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Wie gebrochene Sperrfristen Eure Zeit vergeuden

Non Disclosure Agreements (NDA) gelten als gängige Praxis in der Arbeit zwischen den Presseabteilungen der Hersteller und den Redaktionen, die deren Produkte testen. Diese Sperrfristen sind in vielerlei Hinsicht sinnvoll, sorgen für Fairness und hochwertige Berichte. Was aber, wenn das NDA platzt?

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Schon vor der offiziellen Bekanntgabe eines Produktes schicken viele Hersteller Testmuster an Redaktionen. Im gegenseitigen Einvernehmen wird jedoch bis zu einem einheitlich festgelegten Zeitpunkt von der Berichterstattung abgesehen. So bleibt genug Zeit für den Hersteller, Muster an alle einschlägigen Redaktionen zu verteilen und genug Zeit für die Redakteure, eine angemessene Berichterstattung mit guter Qualität zu ermöglichen.

Ohne ein solches NDA geht also sehr viel Fairness im Wettbewerb der Berichterstatter verloren: Wer zuerst die Geräte in der Hand hält und am schnellsten publiziert, bekommt die größte Aufmerksamkeit für seinen Bericht; der Druck ist also riesig. Und genau dieser Druck existiert jetzt für das OnePlus 5T.

Offenbar sind einige Pressemuster in den Umlauf geraten, für die keine Sperrfrist kommuniziert wurde. Entsprechend haben die Empfänger umgehend über die Geräte berichtet. Einige erhielten nachträglich eine Bitte von OnePlus, entsprechende Publikationen wieder vom Netz zu nehmen. Im Fall von Mobiflip traf diese Aufforderung offenbar einen Bericht über die frühzeitig online gegangenen Berichte.

Auch ZDnet hat seine schnell veröffentlichte 31-teilige Bilderstrecke wieder vom Netz genommen. Jetzt heißt es:

ZDNet.de hat unaufgefordert ein Review Sample des OnePlus 5T erhalten. Darin war kein Begleitschreiben enthalten, lediglich ein Review Guide lag der Sendung bei. Von einem Embargo-Datum hatte die Redaktion keine Kenntnis. Ein NDA wurde weder schriftlich noch mündlich vereinbart.

Während die betroffenen Redaktionen ihre Berichte vom Netz nahmen, zitierten etliche Konkurrenten Teile aus den inzwischen gelöschten Artikeln und erhielten so straffreie, aber lukrative Online-Zugriffe. Heise publiziert indes eigene Artikel und beruft sich auf Verlagspolitik:

c't und heise online halten sich an NDAs, allerdings mit der wichtigen Einschränkung, dass wir uns nicht mehr daran gebunden fühlen, wenn ein anderer Berichterstatter das NDA bricht.

"Ein Dummer, der's nicht nachmacht", könnte man jetzt behaupten. Doch was bringt die Hatz, wenn am Ende die Qualität nicht stimmt? Voreilig oder zu schnell erstellte Artikel leiden oft gewaltig: Der Inhalt ist zu knapp, die Bilder schlecht, die Informationen lückenhaft oder sogar falsch. Das Wettrennen schadet am Ende allen Beteiligten: Dem Magazin, das seinen Ruf gefährdet und dem Leser, der vom fehlerhaften Inhalt enttäuscht ist und seine Zeit verschwendet.

Opinion by Eric Ferrari-Herrmann
Ein fehlerhafter Artikel ist Zeitvergeudung für seine Leser.
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Geht's nicht auch ohne NDA?

Die Alternative wäre, so könnte man jetzt behaupten, allem Druck zum Trotz einfach später zu publizieren. Doch Hand aufs Herz: Wie wahrscheinlich ist es, dass Ihr einen OnePlus-5T-Test lest, der erst drei Wochen nach dessen Release erscheint? Wenn die Konkurrenz schon 44 andere Artikel und 99 Videos im Netz verteilt hat?

Natürlich geht Qualität vor Geschwindigkeit. Natürlich wird das Video-Review von MKBHD auch acht Wochen später noch mehrere Millionen Views bekommen, weil er einen exzellenten Ruf hat und Leute auf das Urteil des Meisters warten. Doch schaffen das auch Newcomer? Schaffen das auch Nischen-Magazine?

