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WLAN und LTE im Zug: Freud und Leid liegen nah beieinander

Mobilfunk und Mobilität sind eigentlich untrennbar miteinander verknüpft. Wer allerdings mit der Deutschen Bahn unterwegs ist, könnte daran zweifeln: Die Handyversorgung ist oft schlecht, meist sind nicht einmal Telefonate unterbrechungsfrei möglich. Das will die Bahn nicht auf sich sitzen lassen und tatsächlich erste Zeichen der Besserung zu spüren. Ein Erfahrungsbericht.

Vergangenen Montag trieb es mich nach Hamburg, weil ich mit dort die HoloLens von Microsoft ansehen durfte. Ausgestattet mit meinem neuen LTE-fähigen Mobilfunkvertrag bei der Telekom war meine Vorfreude auf die ICE-Fahrt dennoch gedämpft: Zu oft ist es mir auf Zugfahrten schon passiert, dass ich einfach keine Verbindung ins Internet aufbauen konnte - und ein Smartphone ohne Netz ist geradezu sinnlos. Auf der Fahrt nach Hamburg passierte dann aber ein kleines Wunder: Fast durchgängig LTE. Beinahe überall schnelle und zuverlässige Datenverbindungen, sodass mobiles Arbeiten möglich war. Was war da los?

Ohne Repeater geht nichts

Zunächst wähnte ich, es handele sich um die große LTE-Netzabdeckung im Telekom-Netz. Das ist möglicherweise auch nicht komplett von der Hand zu weisen, immerhin gibt es kein LTE-Empfang auf dem Smartphone, wenn keine LTE-Basisstation in der Nähe ist. Offenbar war aber der Hauptgrund für die gute Mobilfunkverbindung, dass der Wagen, in dem ich saß, über einen modernisierten Handy-Repeater verfügte, der auch LTE-Signale verstärken kann.

Weil beim ICE die beschichteten Fenster und die gesamte Wagenkonstruktion Mobilfunksignale stark dämpfen, sind Repeater unbedingt notwendig. Ein Repeater sorgt dafür, dass die Signale von Außen nach innen und umgekehrt gelangen. Die alten Handy-Repeater in ICEs unterstützen aber nur GSM-Signale, längst gehört aber eine schnelle LTE-Verbindung zur Grundausstattung beim mobilen Internet. Erst die neuste Generation der Repeater verstärkt und transportiert auch LTE-Signale.

Bahn will bessere Mobilfunkversorgung

Die Bahn ist sich des Problems der mangelhaften Netzabdeckung in Zügen durchaus bewusst. Die Süddeutsche Zeitung zitiert Bahn-Chef Rüdiger Grube, der der dpa gesagt habe, der erste Satz bei einem Telefonat im Zug sei häufig der Hinweis genau darauf, weil eben die Verbindung oft genug abbreche. Spätestens ab Januar 2017 solle aber die ganze Flotte mit neuen LTE-fähigen Repeatern ausgestattet werden und außerdem soll es kostenloses WLAN geben. Dieses will die Bahn realisieren, indem die Datenströme auf die drei deutschen Mobilfunknetze verteilt werden. Ein solches Vorgehen optimiert den Datenfluss und erlaubt es dem WLAN-Router im Zug, auch dann noch Daten zu übertragen, wenn eines oder zwei Netze gerade eine Versorgungslücke aufweist.

Zurück zu meiner Hamburg-Fahrt: Für die Rückfahrt hatte ich natürlich einige Pläne, zumal die Verbindung auf der Hinfahrt ja ziemlich gut war. Das geht aber auch ganz anders: Auf der Rückfahrt war von der fast durchgängigen LTE-Versorgung nichts mehr zu sehen: Praktisch nur noch Edge bzw. GSM, kaum mehr Datendurchsatz. Ja, ich fühlte mich in die Steinzeit zurückversetzt. Und der Grund dafür war einzig ein veralteter Repeater.

Kostenloses, nicht grenzenloses WLAN

Geht es nach dem Willen der Bahn, soll schon bald flächendeckend WLAN im Zug angeboten werden. Auch im Nahverkehr soll dies kommen, wenngleich die Finanzierung eines solchen Angebots noch nicht geklärt ist. Dies berichtet die Welt.

