Im Rahmen unserer Websites setzen wir Cookies ein. Informationen zu den Cookies und wie Ihr der Verwendung von Cookies jederzeit widersprechen bzw. deren Nutzung beenden könnt, findet Ihr in unserer Datenschutzerklärung.

4 Min Lesezeit 22 Kommentare

Wie WeChat Apps revolutionieren will

WeChat ist in Deutschland bestenfalls vom Namen her bekannt. Der chinesische Messenger hat aber rund 800 Millionen User. Die meisten davon - wenig überraschend - in China. Nun will der Anbieter Apps auf seiner Plattform anbieten und so die großen Systeme Android und iOS angreifen. Klappt das?

Basierend auf diesem Erfolg will das Unternehmen den Dienst natürlich zu Geld machen. Dafür hat sich WeChat Mini-Programme einfallen lassen. Diese sind Bestandteil der Messenger-Plattform und können auf einige zentralisierte Dienste zugreifen und beispielsweise Zahlvorgänge über WeChat abwickeln. Der Clou ist aber, dass die Mini-Programme nicht installiert werden müssen, sondern Teil der Cloud sind. User brauchen lediglich die Info, wo diese zu finden sind. Das gelingt über QR-Codes oder Hinweise von Freunden. Ein WeChat-eigenes Verzeichnis gibt es derzeit offenbar nicht.

Adam Minter schreibt bei Bloomberg, dass dies einige Probleme von Smartphone-Apps löse. Die Mini-Programme erfordern keine Installation und verschwenden kaum Bandbreite. Es stimmt ja: Selbst Apps mit überschaubaren Feature-Umfang sind bei Android schnell 20, 30 oder gar 50 MByte groß. Bei einem Pixel mit 128 GByte Speicher kein Problem, umso mehr bei Smartphones mit 4, 8 oder 16 GByte Speicher. WeChats Mini-Programme erfordern lediglich ein bisschen Datenvolumen und kaum dauerhaften Speicherplatz.

Mini-Programme reduzieren Komplexität

Für User ist ein solches Mini-Programm natürlich sehr komfortabel, wenn man sich denn auf das Konzept einlässt: Schnell mal Essen bestellen? Dafür braucht es keine Registrierung beim Lieferdienst der Wahl, keine Eingabe von Adresse oder Zahlungsmodalitäten. Es bleibt, das gewünschte Essen auszuwählen. Achja, und ein 10-MByte-Download fällt auch nicht an.

Die ständige und unkomplizierte Verfügbarkeit ist es, was die Mini-Programme ausmacht. Smartphone-Apps hingegen erfordern eine Installation, danach wollen sie eingerichtet werden. Ein mitunter langwieriger Prozess, der mehrere Minuten dauern kann.

Ganz unabhängig von Apps gibt es ein weiteres Problem: Je mehr Konten ein User einrichten muss, umso problematischer wird die Passwortverwaltung. Und die Kontrolle geht flöten: Zuweilen muss ich bei einem kleinen Shop im Internet für einen einmaligen Kauf Adresse und Kreditkarteninformationen hinterlegen. Wer garantiert hier die Sicherheit der Daten? Werde ich je erfahren, ob möglicherweise ein Servereinbruch zu Datenabfluss geführt hat? Eine große Plattform à la WeChat kann sich nicht hinter Bedeutungslosigkeit verstecken und sollte - nebenbei bemerkt - die Expertise haben, vertrauliche Informationen bestmöglich zu schützen.

Von Plattformen wie Mini-Programmen können User also in vielerlei Hinsicht profitieren. Auch Google hat ähnliches vor: Android Instant Apps. Diese erlauben es, nur Teilbereiche einer App von Google Play herunterzuladen und zu nutzen. Gesteuert wird dies über den Browser. Accountinfos kommen via Google und Android Pay ins Spiel. Gerade zum Shoppen könnte dies eine interessante Option werden. Allerdings haben wir seit der Vorstellung dieses Features nichts mehr davon gehört.

google io keynote android instant app 2
Instant Apps / © Google

Bei Bloomberg geht Andrew Minter aber weit über diese Argumentation hinaus. Er behauptet, WeChat-Apps seien eine Gefahr für Android und für Apple. Gerade aus der Sicht der komfortablen Bedienung erscheint dies auch einleuchtend: Warum eine App installieren wenn ich eine Aktion auch via WeChat starten kann? Wenn WeChat einmal in den Köpfen der User als App-Plattform verankert ist, ist auch die Smartphone-OS-Frage weniger existenziell: Android oder iOS? Entscheidend ist nur, ob WeChat läuft.