Ein NDA kann und soll ein Gleichmacher sein; zumindest für diejenigen, die überhaupt ein Testgerät bekommen. Doch anhand der Zahl der gleichzeitig erscheinenden Testberichte zu den Geräten der bekannten Marken wird deutlich, dass die Zahl der Muster-Empfänger so groß ist, dass man von Fairness reden darf.

Diese Fairness ist also auch in Eurem Interesse. Denn am Tag, an dem die Sperrfrist fällt, werdet Ihr bei jedem einzelnen der Berichte das Beste bekommen, das die jeweiligen Redaktionen bis dahin leisten konnten. Alles darunter wäre für Euch doch reine Zeitvergeudung, oder nicht?

Wie steht Ihr zum Vorab-Zugang zu Informationen und Testgeräten? Bringen NDAs mehr Fairness oder sorgen sie für Verdruss? Lasst uns darüber diskutieren!

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7 Kommentare

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  • Ich würde den Redaktionen die sich dumm stellen und sich nicht daran halten einfach keine Geräte zum testen mehr schicken und fertig. 😏


  • Welche Seite erlaubt sich denn heute noch neutrale bis aufwändig recherchierte Artikel? Überall kommen zumindest ähnlich klingende Artikel, die sich nur in reisserischen Topics unterscheiden. Es ist scheinbar alles nur noch da, um Clicks zu "erbeuten". Für die wenigen Seiten, die sich noch spürbar mit den Themen und der Tiefe darin befassen, mache ich auch mein Adblock aus.

    Wenn man nach einem aktuellen Handy-Thema sucht, stösst man auf 10 Seiten, die sich zu 95% gleichen. Das ist auch hier nicht anders. Man muss sich heute seine Informationen im Querschnitt zusammen suchen.


  • NDA ist ja gerade in der Online Berichterstattung (ganz egal in welchem Bereich) gang und gäbe.
    Was da bei ZDnet und Heiße passiert ist, kann man als Außenstehender nicht genauer beurteilen. Der verlinkte Tweet von Renè Hesse sieht für mich eher so aus, dass die von One Plus das irgendwie verdaddelt haben, das mit dem NDA richtig zu kommunizieren.
    Wer da jetzt welche Sanktionen zu fürchten hat, müssen die direkt Betroffenen nun eben im Nachgang besprechen.

    Ich für mich habe mir inzwischen bei der ganzen Fülle an Magazinen eine eigene kleine Sammlung erstellt, von denen ich bewusst meine Infos beziehe.
    Da ich selbst auch viele Infos schon vorab vorliegen habe, muss ich nicht immer den ganzen "Testberichten" hinterher geiern. Denn was aktuell in der Online Medienlandschaft als Testbericht "verkauft" werden soll, ist für mich lange kein Testbericht. Eher ein schriftliches HandsOn und ein erster Eindruck, ein Testbericht muss für mich sehr umfangreich sein und auch viele Aspekte beleuchten, erst dann sehe ich das als brauchbaren Testbericht und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die zwei bis vier Wochen üblicher Testzeitraum keineswegs die Bedürfnisse des Nutzers genau nachbilden kann und ein für den Nutzer wirklich relevantes Ergebnis geliefert werden kann.

    Da müsste man ansetzen und da merkt man dann auch, welche Publikationen Wert auf ihre Inhalte legen und diese Berichte entsprechend umfangreich und fundiert veröffentlichen.
    Da ist es mir dann auch egal, ob das direkt kommt oder erst ein paar Wochen später. Die Qualität steht da eindeutig an erster Stelle ;)


  • Dies verdankt man der schnellen online zeit, früher in vorm von Papier, wäre es so schnell nicht möglich gewesen. So ist es nun mal in der zeit der Digitalisierung. Alles wird schneller und schneller, wer da nicht mithalten kann ist raus. Bei schnell, schnell leidet nun mal die Qualität, siehe smartphone.


  • Th K vor 1 Woche Link zum Kommentar

    Die Frage ist eher, warum die Presse so dumm ist und sich solchen Vorgaben unterwirft?