Kostenloses WLAN im Zug sollte aber nicht überbewertet werden, denn die Bahn plant offenbar keinen unbegrenzten Zugang. Einen ganzen Film via Videostream anzusehen, dürfte auch künftig nicht möglich sein. Dabei muss ich einräumen: Eine Kritik an dieser Begrenzung halte ich für fragwürdig. Wichtig ist doch, dass ein Kontakt zur Außenwelt möglich ist oder man auf wichtige Daten oder E-Mails zugreifen kann. Wenn in einem Zug mit hunderten Passagieren zehn oder zwanzig (Full-)HD-Streams laufen, wäre ja die Kapazität der Netze wohl schon erreicht. Dann aber würde der Entertainment-Spaß einzelner auf Kosten aller gehen - das sollte nicht sein.

Wie zufrieden seid Ihr mit der Mobilfunkverbindung im Zug? Braucht Ihr überhaupt Internet im ICE? Oder freut Ihr Euch über ein paar entschleunigte Stunden bei Tempo 300? Schreibt es in den Kommentaren!

27 Kommentare

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  • C. F. vor 2 Wochen Link zum Kommentar

    Die Deutsche Bahn sollte eher die Regionalzüge mit durchgängigem Internet versorgen, egal ob per WLAN oder LTE. Denn in diesen sitzen all morgentlich (und nach Feierabend) abertausende von Pendlern, die froh wären, einigermaßen Verbindung zu haben, und nicht nur für die Zeit des Halts in einem Bahnhof. Ich habe selbst einmal einige Zeit gependelt - das war eine Katastrophe.

    • Regionalbahnen? Wozu sollen die Betreiber der Regionalstrecken Geld in etwas investieren für was sie nicht genügend Geld vom Besteller bekommt? Die Regionalbahnen können nur mit dem Geld wirtschaften welches sie auch vom Besteller bekommen. Um in den Regionalzügen Mobilfunkversorgung anbieten zu können müsste das bei den Ausschreibungen berücksichtigt werden, was aber unter reellen Wettbewerbsbedingungen m.E. kaum möglich ist. Es mag ja ein paar Privatbahnen geben die das anbieten, aber hier bei uns (Alex) ist Internet in den Zügen (noch) nicht möglich. Mal davon abgesehen dass es an vielen Strecken keine Mobilfunkversorgung gibt (und auf absehbare Zeit auch nicht geben wird), da nützen die Funkanlagen (Repeater) in den Zügen nichts. Und das eigene Mobilfunknetz (GSM-R) ist rechtlich für Externa gesperrt, da darf niemand rein außer die Bahn selbst, also lässt sich darüber keine Mobilfunkversorgung realisieren (das Netz ist dafür auch nicht ausgelegt). Mit der DB ist es wie mit der Telekom, sie hat höhere Kosten als die privaten Mitbewerber, was von den Bürgern leider immer wieder vergessen oder ignoriert wird.

  • "Entschleunigte Stunden bei Tempo 300"???
    Lieber Hans-Georg Kluge, kann es sein, dass du überhaupt nicht mit einem ICE der DB gefahren bist? In Deutschland gibt es nämlich gerade mal zwei Strecken, auf denen ein ICE gelegentlich(!) Tempo 300 fährt. Eine Zugverbindung von/nach Hamburg gehört allerdings nicht dazu. Die ICEs fahren auf den deutschen Strecken i.d.R. höchstens 200 bis 230 km/h.
    Auch in Zukunft werden die Züge keine 300 km/h schnell sein, denn der neue ICE 4 wird bloß eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h erreichen können. Allerdings wird auch der ICE 4 nicht mit voller Leistung fahren, da der Stromverbrauch und der Verschleiß zu hoch wären. Von deinen 300 km/h kannst du also schön weiter träumen.

    Ich fahre jedenfalls regelmäßig mit ICEs kreuz und quer durch Deutschland und habe nie Probleme mit dem Mobilfunkempfang oder dem WLAN im Zug - okay, 1-2 mal pro Monat fällt das WLAN im Zug mal aus, aber damit kann man leben.

  • Das ist das typisch deutsche Anspruchsdenken. Ich kann nicht nachvollziehen dass jeder auf die Bahn schimpft. Funkversorgung ist nicht Bestandteil des Beförderungsvertrages. Also gibt es auch keinen Rechtsanspruch auf Funkversorgung in Bussen und Bahnen.

    • Zum Beförderungsauftrag gehören auch nicht Toiletten und Speisewagen. Trotzdem gibt es sie und sie sind sehr real. Diese Diskussion würde ins Unendliche führen. Für ein angebliches Hochtechnologieland ist es trotzdem erbärmlich, überhaupt Löcher in der Mobilfunkversorgung zu haben und diese auch noch in Zügen.

