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Kommentar 3 Min Lesezeit 22 Kommentare

Wo KI drauf steht, muss noch lange nicht KI drin sein

Wer nicht genau hinschaut, könnte denken, dass die Menschheit längst von der Künstlichen Intelligenz ersetzt wurde. Überall wird derzeit mit dem Schlagwort KI geworben. So auch in Samsungs neuem Prozessor Exynos 9610. Doch ist der Chip wirklich so smart, wie es das KI-Label vermuten lassen soll?

Samsung hat einen neuen Exynos-Prozessor im Sortiment, den Exynos 9610. Der Octa-Core-Chip mit dem bewährten Layout aus je vier Cortex-A73- und -A53-Kernen hat bis zu 2,3 GHz und eine Mali-G72-GPU, das reicht für die allermeisten Dinge locker aus. So weit, so gut. Doch dann kommt eine Ankündigung, die aufhorchen lässt. Der Chip habe eine "Neural Network Engine" und nutze "deep learning", um damit Verbesserungen bei der Bildverarbeitung und der Gesichtserkennung möglich zu machen. Face Unlock trotz Hut oder Haaren im Gesicht sowie ein Bokeh-Modus, das sind die Beispiele, für die Samsung diese neuen Technologien braucht. Aber das alles geht doch seit langer Zeit problemlos auch ohne weitere Technologie.

Es sollte schon ein wenig stutzig machen, dass Samsung bei dem aktuellen Top-Prozessor Exynos 9810 kaum ein Wort über eine eigene KI-Einheit verliert, diesen Aspekt bei dem ganz kurz danach erscheinenden 9610 für die Mittelklasse aber deutlich in den Fokus rückt. Wenn so ein Feature eingeführt wird, dann doch wohl bei den Chips, die oben im Regal liegen, das ist bei der Konkurrenz ja nicht anders. Nein, Samsung versucht es hier mit der gleichen Taktik wie so viele Technik-Firmen derzeit: Schreib' was mit KI drauf, dann finden die Leute das klasse! Im Kern ist der Exynos 9610 nämlich offensichtlich ein ziemlich konservativer Chip, der wenig spannende Details mitbringt, sieht man von Slow-Motion-Videos mit 480 fps und der Fertigung im 10-Nanometer-Verfahren ab.


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Künstliche Intelligenz muss nicht sein

Der Kollege Hans-Georg und ich haben es kürzlich schon einmal aus der Nähe beleuchtet: Künstliche Intelligenz ist nicht das selbe wie simples maschinelles Lernen oder Stapelverarbeitung. Natürlich braucht auch nicht jeder Chip eine eigene NPU, wie sie etwa im Kirin 970 von Huawei steckt. Auch andere Ansätze mit Komponenten, die auch für andere Dinge genutzt werden können, etwa Qualcomms AI Engine, welche die Aufgaben verteilt. Und auch im Jahr 2018 gibt es überhaupt keine unbedingte Notwendigkeit, jeden Mobil-Chip überhaupt mit irgend einer KI-Technologie auszustatten. Dazu sind die Anwendungsbereiche noch viel zu eingeschränkt und die Vorteile zu gering.

Ich würde mir wünschen, dass die Branche mit der inflationären Verwendung des Begriffes "Künstliche Intelligenz" und verwandter Terminologie ein wenig zurückfährt. Aber ich vermute, das wird nicht passieren. Es ist wie mit jedem Trend: Wer nicht wenigstens so tut, als sei er dabei, gilt als rückständig und wird abgehängt, vor allem in der schnelllebigen Welt der Technologie. Ob das der Weiterentwicklung und der öffentlichen Wirkung des unbestritten enorm wichtigen Themas Künstliche Intelligenz gut tut, steht dabei auf einem ganz anderen Blatt.

Wie seht Ihr das, muss man heutzutage mit dem Label "KI" am Start sein, um nicht von gestern zu sein?

Quelle: Samsung

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22 Kommentare

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  • Takeda vor 2 Monaten Link zum Kommentar

    KI = Keine Intelligenz. Ein Chip macht noch lange keine KI aus, ein Chip ist dumm ohne Software und selbst bei der wird vorgeschrieben was die KI zu denken hat 😂


  • Manche brauchen wirklich im Phone KI . Denn als Gott die Intelligenz verteilte hatten die Urlaub.


  • Momentan mach KI fast gar nichts, Das ist einfach Marketing.


  • Hersteller wie Huawei wollen uns verzapfen das wir KI brauchen glaube ich aber nicht.

    H G


    • Th K vor 3 Monaten Link zum Kommentar

      Huawei und KI in einem Satz ist ja schon ein Witz. Der Quatsch im Mate 10 oder View 10 hat überhaupt nichts mit KI zu tun, sondern ist einfach nur eine Verschlimmbesserung von Fotos oder dem Energiemanagement, wie sie schon in jedem anderen höherwertigen Phone genutzt wird. Heißt dort nur eben nicht KI.