Facebook treibt seinen Messenger in die gleiche Richtung. Chatbots gelten als wichtige Säule, um Messaging-Plattformen zu monetarisieren - immerhin sind kaum noch User bereit, überhaupt Geld für einen Messenger zu bezahlen.

Sind Mini-Apps eine Bedrohung für Apps?

Mir erscheint die Schlussfolgerung von Minter dennoch fragwürdig: Sicher, die Mini-Programme erscheinen interessant und praktisch, aber es gibt durchaus noch weitere Entscheidungsgründe für oder gegen eine Plattform: Wie sieht es mit dem Komfort aus? Wie sieht es mit Spielen aus? Und wo erreiche ich meine Kontakte, die nicht bei - beispielsweise - WeChat sind?

Und noch weiter gefragt: Würde WeChat (oder Facebook oder wer auch immer) wirklich eine eigene Alternative zu Android oder iOS aufbauen können? Das wäre ja letztlich die konsequente Option aus der Überlegung Minters. Aber das ist ein Versuch, an dem selbst Konzerne wie Microsoft oder Nokia gescheitert sind.

Denkbar wären höchstens Situationen wie: Wir unterstützen künftig Plattform XY nicht mehr. Naja, das kann höchstens einer Failing-Platform den Todesstoß versetzen (siehe Windows 10 Mobile).

Eines ist aber sicher, und da hat Minter aus meiner Sicht Recht: Plattformen wie Android und iOS werden in den nächsten Jahren starke Konkurrenz bekommen. Es wird neue Ökosysteme geben, ob von Amazon, Facebook oder einer Firma, die noch nicht einmal existiert, aber mit einer raffinierten Idee die Branche umkrempelt.

Die alten Platzhirsche werden aber nicht schlafen. Stattdessen dürfte es im Spannungsfeld von digitalen Assistenten, Betriebssystemen und Apps neue Angebote von Google und anderen geben. Ein Smartphone wird aber sicher in den nächsten Jahren noch immer im Zentrum stehen: Und darauf wird entweder Android oder iOS laufen.

Quelle: Bloomberg, t3n

Dank ist diese Seite frei von Werbebannern

22 Kommentare

Neuen Kommentar schreiben:
Alle Änderungen werden gespeichert. Änderungen werden nicht gespeichert!

  • Ich werde mir kein WeChat i installieren, das liegt daran das alle meine Kontakte WhatsApp nutzen. Ich denke es geht vielen so.


  • Wenn die gesamten Dienste und Apps von einer Cloud abhängen, werden sie in netztechnisch schlecht ausgebauten Regionen nur bedingt nutzbar sein, geschweigedenn wirklich freude machen. Für einfaches Chatten ohne Bilder, Videos, Sprachaufnahmen funktioniert das. Sobald etwas mehr Komplexität, damit etwas größere Datenvolumen oder auch Geschwindigkeiten notwendig werden, wird es schon problematisch. Mag sein, dass es in einigen Jahren soweit sein mag, aber besonders euphorische Stimmung tritt jetzt nicht bei mir auf.

    Jedoch auch nicht bei einigen anderen netzabghängigen Apps.


  • Eine allgemeine Frage,die ich gerne beantwortet haben möchte..

    Ob jetzt Deutschland,Amis oder die Chinesen die Daten lesen... Verkaufen,usw.. Wo sind da die Unterschiede?

    Dessweiteren
    Verstehe ich nicht.. Warum...
    Wenn WhatsApp mit wechat vergleicht
    (wechat soll ja das WhatsApp bei den Chinesen sein)
    Mit einem bisschen Recherche weiß man das

    Zur meiner Frage zurück..
    Wenn ich beide messenger bei den Rechten vergleiche..
    Hat wechat 2-3 Rechte mehr..

