder sonderst du hier nur mist aus?

    • Leere Akkus sind Ursache von stromfressenden Apps wie Facebook, Instagram und Co. sowie anderen großen Datendiensten die ständig Daten senden und empfangen.

      Ich habe zum Beispiel viel Akkuverbrauch wegen schlechtem HSPA+ Netz bei der Arbeitsstelle 😬😵📱

  • Und wenn man dann im Play Store schaut wie oft diese Apps runtergeladen wurden dann ist es schon traurig das soviel unwissende Android nutzen.

  • Tim vor 1 Monat Link zum Kommentar

    Umgekehrt: Zu viel RAM hat genau die gleichen Resultate, wie das ständige Beenden... Niemand nutzt auf seinem Smartphone so viel, dass er 6 oder gar 8 GB RAM braucht... Wenn bei euch 4.6/6 GB steht, heißt das nichts... das System versucht halt den RAM zu füllen und wenn man zu viel davon hat, wird für das System schwerer und der Verbrauch steigt

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