      • Das Problem ist ja, dass der Vergleich zu anderen Ländern fehlt. Interessant wäre es zu wissen, in wie vielen bzw. welchen Ländern mindestens eine solche Funkversorgung gegeben ist. Ich finde v.a. in der Bahn ist die Mobilfunkversorgung und WLAN-Bereitstellung schon sehr fortschrittlich.

      • Schon mal von Hannover in die Bundeshauptstadt gefahren? Erbärmlich. Ich bin VF-Kunde und auf ein schnelles Mobilfunk etc angewiesen. Bei der Bahn null Chance. Hoffen wir, dass sich da was ändert.

      • Toiletten gehören aber dazu, da der Stuhlgang zum täglichen Leben gehört. Auf den Stuhlgang kann man nicht verzichten, aber auf eine Mobilfunkverbindung schon. Wer behauptet er sei zwingend lebensnotwendig immer und überall auf eine Funkversorgung angewiesen sollte mal für ein Jahr in eine Einöde ziehen wo es die Errungeschaften unserer Zivilisation nicht gibt. Da würde man das Wenige wieder zu schätzen lernen.

      • Unsinn. Die S-Bahnen in Köln bzw. Rhein-Ruhr (DB-Baureihen 420, 422, 423; betrieben durch die DB Regio, 100%ige Tochtergesellschaft der DB Bahn) haben bspw. keine Toiletten und die S6 (Essen Hbf - Köln Worringen) ist 2 Stunden unterwegs. Knapp dahinter landet die S12 (Düren - Au) mit etwas weniger als 2 Stunden. Deiner Argumentation zufolge kommen besagte Bahnen dem Beförderungsauftrag nicht nach.
        Und von wegen "zwingend lebensnotwendig" hat keiner geschrieben! Ich sprach explizit von "erbärmlich", dass es Lücken in der Mobilfunkversorgung in D gibt.

      • Für die Lücken kann die Bahn aber nichts. Da können die Repeater noch so gut und modern sein, ohne ausreichende Funkversorgung sind Repeater nichts weiter als nutzlose Stromfresser. Mal davon abgesehen gibt es topografische Gegebenheiten die Funkversorgungen unmöglich machen.

        Und dann gibt es noch das Problem dass sich die Netzbetreiber manchmal gegenseitig blockieren. Das Problem haben wir hier gerade. Da hat Vodafone eine neue Sendeanlage aufgebaut die unser GSM-R massiv stört (die Funkwellen der Vodafone-Anlage überlagern die Funkwellen des GSM-R), aber auch das Netz der Telekom. Solange der Gesetzgeber Lücken in den Gesetzen lässt werden sich die Netzbetreiber auch weiterhin gegenseitig blockieren. Und einen Zwang zum kompletten Netzausbau gibt es auch nicht, die Netzbetreiber können sich also auch weitehin aussuchen wo sich für sie ein Netzausbau lohnt. Zum Nachteil der Verbraucher.

        Und ich sagte nicht dass Toiletten zum Beförderungsvertrag gehören, sondern in einem Zug eigentlich Standard sein sollten.

  • Wenn man einrn Telekomvertrag besitzt kann man doch schon in der 2. Klasse das Wlan dort kostenlos benutzen ( oder eben in der 1. )

    Wozu hast du dein Mobilnetz verbraucht? :P

    • WLAN und Internet sind grundsätzlich 2 verschiedene Dinge. Auf Dienstreisen kann ich auch das WLAN der Telekom nutzen, habe aber selten Internet. Liegt schlicht und ergreifend an der mangelhaften Netzabdeckung rund um manche Fernstrecken.

  • Auch wenn die Bahn von den Medien in die Verantwortung genommen wird, bessere Mobilfunkanbindung zu ermöglichen, ist es doch Sache der Provider, auch Sendemasten nahe den Bahntrassen aufzustellen. Was Grube da verspricht oder andeutet, geht im Grunde über seine Kompetenz hinaus. Er kann die Waggons zwar mit "besseren" Repeatern ausrüsten, aber wenn kaum Mobilfunknetz da ist, nützt auch der beste Repeater nichts.

  • Wenn die nicht bald den Standart von Fernbussen erreichen, wird das nichts mehr mit dem Laden... Da gibt es verfügbare Filme auf nem scheinbar lokalen Server und freies Internet in erträglicher Geschwindigkeit...

    • 1. Standard schreibt man mit d, nicht mit t.
      2. Es gibt viele Kunden die froh sind dass es keine Funkversorgung gibt. Dann haben sie nämlich Ruhe vor den extremen Lauttelefonierern. Gerade Geschäftsleute telefonieren viel und laut. Manche Kunden fahren Zug weil sie da ihre Ruhe haben (möchten).

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