    Aber WARUM,sind die Möglichkeiten dermaßen unterschiedlich...
    Man sieht doch,das man Fahrpläne usw,es war sogar schon im Gespräch mit WhatsApp Kinokarten zu zahlen.. Gut da gab es das Argument das Deutschland viel mit hacker usw verseucht ist.... Aber ist es wirklich ein Argument?
    Wenn man andere Situationen im Deutschland vergleicht?

    Ich glaube einfach,das es alles Geldmacherei ist.. Ist es so oder so.. Aber warum kann man Zum beispiel keine separaten Konten zb,runtastic,Kino news ect in WhatsApp integrieren so viel Aufwand?Ich hatte 2 Updates bei wechat und es gab direkt 4 neue gifs Sorten,man kann sich gegenseitig gifs verschenken,kaufen usw...+ weitere Programme..

    Made in Germany?


  • Ich finde, das geht in die richtige Richtung. Die Entwicklung von Smartphones stagniert derzeit ein wenig, es wird Zeit, Apps und Dienste weiterzuentwickeln. Gerade in dem Bereich gibt es noch extrem viel zu tun, wir stehen praktisch erst am Anfang. Auch wenn ich derzeit WeChat nicht nutze, begrüße ich es, dass mal endlich einer anfängt.


  • Sie haben sogar einen musicplayer bzw music suche dabei :)
    Gerade festgestellt


  • Die Bezahlfunktion in WeChat ist eine seperate Sache die sich Wallet nennt und hier in China sehr oft genutzt wird.Wallet ist extrem umfangreich und sehr einfach zu bedienen.
    Mini Apps sind seit ein paar Tagen verfuegbar und bis auf die Tatsache das alle diese Apps bisher nur auf chinesisch zu haben sind, ist das schon was tolles. Bei mir sind danach einige App's vom Telephon geflogen da ich viele dieser Dinge nun komfortable und schnell via Wechat nutzen kann.
    Man kann diese Mini Apps auch auf dem Desktop ablegen so das man nicht mal mehr WeChat starten muss um diese kleinen schnellen Helfer zu nutzen.
    Alles in allem ist es eine Freude zu sehen wie sich WeChat immer weiter verbessert.


  • Die sagen es Richtig
    t3n.de
    Auf chinesischen Smartphones am häufigsten genutzt


  • Behaltet status.im im Auge, läuft auf der Ethereum Blockchain.
    Alle Daten bleiben bei euch, 100% Kontrolle, 100% dezentral, keine Server.
    Ist erst in der geschlossenen pre-Alpha, die Beta sollte jeder testen der einen Messenger benutzt!
    Man kann damit:
    * Anonym oder authentifiziert Nachrichten schicken
    * APPS starten die direkt auf der Blockchain laufen
    * Geld schicken und damit bezahlen (Ethereum)
    Ist im Grunde wie WeChat, nur eben ohne Kontrolle durch eine Firma.


  • TREOPHIL
    • Blogger
    20.01.2017 Link zum Kommentar

    und alle Daten sind bei WeChat und Co. Der Weg zum gläsernen Konsumenten ist da dann nicht mehr weit. Der Zwang dieses. System zu nutzen entsteht aus der Attraktivitat der MiniApp. LiveFahrplan und Ticket...bitte nur hier. WhatsApp auch nur hier und schwups sind viele, viele umgezogen.Entweder aus Bequemlichkeit oder mangelnder Alternative. Gerade WhatsApp ist ein gutes Beispiel für Kundengewinn und Kundengewinnung.
    Und was sich für die Anbieter auch lohnt: MiniApp änderbar ohne, dass die Kunden eine neue Version laden müssen. Also das wird kommen glaube ich!


  • Ich brauch es nicht , finde die Idee aber nicht schlecht.


  • denke nicht, dass irgendwelche Mini-Apps so verlockend sind, dass man deswegen des Messenger wechselt...


  • hmm. vllt sollten lieber die Chinesen meine Daten auswerten als zB. die Amis? oder eben Hinz und Kunz mit entsprechenden Fähigkeiten...😨


  • ich verstehe noch nicht Mal warum die Meisten Menschen,noch immer die Datenkrake "WhatsApp" verwenden.

Zeige alle Kommentare

Empfohlene Artikel

Dank ist diese Seite frei von Werbebannern