    Richtig, klick klick klick und möglichst auch noch der Schnellste sein. Ein paar Wochen Tests sind wohl nicht mehr möglich. Und sich selber ein Gerät kaufen sobald es auf dem Markt ist? Für den Großteil der "Tech-Presse" offenbar unzumutbar. Schlimm, diese Unterwürfigkeit.

    Qualität versprechen diese Vorgaben übrigens überhaupt nicht, sieht man am Großteil der Testberichte.


  • Eigentlich ist aus meiner Sicht die Antwort hier schon zu lesen:

    "Ein Dummer, der's nicht nachmacht", könnte man jetzt behaupten. Doch was bringt die Hatz, wenn am Ende die Qualität nicht stimmt? Voreilig oder zu schnell erstellte Artikel leiden oft gewaltig: Der Inhalt ist zu knapp, die Bilder schlecht, die Informationen lückenhaft oder sogar falsch. Das Wettrennen schadet am Ende allen Beteiligten: Dem Magazin, das seinen Ruf gefährdet und dem Leser, der vom fehlerhaften Inhalt enttäuscht ist und seine Zeit verschwendet."

    Ich bin beruflich an Testberichte gebunden, muss allerdings auch anmerken, dass die ersten Berichte mehr und mehr an Tatsache und somit an Wert verlieren.
    Schwammiges allerlei mit nicht vergleichbaren Referenzen.

    8 Berichte, 8 im Kern unterschiedliche Ergebnisse. Wo Menschen sind, da "Menschelts". Das war schon immer so und wird auch so bleiben. Deswegen schwingt immer Persönliches mit.

    Der Fan bzw. Freak, der sofort zum Release seine Vororder abholt, wird so oder so seine eigenen Erfahrungen machen.

    Der Verbraucher, der seine Entscheidung definitiv von Testberichten und Beratungsgesprächen abhängig macht, verlässt sich garantiert eher auf Berichte wie "100 Tage mit Gerät XYZ". Und da MUSS es dann aber auch passen. Da entscheidet sich die Qualität des Berichtes.

    Wer es allerdings schafft, einen korrekten Test sehr früh zu veröffentlichen und das auch häufig, der hat es wohl auch nicht nötig, sich nur der Regeln wegen an Termine zu halten, wenn es für andere notwendig ist, das nicht zu tun.

    Der Markt wird es über den Verbraucher regulieren, ohne dass es wer anders reguliert.


  • Der Ansatz ist ein moralischer aber wo gibt es das noch, selbst wenn sich 99,9% daran halten wird einer aus der Reihe tanzen. Ein NDA ist sehr wichtig...wäre wichtig, doch in Zeiten wo es mMn bezahlte Leaker gibt, die schon lange vor allen anderen ihre Fetzten erhalten um den Hype anzustacheln, in solchen Zeiten hat der NDA nur mehr sehr wenig Bedeutung. Was gibt es bei einem Release denn noch viel neues, Ok Ausnahmen bestätigen die Regel, was die Leute noch vom Hocker reißt? ...in der Regel nicht mehr viel. Die guten Testberichte sind dann noch Interessant, sofern man sich auch für das Gerät oder die Technik Generell interessiert, das war es aber auch schon und wenn der Hersteller es schafft das Gerät in einer normalen Zeit in die Regale zu bringen ist das Thema bald mal durch. Es gibt zu viel und zu oft was neues, der Kunde ist übersättigt, einzig die Freaks wie wir hier lechzen nach jeder noch so kleinen Neuerung...vielleicht weil wir auf das für uns perfekte Phone warten oder weil es schon eine Marotte ist immer die neueste Technik im Fokus zu haben. Ist das alles noch Interesse oder hat uns die Elektronikindustrie dort wo sie uns haben will...das ist für mich die Frage...
    So ist es für mich kein Wunder, dass man bei Mobiflip oder ZDnet in dem Fall nicht stutzig wurde, also ich denke wurde man schon, die Situation aber dann ausgenutzt hat anstatt mal nach zu fragen....ist ein Fehler passiert, dürfen wir schon, etc.
    Der Kreis schließt sich und im Schlepptau der Hersteller giert auch die berichterstattende Maschinerie nach dem Vorteil und springt Klickbait haschend auf den Zug auf...schneller, besser, immer mehr...
    Lasst euch nicht zu sehr anstecken und versucht mehr bei der Qualität zu bleiben.

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