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Wish: Die App kennt Dich besser als Du Dich selbst

Durch die aktuelle von Prism und Tempora ausgelöste Datenschutz-Debbatte zieht sich die Horror-Fantasie von der gesichtslosen Maschine, die so viel über uns weiß, dass sie uns besser kennt als wir selbst und unsere Wünsche erkennt, bevor wir sie geäußert haben. Sie ist längst Realität und funktioniert erstaunlich gut. Die App trägt den passenden Namen „Wish“ und ich habe sie ausprobiert.

Entertainment am Smartphone auf dem Klo ist für mich...?

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VS
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wish app teaser
 © AndroidPIT

Gleich nach dem Start erscheint ein Bilderreigen aus Produkten mit einem modernen und ansprechenden Layout, die ich mit einem Fingertipp "liken" kann. Die Mischung ist am Anfang wirklich wild: Mir wurde eine vergoldete PlayStation 3 angeboten, die selbst Trash-Millionäre wie die Geissens nicht in ihr Wohnzimmer lassen würden. Auch das Schachbrett im Super-Mario-Style ist nichts für mich. 

Aber diese Produkte verschwinden schnell aus meiner Produkt-Timeline, weil ich sie nicht "like" und der Algorithmus hinter Wish schnell lernt, was ich für ein Typ bin, welche Produkte ich mag und welche nicht. Die Facebook-Analogie habe ich bewusst gewählt, denn die App ist stark von Facebook inspiriert, sogar das Einstellungsmenü ist dem Sozialnetzwerk 1:1 nachempfunden. Hinter Wish steht das US-Startup ContextLogic und ich möchte nicht wissen, was los gewesen wäre, wenn sie aus China kommen würden.

Ich will hier gar nicht lange drum herum reden: Mich interessiert diese Shopping-App nicht besonders und ich werde sie demnächst wieder deinstallieren. Spannend finde ich aber den Ansatz, vollständig auf den Nutzer und seine Empfehlungen zu setzen. Ich bin noch nicht lange bei Wish dabei, aber ich kann mir gut vorstellen, dass diese App irgendwann tatsächlich Vorschläge macht, von denen ich denke "hey, das ist cool, von selbst wäre ich nie darauf gekommen“, dass die App also irgendwann weiß was ich will, bevor es mir bewusst geworden ist. 

wish app
Links: Ohne Facebook geht bei Wish gar nichts. Rechts: Der Produkt-Stream von Wish. / © AndroidPIT

Das ist der Alptraum der Datenschützer und tatsächlich ist ein Blick in die "Privacy Policy", die man unter "Settings" findet, Futter für die Internet-Skeptiker. Seitenweise kann man hier durch Unterpunkte wie "Information sharing" und "Online Activity Tracking" scrollen, wo geschrieben steht, was alles gesammelt, aggregiert und vernetzt wird. Zyniker würden sagen: Wish schreibt wenigsten transparent auf, was alle sowieso machen. 

"Die Daten ermöglichen es uns, ein wirklich gutes Profil von jedem Nutzer zu erstellen und ihnen einen wirklich relevanten Strom von Produkten anzuzeigen", erklärt der CEO Peter Szulczewski im Gespräch mit AllThingsD.  

Szulczewski skizziert hier mit einem kurzen Satz eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten, die nicht nur der Fantasie eines Startup-Chefs entsprungen ist, der sein Produkt bewerben will, sondern die in dieser Form auch real existiert: Der Kunde bekommt Produkte, die ihn wirklich interessieren, der Produzent dieser Produkte bekommt Kunden, die sich wirklich für das Produkt interessieren und die Anbieter der Infrastruktur kassiert eine Provision für die Vermittlung.

wish app 2
"...connecting relevant products to relevant people..." / © AndroidPIT

Aber kommen wir jetzt zu den zwei Aspekten, die ich am interessantesten finde.  

1. Die enge Vernetzung mit Facebook. Nicht nur das Look&Feel der App baut vollständig auf Facebook auf, auch die Daten, die wir bei Facebook hinterlegt haben, sind essentiell für Wish. Die App benutzt also eine soziale Infrastruktur, die sie selbst nicht herstellen kann, und zeigt damit einen Wert des Sozialnetzwerks, der weit über die Einblendung von Werbung hinaus geht: Das soziale Internet, dessen Konturen sich langsam herausschälen, wird auf der Architektur von Facebook basieren, weil es der größte und der einzige weltumspannende Datensammler ist, dem wir unsere Daten freiwillig geben. Google+ ist eine Alternative, aber Google erlaubt es Dritt-Apps nicht, auf sein Netzwerk zuzugreifen, weil es irgendwann einmal selbst anbieten will, was Wish jetzt macht. (Was sagt das eigentlich über Google?)

2. Die Biologisierung der Technologie. Jahrzehntelang hat der Mensch versucht, sein Verhalten an die ihn umgebende Technik anzupassen, ein Paradebeispiel dafür sind die Controller von Xbox und PlayStation, die über komplexe Fingerbewegungen eine Oberfläche steuern. Jetzt versucht der Mensch, die Technologie an menschliche Verhaltensweisen anzupassen. Die neue PS4 werden wir über intuitive Gesten steuern, die von einer Kamera aufgezeichnet und analysiert werden, das Smartphone versteht jetzt schon unsere Sprache und antwortet mit ganzen Sätzen, die einer menschlichen Antwort nachempfunden sind. Und dazwischen versucht Wish, unsere Wünsche zu verstehen. 