  • Peter vor 3 Monaten Link zum Kommentar

    Kann schon sein das die Werbung der Hersteller es soweit bringt das ein Smartphone ohne KI weniger taugt. Es wird bestimmt Käufer geben die sich dann nur noch ein Smartphone mit KI kaufen wollen. War ja bei den Dual-Kameras nicht anders. Hier gabs auch Leute die wollten kein Smartphone mehr mit nur einer Kamera, weil sie "gehört" haben eine Dual Kamera macht deutlich bessere Fotos.


  • Die Zukunft der künstlichen Intelligenz zeigte schon Star trek the next Generation...🖖....Der Androide Commander Data der versucht menschlich zu werden😐☝️... und Robots mit KI sind ja in der mache.
    Und wie Stephen hawking mal sagte :" es gibt zwei Dinge die unendlich sind.... das Universum und die Dummheit der Menschen".


  • Tenten vor 3 Monaten Link zum Kommentar

    Eine künstliche Intelligenz muss als Mindestanforderung einen Turingtest bestehen und zwar einen ausführlichen. Ansonsten ist es einfach nur ein gutes Programm, nicht mehr. Keine der aktuellen KI hält in so einem Test auch nur zwei Minuten durch.

    Tim


    • Tim vor 3 Monaten Link zum Kommentar

      Wenn überhaupt ^^
      Aktuelle KIs machen nicht mehr als B ausführen, wenn A passiert. Und das auch nur, nachdem sie mit tausenden von Daten gefüttert wurden. Selbstständiges Herleiten von Antworten, mit denen das System nicht gefüttert wurde, kann keine davon. Und zumindest meiner Meinung nach gehört sowas auch zur "Intelligenz".
      Ein Roboter mit "Künstlicher Intelligenz" würde wahrscheinlich ohne abzubremsen in ein Inferno rennen. Er kennt's ja nicht. Ein Mensch (oder Tier) hingegen macht einen großen Bogen um ein großes Feuer, selbst wenn er/es im gesamten Leben noch nie mit einem Feuer konfrontiert wurde.
      Ich hoffe man versteht mein wirres Geplappere ein bisschen... :D


      • Tenten vor 3 Monaten Link zum Kommentar

        Absolut. Mustererkennung ist der erste Schritt, der notwendig ist. Dabei hat man schon recht passable Ergebnisse erzielt, aber auch nur in sehr begrenztem Rahmen. Ein einfaches Beispiel: wir können alle möglichen Schrifttypen erkennen, auch noch so ausgefallene zum Beispiel in Logos. Wir erkennen ein grosses A und ein kleines a, selbst wenn diese völlig verfremdet sind,sei es als @ oder als das A im Apothekenlogo. Sogar ein Dreieck würden wir im Kontext von anderer Schrift als ein A interpretieren. Das gelingt heutiger KI immer noch nicht wirklich gut, trotz intensivem Training. Wie soll die Maschine denn auch wissen, wann das Dreieck ein A sein soll und wann ein Dreieck? Oder ein V, wenn es zum Beispiel auf dem Kopf steht. Viele Vorlagen helfen, Muster zu erkennen, helfen aber nicht unbedingt, wenn es darum geht den Kontext zu verstehen. Das wäre der nächste Schritt. Und danach sollte die Maschine auch irgendwann in der Lage sein, Analogien zu bilden und etwas Gelerntes in einem völlig anderen Zusammenhang anzuwenden. Erst dann kann man anfangen, von Intelligenz zu sprechen, bis dahin ist es nur ein Ablauf mehr oder weniger komplexer Algorithmen. Aber soweit sind wir noch lange Zeit nicht. Man dachte vor 30 Jahren schon, man hätte diesen Punkt erreicht, musste aber dann lernen, dass massive Rechenleistung allein nicht ausreicht, um Intelligenz nachzubilden.

        Tim


  • Tim vor 3 Monaten Link zum Kommentar

    Ich finde KI ja echt wahnsinnig interessant und spannend, aber was da aktuell abgeht, nervt nur.
    Mit wirklicher Künstlicher Intelligenz haben aktuelle Systeme, vielleicht mit Ausnahme dieser Go-KI von Google, gar nichts zu tun...
    Für Systeme wie eine Gesichtserkennung, die einen mehr und mehr "kennen lernt" braucht es in meinen Augen keine "KI". Ebenso wie für die ganzen sonstigen Spielereien, die es bisher so gab.

    Aber aufgrund der fehlenden Definition von "Intelligenz" lässt sich leider darüber streiten und die ganzen Unternehmen können den Begriff bis zum letzten Bisschen ausquetschen...

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