Der entscheidende Katalysator für alle hier skizzierten Prozesse sind unsere persönlichen Daten, die kommerzialisiert werden. Shopping und Facebook - damit müssen wir uns irgendwie arrangieren.

15 Kommentare

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  • ACHTUNG!!! Nichts bei denen bestellen, kommt meist aus Asien (z.B China), muß über den Zoll, ist immer ein Einschreiben!
    Wenn Kleidung zu klein oder zu groß hat man keine Rücksendeadreesse in Deutschland. Die Rechnung kommt von einem Anderen Unternehmen >KLARNA GmbH<. Der Support kümmert sich einen Scheiß darum wenn man Ware zurückschicken will. Das sind für mich Verbrecher!
    Prumilla

  • Das "System" begreift uns ausschließlich als Konsumenten.
    Jede Werbung zielt darauf ab Bedürfnisse zu wecken die wir eigentlich gar nicht haben.
    "Wish" ist eine Umgebung die das Konzept der Werbung, abgestimmt auf Trieb gesteuerte unmündige Konsumenten noch weiter treibt und fast schon pervertiert.
    "Sage mir was Du magst, damit ich Dich definieren kann. Du musst mir alles anvertrauen, denn ich weiß was für Dich gut ist, was zu Dir passt. Ich habe alle Informationen für Dich damit Du noch schneller und noch mehr konsumieren kannst. Gehöre dazu, komm in die schöne Welt ständiger Verfügbarkeit und siehe was ich alles für dich bereithalten. Hier gibt es wirklich Alles. Sei verfügbar und lass Dich aussaugen, verliere Dich in den Möglichkeiten!"

    • Warum alles so negativ sehen? Was ist falsch daran das ich ein breites Angebot bekomme aus dem ich mir aussuchen kann was ich mag? Ich finde es toll wenn ich neue Interessen entdecke. Ich verstehe nicht wie man so pessimistisch sein kann.

  • @nico b: noch nie was bei Google gesucht? Wie weltfremd kann man sein ^^

  • Ein toller Artikel! Wirklich viele gute Gedanken.

  • sich*

  • echt guter Bericht und mal mega sachlich beschrieben und Umschrieben, worum es Sicht handelt. Daumen hoch für diesen Klasse Text! mfg Chris

  • Gut das ich so ein Schwachsinn wie facebook und co. nicht benutzte!

  • Man muss sich mit gar nichts irgendwie arrangieren. Dieser Dienst hat nur den Zweck vorhandene Daten weiter anzureichern und für den Anbieter zu vergolden.

    Als eigenständig denkender Mensch muss man definitiv nicht darauf warten, dass andere einem sagen was man gerne hätte.

  • Da bekommt Wish einen Datensatz der Gold Wert ist. Ich bin da wirklich skeptisch und finde das man solche Dinge nicht unbedingt unterstützen sollte.
    Ich nutze zwar auch Facebook und Analytic Software gibts auf fast jeder Webseite, aber deswegen sollte man es denen nicht zu leicht machen. ;)

  • Ist erst wirklich von Bedeutung, wenn das Ergebnis ohne Sponsoren Interessen erscheint. Und genau da fängt schon das Problem an. Traue kein Ergebnis, das du nicht selbst recherchiert hast..... ist meine Erfahrung. Schaut man sich z. b. Portale wie eure an, dann stellt man schnell fest, das die Themen, die Angebote, Firmen.... in einen doch begrenzten Horizon stattfinden. Wie viele Hersteller werden hier berücksichtigt ? Es sind über dem Daumen, immer die gleichen. Werden Fragen gestellt, oder vergleiche angestellt.... die Auswahl Kandidaten... immer die gleichen. Ich denke nicht, das die Welt wirklich so langweilig geworden ist

  • Irgendwann wird google für eine handvoll Millarden Dollar die Firma kaufen und in ihre Services eingliedern. Dann werde ich nicht mehr die Wahl haben, ob ich es nutze oder nicht.

    Nagut, es sei denn ich steige um, von Android auf Ubunutu, von gmail auf eigene Domain, von Chrome auf einen GPL/MPL-Browser.

  • ich finds echt ne gute idee. nach 15 min testlauf kommts mir aber vor, wie wenn ich in einer endlosschlaufe gefangen wäre. beats,DG,Ferrari,iphonezubehör im überfluss. woher kommen diese ideen, wenn ich weder suchanfragen noch likes davon in fb habe? wahrscheinlich lernt die app noch. aber nicht einmal ein androidgoodie, heul.
    ein paar echt coole sachen habe ich aber auch entdeckt. mal schauen.
    thema datenschutz...ist echt so, meine daten über meine einkäufe und likes sind eh schon überall. so naiv oder abgeschottet werden die wenigsten sein, dass man erst durch diese app nun transparent wird.

  • interessant, danke :-)

  • Es ist schon erstaunlich was so alles möglich ist, wenn da nur der fade Beigeschmack nicht wäre. Aber ich sehe es so, dass mich ja niemand zwingt diese App zu nutzen. Um einem Kunden ein Produkt zu empfehlen brauche ich natürlich Informationen, das ist in der digitalen Welt nicht anders als im echten Leben wenn ich in ein Geschäft gehe. Wie gesagt, ich finde es schon genial was möglich ist, werde mir diese App aber nicht installieren.

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Alles klar!